Stadtentwicklung - Karstadt-Eigner Signa will bezahlbare Mietwohnungen schaffen

Karstadt-Filiale am Hermannplatz in Berlin Kreuzberg. (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: Inforadio | 2.09.2020 | Interview mit Timo Herzberg | Bild: dpa/Schoening

Der Signa-Deal sorgt für Skepsis. Um Entgegenkommen zu signalisieren, gibt der Investor nun bekannt: Man wolle mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Degewo kooperieren, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Der Karstadt-Eigner Signa zeigt sich im Streit um den Neubau einer Filiale am Berliner Hermannplatz kompromissbereit.

Signa-Vorstandsmitglied Timo Herzberg sagte im Inforadio vom rbb, man nehme die Bedenken der Anwohner sehr ernst, die steigende Mieten befürchten. Deshalb solle dort auch bezahlbarer Wohnraum entstehen. Dazu arbeite Signa mit dem kommunalen Wohnungsbauunternehmen Degewo zusammen.

Zudem habe man mit einem Neuköllner Träger von Kindertagesstätten vereinbart, eine Kita für bis zu 100 Kinder in das Projekt zu integrieren.

Signa-Deal Thema im Abgeordnetenhaus

Die Bauvorhaben der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sind heute Mittag Thema im Abgeordnetenhaus. Zu einer Anhörung im Stadtentwicklungsausschuss werden auch Vertreter des Konzerns erwartet.

Signa und der Senat hatten Anfang August eine Vereinbarung getroffen. Darin hat der Konzern eingewilligt, in Berlin weniger Warenhäuser zu schließen als zunächst geplant. Im Gegenzug sicherte der Senat zu, die Karstadt-Bauvorhaben am Alexanderplatz, am Kurfürstendamm und am Hermannplatz zu unterstützen.

Kritik von vielen Seiten

Deutliche Kritik an den Verabredungen mit der Unternehmenseigentümerin Signa äußerte Katalin Gennburg, die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken. Sie sprach sogar von Erpressung durch Signa. "Signa nutzt die Krise schamlos gegen die Stadt und die Beschäftigten aus. Hier wird ein Warenhauskonzern in eine Immobilienentwicklungsgesellschaft verwandelt, das ist ganz offensichtlich."

Auch die Grünen-Abgeordnete Karin Schmidberger stimmt die Vereinbarung nicht zufrieden: "Ich werde meine Hand nicht heben für die Rendite-Träume von Signa, weil ich das einfach für einen schlechten Deal für unsere Stadt halte. Es werden keine Arbeitsplätze langfristig gesichert."

Eine Anwohner-Initiative kritisiert den Deal ebenfalls. Mitbegründerin Niloufar Tajeri sagte dem rbb am Mittwoch: "Die Entwicklungen in Kreuzberg und Neukölln waren schon in den vergangenen Jahren problematisch. Es gab teilweise Mietsteigerungen von 150 Prozent. Dieses Prestigeprojekt wird diese Entwicklung weiter ankurbeln und ins Extreme führen." Die Anwohner-Initiative Hermannplatz will am Mittwochabend (19 Uhr) gegen den geplanten Abriss des dortigen Karstadt-Hauses demonstrieren.

Sendung: Inforadio, 02.09.2020, 12:00 Uhr

10 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 10.

    "Ein Unternehmen möchte Wohnraum schaffen - ist doch gut." FRagt sich nur für wen. Signa ist in der Vergangenheit ja auch so oft als Wohltäter aufgefallen. Stichwörter Luxemburg-Leaks und „Das Benko-Prinzip“.

    Und immer wenn "Freunde" der Spekulanten, Abzocker und "Steuersparexperten" kein Argument haben, dann wird das klapprige Gespenst "Sozialimus" aus dem Hut gezaubert.

    Damit erschrecken sie allerhöchstens noch kleine Kinder oder Erwachsene mit ebensolchen Gemüt.

  2. 9.

    Sie scheinen sehr stark in dem vergangenen, pardon: ideologischen Gegensatz verfangen zu sein - wie viele andere leider auch.

