Charlotte Christ blickt von ihrer Wohnung auf ein eingerüstetes Haus gegenüber (Quelle: rbb/Oliver Noffke)
Audio: Inforadio | 18.06.2020 | Thorsten Gabriel | Bild: rbb/Oliver Noffke

Neuvermietungen in Berlin - Wenn die Schattenmiete 100 Prozent über dem Mietendeckel liegt

Vor einem Jahr hat Rot-Rot-Grün in Berlin den Mietendeckel beschlossen. Nun treibt er Blüten. Neuverträge werden meist mit zwei Mietpreisen ausgegeben: einem gedeckelten und einem marktüblichen. Die Unterschiede können gewaltig sein. Von Oliver Noffke

Die Wohnung wäre wie gemacht für Charlotte Christ und ihre kleine Familie. Vier Zimmer bedeuten, dass sie und ihr Lebensgefährte nicht länger in einer Nische schlafen müssen und der zweijährige Sohn trotzdem ein eigenes Kinderzimmer hat. Der Umzug ginge schnell und die Adresse würde sich nicht ändern; das größere Apartment ist im selben Haus. "Die Wohnung soll 996 Euro warm kosten. Das wäre für uns okay", sagt sie. "Aber ohne Deckelung liegt die Miete bei 1.460 Euro warm. Das wäre zu viel für uns."

Die niedrigere Miete hat Bestand unter dem Mietendeckel, der vor einem Jahr vom Senat beschlossen wurde, um den heißgelaufenen Berliner Wohnungsmarkt abzukühlen. Die höhere Miete steht in dem Vertrag, da noch gar nicht sicher ist, ob die rot-rot-grüne Maßnahme mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Dies wird das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Fällt der Mietendeckel, wäre der Umzug für Christ und ihren Partner ein teurer Fehler. Zudem soll dann laut Vertrag die höhere Miete rückwirkend gelten. "Das ist wie Poker spielen. Mit einem Kleinkind würde ich dieses Risiko nicht eingehen."

Charlotte Christ am Balkon ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in Berlin-Friedrichshain (Quelle: rbb/Oliver Noffke)
Charlotte Christ | | Bild: rbb/Oliver Noffke

Seit sie zu dritt sind, sucht Christ verstärkt etwas Größeres. Dass es bisher nicht geklappt hat, liege auch daran, dass sie ihren Fokus eng gesetzt hat, gesteht sie ein. Sie möchte eben gern in dem Kiez bleiben, in dem sie arbeitet, aufgewachsen ist und fußläufig die Großeltern ihres Kindes erreicht. Der nördliche Zipfel von Friedrichshain ist ihre Heimat. Zuletzt besonders stark von Preissteigerungen betroffen, profitiert die Gegend demnächst kräftig vom Mietendeckel. Im November müssen viele Vermieter die Mieten senken.

Wer jedoch auf der Suche nach einer neuen Mietwohnung ist, hat in den vergangenen Monaten keine Entspannung erleben können. Sondern das Gegenteil. Derzeit sind fast nur Wohnungsangebote zu finden, in denen zwei Mietpreise ausgewiesen sind. Der derzeit höchstmögliche sowie ein zweiter, der den potenziellen Marktwert darstellt. Mietervereine sprechen von einer sogenannten Schattenmiete. Je beliebter die Lage, desto verzerrter das Bild, das vom Berliner Wohnungsmarkt entsteht. "Diese Klausel ist eigentlich immer drin", sagt Christ über Wohnungsbesichtigungen in den vergangenen Wochen. "Ich kann da auch die Vermieter verstehen. Aber da steht ja immer 'rückwirkend'. Deswegen muss ich immer mit dem höheren Betrag rechnen."

Rechtssicherheit bringt erst das Bundesverfassungsgericht

Hans R. ist Geschäftsführer einer mittelständischen Immobilienverwaltung in Berlin. Hauptsächlich verwaltet seine Firma Wohnungen für andere Eigentümer. Es sind etwa 1.000. Ein paar vermietet er selbst, in andere hat er investiert. Er möchte anonym bleiben. In neue Mietverträge schreibt auch er zwei Mietpreise, als Absicherung: "Einen, wenn der Mietendeckel vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat - der andere gilt, wenn das Urteil gegen ihn ausfällt."

