Mitglieder des internationalen Auschwitz Komitees kleben zur symbolischen Umbenennung den Schriftzug „Walter-Lübcke-Straße“ auf ein Straßenschild der Sigismundstraße
Video: rbb|24, Abendschau | 01.06.2020 | Bild: dpa/Carsten Koall

Mord an Kasseler CDU-Politiker - Straße in Berlin in Gedenken an Walter Lübcke umbenannt

Ein Jahr nach dem tödlichen Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat das Internationale Auschwitz Komitee in Berlin an ihn erinnert. Es benannte am Montag symbolisch die Sigismund-Straße in Tiergarten nach dem CDU-Politiker - für einen Tag. 

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einem Kopfschuss ermordet worden.

Im April erhob die Bundesanwaltschaft gegen den mutmaßlichen Täter Anklage. Auslöser der Tat sollen Äußerungen Lübckes zur Aufnahme von Flüchtlingen gewesen sein. Die Ermittler gehen von einem rechtsextremistischen Motiv des Verdächtigen aus. Der Neonazi war zuvor bereits vielfach durch andere rechtsextrem motivierte Taten aufgefallen. Eine DNA-Spur an Lübckes Leiche führte die Ermittler zu dem vorbestraften 46-Jährigen. Der gestand die Tat zunächst, zog sein Geständnis später aber wieder zurück und beschuldigt einen Komplizen.

Antrag auf dauerhafte Umbenennung

Lübckes Engagement für die "Werte der Demokratie und für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger" sei beispielhaft gewesen, hatte das Auschwitz Komitee zu der Aktion vorab mitgeteilt. "Wir erinnern damit auch an den rechtsextremen Hass, dem Walter Lübcke zum Opfer gefallen ist und der nicht nur in Deutschland immer offener zutage tritt."

Menschen, die kein rechtes Gedankengut vertreten, müssten lauter werden in der Gesellschaft, forderte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, am Montag. Auch die juristische Verfolgung solcher Taten müsse beschleunigt werden. Er und die anderen Initiatoren planen, einen offiziellen Antrag auf Umbenennung der Straße nach Walter Lübcke zu stellen. Der Prozess gegen Walter Lübckes mutmaßlichen Mörder beginnt voraussichtlich am 16. Juni am Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

Sendung: Abendschau, 01.06.2020, 19:30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Lübke hat klar Kante zur freiheitliche demokratischen Grundordnung gezeigt, trotz Morddrohungen und am Ende für seinen demokratischen Einsatz mit dem Leben bezahlt. Ja, es wäre mehr als angemessen, wenn in der deutschen Hauptstadt des demokratischen Deutschlands eine Straße nach ihm benannt wird. Übrigens, was er sagte, seinerzeit, das war genau richtig. Die mit Abstand Übergroße Mehrzahl der Deutschen wollen in einem demokratischen Deutschland leben. Auch wenn rechte Propagandamaschinerie auf Hochtouren arbeitet.

    Welcher Person würden Sie denn eine Namenswidmung zugestehen?
    "A. H."? Mit Verlaub, das wäre absolut ausgeschlossen.

  2. 4.

    Was nutzen Ehrungen wenn man weiter mit dem parlamentarischen Arm der Rechtsterroristen zusammenarbeitet, siehe

    https://www.rbb24.de/studiocottbus/politik/2020/06/forst-linke-fraktionschef-ruecktritt-afd.html

  3. 2.

    Lübcke hat sich sehr wohl verdient gemacht, vor allem durch sein eintreten für die Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung. Auch und gerade durch seine klare Kante gegneüber Rechtsextremisten. Eine dauerhafte Umbenennung wäre also durchaus gerechtfertigt.

  4. 1.

    Strassen sollten nach verdienten Bürgern benannt werden und nicht wenn ihre größte überregionale Bekannheit in ihrem traurigen Schicksal begründet ist.

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