Polizeieinsatz bei der Zwangsräumung der Kiezkneipe "Syndikat" (Quelle: rbb/Oliver Soos)
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Video: rbb24 | 07.08.2020 | Material: O. Soos, rbb24 | Bild: rbb/Oliver Soos

Nächtlicher Einsatz in Neukölln - Mehrere verletzte Polizeikräfte bei neuen "Syndikat"-Protesten

Auch am Freitag wurde weiter gegen die Räumung der linken Szenekneipe "Syndikat" in Neukölln protestiert: Bei einer Spontandemo auf dem Richardplatz flogen am späten Abend Feuerwerkskörper und Flaschen, mehrere Polizisten wurden verletzt.

Nach der Räumung der umkämpften linken Kiezkneipe "Syndikat" istz es Freitagabend und in der Nacht auf Samstag in Berlin-Neukölln zu weiteren Demonstrationen. Dabei wurden mehrere Polizeikräfte verletzt, es gab mehrere Dutzend Festnahmen, wie die Polizei am Samstag mitteilte.

Zunächst hatten sich am Freitagnachmittag etwa 70 Personen am Herrfurthplatz in Neukölln versammelt, teilte die Polizei am Samstag mit. Dem dann gestarteten Aufzug schlossen sich laut Polizei am Abend insgesamt 800 Menschen an, es kam zu Sprechchören gegen die Polizei, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen sei es aber nicht gekommen.

Polizeieinsatz bei der Zwangsräumung der Kiezkneipe "Syndikat" (Quelle: rbb/Oliver Soos)
Foto vom Polzeieinsatz am Freitagmorgen während der Räumung der Kneipe | Bild: rbb/Oliver Soos

Polizist durch Flaschenwurf auf Gesicht schwer verletzt

Gegen 21 Uhr seien dann 500 Personen einem Aufruf zu einer Spontandemonstration mit dem Titel "Tag X" am Richardplatz gefolgt. Die zum Teil vermummten Personen seien in Richtung Karl-Marx-Platz gezogen, Teilnehmer hätten Pyrotechnik gezündet, so die Polizei. Im Bereich der Kirchhofstraße und des Richardplatzes sei es dann zu Stein- und Flaschenwürfen auf die Einsatzkräfte gekommen. Ein Polizeibeamter sei durch einen Flaschenwurf im Gesicht schwer verletzt worden, 29 weitere Einsatzkräfte hätten Atemwegsreizungen durch versprühtes Reizgas erlitten. Im Bereich der Kirchhofstraße seien dann mehreren Personen festgenommen worden.

Am späten Freitagabend sei es an der Kreuzung Weisestraße Ecke Mahlower Straße erneut zu einer Spontandemonstration mit rund 100 Teilnehmern gekommen, auch hier sei Pyrotechnik abgebrannt worden, so die Polizei. Im Bereich des Herrfurthplatzes seien mehrere Personen wegen vorangegangener Straftaten und Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz festgenommen worden. Erst gegen 1.45 Uhr habe sich die Lage vor Ort beruhigt.

34 Einsatzkräfte verletzt

In der Nacht auf Samstag wurden bei den Protesten zwölf Ordnungswidrigkeiten- und 15 Strafermittlungsverfahren eingeleitet. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, schweren Landfriedensbruchs, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Die Einsatzkräfte sprachen sechs Platzverweise aus und nahmen 16 Personen fest, darunter 13 Männer und drei Frauen.

Insgesamt wurden 34 Einsatzkräfte verletzt. Der durch einen Flaschenwurf verletzte Polizeibeamte erlitt so schwerwiegende Gesichtsverletzungen, dass er in einem Krankenhaus notoperiert werden musste. Ob und wie viele Demonstranten verletzt wurden, war zunächst unklar.

Hikel: "Eine echte Niederlage"

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) äußerte Bedauern über die Räumung des "Syndikats". Der neue Eigentümer des Hauses habe trotz versuchter Kontaktaufnahme des Bezirksamtes "überhaupt kein Interesse gezeigt, das Syndikat zu behalten", sagte er dem rbb. Stattdessen sei den Betreibern gekündigt worden, ohne dass ein Angebot gemacht worden sei.

