Symbolbild - Politiker sprechen am 04.06.2020 im Abgeordnetenhaus miteinander (Bild: imago-images/Stefan Zeitz)
Audio: Inforadio | 25.06.2020 | Nina Amin | Bild: imago-images/Stefan Zeitz

Studie zur Gleichberechtigung - Politische Entscheidungen in Berlin treffen hauptsächlich Männer

Der Frauenanteil im Berliner Abgeordnetenhaus liegt bei gerade mal 33 Prozent. Damit steht Berlin im Städtevergleich nur mäßig gut da. Das geht aus einer neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor. Von Nina Amin

100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sind Frauen von einer gleichberechtigten Teilhabe an Politik besorgniserregend weit entfernt. Zu diesem Ergebnis kommen die Verfasser der Studie "FrauenMACHTBerlin!" von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Bund und in den Ländern nimmt der Anteil weiblicher Abgeordneter seit Jahren ab. Auch in Berlin, wo das Abgeordnetenhaus zu 33 Prozent aus Frauen besteht.

"Im Ranking der Großstädte nimmt Berlin auch hier nur eine mittlere Position ein", sagt Helga Lukoschat von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, die die Studie mitverfasst hat. "Städte wie Erlangen, Ulm oder Wolfsburg haben alle weit über 40 Prozent."

Große Unterschiede zwischen den Parteien

Zwischen den Berliner Parteien gebe es große Unterschiede, so Lukoschat. Für Linke und Grüne sitzen mehr Frauen als Männer im Berliner Parlament, für die SPD knapp 40 Prozent. Bei CDU, AfD und FDP ist nicht mal ein Viertel weiblich. "Die Berliner Hauptstadt-CDU und auch die Berliner Hauptstadt-FDP bleiben deutlich hinter dem zurück, was sie im Bundestag erreichen", erklärt Lukoschat. "Und sie bleiben auch deutlich hinter dem zurück, was sie an Parteimitgliedern haben." Dass es so wenige Frauen in die Parlamente schaffen, hat ihrer Meinung nach viele Gründe.

Frauen seltener auf aussichtsreichen Plätzen

Je nach Partei werde viel, beziehungsweise gar nichts dafür getan, dass Frauen weiterkommen, bilanziert die Politologin Lukoschat, die sich um den Führungsnachwuchs von Frauen kümmert. Grüne und Linke seien positive Beispiele. Bei den anderen Parteien kämen weniger Frauen über ein Direktmandat ins Parlament, die aussichtsreichsten Plätze in den Wahlkreisen gingen an Männer.

Und: Sitzungszeiten in den Parlamenten seien oft familienunfreundlich. Während der Corona-Krise habe sich beispielsweise gezeigt, dass digitale Versammlungen besonders für Frauen Vorteile bringen. "Wir hören auch, dass die Frauen neue Formen für Videokonferenzen sehr, sehr gerne annehmen", sagt Lukoschat. "Während es doch oft auch den einen oder anderen Herren gibt, der sich da verweigert. Und der eher so sein Althergebrachtes haben möchte."

Rot-Rot-Grün will ein Paritätsgesetz – aber wann kommt es?

Ein Blick in die Bezirksverordnetenversammlungen zeigt: Politisch aktive Frauen gibt es in Berlin. Dort liegt laut Studie der Frauenanteil mit knapp 40 Prozent höher als im Abgeordnetenhaus. Für die Verfasser der neuen Studie ein Zeichen, dass der Karriereweg nach oben durchlässiger werden muss.

Nora Langenbacher, die Herausgeberin der Studie von der Friedrich-Ebert-Stiftung, sagt: "Der geringe Frauenanteil im Abgeordnetenhaus bedeutet, dass derzeit alle politischen Entscheidungen für Berlin von doppelt so vielen Männer wie Frauen getroffen werden." Um das zu ändern, brauche es Parität in den Parlamenten, auch hier in Berlin.

Brandenburg und Thüringen haben schon ein Paritätsgesetz beschlossen. Auch für die rot-rot-grüne Berliner Koalition ist die Gleichstellung von Männern und Frauen im Parlament erklärtes Ziel. Beschlossen ist das verfassungsrechtlich umstrittene Gesetz aber noch nicht. Das es noch pünktlich zur Abgeordnetenhauswahl im kommenden Jahr kommt, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

Sendung: Inforadio, 25.05.2020, 6 Uhr

Beitrag von Nina Amin

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52 Kommentare

  1. 52.

