Archivbild: Andreas Kalbitz (l), ehem. Fraktionsvorsitzender der Brandenburger AfD, und Dennis Hohloch, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD Brandenburg, kommen nach einer Sitzung der Brandenburger Fraktion zu einer Pressekonferenz. (Quelle: dpa/S. Stache)
Bild: dpa/S. Stache

Staatsanwaltschaft ermittelt - Kalbitz verletzt AfD-Parteifreund mit Begrüßungsboxschlag

Bereits vor einer Woche hat Andreas Kalbitz seinen Vertreter als AfD-Fraktionschef so stark in die Seite geboxt, dass der in eine Klinik eingeliefert werden musste. Auch wenn offenbar keine Absicht dahintersteckte, bröckelt Kalbitz' Rückendeckung in der Fraktion.

Nach einem offenbar unbeabsichtigten Begrüßungsboxschlag durch Andreas Kalbitz liegt sein Vertreter als Brandenburger AfD-Fraktionschef, Dennis Hohloch, im Krankenhaus. Das bestätigte Hohloch am Dienstag auf Twitter. Zunächst hatten darüber das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) berichtet.

Hohloch sei bereits vor einer Woche in eine Berliner Klinik eingeliefert worden, er sei auf dem Weg der Besserung, berichtet das RND. Hohloch erlitt bei dem seitlichen Schlag durch Kalbitz einen Milzriss, wie er am Dienstag in sozialen Medien bestätigte.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat nach Bekanntwerden der Medienberichte ein Ermittlungsverfahren gegen Kalbitz eingeleitet. Das sagte ein Behördensprecher dem rbb. Zuerst hatte der Tagesspiegel davon berichtet.

Zwischenfall nach Mittagessen in den AfD-Fraktionsräumen

Zu dem Vorfall sei es am 10. August in den AfD-Fraktionsräumen im Potsdamer Landtag gekommen, schreibt das RND. Der Begrüßungsboxschlag durch Kalbitz sei unbeabsichtigt heftig ausgefallen. Das Redaktionsnetzwerk konnte nach eigenen Angaben parteiinterne Chats und weitere Dokumente einsehen, die den Hergang eindeutig schildern.

Demnach waren die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter gerade vom Mittagessen zurückgekehrt, Hohloch saß im Büro eines Fraktionskollegen im Gespräch. Kalbitz habe die Tür geöffnet und Hohloch statt einer Begrüßung unkontrolliert heftig in die Seite geboxt. Schon kurze Zeit später klagte Hohloch über heftige Magenschmerzen. Ärzte stellten am folgenden Tag innere Verletzungen fest.

Hohloch selbst bestätigte am Dienstag auf dpa-Nachfrage diese Schilderungen: "Der RND umschreibt die Geschehnisse sehr gut", teilte Hohloch per Textnachricht mit. Hohloch meldete sich zudem am Dienstag über seinen Twitter-Account zu Wort: "Da die Gerüchteküche brodelt und der Topf mittlerweile fast überkocht: Ja, ich liege aktuell noch im Krankenhaus mit einem Milzriss (keine Zyste o.ä.)."

Kalbitz: "Alles viel unspektakulärer"

Der Spiegel zitiert derweil aus einem AfD-internen WhatsApp-Chat mit dem Titel "Plenum Quasselgruppe". Darin schreibt der Kalbitz-nahe sachsen-anhaltische AfD-Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann, es gebe ein "Märchen von der handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Hohloch und Kalbitz". Dieses werde von der "bekannten Opposition in der brandenburgischen Fraktion verbreitet".

Im Krankenhaus sei festgestellt worden, dass bei Hohloch "eine nicht diagnostizierte, aber schon lange vorhandene Zyste in der Milz geplatzt war." Wie oben berichtet widersprach Hohloch dieser Angabe via Twitter.

Dem Spiegel gegenüber teilte Kalbitz mit: "Das ist alles viel unspektakulärer, als es teilweise bewusst aufgebauscht wird. Diese bedauerliche Sache wird sich völlig aufklären."

