Symbolbild: Gerichtssaal (Quelle: dpa/Thomas Frey)
Audio: Inforadio | 09.09.2020 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Thomas Frey

Computerprobleme - Berliner Gerichtsbarkeit nur eingeschränkt arbeitsfähig

Rund ein Jahr nach dem Hackerangriff auf das Kammergericht hat die Berliner Gerichtsbarkeit erneut massive Computerprobleme. Diesmal sind alle Gerichte betroffen. Wichtige Termine, wie etwa Verhandlungen, können aber stattfinden.

Alle Berliner Amtsgerichte, das Landgericht und Kammergericht haben seit einigen Tagen ein massives IT-Problem. Große Teile der Rechner stürzen regelmäßig ab, wie die Senatsverwaltung für Justiz am Dienstag dem rbb bestätigte.

Die ordentliche Gerichtsbarkeit ist demnach nur eingeschränkt arbeitsfähig. "Die Störung betrifft verschiedene Dienste und Komponenten und führt bei den Anwendern zu kurzfristigen temporären Nutzungseinschränkungen, wie etwa einem 'Einfrieren des Bildschirms' oder der Trennung der Netzwerkverbindung", wie Justizsprecher Sebastian Brux erklärte.

40-köpfige Task Force arbeitet an der Lösung

Demnach scheint es sich um ein Kommunikationsproblem zwischen Rechnern und Servern zu handeln. Das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) des Landes, das die Rechner der Gerichte betreibt und verwaltet, arbeite mit einer 40-köpfigen Task Force an der Lösung des Problems. Einen Hinweis auf einen Hackerangriff, wie er im Herbst des vergangenen Jahres das Berliner Kammergericht getroffen hatte, gibt es offenbar nicht. Eine mögliche Ursache könnte ein Sicherheits-Update in der vergangenen Woche gewesen sein.

Gerichtstermine wie etwa Verhandlungen können weiter normal stattfinden, so die Senatsverwaltung, weil wichtige Funktionen wie Protokollführer Zugriff auf alternative Arbeitsumgebungen bekommen hätten. Auch sei der Zugriff über ein virtuelles privates Kommunikationsnetz (VPN), etwa mit Laptops, von der Störung nicht betroffen.

Hackerangriff im vergangenen Jahr

Im vergangenen Herbst war das Kammergericht durch einen Hackerangriff weitgehend lahmgelegt worden. Ende September hatte das ITDZ einen Trojaner im Computersystem des Gerichts bemerkt. Alle Rechner mussten vom Netz genommen werden. Mitarbeiter des Kammergerichts konnten weder auf Mails noch auf gespeicherte Daten zugreifen.

Monatelang arbeitete das IT-Dienstleistungszentrum daran, das neue Computernetz zu installieren. Erst im April dieses Jahres war das Kammergericht dank etwa 500 neuer Computer wieder am Netz und per E-Mail erreichtbar.

Angesichts der erneuten Computer-Probleme hat sich FDP-Fraktionschef für eine "Senatsverwaltung für Digitales" ausgesprochen. Derzeit liege "ein Puzzleteil" beim Regierenden Bürgermeister, eines bei der Wirtschafssenatorin und ein Teil beim Innensenator, sagte Czaja am Dienstagabend auf Twitter. Das könne man alles bündeln.

Sendung: Inforadio, 09.09.2020, 6:00 Uhr

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21 Kommentare

  1. 20.

    Blödsinn. Das ist kein Projekt, das ist Troubleshooting.
    Einfach ein paar Buzzwords in den Raum werfen, hat noch nie irgendwo geholfen.
    1 Woche für ein nues Setup, ja ne ist klar. Sie haben einfach keine Vorstellung von der Dimension des Berliner Landesnetzes.

  2. 19.

    Die Zutaten für diese verkochte Suppe: ein lamdeseigenes ITDZ mit absoluter Motivationslosigkeit bei den MA, träge Prozesse im ITDZ und das Vergaberecht unterbinden innovative und zeitgemäße Entwicklung. Billig muss es sein...

  3. 18.

    Man kann doch vom Grünen Justizsenator nicht verlangen, dass er sich um solche primitiven Dinge wie die EDV bei der Justizverwaltung und deren Funktion kümmert. Der Herr Senator hat doch viel wichtigere Aufgaben als sich um das Funktionieren der Verwaltung für die er verantwortlich ist zu kümmern.
    Der Herr Senator muss sich darum kümmern, dass in den Haftanstalten ausreichend gendergerechte Toiletten eingebaut werden, dass mit einem Antidiskriminierungsgesetz der öffentliche Dienst an seiner Arbeit gehindert wird und obskure Vereine auch zu Einnahmen kommen und das Musliminen auch in den Gerichtssälen als Richterinen und Staatsanwältinen auf das für orthodoxe Musliminen unbedingt erforderliche Kopftuch tragen können.
    Daran sieht man, der Herr Senator hat sehr viel wichtigere Aufgaben zu erledigen als sich um die ihm anvertraute Verwaltung und deren einwandfreie Funktion zu kümmern.

  4. 17.

    Wenn ich das schon lese, 40 köpfiges Team, da weiß man eigentlich schon wo der Hase im Pfeffer liegt.
    Wahrscheinlich haben die Leute noch nie was von scrum oder von modern geschnittenen Projekten gehört, aber mehr als neun Leute sollten es definitiv nicht sein.
    Viel hilft nicht viel und das gilt vor allem für die IT Branche, ich schätze hier mit fünf bis acht richtigen Profis könnte man innerhalb einer Woche ein gutes und innerhalb von einem Monat ein sehr gutes System aufsetzen, was dann auch langfristig hält.
    Aber wahrscheinlich scheitert es schon an Profis.

  5. 16.

    Das kommt davon, wenn man stille Post spielt und alles glaubt.....
    Windows 95 ist nie im Einsatz gewesen. Zumindest nicht die letzten 20 Jahre.
    Einfach vielleicht vorhet selbst informieren, bevor man hier kluge Sprüche klopft.
    Vg

  6. 15.

    >...sondern ein Betriebssystem was leider die IT Welt beherrscht. Ist nicht mehr zu ändern, leider.
    >
    Kopf in den Sand stecken ist aber auch keine Alternative. Eine "digitale Sourveränität" wird mit so einer Haltung vollkommen unmöglich werden - und ja, es gibt Alternativen zur Bananensoftware Windows 10.

  7. 14.

    Funktioniert.

  8. 13.

    @Phrixos @popelchen
    Oha, zwei mit Ahnung. Jetzt nehme ich den Alu-Hut mal ab. Ich arbeite 25 Jahre in der IT und kann das wirklich beurteilen. Welcher Sniffer soll es denn sein, der Windows-User nimmt wohl Wireshark. Auf meiner Maschine läuft Linux, da versuche ich es doch mit tcpdump z.B..
    Windows 10 zu sniffen kann ich mir aber sparen, das hat der Herr Kuketz (diesen Namen sollte man wirklich kennen in der IT) schon mal getan: Verbindungsaufnahme mit mindestens 28 IP-Adressen und das war die Enterprise/LTSB Version-die für Unternehmen. Sein Fazit: "Für den Unternehmensbereich ist Windows 10 damit völlig ungeeignet". Noch Fragen ? Die hosts Datei z.B.,mit der man sowas früher verhindern konnte, wird bei genau diesen Adressen ignoriert, warum wohl. Es gibt jemanden der einen Wechsel auf sichere Betriebssysteme im allgemeinen verhindert - den USER. Siehe Limux / München...

  9. 12.

    Oh Mist. Erst haste keine Updates mehr für XP, dann stirbt der IE. Ja, womit sollen die Gerichte denn da noch arbeiten? Ohne IE keine Emails über gmx (ist ja ne sichere Verbindung). Da muss das gute alte Fax wohl wieder aktiviert werden. Wie, das war nie ausgeschaltet? Achso... zum Faxen der ausgedruckten und gestempelten Mails. Ok. Die haben aber auch einen Aufwand aufm Amt...

    https://www.wandkings.de/media/catalog/product/cache/2/image/468x/040ec09b1e35df139433887a97daa66f/t/-/t-60775-sch.main.jpg

  10. 11.

    Was bitte fusionieren in diesen Berliner Verwaltungen überhaupt?
    Eine einzige Lach Nummer.
    Wenn das einem nicht schon lange vergangen wäre.

  11. 10.

    Da läuft bei ihnen etwas schief. Microsoft ist kein Trojaner sondern ein Betriebssystem was leider die IT Welt beherrscht. Ist nicht mehr zu ändern, leider. Aber der Aluhut passt noch oder ?

  12. 9.

    Bei Win 10 schonmal "mitgesnifft" oder nur Computerblöd gelesen? Man kann Win 10 sehr gut "erziehen", ohne vermeidliche Nachteile, und - Augen auf bei der Softwarewahl. Win 10 als Grundstock und OS-Software wäre ein Anfang.

  13. 8.

    Da die Sicherheit von anderen OS hauptsächlich auf deren geringere Verbreitung basiert muss ich hier widersprechen. Win ist durch entsprechend anlegbare Policies u.a. in Netzwerken durchaus recht ordentlich absicherbar. "Recht ordentlich" deshalb, das es 100 % Sicherheit einfach nicht gibt. Das größte Manko bei Win ist die Installationsroutine bei den üblichen Heim-PCs. Per Default als Admin im Netz unterwegs geht einfach nicht gut. Dieses Manko lässt sich aber auch bei "sicheren" OS provoziert nachvollziehen. Ich kann mir jedoch lebhaft vorstellen, das in der Berliner Verwaltung noch irgendwo ein XP-Knecht schlummert.

  14. 4.

    Vielleicht einfach aufzählen, was in Berlin einwandfrei funktioniert? Wäre in dieser failed city deutlich schneller als jede Woche ne neue m Meldung aus der Kategorie: "Dinge, die in Berlin alle NICHT funktionieren".

  15. 3.

    Da sicherlich auch in der Verwaltung mit Microsoft anstelle sichereren Betriebs System gearbeitet wird sollte man den IT Experten mal stecken, dass Windows 95 out of order ist. Aber vielleicht haben die ja schon Windows 7 und haben den Anschluss an win 10 verpasst.

  16. 2.

    Das ist ein unverzeihlicher Supergau,der einfach nicht passieren darf!!!
    Aber der Justizsenator wird wieder nur arrogant mit den Achseln zucken.
    Die Verantwortlichen von Bananenrepubliken würden vor Scham im Erdboden versinken..

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