Archivbild: Symbolische Umbennenung der Wissmannstraße am 21. März 2017. (Quelle: dpa/Jan Scheunert)
Audio: Inforadio | 18.08.2020 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Jan Scheunert

Gesetzesänderung beschlossen - Senat will Umbenennung umstrittener Straßennamen erleichtern

Die Umbenennung von Berliner Straßen, deren Namen an die Kolonialzeit erinnern, soll erleichtert werden. Der Senat hat am Dienstag eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Allerdings sollen nun noch die Bezirksbürgermeister zustimmen.

Mit einer Änderung der Ausführungsvorschriften zum Berliner Straßengesetz würden die Gründe für Umbenennungen erweitert, teilte der Berliner Senat am Dienstag mit. "Zukünftig wird ausdrücklich auf die Möglichkeit verwiesen, Straße umzubenennen, wenn deren Namen koloniales Unrecht heroisieren oder verharmlosen und damit Menschen herabwürdigen."

Umbenennungen seien damit "ausdrücklich auch zulässig bei Straßen, die nach Wegbereitern und Verfechtern von Kolonialismus, Versklavung und rassistischen Ideologien benannt sind oder nach Orten, Ereignissen und Begriffen, die damit im Zusammenhang stehen."

Beispiel Mohrenstraße: "Umbenennung könnte Jahre dauern"

Bis beispielsweise die Mohrenstraße tatsächlich einen neuen Namen trüge, könnten noch Jahre vergehen, hatte Christian Zielke von der Pressestelle des Bezirks Mitte noch im Juli rbb|24 erklärt. Die Initiative für eine Straßenumbenennung müsse letztlich die Bezirksverordnetenversammlung ergreifen, dies sei noch nicht geschehen: "Bislang liegt dem Bezirksamt Mitte kein Antrag aus der Bezirksverordnetenversammlung vor, der eine Umbenennung der Mohrenstraße fordert." Zudem könne es noch juristische Hürden geben: "Da gegen eine Umbenennung Widerspruch eingelegt und geklagt werden kann, kann sich die Umbenennung jahrelang bis zu ihrer Wirksamkeit hinziehen."

Sendung: Inforadio, 18.08.2020, 14:40 Uhr

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35 Kommentare

  1. 35.

    Das ist keine Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit, wenn Kulturstürmer meinen, mit dem Abriss von Denkmälern, das ungeschehen zu machen.
    Das keine Auseinandersetzung, sondern Vandalismus.
    Wenn man dieses gutheißt, das Zertrümmern, das Beschmieren, dann haben Sie sich geoutet.
    Das erinnert mich eher an die dunkle Zeit in Deutschland, wo Bücher verbrand wurden, das Stigma von entarteten Kunst im Raum stand und an die "Kulturrevolution" in China, wo organisierte Horden durch das Land zogen, um die Vergangenheit auszumerzen.
    Wir müssen uns unserer Geschichte stellen, aber nicht durch hirnlose Zerstörung.
    Was fällt den "Aktivisten" dann als nächstes ein?
    Chlaqeure und Mitläufer gab es zu jeder Zeit.
    Und natürlich kommt eine Meinung, die nicht in Ihr simpel strukturiertes Weltbild passt, von Rechts.

  2. 34.

    "Die Nazizeit hat doch rein nichts mit der Kolonialzeit zu tun."

    Haben sie die Schule komplett geschwänzt als es um die "Nazizeit" ging? "Lebensraum im Osten" um nur mal ein Beispiel zu nennen.

    "Lebensraum im Osten ist ein politischer Begriff, der mit der „germanischen“ oder „arischen“ Besiedlung von Gebieten außerhalb der deutschen Grenzen, vor allem im (nördlichen) Mittel- und Osteuropa, verbunden ist. Er wurde von der völkischen Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich geprägt und von Nationalsozialisten im Deutschen Reich 1933 bis 1945 rassenbiologisch interpretiert. Er lieferte den ideologischen Hintergrund für den von Reichsführer SS Heinrich Himmler in Auftrag gegebenen Generalplan Ost, der die Vertreibung der „rassisch unerwünschten“ Bevölkerung aus den eroberten Gebieten in Mittel- und Osteuropa, ihre „Germanisierung“ und wirtschaftliche Ausbeutung vorsah. "

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensraum_im_Osten

  3. 32.