"Der hat sich nicht im Griff"

Brandenburger AfD-Mitglieder reagierten gegenüber dem RND schockiert auf die Nachricht der Verletzung des kommissarischen Fraktionschefs. Über Kalbitz sagen sie im Vertrauen: "Der hat sich nicht im Griff". Es habe schon mehrere unvermittelte körperliche Übergriffe vor Zeugen auf Abgeordnete oder Mitarbeiter gegeben. Nach B.Z.-Informationen wollen einige AfD-Abgeordnete Kalbitz zum Rücktritt auffordern, wenn er der Urheber der Verletzung ist. Zudem erwarte Kalbitz ein Ermittlungsverfahren zumindest wegen fahrlässiger Körperverletzung, schreibt die B.Z.

Hohloch vertritt Kalbitz als Fraktionschef. Der 47-jährige Kalbitz lässt sein Spitzenamt in der Potsdamer Landtagsfraktion ruhen, solange er aus der Partei ausgeschlossen ist. Das AfD-Bundesschiedsgericht hatte seine Mitgliedschaft für ungültig erklärt, da Kalbitz beim Parteieintritt 2013 verschwiegen hatte, dass er früher Mitglied der Republikaner und der verbotenen, rechtsextremen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) war.

Die HDJ-Mitgliedschaft streitet Kalbitz ab. Der Verfassungsschutz ist aber davon überzeugt, dass eine "Familie Andreas Kalbitz" dort Mitglied war. Zudem belegen Videoaufnahmen, die dem rbb vorliegen, dass Kalbitz auf zumindest einem Treffen der HDJ war. Am Freitag entscheidet das Landgericht Berlin über einen Eilantrag von Kalbitz gegen das Votum des Parteigerichts. Der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem bezeichnete Politiker will sich in die AfD zurückklagen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 18.08.2020, 19:30 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Wie oft haben wir schon alle irgendetwas gemacht, was schief gegangen ist. Deswegen sind wir längst keine AfD Mitglieder.
    Was sich manche hier in ihrer Realitäts-Blase zusammenphantasieren ist schon mindestens genauso merkwürdig, wie die AfD selber.

    So und jetzt interessiert mich noch brennend, wenn dem ein Nutellaglas runter fällt. Oder wenn er vielleicht einen Sack Reis im Keller hat.... irgendwie noch negativ ausgeschmückt mit Bildern von hungernden Kindern. So geht Meinungsmache.

  2. 24.

    Wer mittlerweile immer noch nicht begriffen hat, was diese "Partei" wirklich ist und darstellt, denen kann man wirklich nicht mehr helfen.

  3. 23.

    Die AfD ist nicht bürgerlich, sondern rechtsextrem, wie unzählige personelle, organisationelle und ideologische Zusammenarbeiten mit anderen rechtsextremen Akteur*innen belegen. Sich aber als bürgerlich zu verharmlosen, ist Tradition unter Rechten. Demokratie und Parlamentarismus zu bekämpfen, notfalls mit deren eigenen Instrumenten, ist Ausdruck von Rechtsxtremen in Vergangenheit und Gegenwart. Interessant, zu beobachten, wie diejenigen, die an so vielen unnötigen Stellen verzweifelt um Aufmerksamkeit buhlen, in ihnen unangenehmen Themen Stillschweigen als Diskursform wählen wollen.

    Bedauern und Anteilnahme wären die zu erwartenden Reaktionen einer vernünftigen Person, wenn diese unvernünftig so wie Kalbitz gehandelt hätte. Stattdessen geht es in erster Linie um Delegitimation von partei-interner wie -externer Oppostion und jedweder Kritik. Zuschlagen, Ausbleiben von Reflexion - das müssen diese "preußischen Tugenden" sein, von denen Kalbitz doch so gerne spricht.

  4. 22.

    "Über Kalbitz sagen sie [Brandenburger AfD-Mitglieder] im Vertrauen: "Der hat sich nicht im Griff". Es habe schon mehrere unvermittelte körperliche Übergriffe vor Zeugen auf Abgeordnete oder Mitarbeiter gegeben."

