Rummelsburger Bucht (Quelle: Paul Zinken/dpa)
Video: Abendschau | 18.07.2020 | Anja Herr | Bild: Paul Zinken/dpa

Berlin-Lichtenberg - Wie Anwohner und Umweltschützer "Coral World" stoppen wollen

An der Rummelsburger Bucht in Berlin-Lichtenberg soll das "Coral World" gebaut werden, eine Art Riesenaquarium. Doch Anwohner und Umweltschützer machen dagegen mobil. Sie zeigen sich zuversichtlich, das Projekt noch kippen zu können. Von Anja Herr

Eine Art Riesenaquarium mit exotischen Fischen soll in der Rummelsburger Bucht entstehen. Der Name: "Coral World". Das soll Touristen nach Berlin-Lichtenberg ziehen. Im April 2019 wurde nach vielen Jahren und unter großem Protest der Bebauungsplan beschlossen. Passiert ist seitdem - recht wenig. Es wurde noch keine einzige Baugenehmigung erteilt.

Viele Anwohner sind gegen den Bebauungsplan: Die Bürgerinitiative "Bucht für alle" fordert stattdessen, die Freiflächen mit mehr bezahlbaren Wohnungen, einer Kita und einer Schule zu bebauen und Bäume zu erhalten. Auch Naturschützer vom Verein Naturfreunde Berlin gehen gegen das Projekt vor.

"Der Bebauungsplan ist eine Nullnummer"

Im Januar reichten beide Klage gegen den bestehenden Bebauungsplan am Oberverwaltungsgericht ein - unter anderem, weil Artenschutz-Aspekte und Maßnahmen des Klimaschutzes nicht ausreichend geprüft worden sein sollen. Der Anwalt der beiden Initiativen, Karsten Sommer, hält den Bau des Aquariums nach eigenen Angaben für überhaupt nicht möglich. "Der Bebauungsplan ist aus unserer Sicht klar rechtswidrig und wird für unwirksam erklärt", sagte er der rbb-Abendschau.

Zur Begründung sagt Sommer, dass bei einem Katalog von 30 Maßnahmen, die bei einer für den Klimaschutz wertvollen Fläche typischerweise geprüft werden müssten, nur eine einzige Maßnahme im Bebauungsplan erwähnt sei. "Ansonsten ist der Bebauungsplan eine absolute Nullnummer, was den Klimaschutz angeht", so der Jurist.

Zweckentfremdung einer öffentlichen Parkanlage?

Außerdem habe der Bezirk nicht nachvollziehbar dokumentiert, aus welchen Bestandteilen der Bebauungsplan im Detail bestehe. Ein weiterer Vorwurf des Anwalts lautet: Was die Ausweisung der öffentlichen Grünflächen angehe, sei Etikettenschwindel.

Denn die geplante öffentliche Parkanlage würde teilweise zweckentfremdet werden und gar nicht wirklich öffentlich sein. Um einen Café- und Biergarten von "Coral World" solle, so Sommer, ein Zaun gezogen und das Ganze nachts abgeschlossen werden. "Das zerstört den Charakter einer öffentlichen Parkanlage, das macht letztendlich das Gelände zu einem Teil des 'Coral World'-Geländes."

Bebauungsplan könnte noch einmal aufgerollt werden

Der Bezirk hat zu der Klage noch keine Stellungnahme abgegeben, er hat sich hierzu eine Fristverlängerung bis Ende August geholt. Der Lichtenberger Baustadtrat Kevin Hönicke (SPD) schließt nach eigenen Angaben nicht aus, dass der Bebauungsplan noch einmal aufgerollt werden muss, da die Klage vor dem Oberverwaltungsgericht erfolgreich sein könnte. "Dann müsste dieser B-Plan wahrscheinlich noch mal neu angefasst werden", sagt Hönicke. Solange aber keine Entscheidung des Gerichts da sei, dürften prinzipiell Baugenehmigungen an der Bucht erteilt werden.

Zwei der insgesamt fünf Investoren haben bislang Bauanträge gestellt: Die Streletzki-Gruppe und die Investa Real Estate. Bauen wollen sie Büro- und Verwaltungsgebäude, Wohngebäude sowie ein Boardinghouse für hotelähnliches Wohnen auf Zeit. Entschieden sei aber noch nichts, so der Stadtrat.

Die Mandanten von Anwalt Karsten Sommer wollen hier an der Bucht weder ein Boarding House noch ein Aquarium sehen. Sie hoffen, dass der Bebauungsplan spätestens im nächsten Jahr gekippt wird - im Sinne der Umwelt.