    Der Gegensatz zwischen den beiden "-ismen" war ein recht oberflächlicher, inszenierter. Im Grunde genommen verfingen und verhedderten sich beide verfeindeten Denksysteme bei Gemeinsamkeit der Hochschätzung der rein abstrakten Zahl. Die abstrakte Maximalgröße war/ist mithin ein und alles. Das ist ja das Wesen aller "-ismen", das sie bis zum maximalen Punkt hin gelten sollen.

    Geht es um wirkliche Gestaltung, ist die Zahl, die diese Gestaltung "einkleidet", nur bloßes Beiwerk. Dann kann ein Bau so hoch sein oder anders hoch sein. Um diese Einbettung - auch politisch - muss es gehen.

    Nichts anderes wäre die geistige und hoffentlich auch praktische "Brücke" im Konflikt um einen Karstadt-Neubau. Anders als in New York geht es nicht um spätpubertäre Höhenkonkurrenz.

  3. 8.

    Also, wenn der Berliner nicht irgendwie unzufrieden meckern kann, dann ist er noch unzufriedener.....
    Ein Unternehmen möchte Wohnraum schaffen - ist doch gut. Dafür soll eine Karstadtfiliale, die eh nichts mehr einbringt, verwendete werden, das ist auch gut. Noch besser ist es, wenn auf diesem Bau noch ca. 13 - 15 Stockwerke drauf gebaut werden können. (Ja, klar Statik und so). Eine ansehnliche Anzahl von Wohnungen kann entstehen.

    Und jetzt kommt's, da investiert ein Unternehmen, was gut ist - aber Gewinn darf dieses Unternehmen offensichtlich nicht machen, was weniger gut ist. Heehee, sogar für die Allgemeinheit.

    Ich frage mich immer wieder, ist der Sozialismus noch so tief verwurzelt? Und, wem hat er was gebracht? Dabei wollten die Genossen doch vorwärts immer.....

    Schönen Tach noch

  4. 7.

    man nehme die Bedenken der Anwohner sehr ernst, die steigende Mieten befürchten. Deshalb solle dort auch bezahlbarer Wohnraum entstehen"

    Jetzt müsste halt nur noch geklärt werden, für wen dieser Wohnraum bezahlbar sein soll.

  5. 6.

    In Potsdam sind wir bei Neubau schon bei um die 18 Euro angelangt.

  6. 5.

    Bezahlbar ist relativ, besonders wenn das Renditeinteresse maßgeblich ist ;) Signa folgt damit dem Beispiel von Siemens. Bloß bei Siemens schauen bisher nur wenige genauer hin.
    https://new.siemens.com/global/en/company/about/businesses/real-estate.html

  7. 4.

    Für Apfel und Ei ist es nicht zu haben. Zu Wohnungen gehört auch die Hülle mit allen drum und drann, sogar ein Spielplatz und Autostellplätze gehören da zu. Also dürfte der qm ca 10 Euro kosten, mindestens. Der Investor hat dabei einenen klitze kleinen Gewinn und wenn er Pech hat er nicht einmal den.Anstatt dessen, hat er haufen Ärger, mit Baufirmen wegen Pfusch und Mietern, die nicht zahlen oder die Wohnung ruinieren. Nein Danke!!!

  8. 3.

    In der Tat hat Berlin ein riesiges Flächenproblem und es mangelt nicht nur an Büroflächen! Aber wenn einem Arbeitsplätze, Kitas und Wohnungen egal sind, kann man das natürlich einfach ignorieren.

  9. 2.

    Ist denn das Projekt am Kurfürstendamm schon durch?
    Still ruht dort der See. Dort sollen doch noch ein oder zwei oder drei Bürohochhaus entstehen.

    Wir haben davon in Berlin ja auch viel zu wenig.

  10. 1.

    "Signa will bezahlbare Mietwohnungen schaffen" Interessanter Schachzug. Aber die kann man ja so schaffen. Ab welcher Miete rentiert sich denn heutzutage neu geschaffener, vermieteter Wohnraum?

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren