Michael Müller und Kevin Kühnert (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Bundestagsmandat für Tempelhof-Schöneberg - Müller und Kühnert liebäugeln mit demselben Wahlbezirk

Vor wenigen Tagen kündigte Kevin Kühnert an, den Juso-Vorsitz vorzeitig abgeben zu wollen, um für den Bundestag zu kandieren - im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg, dem Heimatbezirk von Michael Müller. Der deutete nun an, dort selbst kandidieren zu wollen.

Der Berliner Regierende Bürgermeister und SPD-Chef Michael Müller hat Interesse an einer Kandidatur für den Bundestag signalisiert. "Das werden wir in den nächsten Tagen gemeinsam in der Partei erörtern, wie das laufen wird", sagte Müller am Freitag Vertretern von RTL und ntv.

Müller machte deutlich, dass er im Falle einer Kandidatur den Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg bevorzugen würde. Dort hätte er prominente Konkurrenz. "Mit (Juso-Chef) Kevin Kühnert und mir ist wirklich eine kuriose Situation eingetreten, weil wir beide durch und durch aus diesem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg kommen (...)", sagte der 55-Jährige. "Also für uns beide ist es ein Stück Heimat. Und irgendwie muss man sich dann eben auch einigen."

Kühnert hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass er bei der Bundestagswahl im Herbst 2021 im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg antreten will - und stellte Müller damit womöglich vor ein Problem. Denn der Stadtbezirk ist die politische Heimat Müllers, hier liegen seine familiären Wurzeln, und hier trat er mehrfach bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus an.

Berliner SPD stimmt Ende Oktober über Müller-Nachfolge ab

Müller hatte zu Jahresbeginn angekündigt, nicht noch einmal als Regierender Bürgermeister kandidieren zu wollen. Zuletzt war daher spekuliert worden, dass er sich 2021 um ein Bundestagsmandat bemühen könnte.

Zu entsprechenden Ambitionen hatte er bisher jedoch überhaupt nichts gesagt. Sollte es ihn in das Parlament ziehen - und das deutet sich nun an - kämen auch andere Wahlbezirke in Frage. Spekuliert wurde zuletzt, ob er stattdessen in Charlottenburg-Wilmersdorf antritt. Dort kann sich dem Vernehmen nach auch die Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement in Müllers Senatskanzlei, Sawsan Chebli, eine Kandidatur vorstellen.

Klar war bisher nur, dass Müller die Parteiführung in Berlin abgibt: Am 31. Oktober will die Berliner SPD Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Fraktionschef Raed Saleh als neue Doppelspitze wählen. Am 19. Dezember soll dann der Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl feststehen, die voraussichtlich parallel zur Bundestagswahl stattfinden wird. Allgemein wird seit längerer Zeit davon ausgegangen, dass es hier auf Giffey hinausläuft.

Die SPD, die Berlin jahrzehntelang prägte und aktuell mit Linken und Grünen regiert, liegt in Umfragen schon länger nicht mehr vorn. Giffey könnte hier für eine Wende sorgen. Allerdings waren Müllers Beliebtheitswerte in der Corona-Krise gestiegen. Deshalb war bisher nicht ausgeschlossen worden, dass er doch Lust hat, noch einmal als Spitzenkandidat auf Landesebene anzutreten.

Eine Frage des Respekts

Müller ist seit 2014 Regierungschef in Berlin, seit 2016 in der rot-rot-grünen Koalition. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das bis zur Wahl so bleiben wird.

Kühnert sei "ein guter, ein schlauer", sagte Müller im "Frühstart" von RTL und ntv. "Und natürlich ist es wichtig, dass es immer eine gesunde Mischung gibt aus den Erfahreneren und den Jungen, die neu dazu kommen und neue Impulse und Ideen setzen. Und das werden wir in der Berliner SPD, glaube ich, ganz gut hinbekommen."

Offen ist, mit welchem Spitzenkandidaten die Berliner SPD in die Bundestagswahl zieht. Kühnert würde sich das zutrauen. Allerdings wäre es wohl ein Affront gegen den langjährigen Regierungs- und Parteichef, der zuvor schon Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus war, wenn er nicht auf Platz eins gesetzt würde. Das sei auch eine Frage des Respekts, sagen manche in der Partei. Die offizielle Kür des Berliner SPD-Spitzenkandidaten für den Bundestag ist ebenfalls am 19. Dezember geplant.

Sendung: Abendschau, 07.08.2020, 19.30 Uhr

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40 Kommentare

  1. 40.

    @Prenzlauer. Christopf Gröner wäre der perfekte Senator für Stadtentwicklung! Der Posten ist ja glücklicherweise neu zu besetzen. Was in den letzten Jahren von RRG in Berlin in den Sand gesetzt wurde, kann nur mit einem Überflieger repariert werden. Willy Brandt und Helmut Schmidt würden sich im Grabe umdrehen, von wem ihre SPD heute repräsentiert wird.

  2. 39.

    @Frieda,
    unseren Bürgermeister in die Reihe von "Stammtisch konforme Blendgranate wie Duce, Trump oder Storch" zu stellen, entbehrt jeglicher Komik, da er sich eben nicht von denen unterscheidet. Großspurige Ankündigungen, die das Zuhören nicht wert sind, das Zumundereden gegenüber seinen Koallisationspartner, das zurück rudern, der bröckelne Rückhalt in seiner eigenen Partei oder eben der Wunsch der Berliner, diesen Bürgermeister endlich loszuwerden. Am unzufriedensten sind die Bürger in der Hauptstadt mit ihrem Regierungschef. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller landet mit einem Unzufriedenheitswert von 71 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz des aktuellen Trendbarometers. Wo ist jetzt der Unterschied zu den "Stammtisch konforme Blendgranate wie Duce, Trump oder Storch".