    Wenn Sie sich der oder einer Diskussion nicht gewachsen fühlen, sollten Sie nicht behaupten ich oder jemand wolle Sie unterbinden. Sie haben schlicht Widerrede hinzunehmen und fällt Ihnen mehr ein, als der Versuch mit Ihrem frausein die Männerfloskeln und erbärmlichen Männermachtbehauptungen in sehr vielen Kommentaren hier zum Thema zu unterstützen: Um so besser. Ob Sie in der wirklichen Welt eine Frau sind, oder nur eine sehr männliche Schlaumeiernummer veranstalten um damit die Männer hier mit ihrer recht dürftigen Redundanz der immer gleichen mühsam kaschierten Verlustängste zu unterstützen: Unerheblich.
    Tatsächlich tun Sie was im autoritär-reaktionär männlichen Milieu übliches Muster ist: Der Glaube Demokratie sei, dürftige Argumentationen unwidersprochen lassen zu müssen. Gelingt dies nicht, geht man zu Gewalt und hohler Machtbehauptung über. Hier sind das halt Beleidigungen. Sehr männlich auch Ihre Vorstellung, Sie bestimmten was Intelligenz ist. Und niemand erkenne das Muster.

  2. 51.

    Eine Frau hat Recht auf Niveau...aber sich auf Ihr Niveau herab zu lassen sollte man als Frau vermeiden. Sie versuchen mit aller Macht Stärke und Intelligenz zu zeigen und unterbinden auch zu anderen Themen jede Diskussion, ob mit einer Frau oder mit einem Mann. Schade eigentlich, dass Sie das Bild einer intelligenten Frau so darstellen.

  3. 50.

    Ahh ich dachte erst die Nachteile dieser Politik treffen (belasten) Männer und da wollte ich eigentlich dazu schreiben dass es besonders auch Singles trifft. Männliche, Auto fahrende, Singles. Denn die bezahlen kostenloses, Freibeträge, Zuschüsse, Steuerklassen, Versicherungen und Vergünstigungen aller Art.

  4. 49.

    Lustig. In der DDR gab es Baggerfahrerinnen, Traktoristinnen, Bauingenieurinnen und ähnliches, fällt mir gerade nicht ein, ich glaube, sogar Lokführerinnen? Als Neuwestdeutsche dürften viele solche Arbeit nicht mehr ausführen, weil für Frauen nicht geeignet. Nicht, dass sie es nicht mehr wollten...

  5. 48.

    Martina, eine Weile hatte ich echt gedacht, man könnte mit Ihnen vllt doch noch konstruktiv erörtern, ob und wie man in Parlamenten ein besseres Abbild der Gesellschaft erreichen kann. Tatsächlich aber bin ich mal wieder einem Troll aufgesessen, dessen einziges Ziel die Abwertung anderer ist. - Also, von mir gibt's jetzt kein Trollfutter mehr. Aber immerhin Respekt dafür, wieviel Sie mir und anderen zuvor doch noch entlockt hatten.

  6. 46.

    Sie irren Herr anorak2. Sie bemühen sozusagen eine winkeladvokatische Definition von "Demographisch" Das erinnert mich ein bisschen an die murmeltierhafte Behauptung des parlamentarischen Arms des Rechtsterrorismus AfD, man sei deshalb demokratisch, weil man in einer demokratischen Wahl in ein demokratisches Parlament gewählt worden sei. Was ja im historischen Rückblick bedeutete: Die NSDAP war eine demokratische Partei.
    Richtig ist - in der Demografie ist Geschlecht ein Kriterium die Zusammensetzung einer Gesellschaft zu beschreiben.
    Das bedeutet aber nicht, das die Tatsache das die Hälfte der Menschheit Frauen sind, bloß noch son demographisches Unterscheidungsmerkmal ist. Selbstverständlich muss nicht von jeder Besonderheit jeweils quotiert jemand mandatiert werden. Aber vielleicht stellen Sie sich einmal der Tatsache, das Pharmaforschung auf den männlichen Körper abstellt. Was vielen Frauen Leben und Gesundheit gekostet hat. Nur mal so. Beispiel. Irgendwas funktioniert also nicht

  7. 45.