    Der langjährige Soldat Kalbitz scheint seinen Führungsanspruch in der Brandenburger AfD auch mit körperlicher Einschüchterung gegenüber seinen Kollegen manifestiert zu haben. Dass diese Interna über Kalbitz' Führungsstil nun ans Tageslicht kommen ist zu begrüßen - auch wenn dafür leider erst jemand ins Krankenhaus geboxt werden musste.

    Entlarvend sind die Kommentare der AfD Anhänger hier, die dieses Verhalten offenbar für normal halten und der darüber berichtenden Presse anstatt dem Schläger Kabitz Vorwürfe machen.

  5. 21.

    Corona taugliche Begrüßung geht bei der AfD so: kräftiger Schlag in die Eingeweide mit Krankenhausaufenthalt.

  6. 20.

    Nö, globke, es zeigt nur, dass Kalbitz nicht nur im Koppe aggressiv ist, sondern auch physisch... Und, er hat sich selbst nicht im Griff, unter Kontrolle.
    Die Medien haben BERICHTET, was passiert ist, die Statements wiedergegeben. Wie Sie darauf kommen, dass sich hier die Medien "unglaubwürdig" machen, wird Ihr sinnfreies Geheimnis in Ihret Filterblase bleiben. Klar, Ihnen als Kalbitz-Fan wäre es am liebsten gewesen, wenn es nicht öffentlich geworden wäre. Tja, auch ein Kalbitz ist als "Politiker" einer gewissen "Alternative" eine Person von öffentlichem Interesse.

  7. 19.

    In Geist und Tat gewalttätig. Ein übler Mensch.

  8. 18.

    Hauptsache Kalbitz im Titel...

    Aber dennoch albern. Das führt nur dazu dass man Medien nicht mehr ernst nimmt... soweit überhaupt noch möglich.

  9. 17.

    extreme begrüßung

  10. 16.

    ""Kalbitz", der running Gag der hiesigen Qualitätsmedien, findet seine Fortsetzung."

    Dafür sorgt der Rechtsextremist von ganz allein. Was andere Rechtsextremisten zu ärgern scheint.

  11. 15.

    Mit der Demontage von Kalbitz tragen die hiesigen Qualitätsmedien zum Erstarken der bürgerlichen Partei AFD bei. Danke, und weiter so!

  12. 14.

    Ist das der Corona-Gruß in der AfD ? Der Typ lässt ja nichts aus. An wen erinnert er mich nur immer, wenn ich sein Foto sehe ?

  13. 13.

    Schön, lieber rbb! Dank Eurer ausführlichen Berichterstettung ist Kalbitz und sein Trupp wieder im Gespräch.
    Wirklich toll gemacht!
    Ehrlich mal! 10 Zeilen für diese B**D-Niveau Meldung wären nun wirklich ausreichemd gewesen.

  14. 12.

    Deswegen kann sie ja auch keiner ernst nehmen. Mit gesellschaftlichen Umgangsformen haben sie es eben nicht so.

  15. 11.

    Eine elegante Gelegenheit für die Fraktion, "Problembär" Kalbitz noch vor einer Abweisung seiner zivilrechtlichen Klage gegen den Parteiausschluss loszuwerden und dennoch argumentieren zu können, man habe sich nicht lediglich opportunistisch dem Druck der Meuthen-Mehrheit im Bundesparteivorstand gebeugt.

    Wenn die anderen Abgeordneten diese Vorlage nicht nutzen, ist der Fraktion nicht mehr zu helfen.

  16. 10.

    Da war die Faust wohl schneller, als er "Hallo" sagen konnte... peinlich peinlich....

  17. 9.

    Karate ist effektiver.

  18. 8.

    Passt doch alles zusammen. Wie die Faust aufs Auge, äh, in die Seite.

  19. 7.

    "Wo rohe Kräfte sinnlos walten."

  20. 6.

    Hat offensichtlich die Leber getroffen.

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