  3. 38.

    Finde das skandalös und rechtsstaatlich inakzeptabel, dass sich irgendwelche Kandidaten für die Wahl einen Wahlbezirk unter den Nagel reißen oder von der Parteiführung gerissen bekommen, um einen sicheren Posten zu bekommen. Das hat rein gar nichts mit fairen Wahlen zu tun. Hier werden Leute gezielt in der Regierung positioniert. Auf Kosten derer, die in dem Bezirk seit Jahren wirklich den Job machen.

    Soll doch Kühnert in Hellersdorf kandidieren.

  4. 37.

    Also für uns beide ist es ein Stück Heimat. Und irgendwie muss man sich dann eben auch einigen."

    Es wäre natürlich auch möglich, in einer besseren Welt, daß nicht die Platzhirsche untereinander den Platz am Trog auskämpfen, sondern das die Basis darüber entscheidet, wen sie als ihren besseren Vertreter ansieht.

  5. 36.

    "Und trotzdem heißt es immer noch: WEITER SO!". Weil Sie nicht anders können, alte Politiker ändern sich nicht, warum auch sie sind ja bisher immer damit durchgekommen. Und wenn nicht sind die anderen Schuld. Honecker glaubte bis 1 Tag vor der Wende das der Sozialismus kurz davor ist den Kapitalismus zu besiegen.

  6. 35.

    Ich frage mich immer bei solchen Problemdiskussionen und Meinungsäußerungen der Leser, ob denn die rbb-Redaktion diese an die betreffenden Politiker - wie hier Herrn Müller und Herrn Kühnert weiterleitet. Von selbst werden diese beiden Politiker doch nicht darauf kommen, diese teilweise vernichtenden Kommentare zu lesen und entsprechende Schlussfolgerungen ziehen.
    Welche Erfahrungen gibt es denn bei rbb24 dazu? Oder dient das nur um Leserfrust abzulassen?

  7. 33.

    Wieso? Herr Müller mag zum Lachen in den Keller gehen, ist aber fachpolitisch gut aufgestellt. Keine Stammtisch konforme Blendgranate wie Duce, Trump oder Storch, aber das brauchen wir auch nicht. Wir brauchen gebildete Menschen, die sich informieren, wenn sie sich nicht auskennen und die ihre Arbeit machen. Sie müssen nicht attraktiv lächeln und zum Starfriseur gehen. Dafür gibt es Schauspieler.

  8. 32.

    Da stehen die wenigen Wähler, die sich noch von der SPD hinter das Licht führen lassen, aus dem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg vor einer echten Wahl zwischen den unbeliebtesten Ministerpräsidenten (hier Regierender Bürgermeister) und einem politischen Emporkömmling.

  9. 31.

    "Das sei auch eine Frage des Respekts, sagen manche in der Partei."
    Leider hat Herr Kühnert noch nie Respekt gezeigt. Allerdings wird es ohnehin unerheblich sein wer von den Herren dort kandidiert, die SPD wird bei den nächsten Wahlen abgestraft werden und danach keine führende Rolle mehr spielen.

  10. 30.

    Das Schöne an einer Wahl ist, dass derjenige der die meisten Stimmen bekommt gewinnt. Und der angebliche Affront ist für mich nichts weiter, als die Alten machen weiter wie bisher. Sie müssen den Posten räumen, aber wir geben dir einen neuen Posten. Und Herr Müller im Bundestag? Das ist auch kein Gewinn. Die alte SPD hat den Lauf der Zeit verschlafen. Siehe die Prozente bei den letzten Wahlen. Und trotzdem heißt es immer noch: WEITER SO!

  11. 28.

    Dann wird er nach Brüssel gelobt oder man findet eine Stiftung oder zur Deutschen Bahn. Für Frau Nahles hat sich doch auch was gefunden.

  12. 27.

    Wenn Personen à la Idiocracy aufgestellt und auch noch gewählt werden, dann müsste man einzig bei den Wählern durchlüften oder aufgeben.

    de.wikipedia.org/wiki/Idiocracy

  13. 26.

    Nicht einmal eine Abstimmung von Wahlkandidaturen klappt in der Berliner SPD, das kann ja heiter werden

  14. 25.

    Warum nicht?
    Gröner steht für gute Wohnungen und Queer für selbst erwirtschafteten Freizeitspaß.
    Ich bin es leid von Leuten regiert zu werden, die nur über Leistung philosophieren können.
    Die FDP fällt auch als Opposition aus.
    Wir brauchen wieder Köpfe aus dem Lebensmittelpznkt der arbeitenden Bevölkerung.
    Auch mal Handwerker, Schaffner, Clubbetreiber usw., die wissen, was Arbeit bedeutet.

  15. 24.

    Zitat:"Allerdings wäre es wohl ein Affront gegen den langjährigen Regierungs- und Parteichef, der zuvor schon Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus war, wenn er nicht auf Platz eins gesetzt würde."
    Als wenn das einen Kevin Kühnert interessieren würde.
    Er würde ja auch gerne Wohnungseigentümer enteignen, wenn sie diese Wohnungen nicht selber bewohnen. Er sollte mal in das Portfolio seiner Partei schauen. Da stehen mehr Wohnungen drin, als die Partei Mitglieder hat.

  16. 22.

    In Berlin muss erst mal richtig ,,durchgelüftet" werden und dafür sind die beiden mit Sicherheit absolut nicht zu gebrauchen!

  17. 21.

    Da machen Sie sich mal keine Sorgen!
    In diversen von Steuergeldern bezahlten Organisationen wird er einen Posten bekommen.
    Ich hoffe, zur nächsten Wahl treten mal einige Personen aus der freien Wirtschaft an - z.B. Christoph Gröner, Nina Queer usw.

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