Sendung: Abendschau, 18.07.2020, 19.30 Uhr

Beitrag von Anja Herr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Wer Natur will, der soll aufs Land ziehen. Erst überfallen sie Berlin wie eine Heuschreckenplage und gentrifizieren einen Bezirk nach dem anderen und dann krämpeln sie alles um, weil es zu wenig Dorf ist. Dann geht doch aufs Dorf zurück.
    Man auf der anderen Seite ist der Treptower Parkt das ist ja wohl genug Naherholung.
    Das bisschen verdorrte und zertrampelte Wiese mit 3 Bäumen ist ja wohl nix Naherholung. Weit und breit quasi keine Anwohner. Hauptsache gegen irgendwas sein, egal was, das ist neue deutsche Mode.

  2. 27.

    Lieber Lando,

    Ihre Meinung über die Bewohnerschaft von Stralau bleibt Ihnen unbenommen (auch wenn ich die Schärfe nicht für zielführend halte). Ich wiederhole gerne nochmal - die Rummelsburger Bucht wird auch von den Lichtenbergern als Naherholungsgebiet genutzt. Dass es sich bei diesem Stadtbezirk nun um einen ausgesprochenen "Bonzen"-Bezirk (ihre Wortwahl) handelt, wäre mir neu, aber vielleicht bin ich da als Bewohner auch befangen, kann sein.

    Ihre ganze Argumentation hat für mich etwas von "Wenn wir hier schon nicht gewinnen können, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt" (c) Rolf Rüssmann. -> Weil es sich in Stralau/Friedrichshain einige finanziell gut aufgestellte (übrigens auch um einiges besser als ich, wohne selber in einer DDR-Platte) schön gemacht haben, DARF es eine Verbesserung der Planungen in Rummelsburg/Lichtenberg natürlich auf gar keinen Fall geben. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir uns mal das Leben nicht gegenseitig zur Hölle machen würden?

  3. 25.

    Was man alles falsch machen kann würde auf der einstmals schönen Halbinsel Stralau vom
    " Bez. Kreuzberg/X-hain !!! anschaulich aufgezeigt.
    Sieht doch jetzt toll aus mit den neu entstehenden Betonklötzen.
    Von der Erhaltung der Industriedenkmäler (Glaswerk)
    wollen wir gar nicht erst reden.
    Man könnte noch den Friedhof lukrativ bebauen und die schiefe Kirche braucht ja auch kein Mensch.
    Dann noch einen hohen Zaun drum und Zugang nur mit gesonderten Ausweis.
    ....War schon Mal zu DDR-Zeiten ein Plan, der glücklicherweise aber nicht umgesetzt wurde.
    Ich hoffe doch, dass !!! alle !! die für und in Rummelsburg
    (Bez. Lichtenberg) etwas zu sagen haben
    -jetzt!!! noch schlauer sind und diesen Bebauungswahnsinn verhindern.
    Noch ist Rummelsburg Grün und es leben noch viele Tierarten hier....-ob eine Spundwand hier hilfreich ist,
    ist wohl mehr als fraglich.

  4. 24.

    Ich bewundere Ihren unermüdlichen Einsatz für Naturschutz und gesamtgesellschaftlichen Freiräumen, nur hätte dieses Engagement schon viel früher stattfinden sollen.
    Spätestens ab dem Zeitpunkt wo diese Gegend von Bonzenbauten nur so zugeschmattert wurde, hätte ich mir solch Einsatz gewünscht.
    Nun wo alles schön kuschelig ist soll der Status Quo bleiben und Veränderungen wo auch andere Menschen in dieser Stadt partizipieren könnten werden massiv bekämpft.

    Des Weiteren wird nun, wo sämtliche Baulücken mit Eigentumswohnungen zugepflastert wurden, auf die Notwendigkeit von Infrastrukturmaßnahmen ( Kita, Schule...) hingewiesen, welche natürlich vom Senat gestemmt werden sollen, also vom Steuerzahler.

    Die Gier nach Profiten war scheinbar so groß, dass man die Infrastruktur ganz vergessen hat.
    Bedeutet nun also, dass der Nachwuchs der werten Anwohnerschaft nicht eingeplante lange Wege auf sich nehmen muss.

    Am Ende aber wird sicher alles gut und die noch zur Verfügung stehenden Freiflächen werden nach langem und erfolgreichem Kampf von der öffentlichen Hand für infrastrukturelle Maßnahmen bebaut.

  5. 23.

    Moin Hajakon,

    wenn Sie darum bitten kläre ich Sie gern auf. Es ist eigentlich einfach, wenn man nicht nur den Duden benutzt. (Lieber eine Metasuche. Bei Suchmaschinen nennt mans genau so wie beim Denken.)

