Silent-Demo zum Tode von George Floyd Black Lives Matter in Berlin
Bild: Eventpress Porikys/dpa

Maßnahmen gegen Corona - Kritik an mangelhaftem Infektionsschutz bei Demos in Berlin

Dass beim "Silent Protest" gegen Rassismus Zehntausende in Berlin auf die Straße gegangen sind, stieß auf viel Zuspruch. Doch die Menschen auf dem Alexanderplatz standen auch dicht gedrängt, oft ohne Atemschutzmaske, kritisiert die Gesundheitssenatorin Kalayci.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat zu mehr Verantwortung aller bei Demonstrationen in der Corona-Krise aufgefordert. Nach der Versammlung gegen Rassismus mit weit mehr als 15.000 Teilnehmern am Alexanderplatz sagte Kalayci der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag: "In der Pandemie haben sowohl die Veranstalter als auch die Teilnehmenden eine hohe Verantwortung. Man kann auch mit Abstand demonstrieren und dabei Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Wir haben mit Erfolg die Neuinfektionen auf ein niedriges Niveau senken können. Das bedeutet aber nicht, dass die Pandemie vorbei ist."

"Auch die Gesundheit der Menschen ist ein hohes Gut"

Das Demonstrationsrecht sei ein hohes Gut in unserer Demokratie, betonte Kalayci. Und auch, dass gegen Rassismus demonstriert werde, sei gerade in dieser Zeit wichtig. Die Gesundheit der Menschen allerdings müsse man ebenso Wert schätzen und darum schützen.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis hatten am Samstag auf dem Berliner Alexanderplatz viel mehr Menschen als erwartet gegen Rassismus demonstriert. Die Polizei rief dazu auf, die Corona-Regeln einzuhalten und weitete den Versammlungsort auf angrenzende Straßen aus. Demonstranten waren aber ohne Mundschutz gekommen und hielten auch nicht den festgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern ein. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern, Schätzungen von rbb-Reportern und nachträglichen Auswertungen von Luftbildern zufolge muss die Zahl aber weit höher gelegen haben. Die Veranstalter nannten auf Anfrage keine eigene Schätzung.

Teilnehmerbegrenzung bei Demos aufgehoben

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) verteidigte die Entscheidung, die Teilnehmerzahl bei Demonstrationen unter freiem Himmel in der Hauptstadt nicht mehr zu begrenzen. "Ich halte das nach wie vor für richtig", teilte Geisel am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Zugleich appellierte er, das Abstandsgebot einzuhalten. "Die Grundrechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit sind elementar. Trotzdem müssen sich die Menschen - zum Schutz für sich selbst und anderer - bewusst sein, dass auch immer das Abstandsgebot einzuhalten ist", so Geisel. Das sei am Samstag leider deutschlandweit nicht gelungen, auch in Berlin am Alexanderplatz nicht.

Wie bereits in der vergangenen Woche sei die durch den Anmelder erwartete Zahl der Teilnehmenden um ein Vielfaches übertroffen worden. "Das macht es für die Polizei in solchen Situationen zusätzlich schwer." Das politische Anliegen der Demonstration gegen Rassismus am
Alexanderplatz teile er aber voll und ganz. Die eigentliche Demonstration auf dem Alexanderplatz sei sehr friedvoll verlaufen. Er bedauerte, dass Polizeibeamte im Anschluss in unmittelbarer Nähe angegriffen und zum Teil verletzt wurden.

Spahn fordert Infektionsschutz bei Demos

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich nach den jüngsten Demonstrationen gegen Rassismus besorgt gezeigt über dichte Menschenmengen während der Corona-Pandemie. "Der Kampf gegen Rassismus braucht unser gemeinsames Engagement. Jeden Tag", erklärte Spahn am Samstagabend auf Twitter. "Doch dicht gedrängte Menschenmengen mitten in der Pandemie besorgen mich." Auch bei wichtigen Anliegen gelte: "Abstand halten, Alltagsmaske tragen, aufeinander acht geben, um uns und andere zu schützen."

Sendung: Inforadio, 07.06.2020,l 14:00 Uhr

92 Kommentare

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  1. 92.

