Symbolbild: Pioniere aus Mosambik zu Gast in einem Ferienlager der Jungen Pioniere am Kyffhäuser (Quelle: dpa/Gerig)
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Tod eines DDR-Vertragsarbeiters - Wie 1986 möglicherweise ein Totschlag vertuscht wurde

Nachdem ein Mosambikaner 1986 tot neben einem Gleisbett gefunden wurde, sprach die DDR von einem Arbeitsunfall. Dabei wies vieles darauf hin, dass der DDR-Vertragsarbeiter Opfer von Rassismus wurde - den es offiziell nicht geben durfte. Der Fall wird nun wieder aktuell.

Der bis heute ungeklärte Tod des mosambikanischen DDR-Vertragsarbeiters Joao Manuel Diogio aus dem Jahr 1986 beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft Potsdam. Wie das
Brandenburger Justizministerium am Montag in seiner Antwort auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten der Linken, Andrea Johlige, mitteilte, hat die Ermittlungsbehörde einen "Überprüfungsvorgang" zum Tod des damals 23-jährigen Afrikaners angelegt.

Der Mosambikaner war am 30. Juni 1986 kurz nach Mitternacht zwischen dem Haltepunkt Borne (Mark) und dem Bahnhof Belzig in Brandenburg von Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn der DDR tot neben dem Gleisbett gefunden worden. Mit vier Landsleuten war der Vertragsarbeiter auf dem Weg nach Jeber-Bergfrieden, einem Ortsteil der Stadt Coswig im heutigen Sachsen-Anhalt, wo er als Holzfacharbeiter tätig war.

DDR-Behörden sollen Umstände der Tat vertuscht haben

Nach Angaben seiner Begleiter war Diogo in dem Zug von Neonazis angegriffen und zusammengeschlagen worden. An den Füßen gefesselt soll er noch lebend aus dem fahrenden Zug geworfen worden sein.

Wie Johlige in ihrer Anfrage erklärt, sollen die DDR-Behörden die Umstände der Tat vertuscht haben. Mal sei von einem Arbeitsunfall die Rede gewesen, ein anderes Mal sei Diogo betrunken aus dem Zug gefallen. Vertreter der Regierung Mosambiks hätten die Darstellung von Diogos Tod intern in Frage gestellt. Seine Angehörigen hätten erst durch einen MDR-Fernsehbericht von seiner Tötung erfahren.

Stasi-Bericht "Streng vertraulich!"

Nach Angaben des Historikers Harry Waibel, der auch andere Fälle von Rassismus in der DDR untersuchte, ergab die Obduktion der Leiche Diogos eine offene Schädelfraktur mit Zertrümmerung der Schädelbasis und schweren inneren Verletzungen. Laut Ermittlungen der Potsdamer Volkspolizei soll Diogo unter Alkoholeinfluss gestanden haben.

"Die Staatssicherheit in Halle erklärte später, es habe keinerlei Hinweis auf eine Straftat gegeben", sagte Waibel. Diogo habe den Zug gegebenenfalls während der Fahrt verlassen und sei überfahren worden. Die Langfassung des Stasi-Berichts sei mit dem Vermerk "Streng vertraulich! Um Rückgabe wird gebeten!" versehen worden.

Historiker: Rassistische Morde wurden heruntergespielt

Waibel zufolge hat es bis heute kein Gerichtsverfahren zu dem Fall gegeben. "Die wahren Tatumstände wurden wie zehn andere Morde an Kubanern und Afrikanern in der DDR, zu denen ich recherchiert habe, heruntergespielt, weil es offiziell keinen Rassismus geben durfte", meinte er.

Der Leitende Potsdamer Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann sagte, seine Behörde wolle alle DDR-Ermittlungsakten sichten. Auch Berichterstattungen und Veröffentlichungen würden ausgewertet. Es werde ebenfalls untersucht, ob es noch Zeugen des Vorfalls gebe. "Wir wollen sehen, ob es Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten gibt und Anlass besteht, ein förmliches Ermittlungsverfahren einzuleiten."

Sendung: Radioeins, 29.06.2020, 17:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Helmut Heisig] vom 30.06.2020 um 11:45
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49 Kommentare

  1. 49.

    Und wie steht es mit sozialen Menschenrechten
    im Kapitalismus? Das Recht auf arbeiten und wohnen sind hier nicht garantiert.

  2. 48.

    Ja, ja... Legen sie doch mal eine andere Platte auf.

    Im Fall Nitribitt ist bestimmt kein Rassismus zu vermuten, im Fall Barschel auch nicht. Also mal wieder nichts als plumper whataboutism von ihrer Seite.

