BerlinTrend - Mehrheit der Berliner lehnt City-Maut ab - Sympathien für Pop-up-Radwege

Collage: ÖPNV-Berlin, reger Verkehr auf einem Pop-Up-Radweg, Stau auf der Leipziger Straße in Berlin Mitte. (Quelle: dpa/Scheurer/Schmidt/Zinken)
Video: Abendschau | 25.09.2020 | Florian Eckardt | Bild: dpa/Scheurer/Schmidt/Zinken

Gegen Fahrverbote und eine City-Maut, für ein 365-Euro-Jahresticket und den Erhalt der Pop-up-Radwege: Der aktuelle BerlinTrend hat die Positionen der Menschen in Berlin zur rot-rot-grünen Verkehrspolitik abgeklopft.

Etwas mehr als die Hälfte der Berlinerinnen und Berliner hält die umstrittenen Pop-up-Radwege für eine gute Maßnahme zum Umweltschutz. Das geht aus dem aktuellen Berlin-Trend von infratest dimap im Auftrag der rbb-Abendschau und der "Berliner Morgenpost" hervor. 52 Prozent der Befragten wollen demnach dauerhaft an diesen Radwegen festhalten, 43 Prozent fordern deren Abschaffung. Zur Zeit gibt es in Berlin 14 solcher zunächst nur temporär angedachter Radwege. Ob sie dauerhaft bleiben können, entscheidet das Berliner Oberverwaltunsgericht in der zweiten Oktoberhälfte.

Dass die U-Bahn ausgebaut wird - wenn auch für viel Geld – halten mehr als 80 Prozent für eine gute Idee. Der Senat hat der BVG 19 Milliarden Euro für Investitionen zur Verfügung gestellt. Mehr als 80 Prozent befürworten auch die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für den öffentlichen Nahverkehr. Das favorisiert vor allem die SPD, im Klimapaket der grünen Verkehrssenatorin steht dieser Punkt allerdings nicht mehr.

Knappe Mehrheit für Erhalt der Pop-Up-Radwege

City-Maut stößt auf klare Ablehnung

Keine Mehrheit gibt es für die City-Maut, also für eine Nutzungsgebühr für Autofahrer, wenn sie in die Innenstadt fahren wollen. 64 Prozent der Befragten sprechen sich gegen eine solche City-Maut aus.

Bei einem Fahrverbot für Benziner und Diesel in Berlin ab 2030 halten sich Gegner und Befürworter im BerlinTrend in etwa die Waage. 47 Prozent der Befragten fänden einen solchen Schritt richtig und gut, etwas mehr, nämlich 49 Prozent, lehnen solche Fahrverbote ab. Hintergrund der Frage: Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) will Autos mit Benzin- und Dieselmotoren binnen zehn Jahren aus der Innenstadt verbannen. Ab 2030 sollen "Pkw mit Verbrennungsmotoren auf fossiler Basis in der Umweltzone möglichst ausgeschlossen werden", heißt es in Günthers Gesetzvorlage, die sie im Januar in den Senat eingebracht hatte. Ab dem Jahr 2035 sollte das Verbot dann auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden. Beschlossene Sache ist das alles aber noch nicht. Von der SPD wird dieser Plan bislang abgelehnt.

ÖPNV bleibt wichtigstes Verkehrsmittel

Die Befürworter der Pop-up-Radwege und Fahrverbote finden sich unter den Menschen, die hauptsächlich Bus und Bahn oder das Fahrrad nutzen. Autofahrer sprechen sich hingegen besonders für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Jahreskarte aus.

Insgesamt hat der Anteil derjenigen, die Bus und Bahn nutzen, abgenommen. Der öffentliche Nahverkehr bleibt aber wichtigstes Verkehrsmittel in Berlin, egal, welche Partei die Befragten wählen. Auf Platz zwei landet das Auto, dahinter das Fahrrad. Die Zahl der Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer hat sich im Vergleich zum November 2018 fast verdoppelt. Die meisten nutzen es vor allem in den Innenstadtbezirken.

Sendung: Abendschau, 25.09.2020, 19:30 Uhr

53 Kommentare

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  1. 52.

    Oder so. Eine Monatskarte Berlin AB mal 4 (Fahrrad nimmt rund 4 Plätze weg) über 300 Euro. Fahrradkarte kostet dagegen nur rund 10 Euro. Geschwisterkarten gibt es schon lange nicht mehr. Wer Vorrang der zahlende Fahrgast oder das Fahrrad auf einen gesponserten Platz haben Sie leider auch nicht beantwortet. Semesterticket sollte ich auch machen, dann fahre ich eben auf Kosten der Gemeinschaft. Studieren ist dafür ja nicht nötig.

  2. 51.

