Archivbild: Alexei Navalny bei einem öffentlichen Auftritt in Moskau. (Quelle: dpa/C. Lavin)
Video: Abendschau | 24.08.2020 | Tom Garus | Bild: dpa/C. Lavin

Russischer Regierungskritiker - Charité sieht Hinweise auf Vergiftung von Nawalny

Laut der Berliner Charité gibt es klare Hinweise auf eine Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny. Das genaue Gift sei jedoch unklar. Nach wie vor befinde sich der 44-Jährige im künstlichen Koma. Lebensgefahr bestehe aber nicht.

Ärzte der Berliner Charité haben nach ersten Untersuchungen Hinweise gefunden, die auf eine Vergiftung des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny hindeuten. Das teilte die Sprecherin der Universitätsklinik, Manuela Zingl, am Montagnachmittag mit. "Die klinischen Befunde weisen auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin", hieß es. Die genaue Substanz habe allerdings noch nicht identifiziert werden können, dazu seien weitere Tests notwendig. Auf solchen Wirkstoffen basieren einige Medikamente, Insektizide, aber auch Nervengifte wie Nowitschok oder Sarin.

Die Wirkung des Giftstoffes in Nawalnys Körper sei mehrfach und unabhängig voneinander in mehreren Laboren nachgewiesen worden, so Zingl. Entsprechend dieser ersten Diagnose werde der 44-Jährige mit einem Gegenmittel behandelt. "Der Ausgang der Erkrankung bleibt unsicher und Spätfolgen, insbesondere im Bereich des Nervensystems, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden."

Nach wie vor liege Nawalny im künstlichen Koma und müsse auf der Intensivstation behandelt werden. Sein Gesundheitszustand sei ernst, akute Lebensgefahr bestehe aber nicht.

Merkel fordert Aufklärung aus Russland

Die Behörden in Russland seien nun "dringlich aufgerufen, diese Tat bis ins letzte aufzuklären - und das in voller Transparenz", erklärten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin. "Die Verantwortlichen müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden."

"Wir hoffen, dass Herr Nawalny wieder ganz genesen kann", erklärten Merkel und Maas. "Unsere guten Wünsche gelten auch seiner Familie, die eine schwere Prüfung durchmacht."

Seit Donnerstag nicht ansprechbar

Nawalny befindet sich seit Samstag in Berlin und wird an der Charité von Mitarbeitern des Bundeskriminalamts (BKA) bewacht. Am Donnerstag voriger Woche war er plötzlich während eines Fluges erkrankt. Anschließend wurde er in einem Krankenhaus im sibirischen Omsk behandelt. Die dortigen Ärzte hatten eine Vergiftung zunächst ausgeschlossen und wollten eine Stoffwechselstörung als Ursache für die plötzliche Erkrankung erkannt haben.

Freunde und Mitarbeiter Nawalnys gingen hingegen von einer Vergiftung aus. Sie werfen den russischen Ärzten vor, absichtlich den anschließenden Transport nach Berlin verzögert zu haben, damit Spuren des Gifts nicht mehr nachweisbar seien. Nawalny war auf Wunsch seiner Familie nach Berlin gebracht worden, um an der Charité behandelt zu werden. Die Organisation Cinema for Peace finanzierte den Flug mithilfe von Spenden.

Vor zwei Jahren organisierte Cinema for Peace bereits den Transport des Pussy-Riots-Aktivisten Pjotr Wersilow nach Berlin. An der Charité war bei ihm ebenfalls eine schwere Vergiftung diagnostiziert worden.

Behandlung mit Atropin

Cholinesterase-Hemmer verhindern, dass der Stoff Acetylcholin im Körper aufgespalten werden kann, in der Folge erhöht sich seine Konzentration. Das kann gravierende Auswirkungen auf den Parasympathikus, also den Erholungsnerv des Körpers haben. Seine Funktion wird gefördert, wodurch bestimmte Organfunktionen verlangsamt werden - etwa Herzschlag, Atmung oder Darmfunktionen. Dies ist wichtig, um Stress abzubauen und eine Erholung des Körpers einzuleiten. Wirkt der Parasympathikus hingegen übermäßig dominant, kann dies schwerwiegende Folgen haben.

Nawalny werde momentan mit Atropin behandelt, so die Charité-Sprecherin, einem Mittel, das auf den Organismus anregend wirkt. Atropin wird unter anderem in Notfällen beim Stillstand des Kreislaufsystems verabreicht.

