Pläne für Bahnwerk Cottbus vorgestellt - "Die Braunkohle geht, die Bahn kommt"

DB-Fahrzeuginstandhaltungswerk in Cottbus (Quelle: imago images/Rainer Weisflog)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.09.2020 | Sascha Erler | Bild: imago images/Rainer Weisflog

Bis in sechs Jahren sollen im Bahnwerk Cottbus 1.200 weitere Arbeitsplätze entstehen. Das Bahninstandhaltungswerk werde ein "Standort der Superlative", sagte Verkehrsminister Scheuer. Geld dafür kommt aus den Hilfen beim Kohleausstieg.

In Cottbus sind am Donnerstagvormittag die Pläne für den Ausbau des Bahnwerks vorgestellt worden. Ab 2023 entstehen nach Angaben der Deutschen Bahn am Standort des heutigen Bahnwerks Cottbus eine neue ICE-Halle für die schwere Instandhaltung von Elektrotriebzügen (ICE 4), eine Halle für die Umrüstung von Dieselfahrzeugen auf Hybridtechnik mit Elektroantrieb sowie ein Technologiezentrum zur Hybridforschung und moderne Lehrwerkstätten.

Diese und mehr Pläne für Cottbus und die Lausitz präsentierten am Donnerstag Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), die Deutsche Bahn und die Ministerpräsidenten von Brandenburg und des Freistaates Sachsen, Dietmar Woidke (SPD) und Michael Kretschmer (CDU). "Wir erleben hier das Entstehen von Arbeitsplätzen, die für den Strukturwandel von allergrößter Bedeutung sind", sagte Scholz am Donnerstag dem rbb. Die Finanzierung des Projektes sei - auch über spätere Legislaturperioden hinaus gesichert.

Errichtet wird ein "Standort der Superlative"

Cottbus bekommt damit nach Angaben der Bahn "das modernste und umweltfreundlichste Bahninstandhaltungswerk in Europa". Bis zum Jahr 2026, heißt es von der Bahn weiter, entstünden dort - zusätzlich zu den derzeit vorhandenen - 1.200 neue Arbeitsplätze. Das Werk sei das erste große Vorhaben, das auf Basis des Strukturstärkungsgesetzes des Bundes finanziert würde. Andreas Scheuer sprach von einer "Job-Maschine" und einem "Standort der Superlative".

Künftig werden nach Angaben der Bahn im neuen Werk Cottbus ICE-Züge gewartet, repariert und von Grund auf umgebaut. Als einziger Standort in Deutschland wird Cottbus daneben ab 2026 Diesel- zu Hybridzügen umrüsten und die Instandhaltung dieser Fahrzeuge sichern. Im neuen Technologie- und Verwaltungszentrum sollen Experten der Hybridforschung nachgehen. Das Bahninstandhaltungswerk in Cottbus mit heute 420 Mitarbeitern existiert seit fast 150 Jahren.

Kraftwerk Jänschwalde soll 2028 vom Netz gehen

"Die Braunkohle geht, die Bahn kommt. Aus dem Kohleausstieg ist ein tragfähiges Zukunftsprogramm geworden", fasste Ronald Pofalla, DB-Vorstand Infrastruktur, zusammen. Er sagte dem rbb, der Zeitplan für das Bahnwerk sei ambitioniert, aber er setze auf viel Unterstützung der Bevölkerung für das Projekt und nicht zu viel Gegenwind.

In gut sieben Jahren geht das Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde vom Netz und spätestens 2038 wird das Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe abgeschaltet. Zum Ausgleich hat der Bund Milliardenhilfen für die Lausitz zugesichert.

Mit dem im Juni beschlossenen Strukturstärkungsgesetz unterstützen Bund und Länder die vom Kohleausstieg betroffenen Regionen in Brandenburg, im Freistaat Sachsen, in Sachsen-Anhalt und in Nordrhein-Westfalen beim Aufbau zukunftsfähiger Arbeitsplätze und neuer Wirtschaftsstrukturen. Über das Strukturstärkungsgesetz unterstützt der Bund die vier Bundesländer mit insgesamt 40 Milliarden Euro bis 2038. 26 Milliarden Euro davon werden im Rahmen von Bundesprogrammen und -initiativen investiert, 14 Milliarden gehen als Bundesfinanzhilfen an die Länder.

Auch die Schieneninfrastruktur in der Lausitz wird ausgebaut

"Jetzt haben wir endlich Klarheit für die Lausitz und auch die erforderlichen Mittel, um Zukunftsprojekte anzuschieben", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Der Ausbau des Bahnwerkes Cottbus sei ein zentrales Projekt, bei dem "sofort Industriearbeitsplätze geschaffen" würden.

