Der schwerkranke russische Oppositionelle Alexej Nawalny wird von zwei Mitarbeitern des Bundeswehr-Rettungsdienstes vor der Charité Berlin auf einer Spezialtrage aus einem Krankentransport herausgefahren. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: rbb|24 | 22.08.2020 | Marterial: Abendschau | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Nach möglicher Vergiftung - Kreml-Kritiker Nawalny zur Behandlung in Berlin eingetroffen

Der schwerkranke russische Oppositionelle Alexej Nawalny ist am Samstag in Berlin eingetroffen, er wird in der Charité behandelt. Unterstützer hatten den Flug vom sibirischen Omsk nach Berlin organisiert. Nawalnys Zustand ist offenbar stabil.

Der schwerkranke russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist am Samstagmorgen in der Berliner Universitätsklink Charité eingetroffen. Dort soll der 44-Jährige behandelt werden. Nawalny war zuvor mit einem Spezialflugzeug vom sibirischen Omsk zum Flughafen Tegel geflogen worden.

Nawalny werde nun umfangreich untersucht, erklärte die Universitätsklinik. Die Untersuchungen würden einige Zeit in Anspruch nehmen. Sobald Erkenntnisse vorlägen, werde auch die Öffentlichkeit informiert. Jaka Bizilj von der Organisation Cinema For Peace, die den Transport Nawalnys organisiert hatte, sagte aber, der 44-Jährige sei in stabilem Zustand.

Der Putin-Gegner und Anti-Korruptionsaktivist war bei einer Reise durch Russland am Donnerstag ins Koma gefallen und daraufhin in einem Krankenhaus in Omsk auf die Intensivstation gebracht worden.

Russische Ärzte zunächst gegen Transport

Ursprünglich sollte Nawalny bereits am Freitag nach Berlin geflogen werden. Die russischen Ärzte hatten aber zunächst erklärt, dass der 44-Jährige aufgrund seiner Erkrankung nicht transportfähig sei, und einen Besuch deutscher Ärzte abgelehnt. Am Freitagnachmittag erhielten die deutschen Ärzte doch Zugang zu dem Schwerkranken und kamen zu dem Ergebnis, dass er transportfähig sei.

Nawalnys Unterstützer hatten den Flug der Spezialmaschine organisiert, nachdem der 44-Jährige am Donnerstag in die Klinik eingeliefert wurde. Der Transport und die Behandlung würden durch Spender finanziert, so die Darstellung der Unterstützer. Den deutschen Ärzten war es nach eigenen Angaben dank der Ausrüstung ihrer Flugzeugs möglich, Nawalny "sofort sicher nach Berlin zum Universitätsklinikum Charité zu bringen".

Nawalny ist einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin, er ist der führende Kopf der liberalen Opposition. Der studierte Jurist wirft der Regierung und Oligarchen regelmäßig Korruption und Machtmissbrauch vor. Nawalny wird aber auch kritisiert, weil er an Aufmärschen von Rechtsextremen teilgenommen und sich selbst als nationalistischen Demokraten bezeichnet hat.

Unterstützer gehen von Vergiftung aus

Seine Anhänger vermuten, dass er vergiftet wurde. Der Oberarzt der Klinik in Omsk, Alexander Murachowski, sprach hingegen von einer Stoffwechselerkrankung. Damit im Zusammenhang stehe vermutlich sein niedriger Blutzucker-Wert.

Allerdings seien an Nawalnys Kleidung und seinen Fingern auch Spuren von "industriellen chemischen Substanzen" gefunden worden. Auch Vertreter der russischen Gesundheitsbehörden in der Region Omsk sagten, solche Substanzen seien von einem Polizei-Labor festgestellt worden.