    "Katzbugeln vor der ganzen Welt, andere Länder hatten auch Kolonien und da gibt es so ein Affentheater nicht wie bei uns."

    Die Aufarbeitung UNSERER Geschichte nennen sie "katzbuckeln"? Und Menschenverachten Ideologien und Taten nennen sie ein "Affentheater".

    Lassen sie mich raten, sie sind Wähler der rechtsextremen AfD, finden die Nazizeit einen Fliegenschiss und meinen wir haben uns ein Denkmal der Schande in das Herz unsrer Hauptstadt gepflanzt?

  4. 30.

    Was läuft denn bei Ihnen falsch? Offensichtlich wollen Sie geradezu zwanghaft Rassismus im Kommentar von Rosi erkennen. Eine Umbenennung ist natürlich heutzutage viiiiiiel wichtiger als eine kaputte Strasse. Und wenn was passiert? Ach egal, der Name passt ja. Ständig falsche Prioritäten und andere zu beleidigen zu setzen ist auch so Ihr Ding, was?

  5. 29.

    "Warten wir ab, bis die nächste Welle der Kulturstürmer..."

    Sie halten also menschenverachtende Ideologien und Taten für "Kultur"? Sie haben sich hiermit eindeutig positioniert oder auf neudeutsch, geoutet..

  6. 28.

    Anscheinend geht es hier nicht um ausgewiesene Judengasser, sondern "nur" um das kolionsles Unrecht.
    Warten wir ab, bis die nächste Welle der Kulturstürmer kommt und Denkmäler von Antisemiten stürmen.
    "Zukünftig wird ausdrücklich auf die Möglichkeit verwiesen, Straße umzubenennen, wenn deren Namen koloniales Unrecht heroisieren oder verharmlosen und damit Menschen herabwürdigen." - Was ist mit den Name ausgewiesener Antisemiten, wie zum Beispiel Karl Marx, Martin Luther, Richard Wagner und ...

  7. 27.

    Das ist doch eine interessante Erklärung. Warum sollte man das Wort verbieten, wo sich daran doch so gut Geschichte erklären lässt. In Berlin gibt es an einigen Stellen schon Tafeln, an denen erklärt wird, was meschen früher taten und sagten.

  8. 26.

    Wie kommen Sie darauf dass der Begriff "Mohr" nicht rassistisch ist? Der Begriff ansich für alle Menschen dunkler Hauptfarbe ist schon einmal grundsätzlich falsch. Denn er stammt vorkolonialistisch von Mauren (nordafrikanischer Berberstamm,) ab, also von Nordafrikanern (lat. Maurus = Bewohner Mauretaniens). Erst mit der Kolonialisierung wurde der Begriff gleichbedeutend für alle Menschen dunkler Hautfarbe genutzt. Zu dieser Zeit waren "Mohren" zwar Mensch in der Hierarchie der Wesen, dem europ. Menschen aber untergeordenet. Weil näher am Affen. Und auch schon vor dem Kolonialismus gab es religiöse Vorurteile gegenüber Schwarzen bzw. generell der Farbe schwarz.
    Aufgrund dieser "anthropologische Einordnung" wurden "Mohren" auf Jahrmärkten und "Völkerschauen" ausgestellt. Übrigens hier nicht freiwillig eingewandert, sondern versklavt.
    Der begriff "Mohr" hat sich obwohl ansich grundsätzlich falsch genutzt als Stereotyp festgesetzt für: schwarzer wilder Mensch, dicke Lippen, krauses Haar.

  9. 25.

    Ihrer Argumentation folgend hätte man also auch nach dem zweiten Weltkrieg oder nach der Wiedervereinigung keine Straßen und Plätze umbenennen dürfen?

    "Gechichte" ist übrigens Wandel und Entwicklung. Wo hört diese denn bei Ihnen persöhnlich auf? Ab ihrer Geburt?

  10. 24.

