Die Änderungen sollen erst in zwei Jahren in Kraft treten (Quelle: dpa/Soeren Stache).
Bild: dpa/Soeren Stache

Juni statt September - Brandenburg zieht Stichtag für Einschulungen 2022 vor

Immer mehr Eltern in Brandenburg wollen ihre Fünfjährigen noch nicht einschulen lassen. Deshalb will das Bildungsministerium bei der Stichtagsregelung nachschärfen und die Grenze für Einschulungen vorziehen - allerdings noch nicht im nächsten Schuljahr.

Der von der rot-schwarz-grünen Koalition in Brandenburg verabredete neue Stichtag für Geburtsdaten bei Einschulungen wird in zwei Jahren vom 30. September auf den 30. Juni vorgezogen. Das teilte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) in einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage aus der Linksfraktion des Landtages mit. Die neue Stichtagsregelung ab dem Schuljahr 2022/2023 soll verhindern, dass bereits fünfjährige Kinder schulpflichtig werden.

Eltern drängen schon seit Jahren darauf, die Stichtagsregelung zu ändern. Immer mehr potenzielle ABC-Schützen waren in den vergangenen Jahren zum regulären Schulbeginn für ein Jahr zurückgestellt worden. Ihr Anteil an den schulpflichtigen Jungen und Mädchen stieg von 10,2 Prozent vor zehn Jahren auf zuletzt 17,2 Prozent.

Bislang wird ein Kind schulpflichtig, das bis zum 30. September sechs Jahre alt wird. Mit dem Stichtag Ende Juni würde kein Kind mehr bereits mit fünf Jahren eingeschult werden.

Weniger Einschüler heißt mehr Kitakinder

Wie Ministerin Ernst erläuterte, werden zu dem neuen Stichtag 2022 einmalig weniger Kinder eingeschult und weniger Hortplätze benötigt. Durch den längeren Verbleib dieser nicht eingeschulten Jungen und Mädchen in den Kindergärten steige dort aber der Bedarf an Plätzen.

Gespräche mit den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe, der Liga der freien Wohlfahrtspflege sowie mit Einrichtungsträgern sollen frühzeitig über den kurzfristig entstehenden Mehrbedarf informieren, so Ernst. Für den Übergang der Kinder in die Grundschule müssten auch Kitas und Eltern rechtzeitig unterrichtet werden. Die Schaffung neuer Kitaplätze will das Land den Angaben zufolge mit Förderprogrammen unterstützen.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Ich halte Kinder mit 5 oder Anfang 6 schlicht für noch nicht schulfähig. In dem Alter sind die noch viel zu verspielt und unkonzentriert, um einen geordneten Schultag durchzustehen. Am Ende geht das ohne Not nur zu Lasten von deren schulischer Leistung, was sich später im Berufsleben negativ bemerkbar macht. Das 6. Lebensjahr ist für die Entwicklung enorm wichtig. Unter 6 1/2 sollte meines Ermessens kein Kind eingeschult werden, wenn nicht ein besonderer Entwicklungsstand dies als Ausnahme rechtfertigt.

  2. 8.

    Die Übergänge sind ohnehin zu vernachlässigen. Die betroffenen Kinder sind in der Mehrheit bislang ohnehin zurückgestellt worden, weil sie in dem Alter schlicht noch gar nicht schulfähig waren. Insofern wird der Istzustand jetzt einfach zum Gesetz. Lässt den Kindern doch ihre Kindheit, statt sie viel zu früh mit dem Ernst des Lebens zu konfrontieren.

  3. 7.

    Durch Verschiebung in zwei Etappen gäbe es wohl keine nennenswerten Überhänge, die Stärke und Geburtsmonate der Jahrgänge liegen dem Land ja vor ...

  4. 6.

    Wieder typische Überdramatisierung, in alle Richtungen. Die Änderung führt lediglich dazu, dass Kinder die zwischen Juli und September geboren sind, standardmäßig ein Jahr später eingeschult werden. Mehr nicht. Betroffen sind also nur ca. 25% der Kinder, wovon aktuell ohnehin schon jetzt mal geschätzt um die 50 % zurückgestellt werden. Auch bisher werden die Kleinen übrigens wenige Wochen nach der Einschulung 6... Fakt ist, es gibt Kinder denen ist das zu früh und es gibt Kinder, die können ohne Probleme auch schon die paar Wochen früher gehen.
    Denkt mal lieber darüber nach, ob es sinnvoll ist, Kinder am 3. August und damit in 4 Hochsommerwochen in die Schulen zu schicken, nur damit die Tourismusindustrie floriert. Das geht zu Lasten der Kinder!

  5. 5.

    Typisch deutsches Bildungssystem: Immer wird an unwichtigen Stellschrauben wie dem Einschulungsstichtag gedreht, anstatt sich um die wichtigen Dinge in der Schule zu kümmern. Der neue Stichtag geht zumindest in die richtige Richtung, also Einschulung mit 6, so wie es jahrzehntelang üblich war.

  6. 4.

    Schön, wie auf Belange der Eltern, Lehrer und Ausbildungsstätten eingegangen wird. Wer kümmert sich hier jedoch um die Kinder. Es gibt genaue Kriterien für eine Schulfähigkeit von Kinder und dabei spielt das Alter keine Rolle. Und die Erzieher dürfen sich am Ende mit den unterforderten, schulfähigen Kinder auseinandersetzen. Danke für soviel Kompetenz im MBJS

  7. 3.

    Frau Ernst ist mal wieder mehr um die schlechte Lage bei den Kitaplätzen (auf die sie wohl Einfluss hätte) besorgt als um die Kinder selbst. Warum mussten jemals Fünfjährige eingeschult werden? Man kann nur hoffen, dass irgendwann fähige Bildungspolitiker*innen ins MBJS einziehen. Und irgendwelche funktionierenden Strukturen geschaffen werden.

  8. 2.

    Mit 5 Jahren in die Schule ist ein Jahr lang verpasste Kindheit. Mal abgesehen davon, dass die allerwenigsten Kinder schon mit 5 soweit sind für dieses Bildungssystem, sind die Kinder später auch zu früh mit allem. Die meisten Ausbildungsbetriebe z.B. können keine Azubis unter 16 Jahren gebrauchen wegen Kinder- und Jungendschutz und so, auch für weiter führende Bildungswege.

  9. 1.

    Gab es schon einmal. Warum das geändert wurde weiß ich nicht mehr. Finde ich sehr gut.

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