Symbolbild: Polizisten stehen während einer Kundgebung auf einem Dach. (Quelle: dpa/Ole Spata)
Bild: dpa/Ole Spata

Kommentar | Polizeischutz für taz-Journalistin - Wir sind kein Freiwild!

Dass Journalisten immer häufiger bedroht werden und deshalb von der Polizei beschützt werden müssen, ist schlimm. Dass Polizisten darüber die Öffentlichkeit informieren, ist schäbig. Von Olaf Sundermeyer

Dass Journalisten wegen ihrer Arbeit immer häufiger persönlich bedroht und angefeindet werden, und deshalb auf den Schutz durch die Polizei angewiesen sind, ist schlimm. Für die Betroffenen selbst, vor allem aber für die offene Gesellschaft. Dass Polizisten im Fall einer taz-Journalistin, die sie vertraulich beschützen sollen, darüber die Öffentlichkeit informieren, ist allerdings schäbig.

Es gefährdet die Sicherheit dieser Betroffenen noch mehr und beschädigt das wichtige Vertrauen in die Polizei. Die taz-Autorin hatte in einer Kolumne Überlegungen angestellt, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde. Sie kommt zu dem Schluss, dass es nur "eine geeignete Option" gebe, "die Mülldeponie". Die Formulierung, die auch den Vergleich von Polizisten mit Abfall möglich macht, sorgte für breite Empörung (auch bei mir). Viele Polizisten sahen sich durch die Autorin diffamiert und sind sauer.

Die Journalistin wurde im Zuge der Debatte angefeindet und bedroht. So wie viele andere Journalisten, deren Veröffentlichungen einzelnen gesellschaftlichen oder politischen Gruppen nicht gefallen.

Berliner LKA betreut ganze Reihe bedrohter Journalisten

Die Chefredaktion der "taz" hat sich deshalb an die Polizei gewandt, weil sie sich fürsorglich um ihre Autoren kümmern muss. Dieser Rückhalt ist wesentlich für alle Journalisten, egal für welche Redaktion sie arbeiten. Es ist der übliche Weg bei strafrechtlich relevanten Anfeindungen. Das Berliner LKA hat dafür eine spezielle Abteilung, die sich um gefährdete Personen kümmert, darunter immer mehr Journalisten.

Wegen des aufgeheizten medienfeindlichen Klimas im Land wird dort inzwischen eine ganze Reihe Mitarbeiter unterschiedlicher Medien betreut, Reporter, prominente Fernsehmoderatoren, Investigativjournalisten. Dieses Betreuungsverhältnis durch die Polizei basiert auf Vertrauen. Und es sichert in Einzelfällen die Freiheit der Berichterstattung.

Denn Journalisten werden bedroht, damit sie aus Angst ihre Arbeit unterlassen, sich von bestimmten Themen fernhalten. Die Täter wollen sie einschüchtern, mundtot machen, zur Aufgabe nötigen. Dabei ist ihre politische Motivation je nach Thema austauschbar: Die Wahrheit, die nicht passt, soll nicht berichtet, unliebsame Meinungen nicht ausgesprochen, werden.

Es ist nicht bemerkenswert, dass ausgerechnet eine Journalistin, die Polizisten beleidigt hat, auf den Schutz der Polizei angewiesen ist. Der Skandal ist, dass Journalisten grundsätzlich zu Freiwild erklärt werden.

Sendung: radioBERLIN, 29.06.2020, 17 Uhr


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Beitrag von Olaf Sundermeyer

27 Kommentare

  1. 26.

    Liebe Kommentatoren ,,Kollegen " informieren Sie sich bitte auch einmal darüber was die besagte ,,Journalistin " in ihrer Schaffensphase noch so an geistigen Ergüssen aufs Papier gebracht hat, da kommen wir ,,Kartoffelfresser“ alle nicht sehr gut davon, einfach nur zum k...!

  2. 25.

    Selbstwahrnehmung war noch nie die Stärke von Journalisten, Selbstmitleid dagegen schon. (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die die alles und jeden beim kleinesten Fehler kritisieren, Kommentare schreiben wie den, um den es hier von der taz geht, vertragen selbst nicht die Spur von Kritik und sind der Meinung unter dem Deckmantel der Pressefreiheit alles schreiben zu dürfen. Tja und Herr Sundermeyer zeigt hier wie viele Journalisten eben drauf sind: mimosenhaft und kritikresistent !