    Das Problem fängt schon da an, wo man mit Straßennahmen jemanden ehren will, während die Straßen verrotten und dort Unfälle passieren. Ich habe meinen Neffen gefragt was Mohrenstraße bedeutet.. der hat keinen Plan. Die wissen ja nicht mal wirklich mehr, dass es mal eine Mauer gab.
    Also dann.. ich muss los, meine S-Bahn zum Marx-Engels-Platz kommt.

  11. 23.

    Es gehört zum Wesen der Menschheit das sie lernfähig ist. Dazu gehört es auch Denkmuster zu überdenken.

    Es lange gedauert bis man bei "Negerkuss/Mohrenkopf, Zigeunersoße und -schnitzel umgedacht hat. Zu lange.

  12. 22.

    Hier wird inzwischen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.
    Das Wort " Mohr" hat nichts mit Rassismus zu tun. Wollen wir jetzt alles verbieten, was in anderen Zeiten unter anderen Bedingungen anders benannt wurde?
    Verbote statt Nachdenken und Aufklärung über historische Prozesse?
    Bei allen deutschen Dichtern von Vogelweide über Lessing, Schiller, Goethe lassen sich Formulierungen finden, die im heutigen Kontext
    Anrüchig erscheinen. Sogar bei Marx.
    Also alle verbieten?
    Ich bin für denken und aufklären. Wären das nicht tolle Projekte für Schüler? Zb
    Erklärschilder für Mohrenstrasse und Mohrenappotheke entwerfen.

  13. 21.

    Icke bin auch der Meinung, man sollte die Namen nicht ändern sondern Hinweistafeln oder Schilder anbringen! Aber wenn schon in der Schule die deutsche Geschichte nicht umfangreich gelehrt wird, dann braucht man sich nicht zu wundern! Man sollte vielleicht auch mal bedenken, das man diese neuen Namen als Einheimischer auch lesen und schreiben können sollte! Die Postboten freuen sich bestimmt auch!

  14. 20.

    Ich finde es einfach nur peinlich mit welchem Widerwillen man die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte begegnet. Den Finger auf die USA zu zeigen bringt auch nicht viel, denn die Zustände dort sind die direkte Folge Europas erster Exportware: Rassistische Kolonialpolitik. Es gibt hier Straßennamen und Denkmäler, die zum Zweck der Erniedrigung schwarzer Menschen und People of Color* errichtet wurden, siehe Beispiel »Afrikanisches Viertel«. Das hat auch nichts mehr mit Gedenken und Ehren zu tun. Diese Dinge mit ihrer Prominenz als Widmung stehen zu lassen wäre ein Fehler. Gern kann eine Tafel auf die rassistische Geschichte und den alten rassistischen Namen hinweisen, damit nichts »ausgelöscht« wird, aber dann lieber so, als etwas Falsches stehen zu lassen und das Beleidigende daran irgendwo als Kleingedrücktes zu erklären.

    *hier habe ich mich dem Englischen bedient, da die deutsche Sprache keinen passenden Begriff dafür bietet, was an sich auch viel aussagt.

  15. 19.

    Sie befürworten also die Gräuel während der deutschen Kolonialzeit?

    "Hermann von Wissmann trug mit militärischen Expeditionen maßgeblich zur gewaltsamen Kolonisierung des Kongo bei. Als Reichskommissar schlug er mit der »Wissmanntruppe« zwischen 1888 und 1890 den antikolonialen Widerstand der Küstenbevölkerung in »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) nieder. Er bereitete als Kolonialgouverneur wesentlich die Besteuerung der Kolonisierten vor, die 1905 zum Auslöser des Maji-Maji-Kriegs wurde, in dem mindestens 100.000 ostafrikanische Menschen ihr Leben verloren."

    https://eineweltstadt.berlin/publikationen/stadtneulesen/wissmannstrasse/

    "Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen“.

  16. 18.

    Sollte man nicht die Namen beibehalten und erklärende Zusatzschilder anbringen, mit denen z. B. dargestellt wird, dass die betreffende Person Gräueltaten vollbracht hat, nach heutigen Maßstäben ein Verbrecher ist und man der Opfer (vom Jahr xxx bis Jahr yyy zzz Menschen in Land ermordet, viele verletzt und enteignet ...) gedenkt und mahnt, solches nie zu wiederholen?

  17. 16.

    Die Straßen sollten nicht umbenannt sondern endlich repariert werden!

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