Zwei Schülerinnen sitzen vor dem Computer © imago/Sabine Gudath
Audio: Antenne Brandenburg | 24.08.2020 | Torsten Sydow | Bild: imago/Sabine Gudath

Langsames Internet, veraltete Rechner - Nicht mal jede zweite Brandenburger Schule arbeitet digital

Wie wichtig eine digitale Infrastruktur an Schulen ist, wurde in der Corona-Krise deutlich. Doch auch im normalen Schulalltag wären moderne Rechner und schnelles Internet wichtig. An vielen Brandenburger Schulen hapert es daran aber. Von Torsten Sydow

Im Land Brandenburg wird an 916 Schulen gelernt und unterrichtet. Aber digital, mit Computer, Laptop und Videokonferenz über die Schul-Cloud ist das bisher nur in etwas mehr als 400 Schulen möglich.

Bildungsministerin Britta Ernst von der SPD gesteht ein: "Wir können in Deutschland nicht zufrieden sein. Wir hinken anderen Industrieländern hinterher. Das haben wir schon wahrgenommen."

"50 Mbit hier an der Schule ist zu wenig"

Gebremst wird das digitale Lernen in Brandenburg unter anderem durch fehlende Breitbandverbindungen, so Linken-Landtagsfraktionschefin und Bildungsexpertin Kathrin Dannenberg. "Wir hätten eher mit dem Glasfaserausbau beginnen müssen. Und nun ist klar, dass wir bis zum Jahr 2024 benötigen, bis der Ausbau eines leistungsfähigen Netzes geschieht." Pikant - Dannebergs Partei hat bis vergangenen Herbst zehn Jahre in Brandenburg mitregiert.

Mit einer bescheidenen Internetkapazität müssen auch die knapp 300 Schüler der Werner-von-Siemens-Oberschule in Gransee (Oberhavel) und ihre Lehrer rund 90 Kilometer nördlich von Potsdam fertig werden, schildert Schulleiter Reinhardt Witzlau. Im ländlichen Raum gebe es stellenweise immer noch keine schnelle Internetverbindung. "50 MBit hier an der Schule ist zu wenig. Rechner sind teils veraltet. Das müsste hier alles viel schneller gehen. Alles dauert zu lange", klagt er.

Geld steht bereit - doch die Umsetzung dauert

Ein Lichtblick: Mit dem Schulcloud-Projekt haben die Granseer Oberschüler und Lehrer nun E-Mail-Adressen - und lernen jetzt digitales Lernen. Das ist Neuland für einige Lehrer, berichtet Mathe-Lehrerin Petra Hesse. Aber: "Alle sind bereitwillig in ihren Fortbildungen und lernen auch von ihren Kindern und Enkeln. Die Notwendigkeit hat jeder eingesehen."

151 Millionen Euro werden bis 2024 aus dem "Digitalpakt Schule" des Bundes allein für Brandenburg bereitstehen. Viel Geld - doch alle merken, dass Medienkonzepte zu schreiben und später die Bewilligung sowie das Einrichten Monate in Anspruch nehmen. Nun gibt es zusätzlich 16 Millionen Euro, damit Schulen alle Kinder und Jugendlichen mit Tablets oder Laptops ausrüsten, sagt Minister Ernst. Gedacht ist demnach an eine Dauerleihgabe für Schülerinnen und Schüler, die keine Endgeräte haben.

Fazit: Der Weg zum digitalen Lernen an Brandenburgs Schule scheint bestenfalls zur Hälfte absolviert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.08.2020, 05:50 Uhr

Beitrag von Torsten Sydow

15 Kommentare

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  1. 15.

    Ich denke, man muss beides können. Technik-affin sein UND im Unterricht begeistern (ja, man ist auch sowas wie ein Showmaster...). Nur so holt man - live - Schüler ab, die nicht einschlafen und den Stoff auch behalten und weiterentwickeln. Daher ist der Mailversand von Arbeitsblättern auch voll nach hinten losgegangen - kein Schüler hat was behalten von dem, was er/sie da ausgefüllt hat. Nullnummer. Aber die wenigen Lehrer, die eine Videokonferenz gemacht haben, sind mit ihrem Stoff im Gedächtnis geblieben.

    Wenn die bescheiden ausfallenden Test diese Erkenntnis bringen (glaube ich übrigens nicht...), dann wäre viel gewonnen.

    Würden Arbeitsblätter reichen, bräuchten wir keine Lehrer mehr.
    Aber selbst in "Webschulen" unterrichten Lehrer. Nur halt online :-)

  2. 14.

