Noel Martin (Quelle: imago-images)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.08.2020 | Torsten Sydow | Bild: imago-images

Beisetzung in Birmingham - Mahlow gedenkt Neonazi-Opfer Noël Martin

Noël Martin ist am Freitag in seiner Heimatstadt Birmingham beigesetzt worden. Auch im brandenburgischen Mahlow wurde an den Briten erinnert, der nach einem Neonazi-Angriff 1996 vom Hals abwärts gelähmt war - und der sich stets für Toleranz einsetzte.

Der Brite Noël Martin, der seit 1996 bei einem Neonazi-Angriff in Mahlow (Teltow-Fläming) im Rollstuhl saß und im Juli gestorben ist, ist am Freitag in seiner Heimatstadt Birmingham beigesetzt worden. Mahlows Bürgermeister Michael Schwuchow, die Ortsvorsteherin und die Vorsitzende des Vereins "Bürger für Bürger", Vera Hellberg, sollten der Gemeinde zufolge an der Trauerfeier und der Beerdigung teilnehmen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) habe ein Kondolenzschreiben an die Angehörigen gesandt, hieß es von der Staatskanzlei.

Stilles Gedenken

Parallel zu den Trauerfeierlichkeiten in Birmingham gab es ein stilles Gedenken in Mahlow. Für die Brandenburger Landesregierung legte Staatssekretär Benjamin Grimm am Gedenkort ein Blumengebinde nieder. Bis zu 50 Menschen kamen nach Angaben der Potsdamer Staatskanzlei, darunter auch Vertreter der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow und der Noël-und-Jacqueline-Martin-Stiftung.

Menschen bei einem stillen Gedenken an Noel Martin am Mahnmal in Blankenfelde-Mahlow, 14. August 2020. Der britische Bauarbeiter wurde hier 1996 von Neonazis angegriffen und war seitdem querschnittsgelähmt. Bis zu seinem Tod im Juli engagierte er sich gegen Rassismus. (Quelle: imago images/M. Müller)
Bild: imago images/M. Müller

Martin, der in Brandenburg als Verputzer gearbeitet hatte, war am 16. Juni 1996 von Rechtsradikalen in Mahlow angepöbelt und mit dem Auto verfolgt worden. Bei der Verfolgungsfahrt wurde ein Stein auf Martins Auto geworfen, der damals 36-Jährige prallte daraufhin mit seinem Wagen gegen einen Baum. Martin war fortan vom Hals abwärts gelähmt und rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Die damals 17 und 24 Jahre alten Täter wurden zu Haftstrafen von fünf beziehungsweise acht Jahren verurteilt.

Engagement für Toleranz

Der gebürtige Jamaikaner setzte sich zeitlebens für Toleranz und Verständnis ein. 2001 kehrte Martin für zehn Tage nach Mahlow zurück. Er traf dort unter anderem den damaligen Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und redete mit Kindern und Jugendlichen. Damals regte er Begegnungen zwischen Jugendlichen aus der Region und Birmingham an. Ein Jahr später entstand der Noël-und-Jacqueline-Martin-Fonds (später die Noël-und-Jacqueline-Martin-Stiftung), der die Schüleraustauschfahrten möglich machte.

Woidke würdigte Noël Martin mit den Worten: "Durch seinen unerschütterlichen Willen und seine klare Haltung, sich für ein gewaltfreies Miteinander einzusetzen, ist er für Viele zu einem Vorbild geworden. Sein Schicksal macht uns noch heute betroffen und ist Verpflichtung, diesen Kampf in seinem Sinne fortzusetzen."

Sendung: Brandenburg aktuell, 14.08.2020, 19.30 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Eben Mahlower könnten für einen entsprechenden Eintrag bei Wikipedia sorgen. Zudem beides zusammen ergibt eben ein sehr negatives Bild über Mahlow. Dass solche kruden Verschwörungstheorien unter den Mahlower kursieren hat Panorama sehr schön aufgedeckt. Die geringe Beteiligung von Ortsansässigen am Gedenken spricht auch Bände. Aber jetzt ist mir klar warum Tesla lieber nach Grünheide als in das rechte Mahlow ging.

  2. 16.

    Aber Sie wissen schon, wie Wikipedia und teilweise auch Panorama "funktionieren"?? Bei Wiki können SIE zumindest oder jeder andere einen Inhalt darüber eintragen, jedoch auch löschen....
    Und Panorama, eigentlich früher mal ein zu beiden Seiten kritisches TV! Nachrichtenmagazin, braucht halt Zuschauer.

  3. 15.

    Schließe mich Ihren Worten und ja auch die von Steffen an. Bin zu nah am Wasser gebaut. So oder so ähnlich sagt man es, wenn einem beim Gedenken an Noel Martin immer wieder die Tränen kommen.

  4. 14.

    Nehmen Sie sich Noël Martins geistige Kraft zur Inspiration!
    Ich glaube, so wie er sein Leben weitergeführt hat - mit Würde und ohne Verbitterung - ist in Wahrheit die größte Strafe für die beiden Neonazis.

  5. 13.

    Er war nicht nur Opfer von Neonazis??? Glauben Sie, was Sie da schreiben. Erheben Sie sich aus Ihrem braunen Gedankensumpf und denken Sie darüber nach was Sie geschrieben haben.

    Ist auch ein guter Tipp fürs weitere Leben: Erst denken - dann schreiben!

  6. 12.

    Sehr richtig, Steffen. Die Kommentatoren Daniel S. und "Stechbein" scheint das Thema nicht sehr zu interessieren; vielmehr legen Sie Augenmerk auf eine vermeintlich erkannt zu habende, ungenaue Formulierung von Marike - und liegen damit absolut falsch. Um so zu denken bedarf es schon einer gewissen "Einstellung", würde ich meinen.

    Dieser Mann, Noël Martin, hatte selbst nach dem brutalen, lebensverändernden Einschnitt mehr Menschlichkeit als der "Durschnittsbürger" in sich, und hat dies auch auch offensiv vermittelt. Dafür kann man ihm nur allergrößten Respekt aussprechen.

  7. 10.

    Er war nicht noch jemandes anderen Opfer sondern er war nicht nur Opfer sondern eben auch Mensch, Bruder, Sohn, Freund und so weiter. So missverständlich war doch der Kommentar gar nicht. Ich hab ich jedenfalls verstanden. Man sollte einen Menschen nicht nur auf Opfersein reduzieren.

  8. 9.

    "Gott wird sie richten."

    "Es rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!"

    Nie waren die Worte im Kampf gegen Rechtsextremisten wahrer. Die Faschisten sitzen bereits in unsere Parlamenten.

  9. 8.

    Mahlow stellt sich nicht seiner Geschichte. Bei Wikipedia wird der damalige Anschlag nicht erwähnt. Was da herumgeistert in Mahlow ist schon echt abartig. So ab 2:20 wird dem Opfer die Schuld gegeben.
    youtube: "ARD Panorama: Zum Krüppel geschlagen"

  10. 5.

    Als er mit sechzehn die Schulzeit beendet, arbeitet er zunächst in einer kleinen Reifenfabrik. Schließlich wird er Gipser, arbeitet sich vom einfachen Lohnarbeiter bis zum selbständigen Unternehmer empor. Er erhält Großaufträge in London und in Schottland, aber auch in Spanien und in Holland. Schließlich kommt 1994 der Auftrag aus Mahlow. Hier begegnet Noël Martin die beiden Rechtsradikalen, die am Abend des 16. Juni 1996 sein Leben vernichten.

    https://noel-martin.de/de/noel-martin/

    Respekt für den Durchhaltewillen und sein Engagement nach dieser völlig sinnlosen Attacke. Flucht war die denkbar sinnvollste Lösung in dieser Stuation. Aus heutiger Sicht hätte ich mir gewünscht, dass er, wie Peter schrieb, diesen zwei Gestalten links und rechts eine Watschen verpasst hätte.

  11. 4.

    Er hat sinngemäß mal gesagt, er hätte es als kräftiger Kerl durchaus mit den beiden Milchbubis aufnehmen können, wollte aber keinen Ärger und ist geflohen. Ironischerweise würde er sich heute wahrscheinlich aufgrund des technischen Fortschrittes nach so einem Unfall in einer großen Limousine einmal schütteln und nach Hause gehen.

  12. 3.

    Er möge in tiefem Frieden ruhen und sein Andenken möge allen zur Warnung gereichen. Gott wird sie richten.

  13. 2.

    Ein mutiger Mann der sich nicht hat von seinem Hass leiten lassen und sein Schicksal mutig angenommen hat. Respekt!

  14. 1.

    Gedenken an Noël Martin (etc.) wäre die bessere Überschrift. Er war nicht ausschließlich ein Opfer von Neonazis. Ich finde diese Reduzierung unangebracht.

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