Archivbild: Demonstration zum Warnsteik der BSR und BWB in Berlin. (Quelle: dpa/Christian Mang)
Video: Abendschau | 24.09.2020 | Marek Walde | Gespräch mit Andrea Kühnemann | Bild: dpa/Christian Mang

Ausstand wegen Tarifverhandlungen - Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe im Warnstreik

Bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) haben Mitarbeiter am Freitagmorgen die Arbeit für einen mehrstündigen Warnstreik niedergelegt. An zwölf Standorten seien die Beschäftigten dem Aufruf gefolgt, sagte Ellen Naumann, Verdi-Fachbereichsleiterin für Entsorgung. Je nach Größe der Betriebe beteiligten sich demnach jeweils zwischen 20 und 80 Mitarbeiter bei Aktionen vor den einzelnen Standorten.

Zur Begründung für den Warnstreik erklärte Naumann, die Arbeitgeber hätten auch in der zweiten Tarifrunde kein Angebot vorgelegt. "Wer jedoch von den Beschäftigten Engagement und gute Arbeitsleistungen erwartet, sollte diese auch durch faire Tariferhöhungen wertschätzen."

Der Warnstreik solle von Betriebsbeginn an vier Stunden dauern, teilte Verdi am Donnerstag mit. Die Wasserversorgung in Berlin sollte Verdi zufolge durch die Warnstreiks nicht gefährdet sein.

Zweite Verhandlungsrunde scheiterte

"Die Arbeitgeber haben alles ablehnt, was die Gewerkschaften gefordert haben", sagte Andreas Splanemann von Verdi in Berlin-Brandenburg am Freitag dem rbb zur Begründung. Hätten die Arbeitgeber vergangenes Wochenende nach Potsdam ein Angebot mitgebracht, hätten die Warnstreiks vermieden werden können. Es sei aber Kalkül der Arbeitgeber, auf Zeit zu spielen: "Die Arbeitgeber haben alte Rituale wieder ausgegraben. Das finde ich nicht in Ordnung". Jeder wisse, dass die Forderung der Gewerkschaften nach einer Lohnerhöhung von 4,8 Prozent schließlich nicht das Endergebnis sei. "Es wäre günstiger gewesen, einen Kompromiss zu erarbeiten", so Splanemann.

Streiks bei Vivantes und Charité für Dienstag angekündigt

Verdi zufolge gehören die BWB wie auch die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) zu den Landesbetrieben, für die der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) beziehungsweise der Tarifvertrag Versorgung (TV-V) gelten, über die zurzeit bundesweit verhandelt wird. Die Beschäftigten bei Senat oder Bezirken werden dagegen nach dem Tarifvertrag für die Landesbeschäftigten bezahlt und sind nicht betroffen.

Die BWB haben nach Angaben eines Sprechers rund 4.500 Beschäftigte, von denen derzeit allerdings rund die Hälfte im Home-Office arbeite.

Am vergangenen Wochenende war die zweite Verhandlungsrunde ohne Annäherung zu Ende gegangen. Verdi und der Beamtenbund dbb verlangen 4,8 Prozent mehr Lohn. Den Beschäftigten sollen mindestens 150 Euro mehr pro Monat zugesichert werden. Die Arbeitnehmervertreter fordern eine Laufzeit von zwölf Monaten, die kommunalen Arbeitgeber wollen eine längere Laufzeit. Die Kommunen hätten wegen der Corona-Krise nichts zu verteilen, argumentieren sie.

Die Streiks am Freitagvormittag seien nur Auftakt zu größeren Streiks am Dienstag im Gesundheitswesen und Öffentlichen Nahverkehr. "Wir fangen langsam und müssen steigerungsfähig bleiben", sagte Andreas Splanemann vom Verdi-Landesverband Berlin-Brandenburg. Es gehe darum Signale zu senden, dass die Arbeitgeber endlich ein Angebot vorlegen sollten. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 22. und 23. Oktober geplant.

Sendung: Inforadio, 24.09.2020, 17:00 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Das wir Streiken können, ist ein hohes Gut. Es ist eines der Durchsetzungsrechte gegenüber dem Arbeitgeber welches ihm verdeutlichen soll, wie wichtig den Arbeitern und Angestellten eine Verbesserung ist.
    Es macht einen stutzig wie Streikmüde wir Deutschen geworden sind. Die Kommentare lassen auch nur Neid und Abstumpfung vermuten.
    Auch dieses Ewige wir Können gerade jetzt nicht mehr zahlen oder da für ist gerade gar garkein Spielraum vorhanden, sind Worte die ein in der Arbeitswelt egal ob Privat oder Öffentlich immer und schon seit Jahrzehnten begleiten.
    Streik muss weh tun, damit er wirkt! Und ja auch Außenstehende werden dabei manchmal betroffen sein. Aber nur so entsteht Druck!
    Ich weiss nicht warum einige Leute schon so weichgespült darauf reagieren, wenn andere berechtigte Forderungen durchsetzen wollen. Sehen wir uns nur unsere Nachbarn in Frankreich an, hier wird alle Naselang gestreikt, weil Sie wissen wie wichtig es ist, nicht alles hinzunehmen, was ein so vorgesetzt wird und da ist das Verständnis für die Streikenden sehr groß.
    Nur wir hier nehmen es hin das wir auf Lohn verzichten sollen, bald bis 70 Malochen dürfen, unsere Rente versteuert wird, wir trotz jahrelanger Einzahlung die immer weiter steigt und durch die Arbeitszeitverlängerung auch mehr in den Staatssack wirft doch immer weniger rausbekommen werden.
    Aber so wird es kommen sehenden Auges in den Untergang.
    Ich hoffe auf die Gewerkschaft und unterstütze jeden Streik.

  2. 5.

    Europaweit ausschreiben und gut ist.
    Ist doch eh schon alles Privatisiert warum nicht auch dieser Betrieb.

  3. 4.

    Hallo Christine, ja, es ist ein Archivbild (siehe Mouseover / Alttext des Bildes). Herzlich grüßt, die rbb|24-Redaktion

  4. 3.

    Ist das ein Archivbild?
    Ich sehe keine einzige Maske

  5. 2.

    Wenn sie dort arbeiten würden würden sie dann immer noch so reagieren. Das ist blanker Neid. Ich empfinde es als eine Frechheit darüber zu urteilen was andere verdienen dürfen


  6. 1.

    Ist klar. die BWB. Wenn ich mir die Ausschreibungen und Vergütungen dort anschaue und dann selbst beruflich erlebe, wie träge und "verbeamtet" es dort abläuft. Ich empfinde es als eine Frechheit, dass die Beschäftigten dort nun mehr Lohn fordern.

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