    Bitte verwechseln Sie nicht seriös mit offiziell. Nehmen Sie als Studie doch zum Beispiel das "Fehlalarmpapier" vom BMI. Hierfür müssen Sie sich aber tiefgehend mit dem Inhalt beschäftigen. Fakt ist: Niemand hat die Wahrheit gepachtet. Fakt ist aber auch: Für die Regierungen und Berater gilt dasselbe. Die "Wahrheit" werden wir in Geschichtsbüchern lesen können. Bis dahin lasst uns diskussionsbereit bleiben und die politische Opposition zum Reden einladen. Davon lebt eine Demokratie. Was heutzutage in den Medien passiert, erinnert mich leider eher an eine Hexenjagd. Auch wenn ich diesem Artikel hier keinen Vorwurf machen kann!

  2. 91.

    Bin auf der Suche dem Anstieg der Anzahl von Coronatoten - nachdem nun schon mehrere Wochen vergangenen Massenveranstaltungen. Die Zeit der Ansteckung ist die vorbei?
    Hat die Presse danach recherchiert?

    Liebes RBB24Team wo sind die Links zu diesen Zahlen? Tote nicht Erkrankte!

  3. 90.

    Aggressive und Hasserfühlte Blicke, offene Anfeindungen wegen Maskenpflicht!!!
    Ich bin Asthmatiker und kann keine Mund-Nasen-Schutz (Maske) tragen. Ich habe auch ein Attest von meinem Arzt. Wenn ich privat und beruflich mit der Bahn oder dem Bus unterwegs bin, bin ich „öfter“ den aggressiven und hasserfüllten Blicken einiger Fahrgäste ausgesetzt. Manchmal kommt man zu mir ganz nah und starrt mich sehr wütend und zornig an. Es sieht manchmal „sehr bedrohlich aus“. Man bekommt dann richtig Angst. Sowas konnte ich mir nie im Leben vorstellen, dass man in Deutschland Angst um „sein Leben“ haben muss, weil man keine Maske tragen kann oder will.ich sehe in Meskenpflicht eine Gefahr für meine Geundheit.Es muss was geschehen, damit Menschen, die keine Maske tragen können oder wollen, nicht bedroht, angegriffen und verletzt werden. Jeder Mensch muss sich in Deutschland sicher fühlen.Haben wir immer noch eine Demokratie oder ist schon Diktatur...???


















  4. 89.

    Das unfreiwillige Tragen von einer Maske beeinträchtigt die psychosomatische Gesundheit vieler Menschen, da sie gezwungen werden gegen de eigenen Willen eine Maske aufzusetzen. Sie regen sich auf, sind genervt und gestresst. Der anhaltender Stress schadet der Gesundheit. Daher Maskenpflicht abschaffen!


  5. 88.

    Dann führen Sie ihre Studien doch gerne auf, und dann diskutieren wir weiter.
    Uns ist bislang keine seriöse Studie bekannt, die zu dem Ergebnis kommt, Corona sei eine "Verarsche".

  6. 87.

    Wie wir von Herrn Drosten gelernt haben, beruht Wissenschaft ja immer auf Vermutungen.
    Was genau ist an der Heinsbergstudie fragwürdig?
    Minderheit? Ich kann ihnen eine elend lange Liste von Experten und nicht wie sie so schön sagten "Sogenannten" Wissenschaftlern hier aufführen.
    Was ist mit den 3.1Mio geretteten, woher kommen diese Zahlen? Aus welcher Studie?
    das ist doch ein schlechter Witz was sie hier argumentieren?!

  7. 86.

    Sogenannte Wissenschaftler, die das behaupten, sind in der Minderheit, und die Studien oft fragwürdig, z.B. nicht von seriösen Wissenscahftlern validiert. Einfach eine Studie rausballern nd diese ungeprüft zu verbreiten, ist noch keine Wissenschaft.

  8. 85.

    Wenn sie sich mal die offiziellen zahlen vom RKI anschauen, sollte ihnen auffallen, dass die massnahmen keinen einfluss auf die infektionen hatten!

    Ausserdem wird nach wie vor jeder verstorbene MIT corona als Corona-Toter gezählt.

    Und mal nebenbei, wenn das tatsache so wäre, dass wir 3.1mio menschen dadurch gerettet haben,dann müssten wir in schweden auch mindestens 100.000 tote haben. Haben wir aber nicht!

    Es gibt genug belege dafür, dass Corona nicht sonderlich gefährlicher als eine Influenza ist.
    Hunderte Experten , Aärzte und WIssenschaftler Bestätigen das!

  9. 84.

    Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass es in Deutschland nicht so viele Tote im Zusammenhang mit Corona gibt, gerade weil die Maßnahmen hier gegriffen haben? Und woher kommt dann die hohe Zahl in anderen Ländern?

  10. 83.