27 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 27.

    Ein demokratisches Russland wäre mir sehr recht, ich könnte auch unkommentiert Mordanschläge mit altbekannten Motiven, so wie in Filmen der ARD und ZDF jeden Tag dem Zuschauer serviert werden hinnehmen. Am allerliebsten wäre mir aber, wenn es die UDSSR in ihrer, mit unter, grausamen Form nicht gegeben hätte. Einige Länderr sind unfreiwillig
    ( und unverdient ) der UDSSR zum " Frass " geopfert worden. Ja, der Schuldige an dieser Tragödie war Deutschland, aber die Allierten haben den Stalin falsch eingeschätzt; ODER SO

  2. 26.

    Beeindruckend werte Dagmar, was Sie so alles wissen. Haben Sie sich mit Ihren gesicherten Erkenntnissen schon bei den zuständigen Behörden gemeldet oder schreiben Sie das alles nur weil sie so oft vom bösen Russen gelesen haben? Und dann schreiben ausgerechnet Sie von Meinungsmache ... Machen Sie sich doch bitte nicht lächerlich.

  3. 25.

    Lächerlich ist, sich einerseits als dummes Fritzchen zu geben nach dem Motto: " Warum ist die Banane krumm "; und in nächsten Zeilen zu verkünden über einen Menschen alles wichtige zu wissen, und dabei sich auf Wikipedia zu berufen.










  4. 24.

    Meinungsmache? Sie machen sich lächerlich. Wo denn, bitteschön? Ich möchte wissen, ob man das Mittel in Tee geben kann, ohne dass man es beim Trinken merkt. Ich habe keine Ahnung von dem Zeug, ich möchte es gerne WISSEN. Ist das Meinungsmache? O_o Warum sollte sich die russische Regierung so eine komplizierte Methode ausdenken, ihn aus dem Weg zu räumen, wenn es einfachere ("leisere") Wege gäbe? Kosten-Nutzen-Abwägung, wenn Sie so möchten. Meinungsmache? O_o Nawalny ist kein Waisenknabe (das steht sogar für jeden, der lesen kann, bei Wikipedia ... sehr kommunistische, kremlfreundliche Webseite) und hat sich in seinem Leben definitiv viele Feinde gemacht. Warum wird darüber nicht berichtet? Ist das - das Nichtberichten - nicht eher Meinungsmache? Hatten ggf. diese Feinde Zeit und Gelegenheit? Wir wissen so gut wie nichts, aber alle behaupten zu wissen, was passiert ist. Wie nennen Sie das?

  5. 23.

    Ihre angeblichen Fragen, sind keine Fragen sondern Meinungsmache. Wenn Sie ernsthaft ein objektives Interesse an Thema hätten, wüßten Sie, dass Herr Nawalny während dieser Reise unter genauer Beobachtung vo seinen Gegnern stand. genau wie zu UDSSR - Zeiten. Sie wüßten noch vieles mehr, aber Sie wollen es nicht wissen.
    Siehe da, heute reagiert Kreml nach alt bekannten Muster, dort läuf nocht alles in altbekannten Bahnen.
    Ihnen scheint nicht einzuleuchten, dass die " großen Nationalisten " im Kreml und dessen Dunstkreis sitzen, darunter findet man auch Putin treue Oligarchen. Einige, diesen Kreis unbequeme, haben es schon mit ihrem Leben bezahlt.Die Art der Beseitigung ist in der Tat " Ausgegoren ". Bei diesen Morden und Mordanschlägen stellt sich doch als erstes die Frage: Wer hat ein Interesse daran, denjenigen zu besietigen. Tja, immer sind es Regime störer.

  6. 22.

    Kennen wir uns? Oder was veranlasst Sie, mich "Genosse" zu nennen?
    Meine Fragen sind durchaus ernstgemeint und keinesfalls polemisch. Auch wenn Ihnen das vielleicht sonderbar erscheinen mag. Es gibt tatsächlich noch Leute, die sich Fragen stellen. Ich möchte gern die Hintergründe wissen und mir dann selbst ein Urteil bilden. Wenn Sie das nicht brauchen, ist das Ihre Sache.

  7. 21.