Bis dahin vermietet er ausschließlich an Leute, die sich auch den teureren Preis leisten können. Dass sich der Markt entspannt, kann er nicht feststellen. "Wenn Sie den Mietendeckel einhalten, werden Sie überrannt mit Nachfragen und auf der Angebotsseite sind Vermieter nicht mehr bereit, in die Wohnungen zu investieren. Die Qualität sinkt." R. ist der Meinung, dass das Gesetz zu allgemein formuliert ist und die verschiedenen Wohnungssegmente in der Stadt über einen Kamm schert. "Es werden sowieso die Falschen begünstigt", sagt er. "Am Stadtrand in Marzahn bringt der Mietendeckel gar nichts."

In Mitte könnten sich hingegen viele über eine Halbierung der Miete freuen, obwohl sie sich bereits vor Jahren für eine teure, hochwertige Wohnung entschieden hätten, sagt R.. "Das muss mir einer erklären, dass das sozial sein soll, dass Leute, die ein sehr hohes Einkommen haben, die Miete gesenkt kriegen." Für seine Firma sei nun Planungsunsicherheit entstanden. Häuser, deren Finanzierung auf 30 Jahre angelegt sei, die aber erst seit zehn Jahren stehen, seien nun ein unkalkulierbares Risiko. Kleinvermieter, die eine Wohnung als Altersabsicherung gekauft hätten, würden oftmals sogar vor existenzielle Probleme gestellt, beklagen Vermietervereine.

Ein Blick in die Glaskugel

Wann das Bundesverfassungsgericht über den Mietendeckel entscheiden wird, ist unklar. Ein Urteil liegt noch Monate in der Zukunft, sehr wahrscheinlich sogar Jahre. In der Zwischenzeit führen Neumieter wie Vermieter gedanklich doppelt Buch. Durch die gravierenden Unterschiede laufen auf beiden Seiten gewaltige Summen an. Auf beiden Seiten beschäftigen existenzielle Fragen die Gedankenwelt. Übernehme ich mich mit dieser Wohnung? Funktioniert mein Geschäftsmodell noch?

Einen Tipp abzugeben, wie das Bundesverfassungsgericht entscheiden wird, ist derzeit wie ein Blick in die Glaskugel. Doch Anfang März zuckte darin ein scheuer Blitz auf. Seitdem erscheinen zumindest die Schattenmieten in einem etwas helleren Licht. Berliner Vermieter wollten damals per Eilantrag gegen bestimmte Bußgelder vorgehen, die nach dem Mietendeckelgesetz gegen sie verhängt werden dürfen. Sie scheiterten und müssen sich an den Strafkatalog halten. Zumindest so lange, bis endgültig über den Mietendeckel entschieden wird. Das Urteil enthielt aber auch folgenden Hinweis.

Entgegen dem Vorbringen der Antragstellenden ist auch nicht erkennbar, dass Vermieterinnen und Vermieter […] daran gehindert wären, sich für den Fall der Verfassungswidrigkeit des Gesetzes oder Teilen desselben bei Neuvermietungen eine höhere Mieten versprechen zu lassen [...]“

Mit anderen Worten: Dass zwei Mietpreise in neuen Verträgen stehen, halten die Karlsruher Richter erst einmal für vereinbar mit dem Mietendeckel. Aber auch wieder nur so lange, bis endgültig über die Verfassungsmäßigkeit des Berliner Gesetzes entschieden ist. Ob diese Schattenmiete auch rückwirkend verlangt werden darf, wird durch den Blick in diese Glaskugel nicht deutlich.

Die Linke hält Schattenmieten für illegal

Gaby Gottwald, wohnungspolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus, ist eine glühende Verfechterin des Mietendeckels. Scheitert er, stände ihre Partei vor einem Scherbenhaufen. Dass in neuen Mietverträgen zwei Preise zu finden sind, bezeichnet sie als "recht geballten Versuch, den Mietendeckel zu umgehen". Schließlich hätten die Immobilienverbände ihren Mitgliedern einheitliche Formulierungen zur Verfügung gestellt. Die Schattenmieten bezögen sich allerdings auf Miethöhen, die nach dem neuen Berliner Gesetz nicht zulässig seien, sagt Gottwald. "Das hat man sich schön ausgedacht. Wir halten das für verboten."