    Ich war bis vor drei Jahren selbst Lehrer und habe stets versucht ohne diese digitalen Aufgaben auszukommen. Auch Arbeitsblätter und Ankreuztest gab es bei mir sehr selten.
    Was man mit der Hand aufschreibt wird im Gehirn ganz anders wahrgenommen als über den PC.
    Für die Medienkompetenz und den Umgang mit digitaler Technik gibt die Fächer WAT und Informatik. Bevor ich hier als Digitalisierungsfeind kritisiert werde, ich habe auch diese beiden Fächer unterrichtet.

  3. 13.

    ach ja, und ÜBerraschung : Es braucht auch eine passende Lade-Infrastruktur für die Endgeräte an den Schulen, damit Kinder mit einem angegriffenem Akku nicht im Dunkeln sitzen.
    Böse Überraschung : Wenn jedes Bundesland jetzt seine Schüler mit dem Volks-Tablet ausstattet, werden die Preise für die Geräte durch die Decke gehen, die wird man nicht einfach so am Markt bekommen...

  4. 12.

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man ja lachen. 50 Mbit-Anschlüsse wären für viele Schulen schon ein Traum. Das Nadelöhr ist doch aber gewiss auch auf der anderen Seite der Leitung, weil die Serverfarm für die Schulcloud mal eben 200000+ User verkraften müsse.
    Die eigentliche Sache wird bei den Forderungen vergessen : Die Inhalte ! Macht da jetzt jede Schule / Lehrkraft sein eigenes Sammelsurium aus gescannten Dokumenten auf oder gibt es zentral qualitätsgeprüfte Inhalte ? Wie sieht es mit dem Urheberrecht aus ? Was können die Schulbuchverlage liefern
    Und wenn man die Sache konsequent durchdenkt : Es braucht ein von der Schule administriertes Einheitsgerät, damit nur vorher festgelegte Apps auf den Geräten sind, um einen sauberen Betrieb zu gewährleisten. Die Schulbücher können auch elektronisch auf dem Gerät abgelegt werden, damit würde endlich die Schulmappe auf ein erträgliches Gewicht schrumpfen...

  5. 11.

    Da möchte ich Ihnen widersprechen. Viele Menschen gerade im ländlichen Raum haben erbärmlich schlechte Internetverbindungen. Bei manchen sieht es sogar in Berlin nicht gut aus. Die Gründe sind verschieden, aber wenn auf einmal "alle" von zuhause aus arbeiten und stabile und leistungsfähige Internetverbindungen brauchen, bricht es doch in sich selbst zusammen.

  6. 10.

    In "unserer" Schule wurden jetzt diese Einstufungs-Tests durchgeführt. Die Lehrer waren (altersbedingt) meist ab Mitte Februar nicht mehr anwesend. Der Fernunterricht bestand aus kopierten Arbeitsblättern von anderen Lehrern als denen, die zuvor das Fach unterrichtet haben.

    Die Test fielen in den Fächern Mathe, Physik und Chemie verheerend aus. WISSEN kann per Arbeitsblatt nicht vermittelt werden, nur braves Ausfüllen nebst googeln des "Rechenweges".

    In Deutsch und Fremdsprachen war es ok.

    Natürlich sind auch die Test-Aufgaben fragwürdig. Es schien sich um Aufgaben zu handeln, die nicht auf bis Februar Gelerntes oder ab Februar zu lernendes zu beziehen. Diese Themen waren weder im Buch noch im Unterricht zu finden.

  7. 9.

    Warum kann man "Lesen, Schreiben, Rechnen" auf einmal nur noch mit einer Breitbandverbindung lernen? Auch für andere Fächer stelle ich mir die Frage! Man kann im Internet zwar einiges recherchieren, eventuell auch "Lernvideos" Anschauen, aber einen Lehrer der einen den Lehrstoff ordentlich vermittelt kann es nicht ersetzen! Kann man denn Rechenaufgaben mit Stift und Papier schlechter lösen als mit der Maus und Tastatur an einem PC? Auch Physik ist so ein Fach, da würde ich mir wünschen, dass so wie zu unserer Schulzeit etwas vorgeführt und live erlebt wird. Wir hatten sogar kleine "Versuchs-Baukästen" um elektrische Grundkenntnisse zu erwerben und aus zu probieren. Das war doch toll und einprägsam! Ist doch langweilig so etwas auf einem PC zusammen zu klicken!

  8. 8.