  3. 24.

    Dem kann ich nur zustimmen. Pressefreiheit ist kein Freibrief dafür, andere Personen- oder Berufsgruppen zu diffamieren und damit die Stimmung gegen diese anzuheißen. Haben wir in Berlin nicht ein Antidiskriminierungsgesetz?

  4. 23.

    Die Meldung wurde aus Kreisen der Berliner Polizei an den FOCUS durchgestochen. Offiziell wollte sich die Behörde jedoch auf die Anfrage des Nachrichtenmagazins zu dem Fall nicht äußern. Die Wut bei der Polizei muss wohl auf Y. sehr groß sein.

  5. 22.

    "Dass Polizisten im Fall einer taz-Journalistin, die sie vertraulich beschützen sollen, darüber die Öffentlichkeit informieren, ist allerdings schäbig."

    Das ist genau so schäbig wie die Häme hier, die in Wahrheit offene Drohungen und Billigung von Straftaten darstellen.

    Wenn hier mit "Wer den Wind sät......" Vorher daran denken Herr Sundermayer!" gedroht wird ist das eine solche Straftat, bzw. ein Aufruf zur Gewalt. Ich werde jetzt eine Strafanzeige einleiten.

    Dass hier die Rechtsextremisten und deren Entourage jubeln ist schon nicht hinnehmbar aber die offenen Aufrufe zur Gewalt und die Billigung von Straftaten müssen Konsequenzen für diese Herrrrschaften haben. Zumal diese nicht einmal die Satire gelesen haben, sondern höchsten aus ihren einschlägigen Quellen davon erfahren haben.

  6. 21.

    Herr Olaf Sundermeyer, und ich finde es auch schäbig, daß eine Journalistin die Polizei als Müll bezeichnet! Das hat nichts mehr mit Satire zu tun!

  7. 20.

    nööö, ich meinte den Meinungssturm den die "Journalistin" dieser "Zeitung" in Folge ihres Artikels ausgelöst hat...zu Recht übrigens!

  8. 19.

    "Wer den Wind sät..."

    ... und von wem kommt der Sturm? Polizisten?!

  9. 18.

    Sehr geehrte Herr Sundermeyer,
    es geht in diesem konkreten Fall nicht um alle Journalistinnen und Journalisten, die bedroht werden. Es geht einzig und allein um die Kolumne der Frau Y. Werfen sie also bitte nicht alle Fälle in einen Topf. Das klingt für mich nach billiger Polemik. Insofern ist Ihr Kommentar nicht relevant.

    Gruß
    Hajakon

  10. 17.

    Danke für diesen Kommentar! 100 % Solidarität mit allen kritischen Journalist*innen! Gute Journalist*innen sind bei mir hoch angesehen und die Pressefreiheit ist für mich eines der allerhöchsten Güter unserer Demokratie! Wenn wegen einer Satire, egal wie man sie finden mag, eine Journalistin bedroht wird, dann ist das ein absoluter Skandal. Und die Polizei bekleckert sich hier nicht mit Ruhm. Schon wieder!

  11. 16.

    Ist die Polizei überhaupt verpflichtet, Personen zu schützen bzw. ab welchem Grad der Bedrohung? Gibt es nicht auch die Option zu sagen "Nein, die Hinweise auf eine Bedrohung überzeugen uns nicht, dafür können wir unsere knappen personellen Ressourcen nicht einsetzen, engagieren Sie doch private Personenschützer"? Just asking.

    Wenn die Polizei abgeschafft würde, gäbe es ohnehin keine Alternative dazu...

  12. 14.

    Niemand sollte für die Ausübung seines Berufes beleidigt, bedroht, geschweige denn verletzt werden.

    Das Journalisten im Zuge ihrer Arbeit durch ihre Reichweite einem größeren Publikum bekannt werden und somit schnell zur Zielscheibe von Hass und Frust gehört leider immer dazu - solche Menschen wird es immer geben. Und gerade weil das so ist und immer sein wird, müssen Journalisten sich des umfassenden Schutzes durch Gesetze und die Polizei gewiss sein können. Immer um in jedem Fall. selbst Journalisten, die mit ihren Kommentaren denjenigen Unrecht tun, die für diesen Schutz verantwortlich sind.