    Ach Herr Frank N. Stein. Eine schwache Replik. Sie klingt wie aus dem schon erwähnten Handbuch für social media des rechts-autoritären Milieus. Ich will Ihnen eine Zugehörigkeit nicht unterstellen. Bloss drauf hinweisen in welcher Gesellschaft Sie sich befinden. Offenbar überfordert Sie die Schärfe der Diskussion. Was Sie -sicher nicht ganz zu Unrecht- als Aggression empfinden, ist so etwas wie Müdigkeit. Überdruss. Denn einerseits verbreiten sich die Herren mit den immer gleichen Argumenten und wollen dafür auch noch respektiert werden, aber anderseits sprechen wir ja über reale Machtverhältnisse. Also über materielle, soziale und ökonomische Realitäten. Das fällt den Herren nicht so auf. Die -zumindest im Westen- noch bis vor einem knappen Menschenalter Frauen verbieten konnten einen Beruf auszuüben, ein Konto zu eröffnen, oder den Geschlechtsverkehr zu verweigern. Also vielleicht denken Sie noch einmal über Niveau nach. Und das man als Frau auch ein Recht auf Niveau hat.

  8. 44.

    Hahahahah - Sie sind unterhaltsam...
    ...ich schreibe hier ohne grossen, gar ausschliesslichen Verweis darauf das ich eine Frau bin. Vielleicht bin ich ja auch gar keine? Wer will das wissen?
    Erwähne es nur einmal, weil man als Frau seit Generationen mit immer denselben murmeltierhaften Pseudoargumenten auf immer dasselbe verwiesen wird.

    Frau Angela verweist aber auf das Gewicht Ihrer Argumente, obwohl, oder weil sie als Frau schreibt.

    Ja nun kommen Sie mal aus der Ecke wieder raus in die Sie sich da unter der Verwendung des Begriffs "Sexismus" manövriert haben.
    Wer also verweist auf sein Geschlecht um seine Argumente ohne Inhalt zusätzliches Gewicht zu verleihen?

    Übrigens auch eine Methode in anderen Diskussionen, aus den Handbüchern für social media der üblichen Verdächtigen: Ich wähle, ich bin ja nicht für die AfD...aber...
    Ich kringel mich. Meine Herren: Mehr Niveau bitte! Von Respekt wollen wir danach sprechen.
    Schlichte Kommunikationstricks halt. Zum Doofe einsammeln

  9. 43.

    Danke, wobei es eigentlich auch egal ist, dass ich tatsächlich eine Frau bin. Die Bewertung dessen, was ich schreibe, sollte davon nicht abhängen.

  10. 42.

    Welcher Sache dienen Sie mit Ihren Kommentaren eigentlich? Und wie tun Sie das? Mir fällt auf, dass Ihre Texte sehr viele unbelegte und massive Unterstellungen enthalten, auch direkte Beleidigungen. Ihre Kommentare empfinde ich als so weit überzogen, dass es schwer fällt, sie noch ernst zu nehmen. Um Sie zu zitieren: #11 "So wird es nicht gehen".
    Wenn Sie nur Druck ablassen oder nur üben wollen, suchen Sie sich bitte ein anderes Thema. Die gleichberechtigte Vertretung von Frauen und Männern ist dafür viel zu schade. Meiden Sie aber, als Vorschlag, das Gebiet Weinanbau. Am besten auch die Bibel. Falls Sie mir etwas #12 "noch hinterherschicken" wollen, sozusagen mir noch einen mitgeben wollen, ich habe kein Interesse an einer Diskussion auf diesem Niveau. Ihre Posts genügen mir erstmal.

  11. 41.

    Ich glaube Sie haben nicht verstanden was ich geschrieben habe: Demographische Kriterien haben bei Wahlen nichts verloren. Es ist egal, wieviel Prozent Frauen, Männer oder Marsmenschen unter den Abgeordneten sind, gewählt ist gewählt.

  12. 40.

