Brand Transporter Sonnenallee Nachts Neukölln (Bild: Morris Pudwell)
Bild: Morris Pudwell

Attacke auf Bäckerei - Polizei untersucht Autobrand und Nazi-Graffiti in Neukölln

In Neukölln haben Unbekannte Nazi-Symbole an eine Bäckereifassade gesprüht, ein Auto vor dem Geschäft ging in Flammen auf. Das Landeskriminalamt ermittelt. Ein Mitarbeiter sagt: Es war bereits die siebte rechtsextreme Attacke auf die Bäckerei.

Ein brennendes Auto und Hakenkreuz-Graffiti an einer Bäckerei in der Neuköllner Sonnenallee beschäftigen seit diesem Wochendende das für politische Straftaten zuständige Dezernat des Berliner Landeskriminalamtes. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, hatte vor der Bäckerei in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein VW-Transporter gebrannt. Eine 60-Jährige Passantin hatte das Feuer bemerkt und die Polizei gerufen. Durch die Flammen wurde ein weiteres Auto beschädigt, hieß es. Die Feuerwehr löschte den Brand.

Am Freitag erklärte die Polizei, das für Brandstiftung zuständige Kommissariat im Landeskriminalamt habe die Ermittlungen übernommen. Am Sonntag meldete die Polizeipressestelle dann auf Twitter, dass in der Nähe des Brandortes NS-Schmierereien an einer Bäckerei entdeckt wurden. Der Fall sei an die "Besondere Aufbauorganisation" (BAO) im LKA übergeben worden. Die Abteilung ermittelt seit 2019 eine Serie rechtsextremistischer Straftaten in Berlin-Neukölln.

Überwachungskamera zeichnet drei Personen auf

Laut Polizei ist bislang noch unklar, was genau sich gegen 3 Uhr nachts vor dem Geschäft abgespielt hat. Ein Bäckereimitarbeiter sagte im Gespräch mit rbb|24, eine Überwachungskamera im Innenraum des Geschäfts habe drei Personen in der Nähe des Schaufensters aufgezeichnet, unmittelbar bevor am Bordstein ein Feuerschein aufleuchtete. Die eingetroffenen Polizeibeamten hätten die Aufnahmen sichergestellt und Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Der ausgebrannte VW-Transporter habe nicht zum Betrieb gehört, allerdings sehe er dem Bäckerei-Fahrzeug sehr ähnlich.

Es sei bereits das siebte Mal, dass die Bäckerei mit Hakenkreuzen und SS-Zeichen beschmiert wurde, erklärte der Mitarbeiter der Backstube. Die Serie der rechsextremen Taten habe im Sommer 2019 begonnen, Hinweise auf mögliche Täter gege es bislang nicht.

BAO ermittelte im März 2019 bereits in 72 Fällen

Die "Besondere Aufbauorganisation" der Polizei (BAO) schrieb in ihrem Zwischenbericht, im Jahr 2019, dass insgesamt 72 rechtsextremistische Straftaten Gegenstand der Ermittlungen seien. Dabei handele es sich um 23 Brandstiftungen, 35 Sachbeschädigungen, "zum Teil in Tateinheit mit Beleidigung und Bedrohung", sowie 14 Diebstähle. "Einige dieser Ermittlungsverfahren richten sich gegen insgesamt drei Tatverdächtige in unterschiedlicher Tatbeteiligung", heißt es in dem Papier. Der Schwerpunkt dieser Delikte liege in Neukölln.

Reach Out registriert mehr Gewalttaten

Nach Einschätzung der Berliner Beratungsstelle für Opfer rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Reach Out, ist die Zahl der Gewalttaten in Berlin im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Demnach wurden im gesamten Jahr 390 solcher Taten registriert, das sind 91 mehr als 2018. 509 Menschen seien verletzt oder bedroht worden. Darunter sind den Angaben zufolge 32 Kinder und 31 Jugendliche.

Kommentarfunktion am 22.06.2020, 13:20 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Beitrag von Roberto Jurkschat

3 Kommentare

  1. 3.

    Ja genau, wahrscheinlich wars eh die Antifa...
    Entschuldigung, haben Sie in den letzten Jahren die Ereignisse in Neukölln mal aufmerksam verfolgt? Kommt mir nicht so vor, wenn ich Ihre Relativierung hier lesen muss.
    Es treiben sich Neonazis um in Neukölln. Ich kann nur hoffen, dass der Staat mit aller Härte gegen die Feinde der Verfassung vorgeht!

  2. 2.

    *irgendwas passiert in Berlin*

    Kommentarspalte: AAARGH DIE LINKEN UND AUSLÄNDER

    *irgendwas Rechtes passiert in Berlin*

    Kommentarspalte: man muß jetzt ganz ruhig abwarten, was die Ermittlungen ergeben, und darf nicht vorverurteilen, denn das könnten auch die Linken gewesen sein

  3. 1.

    Ob es eine rechtsextreme oder linksextreme Attacke war, oder es um Schutzgelderpressung oder was auch immer geht, weiß man erst, wenn man die Täter überführt hat. Es wäre nicht der erste False-Flag-Anschlag, bei dem man mit NS-Graffiti zu täuschen versucht - siehe z.B. der Brandanschlag auf das Auto des CDU-Politikers Liskow, welches dabei mit einem Hakenkreuz "verziert" wurde: https://www.nordkurier.de/ueckermuende/polizei-ermittelt-fuenf-tatverdaechtige-2624733108.html

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