Dass es keine Rechtssicherheit gibt, gelte im Übrigen auch für Mieten, die rückwirkend höher sein sollen, sagt die Politikerin. Es gebe aber eine Menge von Urteilen zu anderen Fragen, die man analog zu Hilfe nehmen könnte. Gottwald verweist etwa auf eine Entscheidung zum Mindestlohn, der seit 2014 gilt. Wäre dieser in Karlsruhe gescheitert, hätten anschließend Arbeitnehmer trotzdem nicht die Differenz zwischen dem Mindestlohn und dem vorher gezahlten niedrigeren Salär zurückzahlen müssen, so die Logik. Auch wenn der Arbeitgeber zwei Löhne in die Verträge geschrieben hätte. "Es gibt mehr Anhaltspunkte dafür, dass es keine Rückwirkung gibt, als dafür, dass das stimmt, was die Immobilien-Lobby sagt."

Für strauchelnde Vermieter halte das Gesetz eine Härtefallregelung bereit, sagt Gottwald. "Diesen Fall haben wir im Gesetz verankert. Von daher kann ich das natürlich nachvollziehen", sagt sie. "Nicht nachvollziehen kann ich, dass jeder Vermieter meint, der Mieter müsste seine Immobilie finanzieren, auch was die Kreditfrage angeht." Die Linken-Politikerin ist der Meinung, dass es darauf kein Anrecht gebe. "Wenn Sie Eigentum bilden, warum soll das jemand anderes finanzieren?" Auch wegen solcher Ansichten schäumt die Opposition im Abgeordnetenhaus bei dem Thema. Die Fraktionen von CDU und FDP haben beim Berliner Verfassungsgericht Klage gegen den Mietendeckel eingereicht.

Wenn die Schattenmiete 100 Prozent höher liegt...

Lara Dovifat hat gemeinsam mit ihrem Partner im März einen neuen Mietvertrag unterschrieben. Inklusive Schattenmiete. Unter dem Mietendeckel zahlen sie für 90 Quadratmeter im Kreuzberger Plattenbau aus den siebziger Jahren 520 Euro kalt. Sollte die Deckelung kippen, wären 1.034 Euro kalt fällig – und zwar als Wert für das erste Jahr bei einer Staffelmiete.

"Das ist natürlich ein krasser Unterschied. Die Schattenmiete ist deutlich zu hoch", sagt sie. "Wir haben uns auch schon beim Mieterverein erkundigt. Dort hält man das nicht für durchsetzbar." Auch weil die Schattenmiete eine deutliche Erhöhung gegenüber dem wäre, was die Vormieter zahlten: 800 Euro kalt. Die Schattenmiete würde also auch gegen die bundesweit gültige Mietpreisbremse verstoßen.

[Mehr Informationen zur Mietpreisbremse finden Sie bei den Kollegen von tagesschau.de]

...oder Vermieter lieber verkaufen

Vor ein paar Monaten hatte Charlotte Christ schon einmal gehofft, bald in eine größere Wohnung umziehen zu können. Doch das scheiterte im letzten Moment. Eine Frau aus der Nachbarschaft suchte nach einer Trennung eine kleinere Wohnung für sich und ihr Kind. Die Vier-Zimmer-Wohnung war ihr nun zu groß. Dass beide Familien tauschen, habe sich angeboten, sagt Christ. Neue Verträge existierten bereits. Bis zwei Tage vor dem Unterschriftstermin schien alles perfekt. "Doch dann hat der Besitzer der anderen Wohnung gesagt, dass er nicht noch einmal neu vermieten will", sagt sie. "Er würde das lieber in Eigentum umwandeln und verkaufen." Außerhalb eines Milieuschutzgebietes ist so eine Umwandlung für Wohnungsbesitzer vergleichsweise unkompliziert möglich.

Charlotte Christ hofft, dass ein Urteil bald endgültige Klarheit bringen wird – und zwar im Sinne von Senat und Berliner Mietern. "Wir wollen ja eigentlich ein zweites Kind, aber wir warten jetzt damit." Würde der Mietendeckel scheitern, müsste sie ihren Heimatkiez verlassen.