    Ich habe übrigens nie bestritten dass es in der Bundesrepublik rassistische Morde gab, warum auch? Im Gegensatz zu ihnen versuche ich keine Geschichtsklitterung. Ihr Ostalgiker seid schon ein merkwürdiges Häufchen.

  3. 47.

    Wer bestreitet dass die DDR eine Diktatur, vulgo ein Unrechtsstaat war, ist nicht nur völlig verblendet, der hat auch Probleme mit Menschenrechten. Man wüßte nicht wo man die Liste anfangen sollte, Hoheneck, Schießbefehl?

    Man unterschrieb die KSZE-Schlussakte von Helsinki aber wehe man berief sich als DDR Bürger darauf. Terror, Haft unter unmenschlichen Bedingungen waren die direkte Folge.

    Rechtsextreme und Ostalgiker sind sich nicht von ungefähr sehr ähnlich, wenn nicht sogar deckungsgleich. Man bedient sich seiner Informationsblase und blendet die Realität und Tatsachen schlicht aus.

  4. 46.

    Ihre Kommentare triefen vor Hass auf Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind. In dem Artikel lese ich die Worte möglicherweise, könnte usw. Vielleicht sollte man erst die Ergebnisse abwarten, ehe man urteilt. Ist, glaube ich, auch ein Merkmal eines Rechtsstaates.
    Ich erinnere mich an den Fall Nitribitt, der nie geklärt wurde. Hingen wohl zu hochrangige Personen drin. Auch im Fall Barschel gibt es bis heute berechtigte Zweifel am Selbstmord. Nix DDR.
    Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.

  5. 45.

    We hieß es über die Möglichkeit der Wiedervereinigung so schön, "immer davon reden, nie daran denken". Die Machtverhältnisse Ost - West schienen zementiert, der wirtschaftliche Teil des Miteinanders funktionierte, und den Bürger der alten Bundesrepublik interessierte die DDR mangels Berührungspunkten nicht. Die einzigen die direkten Kontakt mit den gegen die eigene Bevölkerung gerichteten Maßnahmen hatten, waren die West - Berliner. Und auch da hatte man sich eingerichtet. Die Vermeidung von Menschenrechtsfragen und die politische Anerkennung der DDR war taktisch zu sehen. Für die DDR Führung hatte dies oberste Priorität, und für das Gefühl der Augenhöhe, war man bereit, Zugeständnisse zu machen, siehe Famielienzusamenführung, Ausreise, Freikauf von Inhaftierten, etc.

  6. 44.

    Zitat: "Fragen Sie sich doch bitte einmal warum genau jetzt . . ."

    Warum sollte ich das Ihrer Meinung nach tun, konstanze? Für die Wiederaufnahme von Cold Cases zu ungeklärten Todesfällen, bei denen es sich mglw. um Mord handeln könnte und zudem noch staatlich angeordnete Vertuschung eine Rolle spielt, ist jeder Zeitpunkt recht. Die Frage ist eher, warum ERST jetzt?

    Dass die Anfrage dazu von einer Politikerin der DIE LINKE gestellt wurde, die beim Ende der DDR 13 Jahre alt war und mit der SED nichts zu tun haben dürfte, scheint Sie sehr zu stören. Sehr seltsam, um nicht zu sagen abwegig, ist in diesem Zusammenhang, dass Sie der DIE LINKE die Aussage "Ostdeutschland = schon immer ein Problem mit Rassismus?" zu unterstellen versuchen.

    Und Ihre Anmerkung zum Anschlag in Mosambik deutet eher darauf hin, dass Sie zum Ausdruck bringen wollen: Mosambikaner haben ja auch DDR Bürger getötet - also ganz klarer Whataboutism Ihrerseits.

  7. 43.

    Die DDR und die BRD wurden 1973 gemeinsam und vor Allem gleichberechtigt in die UNO aufgenommen. Von 1973 bis 1989 war recht wenig von Unrechtsstaat zu hören. Im Gegenteil, die DDR arbeitete auf allen Gebieten International mit und war ein angesehener Partner. Sicher gab es Dinge, die der DDR unwürdig waren.

  8. 42.

    Das ist aber nicht die Antwort auf meine Fragen.
    Schade...

  9. 40.

    Wie lautet eigentlich die Definition von Unrechtsstaat? Ab wie viel Unrecht ist ein Staat,
    ein Unrechtsstaat? Gehören dazu allgemeine Menschenrechte, oder auch andere Rechte?
    Fragen über Fragen...

  10. 39.