    Ich finde es fragwürdig, dass die entsprechende Journalistin über die Polizei, die Polizisten so undifferenziert schreibt, da ja Satire scheinbar alles erlaubt.
    Keiner möchte sich in einer solchen Berufsgruppe verunglimpft sehen - Journalisten sehen sich doch selbst oft genug mit Vorwürfen der Käuflichkeit, der Manipulation etc konfrontiert - und ich hoffe einfach dass dies auch nur einen geringen Anteil an Personen hat, wo das zutrifft.

    Nun ist es wie es ist, die Journalistin muss geschützt werden, wie jeder Mensch der derart bedroht wird.

    Vielleicht wird ihr ja bewusst, dass nicht nur bei der Polizei “schwarze Schafe” arbeiten und es sehr viele mehr gibt, wegen deren Einsatz “der Laden läuft”.
    Vielleicht fällt ihr im Nachgang genauso öffentlich ein, dass auch ein “Danke” mal angebracht ist.

  13. 13.

    Ich frage mich, woher Sie Herr Sundermeyer es so genau wissen, wo das Leck genau war bzw. wer hier die Schutzperson eine TAZ Journalistin als Schutzperson enttarnt hat. Sollte ein Polizist sowas getan haben ist sowas genauso zu ahnden und sicherlich disziplinarisch zu würdigen. Sie scheinen sich ja sehr sicher zu sein, was ich aus ihrer Hauptschlagzeile vermuten lässt und der Schuldigte ist die Polizei. Vielleicht waren es auch Kollegen dieser Journalisten, die hier den Schutzstatus ihrer Kollegin weiter getratscht haben, sowas soll es auch unter Kollegen geben. Leider gibt es keine Grenzen mehr und ein mancher scheint sich daraus ein Spaß zu machen Menschen via Internet zu bedrohen, stalken etc. Die Kommentarleiste vom RBB wird doch auch häufig gesperrt, sicherlich auch aus den gleichen Gründen. Ich hoffe das Miteinander in dieser Republik ändert sich bald wieder zum Besseren.

  14. 12.

    Was wollen Sie damit andeuten, "nerd"? wessen Sturm wird Herr Sundermeyer ernten? Wollen Sie den Autor dieses Artikels bedrohen oder mögliche Bedrohungen legitimieren?

  15. 11.

    Sundermeyer jammert. im konkreten Fall vergaß er wohl die Vorgeschichte. Aber einseitigen Journalismus ist man von diesem Herrn ja schon gewöhnt.

  16. 10.

    Es gehört wohl jetzt zum guten Ton, für seinesgleichen einen elegischen Kommentar zu schreiben und auf den systemrelevanten Journalismus hinzuweisen. Tatsache ist aber, daß sich die Journalistin der TAZ maßlos im Ton vergriff und eine ganze Gruppe diffamierte. Es führt halt nicht jeder so eine geschliffene Feder wie Peter Panther oder Theobald Tiger. Der Ton macht die Musik. Im übrigen verkennen manche Journalisten, daß ihre zuvörderste Aufgabe die Information und nicht die Stimmungs- und Meinungsmache ist. Guter und seriöser Journalismus ist heutzutage selten geworden, wichtig sind die Schlagzeilen und die Auflagenhöhen und Einschaltquoten. Nun schlägt der TAZ ihr Machwerk ins eigene Gesicht. Zu ihrem Schutz muß sie sich an die Berufsgruppe wenden, die sie verteufelte. MERKE: Hochmut kommt vor dem Fall.

  17. 9.

    Der Terminus Freiwild - assoziiert Opferrolle, Hilflosigkeit, Schutzbedürfnis.

    Ist Jemand hilflos, wenn er seinen Beruf benutzt, um Menschen eines anderen Berufs öffentlich lächerlich zu machen, herabzuwürdigen,....? Ist die Person dann das Opfer? Interpretieren wir nun Anmaßung, Arroganz und Überheblichkeit je nach Belieben als Meinungsfreiheit?

  18. 8.

    Journalisten sind kein Freiwild - Polizisten aber für die Journalistin, die ihren geistigen Brandsatz veröffentlichen durfte und nun nach der Gescholtenen ruft?
    DAS soll mir mal jemand, oder am besten die Betroffene erklären.
    Journalismus ist wichtig für eine freie Gesellschaft - aber Journalismus steht auch nicht über dem Gesetz.

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