Schwarze, rote und gelbe Stoffbahnen der Ausstellung "Weg zur Einheit" sind am 03.09.2020 während eines Presserundgangs auf der EinheitsEXPO im Alten Stadtkanal aufgehängt (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.09.2020 | Lisa Steger | Bild: dpa/Soeren Stache

"Einheits-Expo" ab 5. September - Potsdam bereitet sich auf das Einheitsfest unter Corona-Bedingungen vor

Ab dem 5. September wird in Potsdam 30 Tage lang gefiert. Zum 30. Jubiläum der Wiedervereinigung wird es allerdings kein Bürgerfest, sondern eine große Freiluft-Ausstellung geben. Derzeit laufen noch die Vorbereitungen. Ein Problem muss allerdings noch gelöst werden.

Ein Haufen Elbsand, zwei lebensgroße Matrosenfiguren und eine Schiffsschraube - so präsentiert sich Hamburg in seinem Glaskasten auf der "Einheits-Expo". Untermalt soll das von maritimer Musik werden. Allerdings fehlen noch die Lautsprecher, erklärte Thomas Braune von der Potsdamer Staatskanzlei am Donnerstag. In der Landeshauptstadt laufen derzeit die Vorbereitungen für die 30-tägige Freiluft-Ausstellung "Einheits-Expo" anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte die Landesregierung auf ein Bürgerfest verzichtet, stattdessen richtet Brandenburg die Feiern ab 5. September unter dem Motto "30 Jahre - 30 Tage - 30 x Deutschland" auf einer Gesamtstrecke von 3,5 Kilometern aus.

Bundesländer in Glaskästen

Nahe dem Hauptbahnhof sind auf der Freiluft-Schau 30 Glaskästen in der Größe eines kleinen Wohnzimmers aufgebaut. Dort sollen sich die 16 Bundesländer, aber auch Staatsorgane wie das Bundesverfassungsgericht, der Bundesrat oder die Bundeswehr präsentieren.

Mecklenburg-Vorpommern hat einen Strandkorb und ein Boot in seinen Kasten gestellt, Thüringen will mit Pflanzen auf die bevorstehende Bundesgartenschau in Erfurt aufmerksam machen. Das Gastgeberland Brandenburg wirbt unter anderem mit Angelutensilien für sich. Rheinland-Pfalz hat eine Installation aufgebaut. Von der Decke des Glaskastens hängt kopfüber das Bild eines Tisches und zweier Stühle, erklärt Thomas Braune.

Außerdem wird mitten in der Stadt in einem Kanal eine riesige Deutschland-Fahne mit langen Bändern gezeigt, in der Mitte ist ein vier Meter hohes beleuchtetes Herz zu sehen. 22 Infoboxen lotsen durch die City und zeigen wichtige Ereignisse aus 30 Jahren.

Maskottchen-Übergabe noch nicht geklärt

Die Staatskanzlei erklärte, mit dem dezentralen Konzept sollen große Menschenansammlungen vermieden werden. Ein Problem ist dabei noch ungelöst, so Thomas Braune. Wenn Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die Ausstellung am Samstag eröffnet, will die hessische Vertretung ein Maskottchen übergeben. "Aber es ist noch nicht klar, wie das unter Corona-Bedingungen ablaufen soll."

Aufgrund der aktuellen Bestimmungen zum Infektionsschutz wird es keine Stände mit Essen und Getränken geben, aber die Potsdamer Gastwirte erwarten die Gäste. Außerdem wird die Stadt Potsdam Ordnungsamtsmitarbeiter auf die Strecke schicken, die auf die Abstände achten. Auch Polizisten werden unterwegs sein, sagt Jens Meinecke von der Veranstaltungsagentur. "Es sind auch Hygiene-Teams in der Stadt unterwegs. Wir haben sehr flächendeckend Personal im Einsatz, um das zu verhindern."

Die Hygieneteams sollen die Glaskästen dreimal täglich abwischen. Welche Musiker wann und vor wie vielen Zuschauern auftreten werden, wird die Landesregierung aktuell mit dem örtlichen Gesundheitsamt abstimmen. Der Festakt am 3. Oktober - mit den Ministerpräsidenten der Länder und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier - soll auf jeden Fall stattfinden, allerdings mit weniger Besuchern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.09.2020, 15:10 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Mein Kommentar bezog sich direkt auf die Begriffe "Ossis" und "Wessis", nicht aber darauf, dass in der überwiegenden Mehrzahl nach wie vor so ein Begriff wie "Neue Bundesländer" auftaucht. Den halte ich für absurd, mindestens aber kurzsichtig. Sachsen, Thüringen und Brandenburg sind als Länder älter als Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen, die ja reine Nachkriegsgründungen sind. Insofern werden auch mit dieser Wortwahl, der beschworenen Einheit die Füße weggeschlagen, Geschichte auf die letzten Jahrzehnte verkürzt.

