Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen, r), Wirtschaftssenatorin von Berlin, Michael Müller (SPD, M), Berlins Regierender Bürgermeister, und Klaus Lederer (Die Linke, l), Kultursenator von Berlin. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: Abendschau | 23.09.2020 | Gabriele von Moltke | Bild: dpa/Christophe Gateau

Aktueller BerlinTrend - Grüne liegen in Umfrage an der Spitze - SPD verliert

Würde am Sonntag ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, wären die Grünen laut neuem BerlinTrend stärkste Kraft - gefolgt von der CDU. Es würde sogar für ein Zweierbündnis reichen. Grün-Rot-Rot wäre aber auch eine Option. Von Thorsten Gabriel

Nach einem kurzen Umfragetief im April sind die Grünen auf die Spitzenposition zurückgekehrt: Wenn am Sonntag in Berlin gewählt würde, kämen sie laut neuem BerlinTrend von Infratest dimap im Auftrag der rbb-Abendschau und der "Berliner Morgenpost" auf 26 Prozent - satte fünf Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Monaten.

Dahinter folgt mit 22 Prozent die CDU, die geringfügig verliert. Mit deutlichem Abstand folgen dann mit je 15 Prozent SPD und Linke, wobei die Linken leicht zulegen, die SPD allerdings fünf Prozentpunkte verliert. Die AfD fährt unverändert zehn Prozent ein, die FDP liegt nun bei sechs Prozent.

Bisheriges Bündnis mit neuer Gewichtung?

Mit Blick auf mögliche Regierungskonstellationen ergeben sich zwei Optionen: Zum einen könnte die rot-rot-grüne Koalition unter neuen Vorzeichen weiterregieren, nämlich als grün-rot-rotes Bündnis. Die Mehrheit wäre nicht üppig, aber stabil. Möglich wäre allerdings erstmals nach fast einem Jahrzehnt auch wieder ein Zweierbündnis von Grünen und CDU. Zuletzt gab es diese Option vor der Abgeordnetenhauswahl 2011. Damals war Renate Künast Spitzenkandidatin der Grünen.

Betrachtet man die westlichen und östlichen Bezirke getrennt voneinander, zeigt sich, dass auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer unterschiedliche Präferenzen in den ehemaligen Stadthälften anzutreffen sind: In den westlichen Stadtteilen liegen die Grünen noch deutlicher vorn. Hier sind auch CDU und FDP stärker, Linke und AfD dagegen schwächer. In den östlichen Bezirken dominiert dafür klar die Linke, vor den Grünen. CDU, AfD und FDP sind hier schwächer. Nur die SPD liegt in Ost wie West in etwa gleichauf.

Müllers Beliebtheit weiterhin hoch - für Berliner Verhältnisse

Fragt man nach der Beliebtheit der politischen Protagonisten, büßt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zwar gegenüber seinem Spitzenwert von April ein und liegt jetzt bei 46 Prozent. Das ist für Berliner Verhältnisse aber immer noch ein überdurchschnittlicher Wert. Im bundesweiten Vergleich der Länderregierungschefs ist Müller damit allerdings Schlusslicht: Nur der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kommt noch auf einen ähnlich schwachen Wert (52 Prozent), alle anderen liegen deutlich oberhalb von 60 Prozent.

Von Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) sagen 29 Prozent der Befragten, dass sie mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden sind. Bei Wirtschaftssenatorin und Bürgermeisterin Ramona Pop (Grüne) sind es 27 Prozent. Beide verschlechterten sich gegenüber dem BerlinTrend vom April nur geringfügig.

Die meisten wollen Giffey als Regierende Bürgermeisterin

Zwar haben die Parteien ihre Spitzenkandidatinnen und -kandidaten noch nicht nominiert, trotzdem zeichnet sich zumindest im BerlinTrend bereits klar ab, wen die Berlinerinnen und Berliner klar bevorzugen würden: 51 Prozent der Befragten gaben an, dass die SPD-Politikerin Franziska Giffey aus ihrer Sicht eine gute Regierende Bürgermeisterin wäre. Bei den eigenen Anhängern sind es sogar 71 Prozent.

