ARCHIV - Eine Deutschlandfahne mit dem Bundesadler weht in einem Kleingarten (Quelle: dpa/Endig)
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Bürgermeister widersprechen dem Senat - Berliner Bezirke lehnen Kleingarten-Entwicklungsplan ab

Mehr als 70.000 Kleingärten gibt es in Berlin. Entstanden sind sie als grüne Oasen in der Betonwüste. Ein neuer "Kleingarten-Entwicklungsplan" des Senats ist im Moment in der Beratung der Bezirke. Und die Bezirke haben den Plan erst einmal abgelehnt.

Die Senatspläne für die teilweise Beseitigung von Berliner Kleingärten für Bauvorhaben wie Schulerweiterungen sind vom Rat der Bürgermeister (RdB) am Donnerstagabend abgelehnt worden. Das teilte das Gremium am Freitag mit. Der sogenannte "Kleingarten-Entwicklungsplan" des Senats wurde vom Rat mit zahlreichen Hinweisen zur Überarbeitung versehen.

Auf Initiative von Charlottenburg-Wilmersdorfs Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann wurde vom RdB auch die folgende Ergänzung über die teilweise Bebauung der Kolonie Stadtpark I in Wilmersdorf in den Entwurf des Kleingartenentwicklungsplans - erstellt durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz – aufgenommen: "Die Senatsbildungsverwaltung wird aufgefordert, den geplanten Schulerweiterungsbau nicht auf der Fläche der Kolonie Stadtpark I zu verwirklichen, sondern auf dafür geeigneten, bisher unbebauten schulischen Flächen."

19 Parzellen in Gefahr

Hintergrund hierfür ist, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie einen Erweiterungsbau für die Wangari-Maathai-Schule plant. Die internationale Schule an der Babelsberger Straße 24 befindet sich in Landesschulträgerschaft. Die bisherigen Senatsplanungen sehen für das Bauvorhaben die Inanspruchnahme von bis zu 19 Parzellen der Kleingartenkolonie an der Waghäuseler Str. 10B vor.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann kritisierte, dass es bisher keine Transparenz in der Planung durch die Senatsbildungsverwaltung zu diesem Bauvorhaben gebe. Es sei dringend geboten, ernsthaft Alternativen zur Realisierung der wichtigen Schulerweiterung in den Blick zu nehmen, um die Kolonie in ihrer Gesamtheit zu erhalten."

Sendung: rbb88,8, 24. 7. 2020, 10 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Wenn Ihnen die Hauptstadt zu viel Beton, Asphalt und Gebäude hat, dafür aber zu wenig Grün, können Sie ja auch woanders hinziehen. Die Uckermark und M-V sollen recht dünne besiedelt sein.

  2. 20.

    Oh Berliner, glauben Sie wirklich damit das Problem zu lösen? Der Senat hat jahrelang alle Flächen verkauft oder zu Spottpreisen verschleudert. Und wenn eine Kleingartenkolonie bebaut wird dann glauben Sie, dass diese Flächen nicht meistbietend an einen Investor gehen? Siehe die ehemalige Kolonie in der Forckenbeckstraße? Die Kleingärten tragen nachweislich zu einem besseren Klima und zur Nahversorgung bei. Das verdrängen ins Land Brandenburg würde (wenn überhaupt) zu noch mehr Verkehr beitragen. Eine sinnvolle Überbauung von Parkflächen auch bei Lidl und Co erscheint mir da besser. Aber auch diese verkehrten Genehmigungen kamen vom Senat.

  3. 19.

    Am besten alle Kleingärten im Inneren S-Bahnring weg. Dafür Wohnhäuser, Büros und dazu noch Kneipen und Discos. Alles zu betonieren und grün anstreichen fertig.
    Wer das will sollte dann aber auch nicht in die Randbezirke fahren um sich im grünen zu erholen.
    Sind die Kleingärten erst mal weg wird es auch bestimmt keine Parks geben. Soviele Menschen waren in der Coronazeit zufrieden einen kleinen Zufluchtsort mit den Kindern zu haben.
    Bei manchen Kommentaren könnte man fast denken die Verfasser sind neidisch.
    Ach ja, ich habe keinen Kleingarten.

  4. 18.

