Ein Davidsstern steht auf dem mit einem Bauzaun abgesperrte Platz an der Ecke Schloßstraße/Friedrich-Ebert-Straße. Das Grundstück gegenüber dem Filmmuseum war vom Land Brandenburg für den Bau der Neuen Synagoge zur Verfügung gestellt worden. (Quelle: dpa/Carsten Koall)
Video: Brandenburg Aktuell | 30.05.2020 | Ismahan Alboga | Bild: dpa/Carsten Koall

Spatenstich war 2020 geplant - Bau der Potsdamer Synagoge wieder auf der Kippe

Seit Jahren streiten zwei jüdische Gemeinden in Potsdam über den Neubau einer Synagoge. Bezahlt wird diese vom Land. Im April schien die Geschichte ein glückliches Ende zu nehmen - die Grundsteinlegung war in Sicht. Doch jetzt gibt es wieder Streit.

Seit Jahren streiten zwei jüdische Gemeinden in Potsdam - die Synagogengemeinde und die Jüdische Gemeinde - über den Neubau einer Synagoge in der brandenburgischen Landeshauptstadt. Der Bau ist seit 2005 geplant, doch die Realisierung scheitert seitdem an den widerstreitenden Interessen der beiden Gemeinden. Nach einem lang ersehnten Durchbruch im Frühjahr droht nun wieder Stillstand.

Im April hatte es geheißen, man habe sich geeinigt, die Grundsteinlegung für die Synagoge könne noch in diesem Jahr erfolgen. Nun aber hat die Jüdische Gemeinde eine 2018 getroffene Vereinbarung mit dem Land Brandenburg und der Synagogengemeinde zum Bau und Betrieb der Synagoge gekündigt. Das teilte deren Vorsitzender Evgeni Kutikow am Freitag mit. Grund sei, dass der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Ud Joffe, seine Zustimmung zu dem Entwurf des Architekten Jost Haberland wieder zurückgezogen habe "und ein gänzlich anderes Vorhaben realisieren will", so Kutikow.

Die Jüdische Gemeinde stehe aber weiter zu dem Ziel, das Synagogenzentrum zu errichten. "Die Jüdische Gemeinde Stadt Potsdam bittet das Ministerium, eine neue Form zu finden, in der dieses Ziel erreicht werden kann", sagte Kutikow.

Joffe: Jüdische Gemeinden sollen Bauherren sein

Schon Ende Mai hatte die Synagogengemeinde das Projekt erneut in Frage gestellt. Ud Joffe, der Vorsitzende, erklärte dem rbb: "Leider passierte der Fehler, dass die Landesregierung das als Bauherr konzipiert hat". Das bringe seit zwölf Jahren unlösbare Probleme mit sich, sagte er. "Denn die Entscheidungshoheit über ein Synagogenbau-Projekt muss laut Verfassung eindeutig bei den Religionsgemeinschaften liegen." 

Von dieser Haltung zeigte sich die Landesregierung überrascht. Vor dreizehn Jahren hätten die Gemeinden das selbst so entschieden, heißt es. "Als die Idee des Synagogen-Neubaus aufkam, war das wohl der Wunsch der jüdischen Gemeinden, dass das Land das in der Verantwortung als Landesbaumaßnahme realisiert", sagte Kultusministerin Manja Schüle (SPD) vor wenigen Tagen dem rbb.

In der Sache, das war auch Ende Mai schon klar, geht es wohl auch wieder um den zuletzt avisierten Architektenentwurf. Joffe möchte, dass so nah wie möglich am Original gebaut wird. Die Juden würden schließlich um die Frage kämpfen, welche Identität sie haben, sagte Joffe dem rbb zur Begründung. Unterstützung bekommt er vom Synagogen-Förderverein. "Wir verlangen, dass ab jetzt die jüdischen Gemeinden so gestellt werden, als wenn sie die Bauherren sind. Und nicht das Land", sagt deren Vorsitzender Ulrich Zimmermann.