Bei den Grünen ist zwar noch offen, ob Wirtschaftssenatorin Ramona Pop oder Fraktionschefin Antje Kapek als Spitzenkandidatin ins Rennen gehen werden. Gefragt nach Ramona Pop gaben allerdings nur 16 Prozent an, sie für eine gute Bürgermeisterin zu halten, 46 Prozent glauben das nicht. Auch bei Grünen-Anhängerinnen und -Anhängern kommt Pop nur auf 26 Prozent.

Deutlich abgeschlagen folgt CDU-Landesparteichef Kai Wegner. Lediglich neun Prozent gaben an, ihn für einen guten Bürgermeister zu halten (26 Prozent halten ihn nicht dafür). 61 Prozent erklärten, ihn nicht zu kennen oder das nicht beurteilen zu können. Auffällig ist auch, dass Wegner selbst bei CDU-Sympathisantinnen und -Sympathisanten nur auf 21 Prozent kommt.

Alle Umfrage-Ergebnisse:

Auf alle Parteien warten noch Hausaufgaben

Für mindestens drei Parteien ist dieser BerlinTrend ein Jahr vor der nächsten Wahl ein Wachrüttler:

Die SPD wird weiterhin von den Wählerinnen und Wählern nicht allzu sehr geliebt, hat dafür allerdings eine Spitzenkandidatin in den Startlöchern, die die meisten Befragten gern als Regierende Bürgermeisterin sähen - ein Paradoxon.

Bei den Grünen ist es genau andersherum: Die Partei ist wieder auf einem Höhenflug, das Spitzenpersonal scheint gleichzeitig allerdings nicht besonders zugkräftig zu sein.

Die CDU wiederum scheint sich zwar von ihrem Absturz bei der vergangenen Wahl erholt zu haben, Landesparteichef Wegner hat die Union neu aufgestellt und ist innerhalb der Partei durchaus beliebt. Er kommt aber bei den Berlinerinnen und Berlinern, die ihn kennen, nicht besonders gut an.

Kurzum: Erst wenn die Parteien in den nächsten Wochen und Monaten ihr Spitzenpersonal nominiert haben werden, wird sich zeigen, wieviel Musik in diesen Zahlen noch steckt.

Sendung: Abendschau, 23.09.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Thorsten Gabriel

79 Kommentare

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  1. 79.

    Wieso wählt irgendjemand grün ? Die sollen erstmal an Ihren Kompetenzen arbeiten...Die Roth ist wirklich eine vorzeige Politikerin, keine Ahnung und zählen kann Sie auch nicht. Empfehlenswert wäre mal das Grundgesetz durchzulesen (mehrmals, bis Sie es versteht!)

  2. 78.

    Also das die SPD an Stimmen verlieren wird ist ja kein Geheimnis, dafür braucht's fast gar keine Umfragen mehr. Warum allerdings Grün an der Spitze ist, kann ich absolut nicht nachvollziehen, muss ich ja auch nicht. Ist nur schon bemerkenswert, dass dann niemand eine Grüne Bürgermeisterin haben möchte!

  3. 76.

    "Na dann wollen wir mal hoffen dass die 1,2 Millionen PKW Besitzer eine andere Wahl treffen als sie."

    Sie haben etwas eingeschränkte Vorstellungen von unserer Gesellschaft und vom "Grünen- Milieu". Ein besonders beliebtes Auro war dort immer ein Volvo oder Saab. Also warum sollten Autofahrer nicht überzeugte Grünenwähler sein. Es geht ja nicht darum kein Auto zu besitzen, sondern es bewusst einzusetzen.

  4. 75.

    "Sind mir nämlich zu viele Autos in der Stadt."
    Na dann wollen wir mal hoffen dass die 1,2 Millionen PKW Besitzer eine andere Wahl treffen als sie.
    Vielleicht findet eine andere Regierung einen Weg mit dem alle Verkehrsteilnehmer gemeinsam leben können.
    Es bleiben noch 12 Monate Zeit um dem Bürger vernünftige Konzepte zu präsentieren.
    Mal sehen was passiert.

  5. 74.

    Bin Ur-Berliner und werde erstmals grün wählen. Sind mir nämlich zu viele Autos in der Stadt.

  6. 73.

