Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mögliche Unterkunft am Tempelhofer Feld - Berlin nimmt 142 Flüchtlinge aus griechischen Lagern auf

In den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln herrschen unzumutbare Zustände. Schon lange hat Berlin Bereitschaft signalisiert, Menschen von dort aufzunehmen. Nun zeichnen sich konkrete Zahlen ab.

Berlin nimmt aus dem Hilfsprogramm des Bundes für Flüchtlinge in überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln 142 Menschen auf. Das teilte die Innenverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, wie die dpa am Samstag berichtete.

Demnach kommen insgesamt 928 Flüchtlinge nach Deutschland, dabei vor allem Kinder und Jugendliche nebst Familienmitgliedern. Die ersten werden am 24. Juli in Deutschland erwartet, der Rest soll schrittweise bis Ende August folgen. Wann genau die ersten Betroffenen in Berlin ankommen, ist noch unklar.

Unbegleitete Minderjährige, Schwangere sowie alleinerziehende Mütter im Mittelpunkt

Auf Druck mehrerer Bundesländer und Flüchtlingsorganisationen hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) schließlich im Juni erklärt, dass Deutschland knapp 1.000 Betroffene nach Deutschland holt. Der Berliner Senat bot Herberge für bis zu 300 Menschen an, also für weit mehr als nach dem üblichen Verteilungsschlüssel der Bundesländer. Nunmehr werden es 150. Bereits im Mai hatten acht Kinder aus den griechischen Lagern Berlin erreicht.

Flüchtlingshelfer stellen vor Ort fest, welche Familien am dringendsten Hilfe benötigen. Im Fokus seien dabei unbegleitete Minderjährige, Schwangere sowie alleinerziehende Mütter und Väter mit minderjährigen Kindern, teilte Innensenator Andreas Geisel (SPD) bereits im Juni mit.

Unterkunft am Rande des Tempelhofer Feldes

Die 142 Flüchtlinge sollen zunächst voraussichtlich in Unterkünften am Rande des Tempelhofer Feldes wohnen und umfangreich betreut werden. Details stehen noch nicht fest, solange der genaue Personenkreis, ihr Gesundheitszustand und anderen Faktoren dem Senat noch nicht bekannt sind. Die Verteilung obliegt dem Bund.

Darüber hinaus hatte der Senat im Juni ein Landesprogramm zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus Griechenland angekündigt.
Auch hier war von bis zu 300 Menschen die Rede, darunter neben unbegleiteten Minderjährigen auch andere besonders Schutzbedürftige wie Kranke, Alleinerziehende und Schwangere. Bereits beschlossen ist eine Landesaufnahmeverordnung, für die indes der Bund noch grünes Licht geben muss. Das ist bisher nicht erfolgt.

Moria: Mittlerweile 15.000 Flüchtlinge in einem Lager für 3.000 Personen

Die Regierung in Athen hat derweil in den ersten acht Juli-Tagen 784 Migranten von der Insel Lesbos auf das Festland gebracht. Das soll zur Entlastung der restlos überfüllten Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln im Osten der Ägäis beitragen. Bereits im Juni waren von den Inseln Lesbos, Chios und Samos 2.144 Menschen zum Festland gebracht worden. Das berichtete der Staatsrundfunk (ERT) am Donnerstag unter Berufung auf das Migrationsministerium in Athen.

Erstmals seit mehreren Monaten harren nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums weniger als 15.000 Menschen in und um das berüchtigte Lager von Moria auf Lesbos aus. Ende März lebten dort noch knapp 19.000 Flüchtlinge in dem Lager, das für maximal 3.000 Personen errichtet wurde.

Sendung: Abendschau, 11.07.2020, 19:30 Uhr

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91 Kommentare

  1. 90.

    Das war ja auch mit dem Dublin- Abkommen mal der Plan. Hat leider nie funktioniert. Es laufen ja schon länger Verhandlungen in der EU.
    Bei der Gründung und Aufnahme weiterer Länder ist offensichtlich versäumt worden,gleich Sanktionen festzulegen,wenn sich Länder nicht an die Regeln halten.

  2. 89.

    Es sollten mal lieber die Länder in der EU zur Aufnahme gezwungen werden, die bisher noch keine Flüchtlinge aufgenommen haben. In die EU wollten sie ja auch aufgenommen werden aber sich dann nicht an gemeinsamen Regeln halten.

  3. 88.

    Tja Immanuel, das ist halt ihre Meinung, eine Meinung von sehr vielen.........

  4. 87.

    Seit dem 11.07. wird diskutiert. Dieser Riss geht auch durch Deutschland. Zwei Staaten. Die einen möchten die Kultur, von ihren Eltern und Großeltern. Andere lieben Multikulti. Unsere Kanzlerin hat mal versprochen, dass mit der CDU kein Multikulti zu machen ist. Na dann mal los, ich bin für die Erhaltung unserer christlichen Kultur....

  5. 86.

    In Ihrem Weltbild scheint Deutschland vom Reich der Finsternis umgeben zu sein, in dem überall Not, Elend und Leid herrschen. Wo gibt es denn Abschiebungen "in den sicheren Tod"? Nach Marokko oder Tunesien? Nicht einmal auf Afghanistan trifft diese beliebte Übertreibung der Hypermoralisten zu.

    Und obwohl Sie in diesem hypermoralischen Furor Deutschland ALLEN helfen lassen wollen, die in tatsächlicher oder behaupteter Not sind, bestreiten Sie, dass das ein Pull-Faktor wäre, der potenziell auch ALLE nach Deutschland zieht. Das ist ein Widerspruch in sich. Gegen einen solchen weltfremden Hypermoralismus wäge ich realpolitisch die Rechte derer, "die schon länger hier leben", ab.

  6. 85.

    Es ging nicht um Tourismus, und wer bitte will alle Ausländer raus haben? Kann ich nirgendwo lesen, anstatt hier sinnlose Kommentare über Kommentare zu schreiben sollten Sie lieber richtig lesen und verstehen.

  7. 84.

    Richtig ist, dass 1992 dike Verfassung geändert wurde, nach dem dann gültigen Art. 16 a ist eigentlich niemand legal hier, der über sichere EU Grenzen eingereist ist.
    Wie gesagt, "eigentlich". Warum trotzdem Deutschland mehr Migranten hier aufnimmt als der Rest der EU und über eine Viertel Million Illegale im Land sind, müssen Sie Merkel fragen.

  8. 83.

    "Prenzlauer" würde nie einem Menschen in Not helfen, denn es könnte ja später ein Problem mit dem Geholfenen geben. Ein menschliches Armutszeugnis!

  9. 82.

    Nine, Berlin, Sonntag, 12.07.2020 | 19:45 Uhr:
    "Ich habe eben nicht geschrieben, das wir keine Flüchtlinge mehr aufnehmen sollen, sondern das es darum geht, die Flüchtlingskrise innerhalb der EU zu klären."

    Tja, dann klären Sie das mal mit den anderen EU-Ländern! Sie wissen anscheinend, wie das geht.

    Was denken Sie, was Deutschland - leider erfolglos - versucht? Wir können nicht warten bis auch alle anderen Länder bereit sind, Menschen in Not zu helfen.

    Nine:
    "Deutschland kann eben nicht alle aufnehmen, auch wenn sie das gerne möchten!"

    Wer möchte gern, dass Deutschland ALLE aufnimmt?

    Nine:
    "Wie Paula erwähnte, wie sollten die Menschen denn versorgt werden, wenn es noch nicht einmal der eigene Staat es schafft, Menschen im eigenen Land menschenwürdig unterzubringen. Da klafft für mich eine große Lücke!!"

    Man kann mit der Hilfe für Menschen in Not nicht warten, bis man ALLE eigenen Problem vollständig gelöst hat!

  10. 81.