    Und wenn sich die Zahlen nicht erhöhen ist es endlich mal ganz offensichtlich, dass das corona spektakel eine ganz grosse verarsche ist!!!!

    Nach diesen demos müssten wir in Deutschland einen ausnahmezustand haben, tote über tote, so schlimm wie uns corona verkauft wurde!

  11. 82.

    Vom "GEMEINSAMEN Engagement gegen Rassismus" ist leider, leider, leider auf Bundesebene jeden Tag nur sehr, sehr, sehr wenig zu sehen. Sonst gäbe es vielleicht schon ein Rassismus Museum, so wie das Apartheid Museum in Süd-Afrika ;) ""Der Kampf gegen Rassismus braucht unser gemeinsames Engagement. Jeden Tag", erklärte Spahn" Da ist noch sehr viel Luft nach oben bezüglich Engagement von Regierungsmitgliedern auf Bundes- und Landes- und kommunaler Ebene.
    (auch @rbb) Gerne zum Bedarf den aktuellen Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes konsultieren: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Aktuelles/DE/2020/20200609_PK_Jahresbericht_2019.html

  12. 81.

    Wir müssen leider davon ausgehen,dass die Berliner Polizei genau diese Debatte erreichen wollte, indem sie an der Begrenzung des Platzes festhielt. Mehr Futter für populistische Propaganda von GdP & Co gegen den Senat.

  13. 80.

    Demonstrationen sind gut und wichtig, wie ich meine. Insbesondere wenn es um die Grundrechte der Menschen geht, ist es schön wenn sich viele solidarisch zeigen wie bei den jetzigen Demonstrationen. Leider war das "nur" eine einseitige Solidarität. Und zwar gegen den Rassismus. Es war aber eine unsolidarische Handlung gegenüber unsere älteren Bevölkerung, die jetzt aufgrund der Unvernunft vieler; möglicherweise noch länger Angst vor einer Ansteckung haben muss, wenn in Berlin die Zahlen in den nächsten Tagen wieder steigen sollten.
    Warum sind Menschen nur so egoistisch? Abstand ist nicht schwierig , gesund bleiben in diesen Tagen schon ohne Impfstoff

  14. 78.

    Sie sollten sich die Beiträge auf die Sie antworten schon genau durchlesen, bevor Sie in die Tasten hauen. Das sollte gerade bei einem Zweizeiler nicht allzu schwer fallen. Ich habe weder von etwas gefaselt noch behauptet, dass auf Demos das Abstandsgebot nicht gilt, Kolibri.

  15. 77.

    Ach, die Beschränkungen gelten nur im privaten Kreis, oder wie? Abstandsgebot gilt auch bei Demos. Sie faseln was von der Teilnehmerzahl. Die ist schnuppe, dennoch muss Abstand gehalten werden.

  16. 76.

    Jetzt müsste die Regierung konsequent handeln und die Lockerungen für Demos sofort wieder rückgängig machen, weil all die verrückten Corona-Egoisten und Ignoranten sich nicht drangehalten haben. Aber was passiert ... nichts ... das ist ein Schlag ins Gesicht gegen alle Menschen, die sich rücksichtsvoll an die Maßnahmen halten.

  17. 75.

    Zitat: "Ein Lügengerüst ist gestern in sich zusammen gebrochen. Kaum wird für den „vermeintlichen richtigen Grund“ demonstriert, gibt es auch keine Beschränkungen mehr!"

    Da ist gestern kein "Lügengerüst" zusammengebrochen, herman. Die Beschränkung der Teilnehmerzahl bei Demonstrationen wurde bereits Ende letzten Monats aufgehoben.

  18. 74.

    "weißer Herrenmensch"?
    Nun, im Kampf gegen die Corona-Pandemie sterben täglich nicht nur die Vertreter der, von Ihnen faschistisch belegt, "Herrenmenschen", sondern auch Menschen quer durch alle Hautfarben.

    Da versteht man, warum Sie gegen den Rassismus kämpfen.

  19. 73.

    Mit Kind muss man leider im Speckgürtel bleiben. TF oder PM beispielsweise. Alles andere ist ohne Infrastruktur - gerade für Kinder - eine Qual. Schon allein, dass ab Güterfelde kein Handynetz mehr existiert ist zwar sehr "entspannend", aber auch ziemlich hinderlich. Man kann ja am WE weiter raus fahren, wenn man möchte, aber halbwegs versorgt zu leben (Bus? Geschäfte? Ärzte? Krankenhäuser?) geht nur innerhalb des Speckgürtels...

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