    Ein Fahrradticket kostet bei der BVG ab 1,30 Euro bis 2,60. Ein Fahrrad darf in der U-Bahn mitgenommen werden sofern Platz an den vorgeschrieben plätzen ist. Dort dürfen maximal 2 Fahrräder stehen. Ein Anspruch hat man aber nicht auf die Beförderung und Rollstühle und Kinderwagen haben immer Vorrang. Inhaber von gültigen Schülertickets, Geschwisterkarten, Tickets für Auszubildende und Semestertickets brauchen keinen Fahrschein für Fahrrad.
    Damit ist doch alles gesagt.

  3. 50.

    " Ein Fahrrad in der S-Bahn nimmt keine Plätze weg. Das denken nur die Leute, die sich auf die Fahrradstellplätze setzen. " Ist der Satz ernst gemeint? Das in der DDR viel subventioniert war wissen Sie wirklich nicht? Dass Sie den Satz zu der DDR nicht verstehen ist mit aber dann bei solchen Worten schon klar. Was kostest es diesen Platz bereit zustellen und wer bezahlt ihre "Fahrradstellplätze"? Wer hat Vorrang der zahlende Fahrgast oder das Fahrrad auf einen gesponserten Platz?

  4. 49.

    " Ein Fahrrad in der S-Bahn nimmt keine Plätze weg. Das denken nur die Leute, die sich auf die Fahrradstellplätze setzen. " Ist der Satz ernst gemeint? Das in der DDR viel subventioniert war wissen Sie wirklich nicht? Dass Sie den Satz zu der DDR nicht verstehen ist mit aber dann bei solchen Worten schon klar. Was kostest es diesen Platz bereit zustellen und wer bezahlt ihre "Fahrradstellplätze"? Wer hat Vorrang der zahlende Fahrgast oder das Fahrrad auf einen gesponserten Platz?

  5. 48.

    Dafür sind die Öffentlichen Verkehrsmittel schlicht in einer Metropole nicht ausgelegt, gleich gar nicht in den Hauptverkehrszeiten. Die Fahrradmitnahme mindert massiv die Kapazität der Bahnen, ohne dass dies entsprechend bepreist wird. In den meisten anderen Großstädten ist dies innerhalb bestimmter Zeiten entsprechend gar nicht mehr zulässig. Berlin macht hier immer noch eine Ausnahme. In den Niederlanden müssen Pendler für das von Ihnen genannte Szenario schlicht zwei Räder nutzen. Eins vom Wohnort zum Startbahnhof und eines vom Zielbahnhof zum eigentlichen Ziel. Ich gebe zu, dass das in Berlin meist schon mangels Abstellmöglichkeiten derzeit schlecht geht. Aber auch hier tut RRG nichts, um das zu ändern. Außerdem benötigen die wenigsten Teil-Radpendler an Start UND Ziel das Rad wirklich. Einer der beiden Orte ist fast immer mit anderem ÖPNV angebunden.

  6. 47.

    Ein Fahrrad in der S-Bahn nimmt keine Plätze weg. Das denken nur die Leute, die sich auf die Fahrradstellplätze setzen.
    Und was die DDR und deren damalige Rad-Tarife (!?) damit zu tun haben, erschliesst sich mir nicht.

  7. 46.

    Wenn Sie den ÖPNV mit dem Fahrrad nur strecken- bzw. etappenweise benutzen, warum denn nicht gleich die gesamte Strecke ohne Fahrrad mit den Öffis fahren?

  8. 45.

    Ihre Unterstellung ich lüge ist nachweislich falsch. Ein Fahrrad nimmt rund 4 Plätze weg. Macht bei einer Monatskarte Berlin AB also mal 4 über 300 Euro. Fahrradkarte kostet dagegen nur rund 10 Euro. Also fasst umsonst. Dass gab es nicht einmal in der DDR. Ich als Fußgänger sponsere die Radfahrer.

    Ihre unsinnigen Ansichten zu " Autofarhrer " konnten Sie auch nicht belegen.

  9. 44.

    Wieso entweder Rad oder Öffentlicher Nahverkehr?
    Können Sie sich nicht vorstellen, dass man weite Wege z.B. zwischen Pankow und Wannsee zurücklegt, 5 km Rad fährt, die S-Bahn nutzt und dann wieder auf s Rad steigt? Klappt doch bisher auch!
    Und weil es eben keine Schnellwege gibt und geschützte pop-ups, werden auch im Herbst / Winter naturgemäss noch mehr Radfahrer das so machen.

  10. 43.

    "Stichwort: Pop-up Radwege: fragen Sie mal Anwohner der Kantstr.... "
    Na, das glaube ich, dass manche Geschäftsinhaber nun genervt sind, dass sie nicht mehr wie selbstverständlich in 2.Reihe parken können. Neulich beschwerte ich ein Geschäftsinhaber-Ehepaar sogar darüber, dass sie nun immer "frech weggeklingelt" werden, wenn sie auf dem Radweg stehen. Ja, ich werd auch angehupt, wenn ich mich auf die Fahrbahn stelle. Und dass im Herbst/Winter weniger Rad fahren liegt auch an den dann noch gefährlicher werdenden Strassen

  11. 42.