Zweite wichtige Säule des Bahn-Engagements in der Lausitz ist der Ausbau der Schieneninfrastruktur. Die Bahnstrecken von Cottbus nach Berlin, Leipzig, Dresden und Görlitz werden umfassend modernisiert. Auch die Strecken nach Forst, Guben und in die polnische Nachbarregion erhalten werden überarbeitet.

Sendung: rbb24, 17.09.2020, 13 Uhr

18 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 18.

    Erstmal hört es sich ja gut an. Aber ich denke hier bei uns in Cottbus und Umland werden keine größeren Firmen ansässig werden. Deswegen werden ja die Anbindungen von Cottbus nach Dresden, Berlin Leipzig etc. modernisiert, damit die hier ansässige Bevölkerung schneller in die Ballungszentren gelangt. Man muss das Ganze nur richtig einordnen - denn mal ehrlich - welcher Konzern oder größere Unternehmer wird hier investieren...der Bund vielleicht und das war es dann.

  2. 17.

    Die Braunkohle geht nicht, sie bleibt im Boden liegen.

  3. 16.

    Der Großteil des Geldes fließt in der Hände der Betreiber. Die Lausitzer können froh sein, wenn jeder eine Flasche Wasser aus dem Fond bekommt.

  4. 15.

    Bleibt zu hoffen, dass die großspurigen Versprechungen auch eingehalten werden. Im Juni 2019 gab es eine ähnliche Pressemeldung, da wurde schon mit einer Grundsteinlegung Ende 2019 gerechnet und es wurden lediglich 150 neue Arbeitsplätze prognostiziert. (https://www.db-fzi.com/fahrzeuginstandhaltung-de/news/aktuelles/Werk-Cottbus-soll-fit-fuer-die-Zukunft-gemacht-werden-4210524)

  5. 13.

    Den wirtschaftlichen Abstieg hat die Lausitz auch der CDU zu verdanken welche auf Weisung aus Berlin / München nicht mit den Linken zusammenarbeiten durfte. So kam es, dass die Grünen mit ihren rund 2 Prozent die Lausitz platt machen durften.

  6. 12.

    Ich hoffe ihre Freunde von die leag können besser und lesbarer schreiben zum verstehen für die anderen

  7. 11.

    Prima Visionen für Cottbus und/oder auch für die Lausitz, wie schon einst der Lausitzring und die Cargolifterhalle in Brand (Niederlausitz), oder auch die neue Tagebau-Seenlandschaft, etc.... Wirklich paradoxe Welt, Alfred.

  8. 10.

    Schön dass in der Lausitz endlich ein paar neue industrielle und hoffentlich tariflich entlohnte Arbeitsplätze geschaffen werden! Ein guter Tag für Cottbus!

  9. 9.

    Naja 25000 Arbeitsplätze gehen aber wohin 90 Prozent gehen in Rente und der Rest hat schon bei der Wind Energie neue Jobs also das Gefährt kann wieder nur vom Kohlefreund kommen. Ich kenne 5 man die bei leag arbeiten und die sagen alles das gleiche wie ich gerade

  10. 8.

    Der Rest kann ja umschulen auf Droschkenkutscher, Webstuhlbediener oder Dampflokheizer......
    Wirklich interessant ist wie lange die Arbeitsplätze für die Kumpel frei gehalten werden......

  11. 7.

    Andere Werke werden nicht verkleinert, denn der Gesamtbedarf wächst. Im Grunde genommen war nur die Frage, wo der notwendige Aufwuchs stattfindet – nun also in Cottbus, denn dort kann die Bahn ihn sich mit dem Kohleausstiegsgesetz finanzieren lassen.

  12. 6.

    Berlin Dresden wird zum Fahrplanwechsel für 200 km/h freigegeben, Dresden-Prag beginnen gerade die Planungen für einen Tunnel an der Grenze. Alles danach ist in den Händen von Tschechien und Österreich^^

  13. 5.

    Ja naice, aber fürs Bahnwerk in Eberswalde war vor zwei Jahren kein Geld da. Paradoxe Welt.

  14. 4.

    Klingt ja super für Cottbus, aber welche anderen BAW müssen denn dafür bluten oder ganz weichen? Hier wird doch wieder nur mit Steuergeldern eine Verschiebung von Arbeitsplätzen finanziert!

  15. 3.

    Wenn wir schon beim Ausbau der Bahn sind: Berlin - Praha - Brno - Wien. Da sollte ein Schnellzug mit mindestens 200 fahren.

  16. 2.

    25000 Arbeitsplätze gehen und 1200 Arbeitsplätze kommen.

  17. 1.

    Superlative hat der Scheuer gesagt....ausgerechnet der Scheuer....Gott steh' und bei!

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren