Archivbild: Eine leere autofreie Kreuzung auf der Friedrichstraße in Berlin Mitte. (Quelle: imago images/A. Scheibe)
Audio: Inforadio | 02.07.2020 | Jan Menzel | Bild: imago images/A. Scheibe

Von Mitte August bis Ende Januar - Teil der Friedrichstraße bleibt fünf Monate lang autofrei

Der schon seit längerem geplante Modellversuch zur autofreien Friedrichstraße soll nunmehr Mitte August beginnen und bis Ende Januar dauern. Die Einkaufsmeile wird für fünfeinhalb Monate zwischen Französischer Straße und Leipziger Straße für Autos gesperrt, wie der Bürgermeister des Bezirks Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), am Donnerstag mitteilte.

Für Radfahrer soll es demnach eine vier Meter breite Durchfahrt auf der Fahrbahn geben, "während zu Fußgehende zum Flanieren und Verweilen eingeladen sind". Die Belieferung und Erreichbarkeit der Geschäfte auf der Friedrichstraße sei durch ausgewiesene Ladezonen in den Nebenstraßen und Parkhäuser in unmittelbarer Nähe gewährleistet.

Von Dassel will "Alleecharakter" mit hohem Wohlfühlfaktor

Für mehr Aufenthaltsqualität sollen unter anderem 65 Bäume sorgen, die der Friedrichstraße laut von Dassel "Alleecharakter" verleihen sollen. "Hochwertige Parklets mit Tischen und Sitzgelegenheiten bieten Oasen der Erholung und gastronomischen Betrieben die Möglichkeit, Gäste unter freiem Himmel zu bewirten", sagte er weiter. In gläsernen Schaukästen können Gewerbetreibende ihre Waren präsentieren. Veranstaltungen, Workshops und Designmärkte sollen das Konzept abrunden.

"Ich bin optimistisch, dass es uns gemeinsam mit allen Beteiligten gelingt, die Friedrichstraße zu einer Marke zu machen, die weit über Berlin hinaus für anspruchsvolles Gewerbe und Gastronomie steht", erklärte von Dassel. "Einkaufsstraßen haben Zukunft, wenn der öffentliche Raum nicht durch den motorisierten Individualverkehr dominiert wird."

Senatorin regt Weihnachtsmarkt auf Friedrichstraße an

Das Projekt, das den Angaben zufolge wissenschaftlich begleitet wird, ist umstritten. Mehrere Wirtschaftsverbände und Initiativen hatten erst diese Woche verlangt, es zu verschieben, um das Konzept zu diskutieren. Laut IHK ergab eine Umfrage mit 137 Gewerbetreibenden vor Ort, dass eine knappe Mehrheit den Versuch grundsätzlich positiv bewerte. Sie sähen aber Politik und Verwaltung in der Pflicht, zuvor gemeinsam mit Anrainern ein Maßnahmenpaket zu entwickeln.

Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) wies am Donnerstag im rbb diese Kritik zurück. Sie sei mit Akteuren und Anrainern im Gespräch und die Pläne seien bekannt, so Günther. Im Dezember könne sie sich vorstellen, dass die Friedrichstraße mit einem Weihnachtsmarkt belebt wird. Auch Mode-Events hält Günther für möglich.

Sendung: Inforadio, 2.7.2020, 16:20 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    "hoch frequentierte Hauptverkehrsstraße"?

    Die Friedrichstraße ist dies jedenfalls nicht. Sie hat nur nachrangige Bedeutung.

  2. 13.

    "es wird auch weiterhin Menschen geben die mit Autos unterwegs sein wollen oder möchten." Und diese Menschen sollen einen gerechten Anteil der Kosten übernehmen, die durch ihr Handeln entstehen.
    "Das hat nicht alles mit Bequemlichkeit zu tun" In erster Line schon. Es soll ja nicht der selbstständige Handwerker ge/verhindert werden, sondern die unnötigen Fahrten des MIV. Davon profitiert nicht nur der ÖPNV, sondern auch die, die auf ihre KfZ angewiesen sind.

  3. 12.

    Aha behauptet nicht jeder Autofahrer er mache nur wichtige Fahrten und er benutzt das Auto auch nur wenn er es wirklich braucht. Ich habe noch keinen erlebt, der zugibt für 500 zum Bäcker zu fahren.

  4. 11.

    Autos wird es noch sehr lange geben in unseren Städten, es wird auch weiterhin Menschen geben die mit Autos unterwegs sein wollen oder möchten.
    Das hat nicht alles mit Bequemlichkeit zu tun, es hat was mit Unabhängigkeit & Flexibilität zu tun.
    Ich Persönlich muss nicht mit mein Auto 500m fahren zum Bäcker oder zum nächsten Laden der gleich um die Ecke ist, ich nutze es wenn ich es wirklich brauche und schon alleine durch meine Selbständigkeit.

