Der Zug einer Demonstration eines großen Bündnisses von Initiativen gegen steigende Mieten zieht über die Potsdamer Straße. Auf einem Banner ist zu lesen «Deutsche Wohnen & Co enteignen». Das Motto der Demonstration lautet: «Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!». (Quelle: dpa/C. Soeder)
Video: Abendschau | 20.06.2020 | H. Trzeczak | Bild: dpa/C. Soeder

Protest am Potsdamer Platz - Hunderte Menschen demonstrieren gegen steigende Mieten

Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie droht vielen die Wohnungslosigkeit, befürchten Mieter-Initiativen. Trotz anhaltendem Nieselregen gingen in Berlin am Samstag mehrere Hundert Menschen gegen Verdrängung auf die Straße.

An einer Demonstration gegen steigende Mieten und Verdrängung haben in Berlin am Samstag mehrere Hundert Menschen teilgenommen. Im Dauerregen trafen sich die Demonstranten am Nachmittag am Potsdamer Platz und zogen von dort nach Schöneberg vor das Jugendzentrum "Potse", das von Zwangsräumung bedroht ist. Die Redner riefen immer wieder zum Abstandhalten auf. Das habe nicht immer geklappt, die Polizei griff aber nicht ein. Die meisten Menschen seien mit Maske gekommen.

Das "Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn" hat mit einer bundesweit stattfindenden Protestaktion für das Problem hoher Wohnkosten sensibilisieren [mietenwahnsinn.info] wollen. Dieser Tag sollte "deutlich machen, dass wir gerade in der jetzigen sozialen und gesundheitlichen Krise umso mehr ein Recht auf Wohnen für alle brauchen", hieß es auf der Webseite des Bündnisses.

Polizei spricht von Teilnehmerzahl "im oberen dreistelligen Bereich"

An der Berliner Demonstration unter dem Motto "Shut down Mietenwahnsinn - sicheres Zuhause für alle!" nahmen nach Angaben der Polizei Menschen "im oberen dreistelligen Bereich" teil. Das Bündnis "Zwangsräumung verhindern" sprach hingegen von etwa 2.000 Teilnehmern und korrigierte zuvor kursierende höhere Zahlen von anderen Beteiligten.

Auch in vielen anderen deutschen Städten haben am "housing action day" Demonstrationen gegen steigende Mieten stattgefunden, darunter auch in Potsdam sowie Hannover, Düsseldorf, Mannheim, Dresden, Frankfurt am Main und München.

Bündnis: Covid-19-Pandemie verschärft Mieten-Problem

In Berlin hätten sich inzwischen zahlreiche neue Mietergemeinschaften gebildet, die jetzt aktiv würden und sich auch an der Demonstration beteiligt hätten, sagte eine der Initiatorinnen. Derzeit drohe der Weiterverkauf vieler Mietshäuser an neue Eigentümer, die hohe Renditen erwarteten. Damit drohe auch eine zunehmende Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen und damit der Verlust der Wohnungen für die Mieter.

"Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Covid-19-Pandemie verschärfen die Mieten- und Wohnungskrise in Deutschland", erklärte das "Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn". Gefordert werde der Erlass von Mietschulden, eine Senkung der Mieten, die Schaffung von Wohnraum für alle, auch für Wohnungslose und Geflüchtete. Zudem müssten die Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen gestoppt werden.

Bislang rund zwölf Millionen Menschen von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen

Ende Juni laufen den Angaben zufolge die coronabedingten Stundungen der Mietzahlungen bei krisenbedingter Zahlungsunfähigkeit aus. Viele Menschen könnten jedoch auch danach nicht die Miete zahlen, erklärte das Bündnis. Allein durch Kurzarbeit und vermehrte Arbeitslosigkeit seien bislang rund zwölf Millionen Menschen mehr mit zum Teil erheblichen Einkommenseinbußen konfrontiert. Selbst wenn der Kündigungsaufschub bis Ende September verlängert werde, drohten ab Herbst vielen die Kündigung oder die Zwangsräumung. Der Berliner Mietendeckel habe das Problem nicht gelöst.

Sendung: Inforadio, 20.06.2020, 16 Uhr

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44 Kommentare

  1. 44.

    Gefährliches Halbwissen oder selektive Wahrnehmung, weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Ja, ich kenne die Hamburger Mietpreise, ich kenne auch die Hamburger Löhne, ich kenne auch den Hamburger Mietspiegel.

  2. 43.

    Sie sollten sich mal Dokumentationen aus dem 80er Jahren über den Zustand der Häuser und Wohnungen ansehen. Und nicht nur Marzahn oder Hellersdorf. Weil nicht alle dort wohnen konnten, wohnten auch Leute in Prenzlauer Berg, Köpenick usw., und die Wohnungen waren weis Gott nicht gesund. Aber logisch, für eine "BILLIGE" Miete von 27,00 bis 40,00 DDR Mark konnte das staatliche Wohnungsunternehmen KWV keine Renovierungen geschweige dann Sanierungen durchführen. also nicht so ein Quatsch erzählen, es gibt noch genug Leute die so eine miserable fast unzumutbare Wohnung bewohnen mussten.

  3. 42.

    Wenn er sich die DDR zurück wünscht, weil die Mieten da so günstig sind, gehört das zum Thema. Denn das ist ja scheinbar die Lösung für ihn.

  4. 40.

    Dieser Post war eine Antwort auf Berliner, der sich ganz offensichtlich die DDR zurück wünscht und nicht mehr.

  5. 38.