    Spectator, Sonntag, 12.07.2020 | 14:40 Uhr:
    "Ich wäre ja selbst dafür, diesen Zustand umzukehren, das Asylrecht drastisch auf Ausnahmefälle zu beschränken (wie ursprünglich, explizit politische Verfolgung) und stattdessen über eine entsprechende Gesetzgebung die Einwanderung gezielt in Richtung von Zuwanderern mit günstiger Integrationsprognose zu steuern."

    Und was ist mit den anderen Asylgründen und den Menschenrechten? Verfolgung aus anderen als politischen Gründen, fehlende Krankenversorgung, Hunger, Bürgerkrieg etc.? Würden Sie wirklich Menschen in den sicheren Tod abschieben? Haben Sie so wenig Empathie?

  11. 80.

    Peter, Sonntag, 12.07.2020 | 14:38 Uhr:
    "Antwort auf [Torsten] vom 12.07.2020 um 13:42
    Sie können immer nur mit Ihren Belegen kommen wenn Ihnen irgendetwas nicht passt. Lächerlich, nur weil man festgestellt das die heimische Sprache kaum noch zu hören ist stempeln Sie gleich die Menschen als Rassisten ab."

    Dumm ist es, zu behaupten, dass kaum noch Deutsch gesprochen werden würde, weil dies offenbarer Unsinn ist. Solche Falschbehauptungen dienen nur dazu, Stimmung gegen andere Menschen zu machen.

    Abgesehen davon, ist Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig in unserem industriearmen Berlin. Und viele Touristen sprechen nicht unbedingt fließend deutsch.

    Wer alle Ausländer raus haben will, sollte dann aber genauso konsequent die Menschen im Ausland vor deutschen Ausländern schützen und auf Auslandsaufenthalte (wie z.B. Auslandsurlaub) verzichten. Deutsche dürften dann auch nicht mehr im Ausland studieren und Deutschland wäre vom wissenschaftlichen Fortschritt abgeschnitten.

  12. 79.

    wolfgang, BerlinSonntag, 12.07.2020 | 13:08 Uhr:
    "wir haben damals die ersten DDR Bürger ,,abgeholt "" und konnten sehen wie schnell die Botschaft wieder ,,voll " war
    und an Stelle etwas ernsthaftes zu unternehmen, haben wir ,, Beatmungshilfe "" mit Krediten geleistet ( oder mit dem Freikauf )
    schon damals hat die große Politik versagt.......bei den Menschen in der DDR, oder haben wir mit einer D Mark Transferzahlung etwas für den kleinen DDR Bürger bewirkt ?
    und heute ? wiederholen wir unsere Fehler"

    Ohje, soviel naive Geschichtsvergessenheit"
    Was hätte denn die BRD "Ernsthaftes" machen können? In die DDR einmarschieren und einen 3. Weltkrieg riskieren?
    Die westdeutsche Politik konnte nicht mehr erreichent. Mehr war im kalten Krieg nicht möglich!
    Gegenleistung für den Milliardenkredit von Strauß war der Abbau aller Selbstschussautomaten an der Grenze. Eine Flucht war danach etwas weniger gefährlich, aber trotzdem weiterhin sehr gefährlich.

  13. 78.

    Sandra, Sonntag, 12.07.2020 | 12:50 Uhr:
    "Antwort auf [Six] vom 12.07.2020 um 11:20
    Tatsachen benennen = Rassismus. Wo ist denn jetzt Ihr Problem, wenn Nine feststellt das in Deutschland bzw. in Berlin kaum noch Deutsch gesprochen wird und den Menschen in den Herkunftsländern geholfen werden muss."

    Das Problem ist, dass es 1. keine Tatsache, sondern Unsinn ist, "dass in Deutschland bzw. in Berlin kaum noch Deutsch gesprochen" werden würde, dass 2. eine Hilfe in den Herkunftsländern keine Hilfe gegenüber Flüchtlingen ausschließt und dass 3. dass eine Hilfe in den Herkunftsländern - ins besondere in Kriegsgebieten - meist praktisch kaum effektiv möglich ist.

  14. 77.