    "Ich kann daher die Skepsis mancher Waehler durchaus verstehen. "

    Nun, es gibt aber mehrere Umfrageinstitute. Zu Berlin sind es vier, die Umfragen machen. Und bei allen viern ist es seit 2 Jahren bzw. bei den zusammen zuletzt knapp 30 Umfragen so, dass die Grünen (teils deutlich) führend sind. Selbst bei INSA.

    AUßerdem resultiert die Skepsis (hier) ja nicht aus der Methodik / fehlender Transparenz, sonder aus dem Ergebnis.

  7. 72.

    Zitat: "Solange es in Berlin ca. 800.000 Transferleistungsempfänger gibt werden diese 3 Parteien immer wieder gewählt . . . Denn linke Politik ist und war schon immer Umverteilungspolitik . . . Und wenn jemand wenig hat wird er die Partei wählen, die ihm die größten Sozialgeschenke macht."

    Ach, und deshalb wählen die Ungarn und Polen PiS und Fidesz in dem Maße, wie weiland zu Ostblockzeiten?! Weil die ja auch eine explizit linke Politik fahren, ne? Natürlich wählen Wähler immer die Partei, die ihnen am lebensnächsten ist oder zumindest diesen Eindruck vermittelt. Das ist nun keine neue Erkenntnis, Berliner.

    Aber es schimmert ein "alternativer" Schein am Firmament. Der Sächsiche AfD Fraktionschef, Jörg Urban, denkt öffentlich darüber nach Leistungsempfängern das Wahlrecht zu entziehen. Nur so trennt man die Spreu vom Weizen!

  8. 71.

    Das... geht garnicht. An alle Urberliner wählt diese Grünen Gurken Bitte nicht. Sonnst Auto weg.

  9. 70.

    Was heißt wohl "Ich kenne einen" ? Das ICH einen kenne, wollen Sie den Namen haben und eine Adresse ?
    Nehmen Sie es hin , ICH kenne einen. Aber ich kann Ihnen eins sagen, der wählt nicht aus Überzeugung
    grün, sondern aus Notwendigkeit....

  10. 69.

    Hallo Steffen!

    Mir ist nicht ganz klar, welche Datenschutzgesetze verletzt werden sollten, wenn ein Unternehmen die Rohdaten samt Methodik veroeffentlicht.

    Und dass die Umfragewerte sich den realen Ergebnissen naehern, wenn die Wahlen kurz bevor stehen, ist ja mehr oder weniger ein Zirkelschluss und sagt eben nichts darueber aus, ob die Umfrageergebnisse innerhalb der Legislaturperioden akkurat genug sind.

    Wirklich Zweifel ausraeumen kann eben nur die Offenlegung der Methoden und Rohdaten, natuerlich anonymisiert. Und die Umfragen muessen ja nicht von privaten Unternehmen durchgefuehrt werden, das kann durchaus auch der oeffentlich-rechtliche Rundfunk selbst machen, mit oeffentlichen Geldern.

    Maik

  11. 68.

    Moment, werfen Sie jetzt möglicherweise ein paar Dinge zusammen? Ob Umfragewerte mitten in einer Wahlperiode, (meinten Sie Legislaturperiode?), am Anfang oder am Ende zustandekommen, ändert nichts daran, ob man sie überprüfen kann. Wenn Sie eigentlich meinen: Bis zur Wahl kann sich diese Umfragergebnis noch massiv ändern - natürlich kann es das, es kann alles mögliche passieren und deswegen sage ich ja, dass Umfragen Umfragen sind und nicht Wahlergebnisse. In der Minute, in der das Ergebnis reinkommt, sind alle Umfragen zuvor Schall und Rauch - sie liegen aber trotzdem meistens verblüffend nahe am Ergebnis. Spricht dafür, dass sie nicht durch ins Blaue raten zustandekommen, sondern durch definierte Methoden der Sozialforschung. Und zum Offenlegen: Jedes Marktforschungsunternehmen ist Konkurrent auf einem privaten Markt, abgesehen davon dem Datenschutz verpflichtet. Die soziodemographischen, anonymen Daten samt Methodik werden durchaus offengelegt.

  12. 67.

    Wenn die Grünen an die Macht kommen und die Mehrheit in dieser Stadt haben liebe Autofahrer dann gute Nacht.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  13. 66.