    Kennen wir uns? Oder was veranlasst Sie, mich "Genosse" zu nennen?
    Meine Fragen sind durchaus ernstgemeint und keinesfalls polemisch. Auch wenn Ihnen das vielleicht sonderbar erscheinen mag. Es gibt tatsächlich noch Leute, die sich Fragen stellen. Ich möchte gern die Hintergründe wissen und mir dann selbst ein Urteil bilden. Wenn Sie das nicht brauchen, ist das Ihre Sache.

  8. 19.

    Und wie sollen ihm die Cholinesterase-Hemmer verabreicht worden sein? Kann man die in Tee auflösen (der ja angeblich der Auslöser gewesen sein soll)? Sind sie hitzebeständig? Geschmacksneutral? Wer wußte, daß er zu dem speziellen Zeitpunkt in eben jenem Flughafencafé einen Tee trinken würde? Oder braucht das Zeug länger, um zu wirken? Wann soll es ihm dann verabreicht worden sein - und wie? Warum soll der russische Staat ihn so kompliziert vergiften, wenn er ihn wegen diverser Vergehen (tatsächliche oder konstruierte, Geldwäsche z. B.) schon längst hätte einbuchten können, wenn es denn notwendig gewesen wäre? Und wer ist Nawalny überhaupt (über seine rechten/nationalistischen Tendenzen liest man hier gar nichts)? Wen hat er sich alles zum Feind gemacht? Ich sehe hier lauter offene Fragen, aber schön, daß es so viele Experten gibt, die genau wissen, was vorgefallen ist und wer schuld ist.

  9. 18.

    Nichts genaues weiß man aber wie in den anderen bereits benannten Fällen erst einmal, wie üblich, auf den bösen Russen eindreschen. Wie man sieht, hat die jahrzehntelange Berichterstattung so ihre Spuren hinterlassen. Am Besten wäre es, wir warten alle die endgültigen Ergebnisse ab, bevor man mit bruchstückhaften Informationen weiter die Mär vom bösen Russen ohne Beweise aufrecht erhält. Das ist ja mittlerweile schon richtig aufdringlich.

  10. 17.

    Na, irgend etwas musste ja gefunden werden.

  11. 16.

    Ständig die SED Karte zu spielen ,ist doch recht langweilig. Um in der CDU oder FDP Karriere zu machen,hat eine Mitgliedschaft in der NSDAP nicht geschadet ,mitunter war sie sogar sehr nützlich.

  12. 15.

    Das ist doch wohl ein himmelweiter Unterschied zwischen einer Diktatur und einer Demokratie. Wo leben sie denn ?

  13. 14.

    Die russischen Ärzte haben nichts festgestellt, in der Charité wurde irgendetwas festgestellt!
    Könnten jetzt mal beide Seiten die Karten auf den Tisch legen.
    Immer nur fordern ist kontraproduktiv, eine Zusammenarbeit wäre zielführender.

  14. 12.

    Wer glaubt denn ernsthaft, dass russische Geheimdienste nach all den Erfahrungen, die sie gemacht haben sollen, derart dilettantisch handeln?

  15. 11.

    Sie haben China noch vergessen. Die sind nämlich auch nicht astrein!

  16. 10.

    Im Reich des Bösen kommen die Leute so unter die Erde und bei den Guten verrotten diese im Knast.
    Zu solchen Fällen hört man nichts von unseren Vertretern.

  17. 9.

    Das ist ja in Russland so üblich, das politische Gegner entweder Plotonium oder mit anderen Giften zu schweigen gebracht wird. In Nordkorea ebenso und andere Greultaten und bei den Saudis Zerstückeling. Noch schlimmer als im Horrorfilm.

  18. 8.

    Leute, ganz ehrlich. Putin ist ein Machtmensch. Russland unter Putin ist auf Stärke und den Ruf als Weltmacht aus. Die Annexion der Krim, der Umgang mit Oppositionellen usw... Das ist doch nicht überraschend. Und wer unseren Maßstab anlegt, ist naiv. Ich bewerte es weder positiv noch negativ, eher pragmatisch. Wenn sich Staatslenker so verhalten, wie wir es eben von ihnen nicht anders erwarten, dann müssen wir nicht noch empört aufschreien. Ob das nun Putin, Trump, Erdogan oder sonstwer ist. Frage ist, was andere Staaten da tun können oder wollen. Putin juckt nicht, was die Charité feststellt, er wird es noch nichtmal dementieren sondern allenfalls Beweise verlangen, wenn ihm etwas vorgeworfen wird.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren