Archivbild: Festakt zum 90. Geburtstag von Hans-Jochen Vogel, am 04.02.2016 in Muenchen. (Quelle: dpa/Sven Simon)
Video: Abendschau | 26.07.2020 | Ulli Zelle | Bild: dpa/Sven Simon

Trauer um Hans-Jochen Vogel - "Berlin wird ihn nicht vergessen"

Die Nachricht vom Hans-Jochen Vogels hat bei Spitzenpolitikerin in Berlin, Brandenburg sowie auf Bundesebene Trauer und Bestürzung hervorgerufen. Lob für sein politisches Wirken und Bewunderung für seinen Charakter kommt von vielen Seiten.

Spitzenpolitiker haben den mit 94 Jahren gestorbenen ehemaligen Bundesminister und SPD-Parteichef, Bundesminister und kurzzeitigen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Hans-Jochen Vogel, gewürdigt.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), hat sich sehr betroffen geäußert über den Tod von Hans-Jochen Vogel. Dieser sei eine "herausragende Persönlichkeit der Politik über viele Jahrzehnte" gewesen, erklärte Müller am Sonntagabend. Er habe mit ihm in intensivem Austausch gestanden, denn bis zuletzt habe Vogel regen Anteil am Politikgeschehen auch in der Hauptstadt genommen. "Mit seinem Tod verliere ich einen Freund und Berater, der immer einen klaren Blick auf die Herausforderungen in der Hauptstadt hatte", erklärte Müller.

"Mit Hans-Jochen Vogel ist nicht nur ein großer Sozialdemokrat und ein großer Europäer von uns gegangen, sondern auch jemand, dessen Augenmerk auf das Zusammenleben der Menschen in großen Städten gerichtet war," teilte der Berliner CDU-Vorsitzende Kai Wegener mit. Vogel sei der einzige deutsche Politiker gewesen, der mit München und Berlin in seinem Leben zwei Millionenstädte regiert habe. "Berlin wird ihn nicht vergessen."

Brandenburgs SPD-Generalsekretär Erik Stohn bezeichnete Vogel als einen Politike, der als "kluger Kopf" das Land "geprägt" hat. Die Bundesrepublik verliere einen "großartigen Politiker und die Sozialdemokratie einen ihrer prägenden Mitstreiter." Vogel habe früh erkannt, wie wichtig eine ausgewogene und planvolle Stadtpolitik für die Gesundheit der Menschen sei, sagte Stohn. Er habe über Jahrzehnte das Land und die Partei mitgeprägt und selbst nach seiner aktiven Laufbahn nie aufgehört mitzudenken und mitzuformulieren.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in einer in Berlin veröffentlichen Kondolenz an die Witwe Liselotte Vogel, Hans-Jochen Vogel habe "die deutsche Sozialdemokratie und die Politik unseres Landes maßgeblich geprägt". Seine Disziplin und Geradlinigkeit, sein Pflichtbewusstsein und sein christliches Menschenbild hätten ihm über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt eingebracht. Vogels Tod sei auch für ihn persönlich ein großer Verlust, so Steinmeier. "Sein Eintreten für den Rechtsstaat, verbunden mit seinem tiefen moralischen Gefühl, was Recht und Unrecht ist, wird mir immer in Erinnerung bleiben", schrieb der Bundespräsident.

Archivbild: Die Brüder Hans-Jochen Vogel (r, SPD) und Bernhard Vogel (l, CDU) stehen am Samstagabend (23.10.2010) in Regensburg (Oberpfalz). (Quelle: dpa/Armin Weigel)Hans-Jochen Vogel (r.) mit seinem jüngeren Bruder Bernhard, der für die CDU als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und Thüringen wirkte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den am Sonntag verstorbenen früheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel als eine der "prägenden politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit" gewürdigt. "Sein Wirken war und ist Inspiration und Vorbild für viele Menschen in Deutschland", erklärte die Kanzlerin am Sonntag über die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer auf Twitter. Merkel sei in Gedanken bei der Familie des Verstorbenen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erinnerte auf Twitter an einen Ausspruch Vogels, es sei "keine Schande, wenn man sich überzeugen lässt und das auch zugibt". Vogel selbst habe bis zum Schluss viele überzeugt - "mit seinen klugen Ideen genauso wie mit seiner menschlichen Herzlichkeit".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte den Verstorbenen als herausragende Persönlichkeit. "Über Parteigrenzen hinweg genoss er durch seine glaubwürdige Politik und authentische Art höchstes Ansehen", sagte Söder am Sonntag. "Als Oberbürgermeister der Stadt München hat er die Entwicklung der Stadt entscheidend mitgeprägt und sich auch später stets in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Der Freistaat trauert um Dr. Hans-Jochen Vogel."

Der Bundesversitzender der Jusos Kevin Kühnert teilte auf Twitter Details seiner letzten Begegnung mit Vogel. Damals habe er ihn "zum Spaß von meinem Opa grüßen" sollen, "der als Vertreter der Berliner Taxiinnung 1981 bei ihm vorsprach." Vogel habe sich sogar an Details dieser mehr als 30 Jahre zurückliegenden Begegnung erinnern können, so Kühnert. "Sein Tod macht mich sehr traurig."

Sendung: rbb24, 26.07.2020, 21.45 Uhr

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