Ein Teilnehmer des Christopher Street Days in Berlin mit Gesichtsmaske in den Regenbogenfarben (Quelle: imago images/Stefan Boness)
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Video: rbb|24 | 25.07.2020 | Tobias Goltz | Bild: imago images/Stefan Boness

Motto "Don't hide your Pride!" - CSD-Parade zieht durch das Netz statt durch Berlins Straßen

Eine Million Menschen haben 2019 den Christopher Street Day bunt und politisch in Berlin gefeiert - ein Rekord. Doch Corona lässt solche Massen dieses Jahr nicht zu. Deshalb ziehen die Wagen unter anderem mit Rufus Wainwright und Rummelsnuff am Samstag durchs Netz.

Mit einem Livestream im Internet statt Straßenumzug ist der 42. Christopher Street Day in Berlin am Samstagnachmittag erstmalig online gestartet. Wegen der Corona-Pandemie wurde im Haus der Statistik am Alexanderplatz ein Studio mit Livebühne aufgebaut. Rund 30 Organisationen und Vertreter verschiedener Gruppen beteiligten sich an dem Multimedia-Event unter dem Motto "Don't hide your Pride!" - "Versteckt euren Stolz nicht".

Von 14 Uhr bis Mitternacht "Mainstream" über Radio und Netz

"Wir dürfen in unserer Stadt, in unserem Land nicht akzeptieren, dass es Übergriffe gibt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor einem Regenbogen-Banner am Roten Rathaus. "Es gibt Trans- und Homophobie, es gibt Ausgrenzung, es gibt Gewalt." Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne), forderte "gleiche Rechte und nicht nur ein bisschen gleiche Rechte". Die Unterdrückung von Homosexuellen in osteuropäischen Ländern dürfe nicht vergessen werden.

Während im Nachmittagsprogramm hauptsächlich Initiativen und ihre Ziele vorgestellt wurden, war für den Abend ein Unterhaltungsprogramm mit Musik geplant. Auf Youtube, wo die Veranstaltung ausgestrahlt wurde, liefen unterdessen Kommentare im Sekundentakt ein. "Total ungewohnt nicht direkt dabei zu sein", schrieb eine Zuschauerin.

Ausgestrahlt wird das Programm auf dem Offenen Kanal Alex Berlin und auf den Social-Media-Kanälen des CSD Berlin. Außerdem ist der rbb live von 14 bis 18 Uhr dabei: radioeins sendet live aus dem Sommergarten frannz. Und in der Nacht zu Sonntag zeigt das rbb Fernsehen dann die Höhepunkte des digitalen CSD 2020. Die Umsetzung des virtuellen CSD sei "erstmal etwas ungewohnt", so die Veranstalter*innen. Doch es sei auch "ein weiterer Baustein", um Individualität und auch Inklusivität zu zeigen.

Trotz Corona bleiben politischen Forderungen für 2020 gleich

Trotz des veränderten Konzepts für die CSD-Parade bleiben die politischen Forderungen erhalten, die die Veranstalter*innen bereits vor der Corona-Pandemie im Januar entwickelt haben. Über eine Online-Befragung durch die LGBTIQ+-Community sind fünf Punkte herausgearbeitet worden. So fordern die Aktivist*innen des CSD:

- Eine Anerkennung und Gleichstellung der Regenbogenfamilien

- Eine klare Haltung und Stellungnahme von Bundesregierung und EU gegen die Kriminalisierung, Diskriminierung und Ächtung von LGBTIQ+-Lebensweisen in Polen und Ungarn

- Ein Gesetz zur Anerkennung von Geschlechtsidentitäten

und unterstützen die Forderungen der Fridays for Future-Bewegung für Deutschland und der Black Lives Matter-Bewegung.

Zudem heißt es von Seiten der Veranstalter, dass sie sich gegen "hatespeech" stellen und sich "ein enges und konstruktives Miteinander" innerhalb der vielfältigen Communitys wünschen, um ihren politischen Einfluss weiter zu erhöhen.