  5. 10.

    Wann waren Sie das letzte mal an der Friedrichstraße zum Shoppen? Der meiste Verkehr dort ist Durchfahrtsverkehr und Parkplätze gibt es nur in den Seitenstraßen.

  6. 9.

    Es ist für viele Autofahrer eine schmerzhafte Vorstellung das sie nicht bis vor das Geschäft fahren können aber selbst diese Zeitgenossen werden irgendwann auch mal erkennen ,das das Auto nicht der Nabel der Welt ist. Für einige hörts mit der Bequemlichkeit auf dafür steigert sich für sehr viele Bürger die Lebensqualität. Man ist auf dem richtigen Weg.

  7. 8.

    dann verlagern wir den Autoverkehr in die Nebenstraßen. Damit hat man nichts gewonnen. Die Grünen sollen endlich mal kapieren das man sich das Auto fahren nicht verbieten lässt. Ich fahre jeden tag mit der Bahn ins Büro. In sämtlichen neuen straßenbahnen waren entweder die Klimaanlagen nicht an oder schon defekt. Einfach unerträglich und dann noch mit den Scheiß Schlüpper im Gesicht. Auf der U2 rumpeln fast nur noch die alten Schinken wahrscheinlich von der gesperrten U1. Wo sind mit einmal die neuen U Bahnen geblieben. Alle schon wieder in der Werkstatt ? Das sind nur einige Mißstände die dazu führen das ÖPNV zur Zeit unerträglich ist. Und dann kommt so ein Grüner und will uns vorschreiben wir wir uns in Berlin fortbewegen sollen.Nein danke

  8. 7.

    Träumen Sie ruhig weiter ihren grünen Traum, das wird so wie von ihnen beschrieben niemals stattfinden. Wenn die Friedrichstraße erst einmal für den Autoverkehr gesperrt ist, werden viele Geschäfte für immer schließen. Bereits jetzt fordern die Ladeninhaber eine Verschiebung der Aktion und ein tragfähiges Konzept.
    Zum Flanieren wird dort bei Leerstand und Ödnis sicherlich keiner kommen.
    Die von ihnen beschriebenen "grünen Visionär/inn/e/n" haben mit ihren realitätsfernen Wunschträumen bisher noch jede florierende Wirtschaft torpediert.

  9. 6.

    Bisher eine der Hauptdurchgangsstraßen für den Nord-Süd-Verkehr, durch den sich die Autos Stoßstange an Stoßstange schoben. Nun, dank segensreichen, klugen Wirkens grüner Visionär/inn/e/n, ein Paradies für Flanierende und Verweilende, die sich den Straßenraum mit bekannt rücksichtsvollen Radfahrer/inne/n teilen dürfen.

    Zweifellos wird dieser Abschnitt der Friedrichstraße bald Berlins schönste und lebendigste Straße werden, eine internationale Attraktion und eine Goldgrube für alle dort ansäßigen Geschäfte, denn aus allen Teilen der Stadt, des Landes, der Welt werden die Menschen dorthin strömen - natürlich mit der U-Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß -, um zu flanieren, zu verweilen und ihre Einkäufe zu tätigen (die sie dann nach Hause transportieren mit der U-Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß).

    Man betrachte nur, wie attraktiv heute schon die Fußgängerzonen Wilmersdorfer Straße oder Rathausstraße/Alex sind. So schön müssen viel mehr Berliner Straßen werden. Insbesondere abends.

  10. 5.

    Im Dezember könne man sich einen Weihnachtsmarkt vorstellen....dercwar wirklich gut.

    Jetzt mal im Ernst, dann werden die Läden dort im März auch schliessen müssen. Ich fahre nie Bahn.
    Möchte man in Berlin keine Läden mehr haben? Corona hat dichvsein Teil getan

  11. 4.

    Mir ist unklar, wie eine derart hoch frequentierte Hauptverkehrsstraße ohne Notwendigkeit gesperrt werden kann. Ist das tatsächlich ordentlich untersucht und als allgemein förderlich befunden worden? Wie wird der Verkehr umgeleitet?

  12. 3.

    Wirklich begeistern kann ich mich für die Idee nicht. Ich fänd es besser, die Mitte einmal verkehrstechnisch "aufzuräumen". Es gibt auch nach dreißig Jahren kein Verkehrskonzept für die Mitte Berlins.

  13. 2.

    Mag ja für die Initiatioren schön sein. Der Rest wird wohl nicht kommen....

  14. 1.

    Diese Straße ist noch nie ein Anziehungspunkt für Berliner Käufer gewesen.
    Nun schon gar nicht mehr.

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