    Kognition betrifft nur Ihre persönlichen Denkprozesse, rund um und nur betreffend Sie selbst.
    Metakognition ist ein erweiterter Denkprozess, der auch andere Sichtweisen und Fakten mit einbezieht.

    Deswegen leiden auch betroffene vom Dunning-Kruger-Effekt unter einem Fehlen der Metakognition. Logisch nachvollziehbar, oder?

  6. 22.

    Es gibt in Lichtenberg auch Menschen, die die Rummelsburger Bucht - ohne direkt an ihr zu wohnen - ganz banal zur Naherholung nutzen und sich um deren adäquate städtebauliche Ausgestaltung sorgen. Diese sind in meinem Verständnis auch Anwohner und sollten Gehör bekommen.

    Nur zur Verdeutlichung.

    *in ca. 15 Fahrradminuten Entfernung gibt es den Tierpark.
    *4 S-Bahn-Stationen entfernt am Alex die Seaworld und
    *10 S-Bahn-Stationen entfernt Am Zoo das Aquarium.

    In Rummelsburg leben viele junge Familien, die Versorgung mit Kita-Plätzen ist suboptimal. Anstelle notwendiger sozialer Infrastruktur bauen wir ein Aquarium - sozusagen als Trostpflaster (in Form einer überflüssigen, da redundanten Wochenendfreizeitattraktion) für alle, die keinen Kitaplatz abbekommen haben. Alles klar.

  7. 21.

    Welche Anwohner? Das Gebiet ist von 2 Seiten von Bahntrassen abgeschirmt und an einer anderen vom Wasser. Wirklich betreffen, allerdings über die Bucht, wird das nur die Privatbonzen in den überteuerten, unansehnlichen Designerklötzen. Man hätte schon diese hässlichen Wohnklötze gar nicht bauen sollen.
    Strahlau für alle gefiele mir besser.

  8. 20.

    ääää nein, versteh ich nicht. Bitte definieren Sie metakognitiv; nie was von gehört oder gelesen. Und in welchem Zusammenhang stehen bitte Metakognition (was immer das auch sein soll) und Empathie. Der Duden belehrt mich das Kognition die "... Gesamtheit aller Prozesse, die mit dem Wahrnehmen und Erkennen zusammenhängen. ..." sei und meta ist laut Duden "...drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass sich etwas auf einer höheren Stufe, Ebene befindet, darüber eingeordnet ist oder hinter etwas steht. ..." Und ebenfalls der Duden zu Empathie: "... Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. ..." Lassen Sie mich bitte nicht dumm sterben. Danke.

    Gruß
    Hajakon

  9. 19.

    Mir scheint als wenn die werte Neuanwohnerschaft von der Bucht dem St. Florians-Prinip verfallen ist.
    Kultur und Attraktionenangebote gerne, nur nur nicht bei uns.
    Über die verlorengegangen Freiräume auf Alt Stralau schreibt komischerweise Weise keiner.
    Warum auch, wurde diese wunderschöne Halbinsel doch mit schnöseligen Eigentumsprachtbauten zu gekleistert.
    Gerne könnten wir auch hier über eine veränderte Bewohner- und Baustruktur reden.
    Dies aber möchte keiner, denn in dem neu geschaffenen Fort lebt es sich zentrumsnah doch vorzüglich, fernab jeglicher Bevölkerungsentwicklung in dieser Stadt.

  10. 18.

    Die Website zum Thema "Bucht für alle" (über Google auffindbar) hat kein Impressum. Nicht gut.

  11. 16.

    So sehr ich Ihre Bewertung des Ist-Zustandes auch teile,

    der Schluss : "Hauptsache es wird schnell bebaut"

    ist doch - Entschuldigung - Quatsch. Ich - ebenfalls Anwohner - lebe wohl oder übel lieber noch eine Zeit mit dem "Schandfleck", der nunmal dem planerischen Schwebezustand geschuldet ist, als mich jahrzehntelang über einen weiteren Berliner Sinnlosbau zu ärgern.

    Muss wirklich jeder Quadratzentimeter in Berlin zugepflastert werden?
    Mangelt es der Stadt an Touristenattraktionen?

    Ja, die Aufenhaltsqualität rund um die Fläche des ehemaligen Fußballplatzes geht momentan gegen 0. Aber hat der Investor nicht auch eine Verantwortung, den Zugang für Unbefugte zu erschweren?
    Jetzt soll er für sein Gewährenlassen auch noch belohnt werden?

