Georg Pazderski, Berlins AfD-Fraktionschef (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
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"Klima des Misstrauens und der Destruktivität" - AfD-Fraktionsmitglieder begehren gegen Pazderski auf

Knapp die Hälfte der Abgeordneten in der Berliner AfD-Fraktion beklagt sich in einem Schreiben über den Führungsstil des Vorsitzenden Georg Pazderski. "In der Fraktion herrscht mittlerweile ein Klima des Misstrauens und der Destruktivität, welche jede sachliche Arbeit behindert und unsere Zusammenarbeit nachhaltig beschädigt", heißt es in einem Schreiben von neun Abgeordneten an die insgesamt 22 Fraktionsmitglieder.

Autoren beklagen Frust in der AfD-Fraktion

Erster Adressat des Schreibens vom 22. Juni, das rbb|24 vorliegt und über das zuvor der "Tagesspiegel" berichtete, ist Pazderski. Weiter heißt es darin: "Fraktionsbeschlüsse werden von der Mehrheit des Vorstandes immer wieder hintertrieben, ausgesessen oder schlicht ignoriert." Regelmäßig würden Fraktionsmitglieder von der Sitzungsleitung beleidigt. Anstatt unterschiedliche Interessenlagen zusammenzuführen und Konflikte zu befrieden, verschärfe die Mehrheit des Fraktionsvorstandes Auseinandersetzungen unter Abgeordneten und Mitarbeitern.

"Anstatt zusammenzuhalten, zu motivieren, Wertschätzung zu vermitteln und unseren Mitarbeitern Anerkennung zu zollen, herrscht ein Klima der Verunsicherung und Frustration unter den Beschäftigten", heißt es in dem Schreiben. Fraktionsmitarbeiter seien frustriert, demotiviert und würden sich bereits nach anderen Anstellungen umsehen.

"Absoluter Irrsinn" und "Fake-Szenario"

Pazderski wies die Vorwürfe nach "Tagesspiegel"-Angaben als "absoluten Irrsinn" zurück. "Ich weiß, dass sich die Fraktion nicht spalten wird", zitierte ihn das Blatt. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diesen Streit beilegen und dann alles wieder so läuft, wie ich mir das vorstelle." Auch der AFD-Fraktionsvorstand dementierte: "Es gibt keine Spaltungsgefahr und es hat auch nie eine bestanden", hier werde ein "Fake-Szenario" verbreitet.

Der Führungsstil des früheren Berufsoffiziers Pazderski sei in der Fraktion schon länger umstritten, schreibt DPA. Auslöser für die Revolte sei dem Vernehmen nach die Entlassung des Leiters Finanzen der Fraktion. Dieser sei erst vor wenigen Monaten eingestellt worden, um eine Neuorganisation des Finanzmanagements der Fraktion voranzutreiben. Ein Wirtschaftsprüfer soll hier nach Angaben von AfD-Abgeordneten Defizite festgestellt haben.

Pazderski strebt Regierungsbeteiligung an

Zu Wochenbeginn hatte Pazderski angekündigt, dass er 2021 wie schon 2016 AfD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl werden will. Pazderski ist ein erklärter Gegner des inzwischen offiziell aufgelösten rechtsnationalen AfD-"Flügels" um Björn Höcke und Andreas Kalbitz. Er verortet die Partei im konservativ-bürgerlichen Spektrum und strebt mittelfristig eine Regierungsbeteiligung an.

Sendung: Inforadio, 8.7.2020, 11 Uhr

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4 Kommentare

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  1. 4.

    "Er verortet die Partei im konservativ-bürgerlichen Spektrum und strebt mittelfristig eine Regierungsbeteiligung an."

    Zitat:

    Die rechtsextreme AfD war niemals konservativ, höchstens unter Lucke marktadikal. Eine FDP 2.0, nur eben markradikaler.

    Was verstehen sie unter "Wahrnehmung vieler sozialer Anliegen"? Die Abschaffung der gesetz. Rente?

    Inzwischen ist die AfD im Kern eine faschistische und völkisch-nationale "Partei" mit noch ein bißchen ultrarechten Feigenblatt drumherum. Die Posse um den Nazi Kalbitz beweist das erneut.

    Wer sich gegen die faschistische und völkisch-nationale Ausrichtung stellt wie Meuthen, der wird kaltgestellt.

    Und Pazderski möchte ich ergänzen.

  2. 3.

    Ein Klima der Desktruktivität? Das ist doch bei der AfD ganz normal. Destruktivität ist doch das Markenzeichen der AfD. Nach außen wie nach innen.

  3. 2.

    Misstrauen und Destruktivität sind doch die Grundeigenschaften der meisten AfD-Mitglieder.

  4. 1.

    Die AfD betreibt ohnehin nichts anderes als Destruktion. Schön, dass sie es nun auch mit sich selbst macht!

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