    "ch kenne jemanden der Grün wählt. Der fährt einen 350 PS SUV. Sollte man nicht glauben, ist aber so..."
    Und ein Bekannter von einem Bekannten, den ich eigentlich gar nicht kenne, also ein Unbekannter von mir, also der soll einen Nachbarn haben, der heimlich cdu wählt.
    Unglaublich, was?

  14. 65.

    Nun, der Witz ist halt, dass Sie Umfragewerte, die sich mitten in einer Wahlperiode befinden, nicht wirklich unabhaengig ueberpruefen koennen.

    Nach der Havarie in Fukushima lagen die Gruenen z.B. kurzzeitig bei 24% in den Umfragen zur Bundestagswahl. Am Wahltag im Jahre 2013 waren es dann doch nur 8,4%. Ob bei einer tatsaechlichen Bundestagswahl im Jahre 2011 die Gruenen auf 24% gekommen waeren, kann jedoch niemand wirklich nachvollziehen.

    Mir ist auch nicht bekannt, dass Unternehmen wie Infratest Dimap ihre Methodik zusammen mit den Rohdaten offenlegen, so dass jeder die Umfragewerte unabhaengig ueberpruefen kann - etwas was in der Wissenschaft eigentlich Gang und Gaebe ist.

    Ich kann daher die Skepsis mancher Waehler durchaus verstehen.

    Maik

  15. 64.

    Hallo Maik,

    Sie wissen doch genauso gut wie ich, dass es hier nicht um fünf Prozentpunkte geht - selbstverständlich haben solche Umfragemethoden auch Abweichungen zum tatsächlichen Wahlverhalten am Wahltag, das würde ich auch nie bestreiten und liegt in der Natur der Sache. Sonst wäre ja jeder Mensch schon vor der Wahl komplett berechenbar, ist er logischerweise nicht. Es behauptet auch niemand, dass repräsentative Umfragen Naturgesetze wären und Sie können das so viel hinterfragen wie Sie wollen, stellen Sie mir freundlicherweise nicht in Abrede, dass ich das auch tue. Hier tun sich aber drastische Wissenslücken zu empirischer Sozialforschung auf. Wenn ich ernsthaft glaube, meine Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Leute, mit denen ich mich gut verstehe, könnten die Gesamtheit der Wähler besser abbilden, als in jahrzehntelanger Verbesserungsarbeit entwickelte Stichproben, die genau diese Verzerrung bestmöglich ausgleichen sollen - dann ist das keine Diskussionsbasis, sorry.

  16. 63.

    Nein, es wurden keine 16-Jährigen gefragt. Dass Ihr persönliches Umfeld von einer repräsentativen Stichprobe stark abweicht, ist vollkommen normal - es kann überhaupt nicht die Gesamtheit abbilden. Das gilt für jeden Einzelnen. https://www.infratest-dimap.de/service/faqs/

  17. 62.

    Also wenn ich ihren Kommentar so lese, denke ich, dass selbst 14 jährige zu reflektierteren Denkweisen fähig sind, als diejenige in ihrem Kommentar. Nichts für Ungut aber vielleicht könnten Sie ja mal hinterfragen was überhaut ihr Umfeld ist, was man da so hört und vor allem alles glaubt. Ist alles schon ganz schön bizarr.

  18. 61.

    Hallo Steffen!

    Man darf durchaus die Qualitaet so einer Umfrage in Frage stellen, wenn man von der aktuellen politischen Stimmung ein anderes Ergebnis erwarten wuerde.

    Die fuer die Umfragen verwendeten Gewichtungsmodelle sind nicht unfehlbar und es ist durchaus schon oefters vorgekommen, dass Umfrageinstitute bei Umfragen kurz vor einer Wahl um fuenf Prozentpunkte daneben lagen.

    Ich kann daher Ihre Polemik gegen kritische Stimmen hier nicht nachvollziehen. Kritisches Hinterfragen gehoert zur Meinungsfreiheit und Demokratie dazu.

    Maik

  19. 60.

    Ich kenne jemanden der Grün wählt. Der fährt einen 350 PS SUV. Sollte man nicht glauben, ist aber so...

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