Beitrag von Oliver Noffke

176 Kommentare

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  1. 176.

    wie wäre es einfach keine Familie zu gründen und sich als single bis zur rente durchzuschlagen ohen Verantwortung und stress. versucht es einfach mal mache ich auch so und mit sind die Mietpreise relativ egal dann senke ich halt meinen lebensstandart weiter. nicht immer nur jammern einfach mal nachdenken. außerdem zieht man halt dorthin wo die miten billig sind ich bin auch aus Mainz in den Thüringer wald aufs Dorf gezogen und gehe einfach Jobs nach dann habe ich halt wenig Geld aber hab ja auch keien Verantwortung.

  2. 175.

    Der Mietendeckel ist völlig harmlos und ersetzt nicht die Änderung in der Bundesgesetzgebung. Es darf keine Mieterhöhung ohne Gegenleistung geben. Dennoch schöpft der Senat seine Möglichkeiten nicht aus, insbesondere bei Bewertung von Lage und Ausstattung haben Vermieter einen immensen Spielraum. Wohnraum ist keine Ware sondern ein Grundrecht.
    Offenbar halten aber immer noch eine Mehrheit der Eigentümer und Investoren den Staat für eine Art Selbstbedienungsladen. Das heißt auch, das Häuser nicht zum Spekulationspreis gekauft werden dürfen, das ist nicht der Sinn des Instruments. schließlich sind Genossenschaften keine Geldanlage für den alternativen Geldbeutel.

  3. 174.

    Es geht mir z.B. bei der Debatte gegen den Mietendeckel nicht um Gewinnmaximierung. Ich modernisieren grundsätzlich nicht im Bestand, erhöhe Mieten nur nach Modernisierung und entsprechend der BGB-Mietpreisbremse. Für mich ist der Mietendeckel ein Beispiel von staatlicher Willkür und völlig unausgeglichen. Alle mieterfreundlichen Regeln des BGB sollen weiter gelten. Nur der Mietpreis, der ebenfalls im BGB geregelt ist, gilt jetzt rückwirkend! nicht mehr - er ist jetzt eine Schattenmiete! Wer sagt denn, dass ich bei Kenntnis dieser neuen Regeln vermietet hätte? Der Mietendeckel ist reine Willkür! Wenn man diese Regeln konsequent anwendet, wohnen Mieter bald in standardisierten, schmucklosen Einheitswohnungen, von denen es aber weiterhin viel zu wenige geben wird. Maßnahmen, die Wohnraum schaffen, wie Dachaufstockungen macht keiner mehr, bis klar ist, wer Recht bekommt.

  4. 173.

    Mieter bezahlen immer die Investitionen der Vermieter ab, egal bei welcher Eigentumsform. Bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen nennen Sie es selbst Mischkalkulation, bei privaten Vermietern Abzocke! Ich würde mir hier gleiches Recht für alle wünschen. Sie stellen sich ja immer gern als Vermieter dar, dann wünsche ich Ihnen eine private Wohneigentümergemeinschaft, die Mal ein paar Verschönerungen und Sanierungen am Gemeinschaftseigentum plant und umlegt, damit Sie den Mietendeckel richtig genießen können. Sie legen doch bestimmt gern drauf. Wer so viel Zeit hat, in allen Foren seine Meinung zu verbreiten, macht das wahrscheinlich beruflich, oder?

  5. 172.

    Vielleicht noch eine Frage zu Ihren 6,95€ nach Mietendeckelspanneinordnung - nur um zu vermeiden, dass Sie extra kleinrechnen... Ich vermute die 6,95 € sind bereits mit 1€ Ausstattungsaufschlag gerechnet? Also lt. Spanne eine nicht extrem alte Immobilie von "1965 bis 1972 mit Sammelheizung und mit Bad", die bereits mit einer besonders hochwertigen Ausstattung modernisiert wurde. Kalkuliert man jetzt die max. 20% Überschreitung ein, also 1,39€ on top - landen Sie bei einer Miete a 8,34€. Die Differenz zu den gewünschten 10€ bekommen Sie selbst hin - und das ist jetzt die extreme Unwirtschaftlichkeit von der Sie sprachen. Hinzukommt, dass Sie nach wie vor bei einer neuerlichen Modernisierungsmaßnahme (sofern sinnhaft) 1€ draufschlagen könnten... Soweit die dramatischen Zahlen auf Vermieterseite.