    MIr persönlich wäre das zu billig. Ich radel lieber zügig an besagter Stelle vorbei und genieße vom Treptower Park aus den Blick auf die Türme des Frankfurter Tors. Diese Sichtachse wird's ja nicht mehr lange geben...

  12. 15.

    @Hans Pagel : Danke für Ihren Beitrag
    Auch mir ist immer wieder die einseitige und ungenaue, teils schon in Lobbyarbeit für die Partei "Die Grünen..." mündende Redaktionsarbeit aufgefallen. Hier sollte sich die Online-Redaktion ein Beispiel an der Abendschau-Redaktion nehmen, die zumindest überwiegend, wieder objektiver wird.

  13. 14.

    Achsoooo, Sie finden meine Bitte das Thema objektiv zu betrachten also subjektiv bescheuert?
    Na wundervoll.
    Trotzdem gehört das Grundstück dort schon längst nicht mehr dem Land Berlin sondern diesem israelischen Investor.
    Wie soll das gehen den zu „überzeugen“ da jetzt plötzlich seinen B-Plan nochmal zu ändern ? Es wurde jetzt so viel gebremst, es geht halt nun los!
    Ich würde mich auch nicht unbedingt zwingen lassen meine Vorstellungen und meinen Profit schmälern zu lassen nachdem Investitionen schon getätigt wurden.

    Preiswertes wohnen schließt dieser Fakt auch irgendwie aus. Sie haben schon vom schlauen Mietendeckel gehört?
    Ich würde da garantiert keine Wohnungen bauen - das wär nun wirklich das letzte mit diesem Jahrmarktssenat.
    Da brauchen Sie auch nicht kommen mit „ach Neubau ist doch ausgenommen“ - denn nach 4 Jahren ist dieser nicht mehr neu, das Gebäude aber erst zu 15% amortisiert! Und wetten dann wird das auch irgendwie gedeckelt!?!

    Bei so Unsicherheiten...ne.

  14. 13.

    Umwelt? Dort?
    Das Gebiet ist die größte Müll und Fäkaliensammlung
    Berlins.
    Der Zustand ist unerträglich!

  15. 12.

    Ich bin im Kiezforum Rummelsburg und im Nachbarschaftsverein aktiv. Wir haben dazu eine differenzierte Meinung. Der B-Plan in dieser Form wird nun seit 10 Jahren diskutiert. Wir hatten auch Einwände dagegen. Auch und gerade wegen rechtlicher Details wurden in den letzten 4 Jahren immer wieder Ehrenrunden gedreht. Die "Bucht für alle" agitiert schon immer mit Falschinformationen und Halbwahrheiten. Zu einem seriösen Journalismus gehört eigentlich, die Fakten zu überprüfen. Das zum B-Plan gehörende Gutachten zum Naturschutz wurden z.B. sehr viele Bereiche bewertet. Fazit: es wird hier mal wieder einseitig berichtet.
    H. Pagel Berlin-Rummelsburg

  16. 11.

    Alle Anwohner*innen die ich kenne empfinden die derzeitigen Zustand als unerträglich. Drogenkonsum, Gewalt, Umweltverschmutzung und eine Unfassbare Vermüllung der "Freiräume" fühlen dazu, dass sich die meisten Menschen in der Bucht nicht mehr frei fühlen, sondern den Uferweg meiden.
    Auch wenn das in den Medien immer verkannt wird: Die schweigende Mehrheit ist für eine Bebauung. Egal was, hauptsache schnell.

  17. 10.

    "Im April 2019 wurde nach vielen Jahren und unter großem Protest der Bebauungsplan beschlossen. Passiert ist seitdem - recht wenig. Es wurde noch keine einzige Baugenehmigung erteilt."

    Dazu Folgendes: Es gab eine Volksinitiative zu dem Thema, die mit 28.000 gültigen Unterschriften das notwendige Quorum von 20.000 Unterschriften übererfüllt hat. Daraufhin wurden Abgeordnetenhaus und der Senat von Berlin aufgefordert, den Forderungen der Volksinitiative nachzukommen.

    Das ist der Stand seit November 2019 (siehe Homepage der Initiative "Bucht für alle, Rubrik Pressemitteilungen) und erklärt, warum dort bisher 'recht wenig' passiert ist.

    Die ganze Sache ist also noch "in Klärung"

  18. 9.

    Dieser Beitrag ist schlecht recherchiert, denn ich bin mir sicher, dass der Großteil der Anwohner/innen froh über eine baldige Bebauung ist. Alles ist besser als die Zustände jetzt. Es ist geradezu lächerlich, unter dem Deckmantel "Klimaschutz" hier irgendwas Negatives finden zu wollen. Die "Schrottboote" sind die größten Umweltzerstörer.

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