    Ich war 25, verheiratet und hatte 2 Kinder, Ausbildung, Armee und Studium hinter mir und lasse mir von ihresgleichen bestimmt nichts von deutscher Geschichte erzählen, oder wie die DDR war. Die Bürgerrechtler wollten damals eine reformierte DDR. Bis die West-CDU mit 40 Millionen DM Wahlkampfgeldern und ihrem gesamten Wahlkampfapparatismus kam und den schlichten Gemütern Zwecks schneller Übernahme blühende Landschaften und Bananen versprach. Und bevor Sie jetzt von Wohnsubstanz und Wirtschaft in der DDR palavern, informieren Sie sich erst mal über den Umfang der Reparationen, den die kleine, dünn besiedelte SBZ/DDR für Gesamtdeutschland zu tragen hatte. Pro Kopf im Vergleich zu den "Brüdern und Schwestern" im Westen, denen man zu der Zeit mit Marshallplan und Schuldenschnitt Zucker in den Allerwertesten blies, das 130fache. Die einseitige und extrem ungerechte Verteilung der Reparationen war übrigens die Idee Ihrer amerikanischen Freunde 1945 in Potsdam. Schönen Dank auch.

  6. 37.

    Mal abgesehen davon dass ich "In der DDR hatte jeder eine günstige, gesunde Wohnung, ein gutes Wohnumfeld," für Ostalgie halte und noch die Bilder der Innenstädte abseits der Potemkinscher Dörfer in Erinnerung habe, haben die DDR Bürger den Systemwechsel nicht wegen der Wohnungen gewollt.

    Diese ewige "wenn dir hier watt nicht passt, dann jeh doch nach'm Osten!" wird durch Wiederholungen nicht intelligenter. Niemand will eine DDR 2.0. Also fast niemand.

    Sozialer Wohnungsbau und bezahlbare Mieten haben nur nichts mit einer DDR zu tun, erst recht nicht mit einer DDR 2.0. Das plärren hier nur andauernd die, die sich am bisherigen System bereichert haben und den Status Quo erhalten wollen.

    Wer verschenkt denn schon gerne leicht verdientes Geld, welche andere für ihn erwirtschaften?

  7. 36.

    Liebe Gemeinden, Landtagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete, liebe Landes- und Bundes- regierungen. Jetzt wäre es an der Zeit die etablierten Wohnungsbaugenossenschaften mit Kapital ( warum nicht AUCH, langfristige, steuergeld-untersterstützte Kredite oder staatliche, stille Teilhaberschaften) für den Erwerb von Wohn- und Gewerberaum auszustatten ! - Und behauptet nicht, es geht nicht. - Den Erlös aus dem Verkauf kommunaler, landeseigener, bundeseigener und einer vielzahl Behörden- und Betriebseigener Wohnungen und Gewerbeobjekte habt ihr auch genommen und nicht immer zum Nutzen der Bürger verprasst.

  8. 34.

    Die Nichtdemokraten werden wohl nie kapieren, dass es hier um ein legitimes Volksbegehren geht.
    Ich hätte die FDP gerne einmal schreien gehört, wenn gegen das Volksbegehren Tegel derart übelst agiert worden wäre.
    Nichtdemokraten verstehen halt das Prinzip Volksbegehren nicht. Egal aus welchem Grund, es könnte auch um ein Volksbegehren für lila Gummibärchen gehen.

  9. 33.

    Es ist nur eine Minderheit, die so denkt sage ich mir immer, nicht ernst nehmen. Keine Ahnung von nix, rücksichtslose Demonstranten und Park-Party-Macher und wollen allen Luxus für geschenkt. Die gab es schon immer, damals gab es nur kein Internet und Demonstrationsrecht. Regt Euch nicht auf Leute ;-)

  10. 32.

    Er meint wahrscheinlich die "Partei", die neuerdings vom VS Brandenburg zu Recht beobachtet wird, hoffentlich demnächst auch Bundesweit.

  11. 31.

    Also wünschen Sie sich die DDR zurück! Wie alt waren Sie als die Maurer fiel? Wenn Sie schon über 20 waren, können Sie sich vielleicht daran erinnern, dass viele Bürger der DDR mit dem System nicht so glücklich waren. Wenn Sie jünger sind sollten Sie vielleicht mit ehemaligen DDR Bürger darüber sprechen und sich schildern lassen, warum so viele einen Systemwechsel wollten.

  12. 30.

    Die Marktwirtschaft führte in Berlin erst zum Abriss von Wohnungen, dann Mietenexplosion, Eigenbedarfskündigungen, Umwandlung in Eigentumswohnungen, Verdrängung und Obdachlosigkeit. In der DDR hatte jeder eine günstige, gesunde Wohnung, ein gutes Wohnumfeld, einen Kleingarten mit Haus und niemand war obdachlos.

  13. 29.

    "Das nennt man Marktwirtschaft. Dieses Ding von Angebot und Nachfrage."

    genau- sie haben das Problem erkannt. Wohnen ist keine Ware und sollte entsprechend diesem Mechanismus auch entzogen werden. Wird es genau genommen ja auch schon durch das Mietrecht, das diesen Umstand bereits berücksichtigt. Nur reicht das eben nicht und viele wollen das weiter ausweiten.
    Das nennt sich Demokratie. Dieses politisches Prinzip, nach dem das Volk mitbestimmt und beispielsweise selbst bestimmt, was als Ware behandelt wird und was nicht.

  14. 25.

    Ach Ben, ich wohne selbst in dem Bundesland, wo die die Nazis jeden Tag mit klingendem Spiel durchs Brandenburger Tor (Potsdam) marschieren. Ist schon schlimm ...

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