  6. 171.

    Da sind wir nicht nur unterschiedlicher Meinung, sondern berücksichtigen auch eine unterschiedliche Analyse des IST Marktes. Ich werde meine Wohnung nicht verkaufen, genauso wie andere Vermieter, die mit dem Mietendeckel offensichtlich durchaus gut co-existieren können. Selbstverständlich gilt das auch für etliche weitere Vermieter. Ich bin sicher, dass hier der ein oder andere einfach mal 5 Jahre nach dem Motto "Abwarten und Tee trinken" agiert - die wenigsten werden unaufschiebbare bausubstanzielle Instandhaltungen (die normalerweise sowieso nicht umlagefähig sind) oder zwingende Modernisierungsmaßnahmen vor der Nase haben. Und diejenigen, die ihre Wohnungen/Immobilien wegen des Deckels tatsächlich abtreten wollen, werden garantiert auch Abnehmer finden. Da mache ich mir so gar keine Sorgen. Das amüsante Schwarz/Weiß-Szenario, dass der Staat dann ja alles aufkaufen müsste, ist absurd. Da gibt es durchaus andere Möglichkeiten - Genossenschaften beispielsweise... Die Schattenmieten zeigen ja, dass viele Vermieter so gar nicht verängstigt um Ihr Eigentum bangen und gemäßigt auftreten, sondern fröhlich weiter die Mietpreisspirale drehen.

  7. 170.

    Danke, aber bevor ich jedes Jahr bei einem Amt beweisen muss, dass die Miete nicht ausreichend ist, werde ich tatsächlich die Wohnung wieder verkaufen. Ich hatte mich darauf gefreut Vermieter zu sein, aber so artet das mir in Frust aus. Ich habe genügend Erfahrungen mit solchen Beantragungen, dass ich weiß, wie sowas läuft.... Mein Vertrauen in den Senat ist nachhaltig zerstört.

  8. 169.

    Das stimmt, niemand zwingt mich auf den Mietmarkt. Aber was glauben Sie denn was passiert, wenn nun alle Privatvermieter wegen der aktuellen Entwicklung dem Mietmarkt den Rücken kehren? Entweder die Wohnungen werden von großen Unternehmen geschluckt, die wirklich nur an Renditen interessiert sind oder der Staat müsste alle Wohnungen aufkaufen.. Von welchem Geld? Ich glaube nicht, dass das im Interesse der Mieter wäre. Aber da sind wir ja nun eindeutig unterschiedlicher Meinung.

  9. 168.

    Wenn Ihre Mieteinnahmen im Rahmen einer bisher soliden Kalkulation aufgrund des Mietendeckels tatsächlich nicht ausreichen, um nötige Instandhaltungen zu finanzieren und die Bausubstanz mindestens mittelfristig zu schützen, haben Sie laut Mietendeckelgesetz die Möglichkeit eine Härtefallüberprüfung zu beantragen. Wenn es Ihnen also wirklich um unbezahlbare Instandhaltungen geht, berücksichtigt das der Mietendeckel. Wenn..

  10. 167.

    Wenn die Rechtmäßigkeit des Mietendeckels bestätigt würde, dann wäre das doch mal ein guter Grund darüber nachzudenken, dass Ihre Position vielleicht etwas zu sehr und ausschließlich auf Ihr persönliches Interesse Rücksicht nimmt... Investitions-Risiken sind im Übrigen Ihr ganz privates Problem (niemand zwingt Sie auf den Mietmarkt) oder plädieren Sie etwa dafür, dass diese durch den Staat abgesichert werden - Hauptsache Ihre Rendite stimmt?! Ihre Scheinforderung hinsichtlich des Lohnniveaus ist natürlich eine tolle Nebelkerze.. Ich bin der letzte, der nicht sofort für eine erhebliche Lohnerhöhung in etlichen Branchen votieren würde, aber wie war das nochmal mit den aktuellen im Sande verlaufenden Debatten bzgl. besserer Entlohnung für Krankenhauspersonal, Altenpfleger, Kindererzieher, Verkäufer usw? Wo sind denn da die Vermieterlobbys, um die Forderungen der Arbeitnehmer zu unterstützen?

  11. 166.