    2 Bemerkungen:
    1. Wenn wir das Wort "RASSE" nicht mehr benutzen wollen, wie werden wir das Wort "Rassismus" ertzen? Doch wohl *nicht* durch "Fremden"Freundlichkeit !! Das ist doch genauso ausgrenzend.
    2. Jeder fällt m.E. immer wieder einmal in die Diskriminierungsfalle und spricht entsprechend. Vielleicht wäre es eine Lösung von 'unsere xy-schen Mitbürgern' zu sprechen ??

  11. 38.

    Für die hier versammelten Hobby-Kriminalisten und -Historiker ist der Fall klar: Schuld war die Stasi, die SED, die alles und jedes vertuscht hat, was den sogenannten Unrechtsstaat diskreditiert.
    Nun, heute werden die damaligen Prodagonisten, ehemalige SED-Richterinnen Verfassungsrichterin, Stasispitzel Vorsitzende der AAS, oder werden Staatssekretäre (hier aber schien die Moral der SED Nachfolgeorganisation, Die Linke, noch vorhanden gewesen sein, denn sie zog die Ernennung zurück)

  12. 37.

    Es ist total egal, ob es in Ost oder West stattfand. Wenn ein Mord/ Totschlag vertuscht wird, muss er nachträglich aufgeklärt werden! Das ist richtig und wichtig. Und es ist wichtig, dass darüber berichtet wird. Immer diese Ost-West-Befindlichkeiten! Das ist erbärmlich.

  13. 36.

    Wo leben Sie eigentlich, Steffen? Im Märchenland? Der von Ihnen erwähnte "sogenannte" Unrechtsstaat WAR ein Unrechtsstaat, obwohl es mir in diesem Zusammenhang schwer fällt, überhaupt von "Staat" zu sprechen...
    Das Ganze "soll" nicht an den Pranger gestellt werden sondern GEHÖRT an den Pranger gestellt! Ihren letzten Satz würde ich wie folgt "umformulieren": Das ist eigentlich leicht zu durchschauen, aber SIE wollen UND können das nicht. Wachen Sie endlich auf!!!

  14. 35.

    Na zum Glück haben wir ja Sie und einige andere Foristen, die die Weisheit mit Löffeln zu sich genommen haben und uns armen dummen Menschenkindern die Welt erklären.

  15. 34.

    Hier soll kein " Fall herausgefiltert" werden, hier wird ein ungeklärter Tod eines Menschen untersucht. Mord verjährt nicht.

    Sie sind der lebende Beweis dass Ostalgiker und Rechtsextreme sich wie ein Ei dem anderen ähneln. Wer einmal Anhänger einer Diktatur war ändert sich halt nicht so schnell.

    Ihr Versuch des whataboutism ist schon nicht mehr plump, das ist schon abgrundtief dämlich.

  16. 33.

    Ihre Geschichtsklitterung lässt sich schnell widerlegen. Die jetzige Partei DIE LINKEN ist ein Zusammenschluß der umbenannten SED in PDS mit der WASG, also einem Teil der sPD.

    Viel interessanter ist die Frage warum sie hier lügen. Wollen sie vom Rassismus und Rechtsextremismus in der DDR ablenken oder wozu dient ihr Versuch?

  17. 32.

    "zu differenzieren zwischen dem ursprünglichen Gründungsimpuls der DDR " Gründungsimpuls? Wo? Zur Nachwendezeit gabs einige Versponnende, denen mit den ersten freien Wahlen der Zahn gezogen wurde.
    Der Gründungsimpulsgeber in den zitierten Brecht Zeiten war Genosse Stalin. Der hat die Genossen Ulbricht und Pieck
    vom Stalin-Sammelpunkt Moskauer Hotel LUX von der Roten Armee zu Sowjet Marschall Schukow in Bruchmühle bei Berlin gebracht.

  18. 31.

    Auch die reißerische Erwähnung der Stasi gehört dazu. Genaugenommen hat das die Abteilung im MfS, die man heute unter" polizeilicher Staatsschutz" einordnen würde, auf den Tisch bekommen und ermittelt.
    Insofern nichts besonderes. (im DDR-System waren die Ermittlungsorgane so aufgestellt)
    Da der Artikel aber eine "Vertuschung" quasi voraussetzt, ist auch klar, dass jetzt solange nachermittelt wird, bis es passt.

  19. 30.

    Sie sagen es... Der sogenannte Unrechtsstaat, soll wieder einmal an den Pranger gestellt werden. Das ganze hat System, und ist nicht zufällig. Das ist eigentlich leicht zu durchschauen, aber die meisten wollen oder können es nicht.

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