Ähnlichkeiten zum Fall Wersilow

Der Stabschef der beteiligten Nicht-Regierungs-Organisation "Cinema for Peace", Leonid Wolkow, sagte, dass es wichtig sei, Nawalny nach Berlin zu bringen, um eine unabhängige Analyse von Nawalnys Gesundheitszustand zu erhalten. Die Initiative will nach eigenen Angaben verhindern, dass Nawalny wie vor ihm bereits der Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Pjotr Wersilow, erst nach einigen Tagen nach Deutschland gelangt. Zu diesem Zeitpunkt sei es bei Wersilow nicht mehr möglich gewesen, die Ursache seiner Erkrankung auszumachen, sagte Wolkow.

Der Dissident Pjotr Wersilow von der regierungskritischen, russischen Künstlergruppe Pussy Riot war 2018 nach einer mutmaßlichen Vergiftung zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden. In Russland wurde er nach eigenen Angaben "gleich am ersten Tag meiner Vergiftung völlig isoliert". Dabei seien gerade die ersten 24 Stunden "außerordentlich wichtig, um zu verstehen, welche Giftstoffe überhaupt zum Einsatz kamen", sagte der per Video zu einer Berliner Pressekonferenz zugeschaltete Wersilow.

Sendung: Abendschau, 22.08.2020, 19:30 Uhr

Kommentarfunktion am 04.09.2020, 08:24 Uhr geschlossen

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50 Kommentare

  1. 50.

    Rainer:
    "Nun zu den Kosten: Herr Bazilj hat den Flug organisiert. Dabei ist keine Rede von der gesamten Kostenübernahme!"

    Rainer ist ein Mensch, der bei der Rettung eines schwer Vergifteten erstmal fragt, wer die Kosten übernimmt, bevor er bereit ist zu helfen.

    Rainer:
    "Vielleicht sollten Sie sich mal richtig informieren bevor Sie hier zu jedem Kommentar Ihre komplett ungefragte Meinung ausbreiten. Und da Sie schon so in der Schatzkiste kramen: Die Ideologie, die Sie vertreten braucht auch niemand, denn Sie sind auch nur ein 80milionster Teil."

    Rainer sollte vielleicht mal seine inhumanen Gedanken überdenken, bevor er hier seine komplett ungefragte Meinung ausbreitet. Und da er schon so in der Schatzkiste kramt: Die Ideologie, die er vertritt, braucht auch niemand, denn er ist auch nur ein 80milionster Teil.

  2. 49.

    Und noch eins, vor kurzer Zeit war es Russland das als erstes Land FACHÄRZTE und Ausrüstung nach Italien zur Bekämpfung der Corona Pandemie entsendet hat. Aber das passt nicht in Ihr verschrobenes Weltbild. So ist das eben mit dem Gedächtnis!

  3. 48.

    Weder bin ich Diktator noch möchte ich einer sein. Nun zu den Kosten: Herr Bazilj hat den Flug organisiert. Dabei ist keine Rede von der gesamten Kostenübernahme! Vielleicht sollten Sie sich mal richtig informieren bevor Sie hier zu jedem Kommentar Ihre komplett ungefragte Meinung ausbreiten. Und da Sie schon so in der Schatzkiste kramen: Die Ideologie, die Sie vertreten braucht auch niemand, denn Sie sind auch nur ein 80milionster Teil.

  4. 47.

    Die Charite oder auch die deutsche Klinik für Diagnostik sind voll von gutsituierten Selbstzahlern aus dem Ausland.
    Sobald die Zahlung gesichert ist, ist dies gängiges Geschäftsmodell.
    Warum und mit welcher Begründung sollte dies nun bei der Familie Nawalny abgelehnt werden?
    Wenn es hier etwas zu diskutieren gibt, so doch wohl die Frage, weshalb Kassenpatienten nur noch Patienten dritter Wahl sind? Statt sinnvolle Fragen zu stellen, wird auch hier nur noch sinnlos diskutiert.

  5. 46.

    Rainer, Land Brandenburg, Sonntag, 23.08.2020 | 11:39 Uhr:
    "Kleine Anmerkung, wir sollten bei der Gelegenheit zum Machterhalt nur mal ins eigene Land gucken. Und ich bin grundsätzlich dafür, dass der Bundeskanzler/in für maximal 2 Legislaturperioden gewählt wird. Danach müsste halt die entsprechende Partei einen neuen Kandidaten aufstellen."

    Nein, wir sollten nicht, nur weil Sie es so gern hätten!

    Ihre Meinung interessiert hier nur insoweit, dass Sie nur ein 80Millionstel der Bevölkerung sind und nicht unser Diktator - zu unser allem Glück nach dem, was Sie hier so kommentieren.

  6. 45.

    Skorpion, Berlin, Samstag, 22.08.2020 | 20:50 Uhr:
    "Antwort auf [Bei Ihrer Eingabe ist ein Fehler ] vom 22.08.2020 um 16:11
    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Leider funktionieren die (einseitigen) Reflexe bei vielen. Amerika - weiß. Russland - schwarz."

    Wo soll hier dieser "Reflex" sein???
    Wo werden in den USA Oppositionelle vergiftet?

  7. 44.

    Bgg, Berlin, Samstag, 22.08.2020 | 19:56 Uhr:
    "Meine Oma durfte nicht in die Charité, obwohl sie immer brav die Krankenkassenbeiträge bezahlt hat. Na sie war ja auch nur der brave Steuerzahler. Man sollte sich nicht wundern, dass sie bis zum Schluss nicht an dieses System geglaubt hat. Wem wundert es."

    Schwebte sie auch wegen einer Vergiftung in akuter Lebensgefahr???

    Ach was für ein dummer Unsinn von der frei erfundenen Oma, die den Eingang nicht gefunden hat!

  8. 43.

    Rainer, Land Brandenburg, Samstag, 22.08.2020 | 18:14 Uhr:
    "Antwort auf [Andrea] vom 22.08.2020 um 15:31
    Und nun haben Sie so viele Beispiele aufgezählt, aber noch nicht begründet warum alle Kremlkritiker in Deutschland behandelt werden müssen."

    Wer sagt, dass "alle Kremlkritiker in Deutschland behandelt werden müssen." Wo haben Sie diesen Unsinn her?

    Rainer, Land Brandenburg, Samstag, 22.08.2020 | 18:14 Uhr:
    "Und die Kosten übernimmt die deutsche Allgemeinheit."

    Schlecht informiert! Nach dem Motto: "Ich helfe nie, wenn es etwas kosten könnte!"

    Rainer:
    "Glauben Sie wirklich es gibt in Russland keine befähigten Ärzte? Oder sind alle Ärzte vom Kreml gesteuert?"

    Na dann nennen Sie mal gute Fachärzte, auf die der Kreml nie versuchen würde, Druck auszuüben, wenn Sie es schon so genau wissen!

  9. 42.

    Nur mal nachgefragt, Samstag, 22.08.2020 | 17:21 Uhr:
    "Die Behandlung "würde" durch die Spenden gezahlt. Er ist gegen Putin aber ein "nationaler Demokrat", geht da was an der hiesigen Politik vorbei?
    Wer sind die Spender, nationalistische Russen? Sozusagen ein russisches Pendant zur AfD?
    Ich frage mich,, wer hier wen verarschen und wer sich geradezu verarschen lässt.
    Helfen, keine Frage, aber die Politik sollte genau hinschauen und sich aber auch alles auf den Tisch legen, anstatt sich über denselben ziehen zu lassen."

    Spricht irgendetwas davon dagegen, einem Menschen in Lebensnot zu helfen?

  10. 41.

    Sebastian:
    "Warum wieder wir?
    Warum wieder Deutschland?"

    Weil er in Russland nicht sicher ist.
    Und warum nicht Deutschland?

    Sebastian:
    "Wer bezahlt das ganze?
    Natürlich wir!"