    Alle Beiträge zusammengenommen (und auch bei anderen Beiträgen) liebe ich Ihre "Diskussions"- bzw. " Argumentationsweise". Ich halte diese für hervorragend geeignet, selbst bei wohlmeinenden Leser*innen Antipathien gegen linke Positionen zu erzeugen. Immer weiter so!

  13. 39.

    Sie sprechen also Menschen Zugehörigkeiten zu Gruppen ab bzw zu, je nachdem, ob sie Ihnen genehm sind; sinngemäß: "Angela kann keine Frau sein, weil sie was anderes sagt, als mir gefällt." DAS ist massive Aggression und purer Sexismus. Danke, Martina, dass Sie dieses Problem so klar aufzeigen und ganz deutlich machen, wie verbreitet Ausgrenzen und Abwerten bei allen Geschlechtern ist.

  14. 38.

    Herr Frank S. - fällt Ihnen wirklich nicht auf, wie Sie als Nutznießer der real existierenden Männerquote lieber nicht von der "Überbewertung des biologischen Geschlechts" sprechen sollten?
    Und ist in Ihnen in Ihrem Subjektivismus wirklich nicht klar, dass es in gesellschaftlichen Diskussionen nicht immer darum geht wer Sie selbst persönlich sind?
    Soll heissen: Sie könnten der emanzipierteste Mann der Welt sein. Das ändert die soziale und ökonomische Realität für die Mehrheit der Frauen aber nicht. Fällt Ihnen gar nicht auf wie Sie fortführen, was ein Teil des Problems ist - das Männer immer denken es ginge um sie, ihre Perspektive, ihre Sicht, ihre Bedürfnisse?
    Und gerne auch andersrum: Selbst die klügste, reichste, machtvollste, gebildetste Frau in wichtigster Position ändert nichts am Sachverhalt. An der REALITÄT: "Politische Entscheidungen in Berlin treffen hauptsächlich Männer"
    Und man darf hinzufügen: Nicht nur in Berlin.
    Und die Männer referieren hier bloß: "NA UND?"

  15. 37.

    Und weg grüsst das Murmeltier.

    MartinaBerlinDonnerstag, 25.06.2020 | 14:58 Uhr
    Antwort auf [Kritischer Begleiter] vom 25.06.2020 um 14:42
    Neue Argumente bitte.
    Frauen sind keine Minderheit. Sie stellen die Hälfte der Menschheit. Und sind wie Männer all das auch noch was Sie aufzählen.

    Also bitte nicht mit Vermeidungsargumenten weiter wurschteln.

  16. 36.

    Nein. Das müssen Sie selbstverständlich nicht. Nur einfach sich in einer Kommentarleiste nicht als Frau ausgeben. Ist weniger aufwendig. Auch für die Sachbearbeiterinnen im Bezirksamt.

  17. 35.

    Und ewig grüsst das Murmeltier meine Herren:

    Martina Berlin Donnerstag, 25.06.2020 | 14:58 Uhr
    Antwort auf [Kritischer Begleiter] vom 25.06.2020 um 14:42

    Neue Argumente bitte.
    Frauen sind keine Minderheit. Sie stellen die Hälfte der Menschheit. Und sind wie Männer all das auch noch was Sie aufzählen.

    Also bitte nicht mit Vermeidungsargumenten weiter wurschteln.

  18. 34.

    ... "treffen hauptsächlich Juristen" träfe auch zu. Warum diese Obsession mit demographischen Merkmalen der Abgeordneten, und warum von den vielen Merkmalen nur dieses eine? Entweder wir haben Demokratie, dann entscheiden Wahlen über die Zusammensetzung, und die ist dann so wie gewählt und Ende Gelände. Oder wir machen alles nach Demographie - dazu gehören dann aber 1000e Merkmale, nicht nur das Geschlecht -, dann brauchen wir keine Wahlen mehr.

    Übrigens ich hab den Titel erst als "Männer besonders stark von politischen Entscheidungen betroffen" verstanden, das kann der Satz nämlich auch bedeuten.

  19. 33.

    Es sitzen auch viel zu wenig Lesben und Schwule in den Parlamenten, auch Moslems sind nicht ausreichend vertreten.

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