03.06.2020, Berlin: Andreas Geisel (SPD), Berliner Innensenator (Quelle: dpa/Pedersen)
Bild: dpa/Pedersen

Geisel verteidigt Berliner Antidiskriminierungsgesetz - "Die Kritiker sind meist ältere weiße Männer"

Berlins Innensenator Andreas Geisel geht nach eigener Aussage davon aus, dass viele Kritiker des neuen Berliner Anti-Diskriminierungsgesetzes keine Erfahrung mit dem Thema gemacht haben. "Die Kritiker sind meist ältere weiße Männer, die behaupten, das sei nicht notwendig. Ja, sie werden ja auch nicht diskriminiert", sagte der SPD-Politiker in einem Interview, das das Magazin "Cicero" am Freitag online veröffentlicht hat.

"In unserer Stadt haben 35 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund - das sind immerhin 1,3 Millionen Menschen. Wenn die uns von ihren täglichen Wahrnehmungen und Erlebnissen berichten, die alte weiße Männer allesamt nicht haben, dann müssen wir das ernst nehmen."

Geisel: "Man muss die Dinge beim Namen nennen"

Geisel verteidigte das umstrittene Gesetz, das vom Abgeordnetenhaus Anfang Juni beschlossen wurde und Menschen in Berlin vor Diskriminierung durch Behörden und auch durch die Polizei schützen soll. "Wir müssen uns vor die Menschen stellen, die den Eid auf unsere Verfassung abgelegt haben. Man muss die Dinge aber auch beim Namen nennen. Zu behaupten, wir hätten in Deutschland kein Problem mit Rechtsradikalismus und Rassismus in der Polizei, stimmt so eben auch nicht", sagte Geisel. "Die Polizei ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Aus Sicht der Betroffenen ist es leider so, dass man häufiger von der Polizei kontrolliert wird, wenn man anders aussieht."

Seehofer kritisiert den Generalverdacht von Polizisten

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte wenige Tage vor dem Beschluss des Gesetzes kritisiert, es sei "im Grunde ein Wahnsinn", und gefordert, die Polizei nicht unter Generalverdacht zu stellen.

Geisel sagte im Interview, Seehofers Kritik beziehe sich auf die Entwurfsfassung des Gesetzes. "Ich bespreche das nächste Woche mit den Kollegen bei der Innenministerkonferenz. Da ist Herr Seehofer ja auch mit dabei." Den aktuellen Gesetzestext nehme er dann sicherheitshalber mit. "Nicht alle Kollegen, die sich dazu äußerten, haben die vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Fassung vorher gelesen."

Sendung: Inforadio, 12.6.2020, 19:30 Uhr

 

Kommentarfunktion am 13.06.2020, 14.00 Uhr geschlossen

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30 Kommentare

  1. 30.

    Muss ich mich mit Kritik nicht immer auseinandersetzen? Egal, wer sie äußert? Oder darf ich Kritik ignorieren, nur weil sie von einer bestimmten Klientel kommt? Anders ausgedrückt, ist die Meinung von alten weißen Männern nicht der Rede wert? Das rüttelt jetzt am Grundverständnis der Demokratie. Tue ich eine Meinung ab, nur weil sie von einer bestimmten Gruppe kommt? Privat kann ich das machen, aber als Mitglied der Landesregierung auch?

  2. 29.

    Der Strand zum Auflaufen ist ja in Form der nächsten Wahlen in Sicht!

  3. 28.

    Soll der Innensenator wirklich so etwas Dummes gesagt haben?
    Kaum zu glauben, aber möglich.
    Es würde mich aber auch nicht wundern, wenn es eine (geniale)
    Satire von Cicero wäre.

  4. 27.

    Männer sind nichts Besseres als Frauen. Männer haben keine angeborenen Vorrechte. Alle Menschen sind gleichwertig. Die meisten Männer wissen das und respektieren es. Die anderen fangen an zu jammern und pochen auf ihre vermeintlichen "Gewohnheitsrechte" als Mann. Da solche Typen durch nette Worte nicht zu stoppen sind, braucht es ein Gesetz, das die Gleichbehandlung entsprechend durchsetzt. So wie bei allen Leuten, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Egal ob Mann oder Frau.

  5. 26.

    Doch Herr G.; inzwischen wird man pauschal diskriminiert, bloß weil man ein alter weißer Mann ist. Da muss man aufpassen, was man sagt, sonst kommt eben der abwertende Spruch. Jeder Meinung zählt, nicht nur die richtige. Überzeugen Sie die Kritiker mit sachlichen Argumenten und nicht mit einem „Killerspruch“. Sonst ist ja die Diskussion vorbei, nur weil die Kritik von einem alten weißen Mann kommt, dessen Meinung man ja kenne usw....

  6. 25.

    Herr Geisel verletzt das Grundgesetz, da braucht es nicht einmal das neue Antidiskrimisierungsgesetz. Mit seiner Aussage diskriminiert und diffamiert er öffentlich, Menschen aufgrund ihres Alters, ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts. Wenn mir so etwas rausrutschen würde, würde ich mich öffentlich entschuldigen.