    Sie sind offensichtlich sehr schlecht informiert und würden niemals anderen helfen, weil es Geld kosten könnte!

  11. 40.

    Wolfgang Stosch:
    "Hoffentlich besucht Frau Merkel ihn persönlich in der Charité."

    Warum sollte sie??? Nur weil Sie es gern hätten?

  12. 39.

    Wolfgang Stosch:
    "Es ist schon bemerkenswert, wie sich Frau Merkel für den russischen Nationalisten und Teilnehmer an rechten Demonstrationen einsetzt."

    Auch ein russischer Nationalist darf nicht vergiftet werden. Wo ist da das Problem?

    Wolfgang Stosch:
    "Aber klar, Herr Nawalny ist gegen Putin und das allein reicht schon um ihn zu hofieren."

    Wie kommen Sie darauf, dass er nur wegen seiner Oposition und nicht wegen seiner Vergiftung "hofiert" wird?

    Wolfgang Stosch:
    "Die Anfahrt zur Charité erfolgte mit mehreren Krankentransporten und etlichen Polizeiwagen. Wer finanziert diesen Aufwand für einen in der russischen Bevölkerung weitestgehend unbedeutenden Kritiker."

    Recherchieren Sie doch mal, denn es ist längst bekannt, welcher Verein dies bezahlt!

    Wolfgang Stosch:
    "Er wird nur im Westen und in den Medien hochgepuscht."

    Vergiftung von Opostionellen in Diktaturen ist nun mal ein interessantes Thema!

  13. 38.

    In dem Kommentar #20 ist der Name ("Bei Ihrer Eingabe ist ein Fehler") offenbar Programm!

    Der Autor übersieht völlig die diktatur Putins und den undemokratischen und menschenrechtswidrigen Umgang Putins mit der Opposition. Für ihn ist jede Kritik an der diktatur Putins "Russophobie". Putins Russland scheint ihm heilig zu sein.

  14. 36.

    Kleine Anmerkung, wir sollten bei der Gelegenheit zum Machterhalt nur mal ins eigene Land gucken. Und ich bin grundsätzlich dafür, dass der Bundeskanzler/in für maximal 2 Legislaturperioden gewählt wird. Danach müsste halt die entsprechende Partei einen neuen Kandidaten aufstellen.

  15. 35.

    was will man schon von H. Röttgen erwarten gut das er keine politische Macht besitzt

  16. 34.

    Hallo was wird dann geschrieben und kommentiert wenn in Berlin keine Vergiftung festgestellt wird ...aber dann gibt es wieder diese Spezialisten

  17. 33.

    Vom Auftragsmord im Kleinen Tiergarten in Moabit haben Sie was mitbekommen? Was Putin über den am helllichten Tag Erschossenen vom Stapel gelassen hat, ließ sehr tief blicken. Ich denke, Sie vermischen hier etwas. Ich liebe Russland, seine Kultur und Traditionen. Wie Putin mit aller Gewalt (buchstäblichen) an seiner Macht festhält ist jedoch eine völlig andere Sache. Er hat verschlafen, die Entwicklung demokratischer Strukturen voranzutreiben. Die Gründe sind sicher vielfältig. Dass Oppsitionelle, die für Demokratie einstehen, drangsaliert oder sogar "ausgeschaltet" werden, dafür muss man kein Verständnis aufbringen, so wie Sie es tun.

  18. 32.

    Zu Ihrer letzten Frage: Die Ärzte in Omsk können also der Presse sagen, was sie wollen? Deswegen die widersprüchlichen Wechselaussagen zur Diagnose? Sie können leicht recherchieren, welches Parteibuch der leitende Arzt in Omsk hat. Darüber wurde berichtet.
    In Deutschland können wir uns solche Verhältnisse nicht vorstellen. Das heißt leider noch lange nicht, dass es sie nicht gibt.

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