    Ihre Wortwahl legt den Finger perfekt in die Wunde... denn "Wohnstandard", "solide" und "Investitionen" beschreibt natürlich genau die Definitions-Graubereiche, die seit Jahren durch Vermieter genutzt wurden, um konsequent Mithilfe von Modernisierungsmaßnahmen die Mietpreise und auch den Mietspiegel zu erhöhen. Was ist denn genau gemeint? Representativer Hausflur, Fahrstuhl, Parkettboden, Einbauküche, Fussbodenheizung, Strukturheizkörper, SmartHome oder vielleicht ein Balkon Anbau, der faktisch wenig Nutzwert für den Mieter hat? Der Mietendeckel setzt diesem Treiben nun deutlich engere Grenzen und lässt trotzdem im geringem Maße Aufschläge zu. Wenn das tatsächlich nicht reicht, bleibt Ihnen nach wie vor die Härtefallregelung - allerdings müssen Sie dann eben auch die - wie Sie bemüht vorrechnen - "Unwirtschaftlichkeit" belegen. Nachdem nun seit Jahren die Mieter in Berlin den Gürtel "enger schnallen" mussten, sehe ich nicht weshalb dieses Prinzip jetzt nicht auch mal für Vermieterinteressen gelten sollte - zumal Investitionen bzw Renditen nun mal nicht risikolos zu haben sind.

  12. 165.

    Sehr geehrte Hannah, Sie haben gar nichts aufgezeigt sondern eine Momentaufnahme, die aus besonders günstigen Voraussetzungen Ihrerseits (Schnäppchenkaufpreis + kaum Instandhaltung/Modernisierung in der ersten Zeit und individuelles Steuersparmodell) für allgemein und für lange Zeiträume gültig erklärt.
    Einfaches Beispiel aus anderem Bereich: Jemand bekommt zur Monatsmitte seinen Lohn, das Gehalt deckt aber nicht die monatlichen Ausgaben. Nach Ihrer Rechnung ist er begütert, weil in den ersten 2 Wochen das Konto noch voll ist. Kommt die Mietzahlung, wird es knapp. Und ab dem 5. macht er Schulden. Meiner Meinung nach wirtschaftet er zu keinem Zeitpunkt solide. Es fehlt eben an Einnahmen oder seine Ausgaben sind zu hoch.
    Aber wir sollten die Diskussion hier tatsächlich beenden, denn die Argumente sind ausgetauscht.

  13. 164.

    In 5 Jahren gibt es das Vermieterentlastungsmodernisierungszuschussgesetz, welches die große Koalition aus Linkspartei, SPD, Grüne, CDU und FDP auf den Weg bringt und einen Kompriss zwischen Kleinvermietern und Mietern darstellt!

  14. 163.

    Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass der Mietendeckel nach fünf Jahren wirklich verschwindet. Sollte seine Rechtmäßigkeit bestätigt werden, wird das zum Dauerinstrument. Eine staatlich festgelegte Miete, die steigende Kosten bei der Instandhaltung und Risiken für den Vermieter nicht berücksichtigt, sondern sich nur an dem geringen Lohnniveau orientiert. Anstatt da mal anzusetzen, wird die Verantwortung auf kleine Privatvermieter geschoben, die auf Dauer ihre Immobilie verlieren oder verkaufen müssen.

  15. 162.

    Sie hatten zu Beginn der ganzen Diskussion angezweifelt, dass noch angemessene Renditen erwirtschaftet werden. Ich habe Ihnen nun aufgezeigt, dass dies momentan noch gegeben ist unter gewissen Voraussetzungen. Der Mietedeckel hat doch nun nur für ein paar Jahre seine Gültigkeit, zukünftige Modernisierungen werden davon dann gar nicht mehr betroffen sein. Wir können daher die Diskussion hier beenden.

  16. 161.

    Wir reden hier von Instandhaltungen und nicht vom Abbezahlen. Die Miete, die ich nehme, würde nicht im Ansatz dazu reichen einen Kredit abzubezahlen.

  17. 160.

    Meine "skurrilen" Erwartungen orientieren sich an einem Wohnstandard, den ich selber pflegen möchte. Damit sind zeitnahe Investitionen, solide Materialien und Ausführungen ohne besonderen Luxus zu verstehen. So wie es mein gesamtes Umfeld ebenfalls zu machen pflegt, egal ob eigenes Haus oder Wohnung. Und auch als Mieter habe ich stets nur dort gemietet, wo der Vermieter seine Immobilie gut in Schuß gehalten hat. Und mir war stets bewußt, dass ich als Nutzer der Immobilie anteilig für sämtliche Kosten + einen Rendite bezahle.
    Was die Rendite angeht, gibt es die alte Faustformel je 1000 € Kosten pro Quadratmeter sollte man 4 € Kaltmiete einnehmen. In meinem Beispiel (250.000€/100m2) wären 10 €/m2 ein solider Mietzins, der sowohl zukünftige Investitionen erlaubt als auch Risiken absichert. Mietendeckel sagt maximal 6,95 €. Und nun?
    Da treffen soziologische und politische Standpunkte auf betriebswirtschaftliche Realitäten.



  18. 159.

    @Kampfkaninchen: Woran sich unsere Vermieter-Geister scheiden, und das ist in der Debatte sehr maßgeblich und interessant, ist ganz eindeutig die Frage, wie Wirtschaftlichkeit und Rentabilität definiert werden. Und welche teilweise skurrilen Erwartungen hier auf Vermieterseite im Raum stehen. Wie man Ihren Gedanken und Berechnungen entnehmen kann - erhebliche. Insbesondere bei Instandhaltungen und der langfristigigen Kalkulation von von Modernisierungsmaßnahmen sind ja bereits Umlagen möglich, sowie ggf Steuervorteile - allerdings nicht komplett und das wäre wohl auch kaum fair ggü Mietern. Warum sollen Mieter langfristig Ihre bzw. meine Immobilie abbezahlen. Ich sehe nicht warum wir hier anders gestellt werden sollten, als der Häuslebauer um die Ecke. Ihre realen Renditewünsche - also, was Sie fair fänden - scheinen jedenfalls ein Geheimnis zu sein;)

  19. 158.

    "Selbstverständlich ist aber bspw. meine Anspruchshaltung auch nicht, dass ich durch hohe Mieten die Instandhaltungen in unserer WEG bzw meinen Sondereigentumsanteilen mehr oder weniger komplett decke."
    Da muss ich dann doch noch einmal antworten: Wir tauschen seit Tagen Argumente über die Wirtschaftlichkeit von Vermietung mit Einnahmen des Mietendeckels aus. Foristin Hannah und Sie selbst behaupten, mit Mietendeckel könne man als Vermieter auskommen. Nun stellt sich heraus: die Foristin negiert die hohen Kosten, die innerhalb von Jahrzehnten entstehen, weil sie bislang noch nicht betroffen war und ein Kauf-Schnäppchen gemacht hat und Sie selbst bestreiten diese Kosten aus privater Tasche. Das dürfen Sie natürlich. Aber es schwächt Ihre Argumentation bezügl. der Wirtschaftlichkeit von Vermietung unter Mietendeckel ungemein.

  20. 157.

    Sie haben Ende der 90er/Anfang 2000er gekauft. Das war die (kurze)Zeit der Tiefstpreise.
    Seither haben Sie offenbar nur kleinere Reparaturen machen lassen. Aber:
    a) Sie waren in der Phase, in der die WEG von der ursprgl. Sanierung zehrt. Wenn Sie die Substanz Ihrer erhalten und den Wohnwert an modernere Ansprüche/Vorgaben anpassen wollen, dann werden Sie in den nächsten Jahren sanieren und modernisieren müssen.
    b) Letzteres werden Sie dann zu Preisen in der Zukunft machen müssen. Diese steigen seit Jahren sehr stark und werden sicherlich nicht einbrechen.
    c) Nur weil etwas aus der Instandhaltungsrücklage bezahlt werden konnte, sind es trotzdem Kosten sobald ausgegeben.
    d) Und danke, der Kaufpreis war dem Instandhaltungsstau angemessen. Sie können nicht einfach wenige Schnäppchenjahre als Basis für sämtliche Kalkulationen über Jahrzehnte ansetzen und dann verallgemeinern.
    e) Was bedeutet notwendiger Umfang? Wer definiert das allgemein gültig? Wer nimmt von außen Einfluss?

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