Jüdische Gemeinde sieht das anders

Bei der Jüdischen Gemeinde sieht man das anders. Hier lehnt man eine Trägerschaft der beiden Gemeinden ab und drängt auf baldigen Baubeginn durch die Landesregierung. Mit dem Vorentwurf ist man zufrieden. Der Vorsitzende Evgeni Kutikov sagt, das Gebäude sei bis in die Details ausgearbeitet. Diana Wolska von der Jüdischen Gemeinde fügt hinzu: "Es kann ja nicht sein, dass wir einfach übergangen werden. [...] Wir wollen eine Synagoge. Mit Herrn Joffe oder ohne."

Der Konflikt entzündet sich offenbar hauptsächlich an der Person Ud Joffe. Er war bis vor Kurzem Sprecher beider Gemeinden. Die Jüdische Gemeinde hat ihm inzwischen das Vertrauen entzogen. Die Landesregierung drängte bis Ende Mai auf einen gemeinsamen Baubeauftragten. Für Joffe ist das nicht die Kernfrage. Das sei nebensächlich. "Hier haben Religionsgemeinschaften ein Recht und nicht Einzelpersonen", sagt er und fügt hinzu: "Ich sage es nochmal deutlich: Die Synagogengemeinde wird ihre Verfassungsrechte nicht abgeben."

Dass es einen gemeinsamen Ansprechpartner geben muss, ist seit 2018 vertraglich festgelegt. Die Jüdische Gemeinde hat Peter Schüler von der Fachstelle Antisemitismus Moses-Mendelsohn-Zentrum vorgeschlagen. "Selbstverständlich kann man in dieser Phase noch Detail-Änderungen vornehmen", sagte dieser kürzlich dem rbb. Wenn die Gemeinden sich auf solche Änderungen einigten und auch auf jemanden, der sie dem Planer gegenüber vertritt. "Aber wenn sie sich nicht einigen: Was soll dann der arme Architekt machen?"

Im April war noch eitel Sonnenschein

Ende April hatte Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) mitgeteilt, die Grundsteinlegung für die Synagoge solle noch in diesem Jahr stattfinden. Der Bau selbst sollte dann im Frühjahr 2021 anlaufen und bis 2023 fertiggestellt werden. Die Landesregierung will dafür acht Millionen Euro bereitstellen.

Das Synagogen- und Gemeindezentrum soll nach einem Entwurf des Architekten Jost Haberland im Zentrum der Stadt in der Schloßstraße 1 entstehen. Das Gebäude soll nach der Fertigstellung von den jüdischen Gemeinden gemeinsam als Israelitischer Kultusgemeindebund Potsdam betrieben werden. Die historische Potsdamer Synagoge überstand zwar die Novemberpogrome 1938, wurde aber bei einem alliierten Luftangriff auf den Potsdamer Hauptbahnhof im April 1945 zerstört.

Das Land Brandenburg überlässt den Gemeinden als Träger das zu errichtende Haus unentgeltlich. Zugleich beteiligt sich das Land an den laufenden Kosten, etwa für Sicherheitsmaßnahmen, einen Rabbiner sowie für weiteres Personal für kulturelle und soziale Angebote.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wirklich schade, dass sich gerade die jüdischen Gemeinden in Deutschland so erbittert streiten, dass es deren Ansehen nur schaden kann. Shalom Chaverim!

  2. 2.

    Wenn 2 sich streiten, freut sich der dritte, vielleicht möchte dort jemand eine Moschee bauen?

  3. 1.

    Vielleicht würde ein ultimatver Hinweis des Landes auf ein Entscheidungdatum in näherer Zeit die Zusammenarbeit der beiden jüdischen Gemeinden befördern. Ansonsten ließe sich das Grundstück bestimmt auch anderweitig vermarkten. Sehr gute Lage. Und jede Gemeinde könnte seine eigene Kultstätte vielleicht in Drewitz oder im Schlaatz selbständig betreiben.

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