    @Mod: Was hat denn an meiner Antwort an Bert nicht gefallen, dass sie der Moderation zum Opfer gefallen ist? Die war vielleicht nicht bierernst, aber keineswegs falsch und hat nicht gegen die Netiquette verstoßen.

  12. 41.

    Danke für die Zahlen.
    Und so ein Einbruch wegen ein paar Tropfen Wasser! Man kann sich vorstellen was das erst wird wenn der Winter kommt.
    Dann sitzen 90% der Radler im warmen Auto (auch Angst vor Corona) oder dem ÖPNV. Dann liegen die Radwege monatelang brach. Ob das ein vernünftiger Weg für die Verkehrsteilnehmer in Berlin ist?
    Der Ausbau der U-Bahn und Park & Ride für die Pendler wäre besser. Dadurch wird Platz geschaffen um den ÖPNV auf der Straße auszubauen. Sind die Angebote vernünftige Alternativen und Corona "gebannt" werden vermutlich viele Autofahrer wechseln.

  13. 40.

    Passen dazu vergleiche man einfach mal die Ergebnisse der automatischen Zählstellen von gestern (Regen) mit denen eine Woche (trocken, angenehme Temperaturen) vorher. Der Einbruch der Zahlen fällt leicht ins Auge. Ohne den von einer überwältigen Mehrheit gewünschten Ausbau des U-Bahn (@RBB: Warum wurde nur nach der U-Bahn gefragt?), aber auch anderer ÖPNV-Verkehrsmittel werden sich die PKW nicht zurückdrängen lassen. Dafür sind sehr viele Wege zu weit. In Wien hat man das erkannt, Kopenhagen Paris folgen dem Beispiel und hier engagiert die PKW-Pendlerin an der Spitze der SenUVK, die das Rad nur für Wege im Kiez nutzt, abgehalfterte Planer, die mit ihren Konzepten schon andernorts die PKW auf den Straßen nicht haben weniger werden lassen.

  14. 39.

    Samstag, 19.09: 9449 Radfahrer an der autom. Zählstelle Jannowitzbrücke
    Samstag, 26.09.: 2792 Radfahrer
    Breitenbachplatz: 2621 / 495
    Sind so viele wegen Corona zu Hause geblieben oder lag das angesichts des Regens eher an der Wetterfühligkeit der Mehrheit der Radfahrer?
    Eine fast schon sozialistische Mehrheit der Berliner hat erkannt, dass der ÖPNV ausgebaut werden muss. Ich erinnere da auch nur wieder einmal an Frau Günther, die das Fahrrad nur für ein kiez-taugliches Verkehrsmittel hält, aber ihre Ankündigung zu mehr Busspuren nichtmals halbherzig umsetzt. Dabei haben gerade die Pop-Up-Radwege bewiesen, dass es auch ohne zeitaufwendiges Behörden-Ping-Pong gehen könnte - wenn man das Mobilitätsgesetz auch in Bezug auf den ÖPNV ernst nehmen würde.

  15. 38.

    Ich finde man sollte die Radwege überdachten und und Heizstränge einarbeiten. Damit kann bei jedem Wetter gefahren werden. Bei schlechtem Wetter steigen Fahrradfahrer und im Winter aufs Auto um und die Staus werden länger und der CO2 Ausstoß größer. Gerade im Winter kann Smog entstehen durch die Invers-Wetterlage.

  16. 37.

    Entweder ÖPNV fahren oder Fahrrad. Ihr wollt PopUp Radweg, Fahrradschnellwege und mit dem Esel auch noch in die Öffis, jetzt ist aber langsam gut.

  17. 36.

    @2radmechaniker
    Schon witzig, wenn man den Autofahrern allen Platz absprechen will, weil die ja so ein Übel sind, gleichzeitig möchte man aber für sein Fahrrad zusätzlich Platz in Bus und Bahn beanspruchen. Was denn nun, Fahrrad fahren oder gefahren werden. Vielleicht noch mit dem Lastenfahrrad in den Bus.
    Bitte keine Beleidigungen.

  18. 35.

    Der Preis für die Favreadkarte ist dennoch symbolischer Natur, vor allem wenn den Platzbedarf des Rades berücksichtigt, mit welchen zudem oft die Gänge und Türen blockiert werden.

  19. 34.

    Mich wundert, dass Sie in anderen Beiträgen zu den Heizpilzen so garnicht auftauchen. Die sind doch auch übelst für das Klima und werden von der Politik, vor allem den Grünen, so vehement gefordert. Ist damit ein Tellerrand überschritten?
    Und jetzt sind Sie dran.

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