Internetseite von Airbnb (Quelle: imago images)
Bild: imago images/Rüdiger Wölk

Prüfung auf Steuervergehen - Berlin erhält rund 10.000 Airbnb-Datensätze

Wer seine Wohnung in Berlin illegal bei Airbnb vermietet hat, könnte nun in den Fokus von Steuerfahndern geraten. Laut eigenen Angaben bekommt der Senat tausende Daten zur Verfügung gestellt und will Einnahmen in jeweils vier- und fünfstelliger Höhe prüfen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen erhält noch im September rund 10.000 Datensätze der Wohnungsvermittlungsplattform Airbnb. Wie Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) der "Wirtschaftswoche" erklärte, handelt es sich um Daten aus den Jahren 2012 bis 2014, denen meist vier- bis fünfstellige Einnahmen pro Fall zugrunde liegen. Die sollen nun gründlich steuerlich überprüft werden. Laut Senatsverwaltung steht dabei meist möglicherweise nicht gezahlte Einkommenssteuer im Fokus, aber auch die Prüfung anderer Steuerarten sei möglich.

Die Datensätze hatte eine Sondereinheit der Hamburger Steuerfahndung stellvertretend für die übrigen Bundes- und Landesbehörden 2016 in einer Gruppenanfrage von Airbnb angefordert. Nach einem mehrjährigen internationalen juristischen Verfahren ist das in Irland sitzende Unternehmen dem vor wenigen Wochen nachgekommen. Die Hamburger Steuerfahndung will diese Daten nun zeitnah an die übrigen Bundesländer übermitteln.

Weiteres Ersuchen für 2017 bis 2019

"Es ist dem Engagement Hamburgs, das hier mit allen Bundesländern zusammengearbeitet hat, zu verdanken, dass wir nach Jahren bei Airbnb diesen Erfolg erzielt haben", teilte Matthias Kollatz mit. Demnach plane die Hamburger Behörde ein weiteres Ersuchen bei Airbnb für Daten aus den Jahren 2017 bis 2019. Es bleibt abzuwarten, ob sie erneut jahrelang darauf warten müssen.

Wer seine Wohung über Airbnb vermietet und dabei mehr als 520 Euro im Jahr einnimmt, muss dafür Steuern zahlen - sofern das Gesamteinkommen über dem Grundfreibetrag liegt (9.408 Euro für Singles). Bei einer Steuerhinterziehung sind eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren möglich, wobei besonders schwere Fälle auch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden können. Unabhängig von der Strafe steht die Nachzahlung der hinterzogenen Steuern der vergangenen zehn Jahre an, samt eines Verzugszinses von sechs Prozent.

Senatsverwaltung informiert am Freitag über Steuerminus

Nachdem die Bundesregierung am Donnerstag ein Steuerloch von rund 20 Milliarden Euro verkündet hat, will auch die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen am Freitag ihre Zahlen vorlegen. Schon seit dem Frühjahr steht fest, dass die Steuereinnahmen Berlins in Folge der Corona-Krise dramatisch weggebrochen sind. Als Konsequenz will das Land im Doppelhaushalt 2020/2021 sechs Milliarden Euro Schulden aufnehmen.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Das mit der Verjährung ist so einfach nicht: Man muss zwischen Strafverfolgungsverjährung und Festsetzungsverjährung unterscheiden. Es kann auch durchaus eine zehnjährige Verjährungsfrist greifen!

  2. 2.

    Alles schön und gut. Aber wie bei Cum Ex bereits erwähnt verjähren solche Steuerhinterziehungen nach vier Jahren.
    Das bringt also überhaupt nichts. Das Land und die Stadt verteilt Milliarden an Hilfen ungeprüft.
    Demnächst muß wohl jeder Flaschensammler Steuern nachzahlen.
    Es gibt darüber hinaus eine Handvoll weiterer Plattformen zur Weitervermietung.
    In Gaststätten, Urlaubshotel etc wird Bargeld verlangt. Kein Späti oder Kiosk gibt eine Quittung aus. Barber haben einen Schuhkarton. Selbst die Restaurants im Finanzamt geben keinen Bon.
    Dafür werden jetzt die Mieter von Sozialwohnungen geknechtet innert kürzester Zeit Einkommensnachweise zu bringen. Die geschlossen Bürgerämter freuen sich sicher schon auf den Ansturm.

  3. 1.

    Sehr gut! Keiner steht außerhalb des Rechts. Und jetzt noch die Zweckentfremdung konsequent angehen. Dann spart man sich eine Menge Neubau. Gerade in den Citylagen wichtiger Wohnungsbestand, der jetzt mit horrenden Gesamtmieten an internationale WEGs (Studenten, Bauhelfer, ..) zu kurzfristigen Übernachtungen i.S. Hotels genutzt werden.

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