Kleinere Demos fanden auch offline statt

Einige kleinere Demos gab es trotzdem. Der "Dyke-Marsch" mit rund 1.000 angemeldeten Teilnehmerinnen zog vom Neptunbrunnen am Alexanderplatz zum Brandenburger Tor. Die Demonstrierenden trugen bunte Verkleidungen mit Regenbogenfahnen. "Es ist alles friedlich", sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag.

Der CSD soll an die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen erinnern. Ende Juni 1969 stürmten Polizisten in New York die Bar Stonewall Inn in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen die Willkür aus.

Rekord-CSD 2019: Über eine Million Menschen demonstrierte

Bei einer kleinen Ersatzveranstaltung vor vier Wochen waren etwa 3.500 Lesben, Schwule und Transsexuelle gegen Diskriminierung auf die Straße gegangen.

Vor einem Jahr knackte der 41. Berliner CSD einen Rekord: Über eine Million Menschen gingen für die Rechte von Lesben, Schwulen, Transpersonen, Inter- und Bisexuellen auf die Straße. Das Motto lautete "50 Jahre Stonewall - Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme" und sollte an die Aktivisten würdigen, die den CSD ins Leben riefen.

Mit den Christopher Street Days wird an Ereignisse Ende Juni 1969 in New York erinnert. Polizisten stürmten damals in Manhattan die Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen die Willkür aus. Die erste CSD-Parade in Berlin wurde 1979 im Westteil der Stadt durchgeführt. Unter dem Motto "Gay Pride" nahmen rund 400 Menschen an der Demonstration auf dem Kurfürstendamm teil.

Sendung: Inforadio, 24.07.2020, 8 Uhr

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Ja, ziemlich tolerant. Aber weil es andernorts schlimmer ist, ist es hier ja noch lange nicht gut.

    Machen Sie doch einfach mal folgenden Test: Suchen Sie sich eine gute Freundin aus, benehmen Sie sich dann mit ihr in der Öffentlichkeit so, wie Sie sich mit einem geliebten Mann benehmen bzw. benehmen würden, und achten Sie auf die Reaktionen. Wenn Sie es gern noch etwas härter haben wollen, (ver)kleiden Sie sich beide als Männer.

    Danach können wir dann vielleicht noch einmal darüber reden, ob in Berlin alles in Ordnung ist. Wenn Sie Pech haben, müssen wir das im Krankenhaus machen.

  2. 17.

    Ich halte die LGBTIQ+-Ausprägungen für eine spezifische gesellschaftliche Entwicklung mit auch sehr positiven Aspekten. Es sei daran erinnert, daß aus diesen Kreisen sich hervorragende Künstler und Wissenschaftler rekrutieren. Allerdings ist es eben auch ein entwicklungsbiologisches Dead End, was dazu führt, daß auch heute noch in vielen Staaten dieses Verhalten nicht akzeptiert wird und teilweise mit schwersten Sanktionen belegt ist. Da muss man halt über den Tellerrand schauen, denn diese Staaten werden künftig bestimmen, wie sich die Angelegenheit fortentwickelt.

  3. 16.

    Was stimmt mit dem RBB nicht, wenn er eine andere Demonstration unterschlägt? Der "Anarchistische CSD" zeigte wie der Dyke*March Sichtbarkeit und verkrümmelte sich nicht ins Netz. Um die 1000 queere Menschen zogen in Kreuzberg und Neukölln durch die Straßen. Thema: Verdrängung, hohe Mieten und rassistische, homo-, trans- und frauenfeindliche Anschläge. In vier Sprachen; deutsch, englisch, türkisch und arabisch. Von hoher Qualität. Tolle Demo. https://acsd20.noblogs.org/

  4. 15.

    „ LGBTIQ+-Community“ heißt jetzt genau was? Lesbisch, G..? Bi? Transsexuelle, I..? Q....? + und - ? Community kann ich übersetzen ;-) Aber es wäre toll, wenn einmal im Bericht die Abkürzung ausgeschrieben werden würde. Ich finde, die wird immer umfangreicher

  5. 14.

    Ich verstehe nicht so ganz, wofür oder wogegen dieser Tag „gefeiert“ wird.
    Berlin und Deutschland ist in dieser Beziehu g doch ziemlich tolerant, wenn man andere Länder betrachtet.

