Collage: Menschen nehmen an der Demonstration des "Marsch für das Leben" (links) sowie der Gegendemonstration (rechts) teil (Bild: dpa/Jörg Carstensen)
Video: rbb|24, Abendschau | 19.09.2020 | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Proteste am Brandenburger Tor - Abtreibungsgegner und Gegendemonstranten protestieren in Berlin

Auf beiden Seiten des Brandenburger Tors ist am Samstag zum Thema Schwangerschaftsabbruch demonstriert worden: auf der Westseite gegen Abtreibungen und auf der östlichen Seite für das Recht darauf.

Abtreibungsgegner und Gegendemonstranten haben am Samstag in Berlin demonstriert. Die beiden Demonstrationen begannen am Nachmittag zeitgleich auf gegenüberliegenden Seiten des Brandenburger Tors. Die Polizei hielt die Gruppen mit Absperrgittern und zahlreichen Einsatzkräften voneinander getrennt. Rund 950 Polizisten waren im Einsatz, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Der Bundesverband Lebensrecht hat zu seinem "Marsch für das Leben" aufgerufen, um für den Schutz des ungeborenen Lebens zu demonstrieren. Laut Veranstalter nehmen daran 3.000 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Die Polizei sprach von rund 2.000 Personen. Zuvor waren vom Veranstalter rund 5.000 Teilnehmer erwartet worden.

Die Teilnehmer in Berlin trugen Schilder mit Aufschriften wie "Kindergeld für Ungeborene", "Zuwendung statt 'Sterbehelfer'" oder "Verantwortung statt Abtreibung". Die Route sollte vom Brandenburger Tor auf die Straße des 17. Juni und wieder zurück führen. Eine Polizeisprecherin sprach von einer Teilnehmerzahl im "unteren vierstelligen Bereich".

Rangeleien bei Gegendemo

In unmittelbarer Hörweite, auf der westlichen Seite des Brandenburger Tors, forderte das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung eine Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Unter dem Motto "Leben. Lieben. Selbstbestimmt" sprachen sich die Teilnehmer für eine Streichung der Paragrafen 218 und 219a aus dem Strafgesetzbuch aus. Der Paragraf 218 stellt Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich unter Strafe, regelt aber auch, wie eine Abtreibung dennoch möglich ist. Paragraf 219a verbietet die "Werbung" von Ärzten für einen solchen Eingriff.

Bei der Gegendemonstration kam es zwischenzeitlich zu Rangeleien. 19 Demonstranten wurden festgenommen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Aus dem Zug der knapp 1.000 Gegendemonstranten wurde demnach immer wieder versucht, den parallel laufenden Aufzug von etwa 2.000 Abtreibungsgegnern am Brandenburger Tor zu stören. Die Gegendemonstranten wollten nach eigenen Angaben für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und bunte Lebensentwürfe eintreten.

Nach einer Festnahme wegen des Verdachts auf den Diebstahl eines Holzkreuzes hätten etwa 100 Gegendemonstranten versucht, die Person aus dem Polizeigewahrsam zu befreien, hieß es. Die Beamten setzten Pfefferspray ein und nahmen Störer fest. Es wurden auch 15 Platzverweise erteilt. Es sei versucht worden, eine Absperrung zu durchbrechen. Fünf Frauen, die sich entblößt hatten, wurden überprüft.

Strafermittlungen wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Tätlichen Angriffs, Landfriedensbruchs und versuchter Gefangenenbefreiung wurden eingeleitet. An dem Einsatz am Brandenburger Tor waren laut Polizei 950 Einsatzkräfte beteiligt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Marsch für das Leben" am Brandenburger Tor (Boild: rbb/Juliane Kowolik)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Marsch für das Leben" am Brandenburger Tor. | Bild: rbb/Juliane Kowolik

RIAS kritisiert Nutzung von NS-Begriffen

Laut Augenzeugenberichten waren beim "Marsch für das Leben" aber auch Teilnehmer, die antisemitische oder die Schoah relativierte Symbole trugen. Ein Teilnehmer trug nach Berichten des Berliner "Tagesspiegel" ein T-Shirt mit einem Davidstern-ähnlichen Zeichen, in dessen Mitte ein Embryo abgebildet war. Auch die Recherche und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) kritisierte via Twitter, dass bei der Veranstaltung in diesem Jahr erneut auf den offiziellen Plakaten der Organisatoren mit NS-Begriffen wie "unwertes Leben" und dem Slogan "Nie wieder" Schwangerschaftsabbrüche mit der Ermordung von Menschen im Nationalsozialismus gleichgesetzt würden.

Sendung: Abendschau, 19.09.2020, 19:30 Uhr

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