Der Bezirk und die Stadt hätten hier im "Kontext der Aufwertung und im Zuge der Verdrängung eine Runde verloren", so Hikel in der Abendschau. "Wo wir an anderen Stellen durch das Vorkaufsrecht Erfolg gehabt haben, war es hier ganz klar für den Bezirk und den Kiez eine echte Niederlage".

Hikel, der die Proteste am Freitagabend vor Ort beobachtet hatte, wurde mit Schmährufen empfangen. Unbekannte warfen von einem Balkon im 1. Stock einen Eimer Wasser nach ihm.

Zwangsräumung der Kiezkneipe "Syndikat" (Quelle: rbb/Oliver Soos)Aufnahme von Protesten in der Nacht auf Freitag

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101 Kommentare

  1. 101.

    "Warum hört man nichts von gezielten Verhaftungen des mutmaßlichen Totschläger-Milieus? "

    Das "Totschläger-Milieu", dessen Sympahisant sie sind, wird seit Jahren von der Polizei geduldet und Ermittlungen verlaufen im Sand.

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2020/08/anschlagsserie-neukoelln-staatsanwaelte-befangenheit-kritik-knispel.html

  2. 100.

    Wo bleiben die Ermittlungsergebnisse zum Totschlagsversuch des Flaschenwerfers? Warum hört man nichts von gezielten Verhaftungen des mutmaßlichen Totschläger-Milieus?
    SPD Hikel hat die Räumung der Kneipe nicht "zu bedauern". Wenn er der Meinung ist, das so etwas vom Staat subventionierte werden soll, muss er halt die erforderlichen Mittel dafür locker machen. Aber das Gegenteil ist doch der Fall. Bei anderer Gelegenheit stößt Hikel in Neukölln solche Objekte ab, weil er sie nicht mehr weiter alimentieren will.

  3. 98.

    Nun denn, ich probiere es hier nochmal Ihnen zu diesem User, den Sie angeschrieben hatten eine Antwort zu geben. Gerade er ist es, der die allgemeine Diskussion hier zu sachlichen Themen sehr vehement u.egoistisch führt und somit dafür sorge trägt, dass die Kommentarfunktion oftmals in der Vergangenheit eingestellt wurde. Zudem gab es User die ihm regelmäßig die Stirn geboten hatten und dies auch konnten. Leider sind die nicht mehr hier vorhanden. Ich bin da nicht der einzige zu dem dieser User ein recht gespaltenes Verhältnis aufweisen tut. Ist jemand nicht seiner Ansicht, kommt er mit fadenscheinigen Kommentaren einher. Man muß schon bei ihm zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, worum es ihn tatsächlich geht. Eine ganze Weile war vor ihm Ruhe. Nun ist er erneut wieder da in alter Frische.

  4. 97.

    Kann man den niergends mal in Ruhe ein Bier trinken?

  5. 96.

    Ich nenne es erzieherische Maßnahme und Sie strafbare Handlung. Da brauch ich kein Gesetzbuch. Seit wann ist es verboten sein Kind zu erziehen. Ich rede hier nicht von Prügelstrafe da haben Sie wohl etwas falsch gedeutet.

  6. 95.

    Wollten Sie nicht beim Thema bleiben, weil sonst der rbb die Diskussion schließt? Halten Sie sich doch einfach dran und unterstellen nicht Anderen Ihr eigenes Verhalten hier. Beim Austeilen sind Sie doch auch nicht zimperlich, also spielen Sie hier nicht das Opfer, wenn Sie argumentativ mal wieder nicht weiterkommen. Weitere Diskussion gerne, wenn ausschließlich zum Thema!

  7. 94.

    www.arte.tv/de/videos/085431-000-A/feindbild-polizei/

  8. 93.

    "Und ich würde meinem Kind eine"mitgeben", wenn es bei solchen Ausschreitungen gegen die Polizei dabei wäre. Aber auch das entscheide ich ganz alleine und was Sie darüber denken ist mir vollkommen egal"

    Nein, das entscheiden sie eben nicht ganz allein, weil das eine strafbare Handlung ist. Bei Bedarf suche ich ihnen die entsprechenden Paragraphen heraus

  9. 92.

    Meine geistige Nähe müssten Sie mir nicht unterstellen, sondern das haben Sie doch bereits getan. Alles was nicht in Ihre Blase passt ist rechts.Das stört mich aber auch nicht weiter, da ich weiß wo ich stehe. Und ich würde meinem Kind eine"mitgeben", wenn es bei solchen Ausschreitungen gegen die Polizei dabei wäre. Aber auch das entscheide ich ganz alleine und was Sie darüber denken ist mir vollkommen egal.
    So und nun wünsche ich Ihnen einen sonnigen Sonntag und genießen Sie den Tag.

  10. 91.

    Ich bin gegen die Räumung der Kiezkneipe. Trotzdem ist ihr Kommentar vollkommen unangemessen. Verletzte bei Gewalteskalationen sind immer zu bedauern. Sicher die Eskalation bei linksradikalen Demos ist seit jahrzehnten ritualisiert. Beide Seiten haben dabei ihren Anteil.

  11. 90.

    "Ja, wer mir wiederholt mit unsachlichen persönlichen Angriffen kommt, braucht sich über das Echo nicht wundern."

    Passen sie auf, dass sie auf ihrer Schleimspur nicht ausrutschen!

    Soll ich mal die ganzen Beleidigungen, Diffamierungen und feigen Unterstellungen der letzten 3 Tage aufzählen? Sie treten hier gegen JEDEN, der nicht ihre Gesinnung teilt. Letztens haben sie sich "Lothar" zur Zielscheibe ihrer Gehässigkeiten ausgesucht.

    Da reichen aber 1000 Z. nicht aus. Aber sicher wird man auch diese Antwort auf ihr Geseiere wieder zensieren.

  12. 89.

    Ihre faschistoiden "Erziehungsmethoden "Wenn es mein Kind wäre würde er oder sie von mir gleich noch eine mitbekommen. " aus dem vorletzten Jahrhundert passen haargenau zu ihrer Gesinnung, die sie hier offenbaren.

    Nicht wirklich verwunderlich.

    Würde ich mit ihnen gleichziehen, dann müßte ich ihnen eine geistige Nähe zu Rechtsextremisten und -terroristen unterstellen. Entsprechend haben sie sich ja oft genug geäußert.

  13. 88.

    Finde an Ihren Antwortkommentar besonders belustigend, dass ausgerechnet Sie: „ich mein ja nur“ mit einfügen. Remember it?

  14. 86.

    Gehirn einschalten!
    Die Gesetze wurden angewendet, der Besitzer bekam bis zur letzten Instannz recht.
    So what?

  15. 85.

    Schon ein lustiger Verein, diese Linksextremisten/Kommunisten/Sozialisten... ich bin ja auch für Enteignungen in Berlin. Uns zwar solange, bis kein böser reicher kapitalistischer Investor auch nur auf die Idee kommt, in Berlin zu bauen oder Firmen zu gründen. Dann sollten Politiker mal nicht nur labbern und endlich eine Mauer um Berlin ziehen, damit man darin auch wirklich sicher vor dem Kapitalismus ist...

  16. 84.

    @ Marcus: Man liest ja hier viel Nonsens, aber sorry, das ist Nonsens zum Quadrat!! Man weiß gar nicht, bei welcher Ihrer „Thesen“ man anfangen soll. Aber erklären Sie uns doch bitte, wie eine Enteignung demokratisch sein soll. Oder nennen Sie doch bitte die Gesetze, die Politiker anwenden sollen, wenn Sie denn „Eier haben“, damit Ihre Wünsche hinsichtlich der Gewerbestruktur (Kneipen) in „Ihrem Kiez“ in Erfüllung gehen??

    Sie und Ihresgleichen leben in Ihrer eigenen Welt, die leider mit der Realität aber auch gar nichts zu tun hat!! Wenn Ihnen das hier nicht mehr gefällt, gehen Sie weg, denn der Mehrheit gefällt es hier!!

  17. 83.

    Wie kann es sein, dass so ein linksextremistischer Kommentar hier veröffentlicht wird? Der Vorschlag der Enteignung auf Basis eines "Mehrheitswillen" steht nicht auf dem Boden unserer FDGO.

    Wenn den Linken ihre Kneipe tatsächlich wichtig wäre, hätten sie längst etwas unternommen, eine eigene zu eröffnen. Die Freiheit dazu hat jeder.

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