  6. 13.

    Mich wundert dass rbb24 nicht über den Anarchistischen Christopher-Street-Day (übrigens wie der Dyke-March genauso gut besucht), der eben gerade am Hermannplatz zu Ende ging, kein Sterbenswörtlein verliert. Was stimmt nicht mit Euch?

  7. 12.

    Liest sich holprig und kompliziert.
    Schwul, Lesbisch, Trans - na und! Versteht jede/r!

  8. 11.

    Nein Lothar, diese sicher sehr interessante Persönlichkeit kenne ich nicht, habe aber etwas für den eleganten Stil besonders der 20er Jahre Berliner Szene übrig. Und nein, der wenig eloquente SirHenry hier, dürfte wohl kaum ein offenes Herz haben . . .

  9. 10.

    Lieber Herr Glaudino, kennen oder haben Sie mal von den sehr Stilbewußten 20 Jahre Schwulen Sir Henry aus Wilmersdorf etwas gehört oder gesehen? Er kleidet sich nicht nur so, er lebt es auch völlig aus. Benimmt sich wie ein wahrer Gentleman. Und ich bezweifle sehr stark, dass es sich bei besagten Namen hier um ein und die selbe Person handelt.

  10. 9.

    Am Umgang mit Minderheiten erkennt man die Toleranz und Entwicklung einer Gesellschaft. Und wenn man jeden Menschen bis in kleinste untersucht ist jeder irgendwann Minderheit.

  11. 8.

    Zitat: "Da sie die "LGBTIQ+-Community" in Anführungszeichen gesetzt haben gehe ich mal davon aus, daß sie die Frage provokant meinen. "

    Es ist wohl davon auszugehen, dass SirHenry Menschen die szsgn. außerhalb der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm stehen für eine marginale Gruppe hält, der man nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken sollte. So scheint mir zumindest.

  12. 7.

    Falls es Sie wirklich interessiert: Einer Umfrage aus den Jahr 2016 zufolge geht man etwa 6 Millionen Menschen aus, die man unter dem Begriff LSBTTIQ subsummieren kann.

  13. 6.

    @SirHenry die Anzahl ist unwichtig, da das ihr Recht ist für ihre Belange einzusetzen. Solche Scheinfragen kommen immer von unsicheren Personen/Gruppen. Seien Sie beruhigt, sie verlieren rein gar nichts....

  14. 5.

    Wenn der einzig wahre und sehr originelle Sir Henry in Berlin, der im übrigen schwul, in Wilmersdorf zuhause ist, von Ihren Nickname erfährt, würden 1000 Zeichen hier nicht ausreichen um Ihnen mal so richtig die Meinung zu geigen. Nur so zur Info: Weltweit beteiligen sich an diesen Online CSD Pride abermillionen Menschen. Darunter ebenso sehr viele Nichtschwule prominente Persönlichkeiten. Noch irgendwelche Fragen?

  15. 4.

    Schwer zu sagen.....
    Da sie die "LGBTIQ+-Community" in Anführungszeichen gesetzt haben gehe ich mal davon aus, daß sie die Frage provokant meinen.
    Wenn es die jahrtausendelange Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung Homosexueller durch die Kirche und die jeweils herrschende Macht nicht gegeben hätte, würde ich mal sagen 100 %.

  16. 3.

    Es ist egal, wieviel Prozent der Gesamtbevölkerung eine diskriminierte "Minderheit" ausmacht. Die Frage sollte eher lauten: "Wieviel Prozent der Bevölkerung werden es sein, die ohne rationalen Grund Schwule, Lesben, Transsexuelle und alle, die von der "Norm" abweichen, hassen und Gesetze fordern, durch die diese "Minderheiten" kriminalisiert und verfolgt werden?

  17. 2.

    Das ist schoen ich muss naemlich als hoheitliche Systemrelevanz zur Arbeit.
    Ich wuensche den Patchwork-Kindern auf jedenfall mehr Rechte, lasst euch im Elternhaus nicht unterkriegen.

  18. 1.

    Wieviel Prozent der Bevölkerung werden es sein, die die "LGBTIQ+-Community" ausmachen?

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