    Digitales Lernen kann die direkte persönliche Anwesenheit und Zuwendung des Lehrers nicht ersetzen. Ich bin der Meinung, dass Schule grundsätzlich niemals Fernunterricht und auch nicht automatisiert sein darf. Das ist schädlich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen. Für eine bessere Bildung sollte man unbedingt die Klassen verkleinern und lernschwache Schüler durch individuelle Betreuung immer da abholen, wo sie gerade sind. Dafür brauchen wir mehr Lehrkräfte. Es kann nicht sein, dass manche Eltern einen privaten Nachhilfeunterricht finanzieren können und andere Eltern nicht. Die gesamte Nachhilfe sollte aus Steuergeldern finanziert werden, damit alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen haben. Vielleicht sollte man das Geld, was man jetzt für die technische Aufrüstung verwenden will, eher für die Einstellung von Lehrkräften verwenden.

  9. 7.

    In Berlin ist es genau so.

  10. 6.

    Moderne PCs sind überflüssig, denn Internet haben sie doch alle zuhause. Wichtig ist, dass Kinder erst einmal richtig ohne Ghettosprache in einem Satz antworten können.

  11. 5.

    Die Schulcloud enthält kein Mailprogramm und die Skalierung ist miserabel. Also damit kommen wir nicht von den hinteren Plätzen weg - und nehmen die weniger digital affinen Lehrkräfte auch nicht mit.

  12. 4.

    In Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf hat man großspurig office365 für die Schüler verteilt - nun wissen alle, was Lehrer XY zur Hochzeit geschenkt bekommt - gottlob auch der Datenschutzbeauftragte (Bericht in der PNN). Für die Lehrer der gymnasialen Schulen sieht Digitalisierung wie folgt aus: man spamt Schüler mit Mails mit schlecht kopierten und gescannten Arbeitsblättern zu, die zu groß sind, um mit dem privat-Email-Account der Lehrer verschickt zu werden (Mengenbegrenzung bei kostenlosen Accounts). Dann sch.. man die Schüler an, warum sie keine Ergebnisse zurückliefern. Liefern die Schüler, landet es im Spam der Lehreraccounts (Mengenbegrenzung oder der Betreff lässt auch Spam schließen). Danach verteilt man, obwohl verboten, schlechten Zensuren, weil das ja gar nicht geklappt hat mit dem Homeschooling.

    Wisst ihr was? Ihr könnt mich mal. Nochmal mache ich so unprofessionelle Kacke nicht mit als Elter.
    Und jetzt warten wir mal auf den Datenschutzbeauftragten...

  13. 3.

    Ich war lange Zeit Lehrer an einem Gymnasium.
    Unsere Schule ist sehr gut digitalisiert und hatte nach Aussagen meiner ehemaligen Kollegen auch keine Probleme mit dem Onlineunterricht. An vielen anderen Schulen sieht es leider nicht so aus.
    Das ist das Ergebnis der jahrelangen Sparpolitik des Landes.
    Der Hauptpunkt ist auch nicht die Digitalisierung sondern die großen Lerngruppen und die fehlenden Lehrer. Hier wäre das Geld besser aufgehoben, als es für Tablets auszugeben.
    An den Schulen müssen erst Bedingungen für deren Einsatz geschaffen werden. Leistungsstarkes W-LAN zum Beispiel.
    Wirklich brauchbare Lernsoftware gibt es nur von Apple, was dann wahrscheinlich die Kosten sprengen würde.

  14. 2.

    Die Feststellung im Kommentar überrascht sicher die Wenigsten. Wo bitteschön sind wir in Deutschland noch führend??? Bildungspolitik wie in Kleinstaaten, jeder macht sein Ding nach gut dünkten. Dazu eine Chefin des Bildungsministeriums die meint, 5G an jeder Milchkanne sei nicht notwendig. Soll auch nicht aber 4G wäre schon toll. Hinzu kommt das sich Teile der Lehrerschaft sträuben sich dem Thema zu widmen. Allein das Geld wird das Problem nicht lösen. Verpennt ist und bleibt verpennt.

  15. 1.

    In Polen ist man besser ausgerüstet. Aus der Initiative "Schule ans Netz" ist nicht viel übrig geblieben. In den Amtsstuben Windows XP, selbst auf dem BER. Aber jedes Kfz auf den BAB Metergenau scannen. Zukunft sieht anders aus. Ohne Netz nutzt auch die beste Technische Ausstattung nichts. Der Bund hat Milliarden aus den Lizenzversteigerungen erlöst. Dieses Geld fehlt den Netzbetreibern nun für den Ausbau. Jetzt darüber jammern ist fehl am Platz

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