    Nein, was Berlin braucht, ist mal endlich Entschleunigung vom Wachstumswahnsinn! Sie möchten mehr öffentliche Parks für Alle? Um Himmelswillen, schauen Sie doch, was im neu eröffneten Mauerpark momentan passiert! Da gibt es rechtsfreie Zonen!
    Darüberhinaus schottet sich niemand im Kleingarten ab; Sie haben doch das Recht, durch eine jede Anlage zu spazieren und diese zu bewundern! Die Stadt hat darüber hinaus überhaupt keine Kapazitäten, um sich um Grünanlagen auch nur ansatzweise adäquat zu kümmern.
    Das Recht auf einen eigenen Garten darf auch in einer Stadt wie Berlin nicht davon abhängen, wie viel Geld für eine schicke Eigentumswohnung im Erdgeschoss mit 4 qm Freiluftgatter vorhanden ist, oder wer sich 800 € Miete für eine entsprechende Wohnung leisten kann.
    Ich kann nicht aufhören zu betonen: Die Stadt ist voll! Wie viele Menschen haben einen Zweitwohnsitz oder eine Wohnung hier, die sie nicht nutzen? Das ist okay, aber meine Tomaten sollen auch im Sommer aus Spanien kommen?

  5. 17.

    Und diese wirklich sehr geringen Beträge sollen der Grund dafür sein, dass mitten in der Stadt Flächen für eine kleine Gruppe reserviert bleiben, während die Mieten steigen und steigen? Das ist unsolidarisch und nicht mehr zeitgemäß! Berlin braucht mehr öffentliche Parks mit Aufenthaltsqualität, moderne neue Schulgebäude und bezahlbaren Wohnraum und nicht abgeschottete Kleingärten.

  6. 16.

    Gegen den überlasteten ÖPNV helfen auch kurze Wege anstatt Wohnungsneubau nur am Stadtrand. Nun wollen die Kleingärtner nicht auf ihre Privilegien verzichten. Sonst könnten die ja auch die Kleingärten stärker für die Allgemeinheit öffnen und würden aufhören, sich hinter hohen Hecken zu verstecken.

  7. 15.

    Im Sommer heiß und im Winter kalt, ist aber nicht unbedingt zielführend. Es enthält eine gewisse Ironie, dass eine Betonwüste wie der Alex ausgleichend wirkt, während auf dem Tempelhofer Feld Rekordtemperaturen gemessen werden.

  8. 14.

    Zu Enteignen gibt es nur wenig. Die meisten Kleingärten entstanden als Lösung für eine Zwischennutzung der Baulandreserven des Landes, wobei gleichzeitig die Nahrungsmittelversorgung verbessert werden sollte.Deshalb werden die auch nur verpachtet. Es gibt dabei Schätzungen, dass bei der Zuführung von nur 10% dieser Flächen Wohnraum etc. für 400.000 Menschen geschaffen werden könnte. Man müsste einfach nur mal durchgehen und die Höhe der Hecken, die Größe der Lauben oder die Rasenfläche samt Pool mit dem Kleingartengesetz abgleichen. Schon könnte man leicht die schwarzen Schafe aussortieren und den redlichen Nutzern Ersatzflächen anbieten. Nur interessiert das Allgemeinwohl viele Pächter nicht.

  9. 13.

    Was wir hier in Berlin erleben, erinnert mich an die völlig verfehlte Politik der "Autogerechte Stadt" im Westen. Es wird zubetoniert was das Zeug hält. Irgendwann gibt es ein böses Erwachen, man sagt "ach, das war der Zeitgeist", und dann kann man aufwändig die Auswirkungen abfedern. Gerade die SPD hat sich da keinen guten Namen gemacht. Wäre mehr Geld geflossen, wäre 1 Berlin 36 heute wahrscheinlich ein Autobahnkreuz.
    Wo bleiben denn die Ideen, versiegelte Flächen zu überbauen? Hochhäuser aufzustocken? Dächer und Fassaden ökologisch sinnvoll zu begrünen? Wieso können die Aldis dieser Welt zusammen mit ihren Parkflächen nicht im Erdgeschoß eines 6-Geschossers untergebracht werden? Wieso nicht die schon genannten Brachflächen auf Schulgeländen überbaut? Kommen Sie mir nicht mit Sachzwängen! Was an Grün vernichtet wird, bleibt vernichtet. Und die Stadt wird von Jahr zu Jahr wärmer.

  10. 12.

    Wenn Ihnen Berlin zu wenig Beton, Asphalt und Gebäude hat, dafür aber zu viel Grün, können Sie ja auch woanders hinziehen. Sie finden was!

  11. 10.

    Bitte nur einmal über den Tellerrand schauen. Wenn keine Kleingärten mehr in Berlin da sind, gibt es keine grünen Oasen mehr. Alles wird zugepflastert.Das ist nicht mein Berlin!!! Man kann die Kleingärtner doch nicht einfach enteignen oder kündigen! Was soll das??

  12. 9.

    Seit zig Jahren jedes Jahr dasselbe. Kleingärtner müssen um ihre kleine Parzelle bangen, Vorstände von Kleingartenanlagen, Anwälte und Gerichte und natürlich damit auch die gemeinschaftlichen Gelder der Kleingärtner werden strapaziert!! Wir haben doch in Berlin genug ungenutzte Betonwüsten, die bebaut werden können. Wir hatten vor vielen Jahren schon mal einen, der aus Berlin eine ABSOLUTE Betonwüste machen wollte. Wir sollten alle darauf achten, dass es so jemand niiiiie wieder schafft, ......

  13. 8.

    Und was berechtigt Kleingärtner*innen, mitten in der Stadt landeseigene Fläche privat zu nutzen, während die Wohnungsnot immer größer wird? Kleingärten gehören an den Stadtrand. Das wäre vernünftig und zukunftsorientiert.

  14. 7.

    Zu viele Menschen, zu viele Kinder auf zu wenig Raum. Die Verbotsparteien sollten über ein Zuzugsverbot nachdenken, statt das Leben immer mehr einzuschränken und einzelne Gruppen zu schikanieren, zu schädigen und gegeneinander auf zu hetzen.
    Das hilft auch gegen überlasteten ÖPNV, Wohnungsmarkt usw usw...
    Ich habe keinen Kleingarten, das macht MIR zu viel Arbeit. Aber ich genieße es, wenn man in der Betonstadt auch mal im Grünen sein kann. Besonders für Kinder ist ein Garten ein unerschöpflicher Hort der Erlebnisse und Erfahrungen.
    Es bringt doch nix, über Jahrzehnte an dem Symptomen herum zu docktern, man muss an die Ursachen ran.

  15. 6.

    Berliner, du kannst in Berlin jede Kleingartenanlage betreten und das Grün, die Blumen, Bäume und Angepflanztes bestaunen. Dann siehst du auch wie viel Arbeit darin steckt. Als Klima-Ausgleich dienen die Anlagen auch noch.

  16. 5.

    Was berechtigt sie, Kleingärtner nach Brandenburg abschieben zu wollen? Nichts!
    Berlin muss sein Probleme selbst lösen, da sie Berlin sie sich auch selbst eingebrockt hat.
    Kleingärten haben außerdem Auswirkungen auf das Stadtklima.

  17. 4.

    „Entstanden sind sie als grüne Oase in der Betonwüste“. Könnt ihr bitte erst recherchieren bevor ihr so eine Überschrift veröffentlicht. Werden die die Artikel nicht mehr kontrolliert? Ich mach es dem Schreiber jetzt einfach, nachzulesen bei Berlin.de/ Geschichte des Berliner Stadtgrüns/ Kleingärten . Lesen müsst ihr selber

  18. 3.

    Wenn ich das schon wieder höre, dass bloß keine Kleingärten bebaut werden sollen. Das größtenteils Flächen, die dem Land gehören, die aber ausschließlich privat genutzt werden. Die könnte man wunderbar von städtischen Wohnungsbaugesellschaften bebauen lassen ohne teure Flächen ankaufen zu müssen.
    Natürlich darf man das nur mit einem Teil der Parzellen machen. 60 Prozent der Fläche sollten unbebaut bleiben und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Dann hätten alle was davon und nicht nur die Kleingärtner.

    Die Kleingärtner können ja nach Brandenburg gehen, wo genug Platz ist...

  19. 2.

    Es könnten auch leerstehende, verwahrloste, verfallene Spekulationsobjekte enteignet, abgerissen, schadstoffsaniert und neu bebaut werden. Wir haben nicht endlos Platz. - Schlimm genug dass Güterbahnhöfe und Binnenhäfen mit spekulativ-höherwertigen Wohnimmobilien und Möbellagern versiegelt werden.

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