  7. 24.

    Deswegen kann man aber nicht die eine Diskriminierung mit einer anderen ausgleichen. Man kann doch nicht sagen: Nur weil ich mich als alter Mann von irgendjemandem diskriminiert fühle, darf man jetzt rassistisch werden. Das wäre ja das gleiche, wenn man einen Einbrecher auf frischer Tat schnappt - und der will Freispruch, weil bei ihm zu Hause irgendjemand verbotenerweise Sperrmüll abgeladen hat. So funktioniert das aber nicht. Das sind nur Rechtfertigungsversuche von Leuten, die ganz genau wissen, dass ihr Verhalten nicht okay ist.

  8. 23.

    Solcherlei verbaler Unsinn kommt von abgehalfterten Politbonzen, die offenbar in ihrem Berufspolitbonzentum jeglichen Verstand in endlosen Parteisitzungen pulverisiert haben.

  9. 22.

    Die solche Gesetze initiieren sind meist junge grün-linke Ideologen.

  10. 21.

    Endlich mal eine treffende Aussage. Die Berliner CDU hat mit ihrer billigen sexistischen Verkehrskampagne gerade wieder bestätigt ein Club alter weißer Männer zu sein, mit einem Frauenbild auf den Niveau Donald Tumps.

  11. 20.

    Wozu ein Antidiskriminirungsgesetz? Es reicht das GG. Der Verstoß gegen das GG Artikel 3 durch Herrn Geisel ist offensichtlich und blamabel. Wie ist das jetzt mit der Klagemöglichkeit?

  12. 19.

    Diese Aussage von Herrn Geisel ist aber auch diskriminierend???
    Sehr eigenartig.

  13. 18.

    Ist Herr Geisel eigentlich auch schon ein alter, weißer Mann? Er kann einen ja fast leid tun. muss ein Gesetz verteidigen, das die Grünen und Linken zu verantworten haben, die weiter in ihren Traumwelten jenseits des echte Lebens unterwegs sind.

  14. 17.

    Getroffene Hunde bellen!

  15. 16.

    Sehr geehrter Herr Innensenator, mit diesen Vorurteilen sind Sie eine Fehlbesetzung. Oder haben Sie für diese haltlosen Äußerungen auch stichhaltige Beweise? Gilt das Antidiskriminisierungsgesetz nur für ausländische Mitbürger? Wenn es so wäre, dann wären alle Menschen mit weißer Hautfarbe diskriminiert. Und den Polizisten in Berlin haben Sie mit diesem Interview richtig den Rücken gestärkt. Schämen Sie sich, Sie verleugnen einen ganzen Berufsstand.

  16. 15.

    Zitat Andreas Geisel: "Die Kritiker sind meist ältere weiße Männer"

    Andreas Geisel (SPD) suhlt sich finde im Rassismus (Abwertung aufgrund von äußerlichem Merkmal) und spricht dann auch noch den Kritikern die Kompetenz ab.

    Zitat Horst Seehofer (CSU): „im Grunde ein Wahnsinn“

    Von Politikern, die so wenig gegen Drogendealer in Berlin tun, welche oft aus dem Ausland kommen (siehe hierzu "Kontraste Die Reporter: Der Deal mit den Dealern - Drogenpolitik in Berlin"), kann man nicht viel erwarten.

  17. 14.

    "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." finden Sie im Parteiprogramm der SPD.
    Die schaffen somit einen Gegensatz zwischen männlich und menschlich.
    Würde man nun so einen Satz auch auf Schwarze, Frauen, Homosexuelle, Migranten .. ummünzen, wäre der gesellschaftliche
    "Todesstoß" sicher., doch wohl nicht, wenn man gegen weiße deutsche Heteromänner hetzt, ja hetzt !

  18. 13.

    Wer ein Geschlecht zerstört, zerstört in Wahrheit beide.

  19. 12.

    Diese Sakralisierung von echten oder auch nur vorgegebenen Diskriminierungserfahrungen ist unter Linksgrün sehr verbreitet. Alle anderen, die allein durch Herkunft, Geschlecht, Privilegien .. nichts vorweisen können, werden mit großem Eifer angehalten Abbitte zu leisten, gern in Form von Zahlungen ins Steuer- u. Abgabensäckel. "Absolution" dürfen nur die erwarten, die über eigene Untersdrückungserlebnisse berichten können. Die übrig bleiben sind arbeitende ältere weiße deutsche Heteromänner. Lasst sie endlich in Ruhe !
    "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." findet man im Grundsatzprogramm der SPD und bedeutet wohl einen Gegensatz von männlich zu menschlich. Stellen Sie sich vor, man würde einen solchen Satz auf Schwarze, Frauen, Ausländer .. beziehen, der gesellschaftliche Untergang wäre sicher.

  20. 11.

    „Nicht alle Kollegen, die sich dazu äußerten, haben die vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Fassung vorher gelesen."
    Arroganter geht es wohl nicht. Sind das eventuell die „Alten weißen Männer“?

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