    Peter, Sonntag, 12.07.2020 | 12:24 Uhr:
    "Antwort auf [Martina] vom 12.07.2020 um 11:45
    Das gleiche gilt für Sie, um so weniger Leute wir haben die sich alle Flüchtlinge nach Berlin wünschen um so weniger würden hier ankommen!"

    Wer wünscht sich "ALLE Flüchtlinge nach Berlin"?

  15. 76.

    Sebastian, Sonntag, 12.07.2020 | 11:37 Uhr:
    "Sicher muss den Leuten geholfen werden, aber es gibt auch noch andere Länder die Sie aufnehmen können."

    Na, dann klären Sie das doch mal mit diesen anderen Ländern, dass die auch bereit sind, Menschen n Not zu helfen und aufzunehmen.

    Sebastian, Sonntag, 12.07.2020 | 11:37 Uhr:
    "Und wenn Berlin ganz laut schreit wir holen sie alle her dann sorgt auch bitte dafür das sie in Berlin bleiben und dort finanziert werden."

    Wer "schreit ganz laut wir holen ALLE her"? Bitte konkret!

  16. 75.

    Spectator, Sonntag, 12.07.2020 | 11:29 Uhr:
    "Das deutsche Asylrecht ist immer noch extrem großzügig, die Auslegungspraxis erst recht. Anderswo ist Asyl oftmals ein Gnadenakt, der in Ausnahmefällen gewährt werden KANN. Versuchen Sie einfach mal, nach bspw. Japan zu "flüchten"."

    1. Warum sollten wir dies tun?

    2. Es ist eine moralische, zutiefst menschliche Pflicht, helfen zu MÜSSEN, wenn man helfen KANN.

  17. 74.

    Nine, Berlin, Sonntag, 12.07.2020 | 10:54 Uhr:
    "Also mir fällt dagegen auf, das man in Berlins Straßen kaum noch die deutsche Sprache hört!?"

    UNSINN! Es wird immer noch sehr viel Deutsch gesprochen, insbesondere jetzt, wo kaum Touristen in Berlin sind.
    Aber natürlich kann man unnütze Fremdwörter wie Backshop (statt Bäckerei), Handy (statt Taschentelefon) etc. kritisieren.

    Nine, Berlin, Sonntag, 12.07.2020 | 10:54 Uhr:
    "Es ist richtig, das gegen die Flüchtlingskrise was getan werden muss, nur alle nach Deutschland bringen, hilft uns auch nicht weiter."

    1. Niemand will ALLE nach Deutschland holen!

    2. Es geht nicht darum, uns zu helfen, sondern anderen Menschen in Not.

  18. 73.

    Genau so sehe ich es auch. Und warum wird im Rbb24 Artikel erklärt: " Es kommen Kinder und Jugendliche mit ihren Familienangehörigen" ? Soll dadurch Mitleid erzeugt werden, wenn Kinder zuerst steht ? Und warum fühlt sich fast immer Deutschland dafür verantwortlich ? Wäre es nicht besser diese Menschen vor Ort zu helfen ?

  19. 72.

    Wir haben in Deutschland nur "Probleme mit Flüchtlingen" weil es dank Leuten wie Ihnen immer noch wichtiger ist Einwanderer möglichst kleinteilig bis aufs Blut bürokratisch zu drangsalieren.
    Und ich weiss worüber ich spreche. Ich hab trotz allem die Ehre gehabt einen jungen Mann bis zur bestandenen Gesellenprüfung als KFZ-Mechatroniker begleiten und unterstützen zu können. Aber Ihr bevorzugt dummes Deutschland behandelt ihn im 7. Jahr immer noch wie einen Bittsteller und Gast. Dank Leuten wie Ihnen, der Sie glauben auch nur irgendein Recht zu dieser Anmassung zu haben.
    Und das in einem Land das einmal die grösste Fluchtbewegung in Europa auslöste und in dem selbst noch vor 60 Jahren 25 Millionen Einwohner nichts weiter als Flüchtlinge waren.
    Tiefer sinken kann man halt nicht.

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