    Selber habe ich mir angewöhnt, Gegenden nach der jetzigen Topografie zu bezeichnen, also Nord-, West-, Ost- und Süddeutschland. Was allerdings fehlt, ist ein trefflicher Begriff für Mitteldeutschland. Der alte, der dafür sorgt, dass in Görlitz der Mitteldeutsche Rundfunk maßgeblich ist, kann es nicht sein. Mitteldeutschland besteht für mich aus den drei Bundesländern ohne Außengrenze: Sachsen-Anhalt, Hessen und Thüringen.



  2. 11.

    Dann halten Sie mal bei einer Bundespressekonferenz, bei Reden von Politikern und bei Sendungen im ÖRR die Augen und Ohren auf. Da ist 30 Jahre nach der Einheit immer die Rede von neuen Bundesländern und die Ostdeutschen, Ostdeutschland.

  3. 10.

    Trotz der aktuellen Situation ist es schön, dass einem der wichtigsten innerdeutschen Ereignissen der letzten Jahrzehnte gedacht wird.

    Leider nicht in dem Rahmen, den es verdient hätte. Dennoch - ein gutes Konzept. Hoffen wir auf bessere Zeiten und, dass das nächste Jubiläum wieder ohne Abstand gefeiert werden kann.
    ~Alles schlecht reden kann jeder~

  4. 9.

    Das wird nicht aufhören, solange die Menschen, die so reden, existieren. Dafür kann die Regierung ausnahmsweise mal gar nichts.

    "Ossis" waren übrigens im vorherigen Bundesgebiet eher die Ostfriesen. ;-

  5. 8.

    " Zum 30. Jubiläum der Wiedervereinigung "

    und noch immer ist die Rede von Ossis und Wessis

  6. 7.

    Das Geld wäre anders ausgegeben besser als bei der politischen Selbstbeweihräucherung. Wie toll doch alles ist. Macht nur weiter so - unglaubwürdig.

  7. 6.

    Überhaupt ist es ja eher eine PR (public relation)-Angelegenheit, Bundesländer mehr oder minder recht grob auf einen Nenner zu bringen, anstatt die Herausforderungen zu benennen. Mecklenburg-Vorpommern hat mehr Hansestädte als das gesamte vorherige Bundesgebiet sie bis dato hatte. Mithin etwas, was den Bezug zu Lübeck (lag ja knapp jenseits des so bezeichneten Schutzwalls) ausmacht und im Weiteren auch die kulturelle Brücke in den Ostseeraum anderer Länder - womit Europa nicht nur als blaues Fähnchen daherkäme, sondern ganz handfest als Geschichte, wiedergewonnene Gegenwart und ggf. Zukunft.

    Sachsen hat die "Pole" der sächsischen Residenz, namentlich Dresden und des industriell geprägten Chemnitz u. Zwickau, wie auch das durch Handel und Buchverlage geprägten Leipzig. Zwischen Ostniedersachsen und dem westl. Niedersachsen liegen Welten, auch in NRW zw. dem Ruhrgebiet und der Oberweser.

    Warum glätten?

  8. 5.

    Das Beispiel Hamburg ist m. E. die Verkürzung pur. Jahrzehnte-, ja fast jahrhundertelang schwankte Hamburg in seiner Priorität zwischen Alster und Elbe. Die Elbe wurde zwar immer als wirtschaftliche Grundlage angesehen, jedoch städtebaulich in der Nachkriegszeit bis in die frühen 1980er vernachlässigt. Sozusagen Hafen-Abbruchkante. Dann besann sich sowohl die Stadt bzw. Stadt-/Landesregierung darauf, dass sie nicht nur die vornehmen Viertel an der Alster hat (Fluss und See) und elbseitig nicht nur Blankenese, Oevelgönne und der Fischmarkt attraktiv aussehen kann, sondern auch die elbseitige Innenstadt.

    Immer noch zieht sich ein Riss durch die Hamburger Innenstadt, immer noch wollen Alster-Hamburg und Elb-Hamburg nicht zusammenkommen. Durch den Bau der Elbphilharmonie ist die Herausforderung allenfalls noch dringlicher geworden.

    Wäre das nicht eine Chance gewesen, so wie Potsdam m. E. sensibel auslotet zw. Alt und Neu?

  9. 4.

    Ja, wenn die Masken über Augen und Ohren rutschen, dann können unsere Landtagsabgeordneten auch nicht sehen und hören, was die Brandenburger zu dieser Einheitsfeierei für eine Meinung haben. So lange immer noch ostdeutsche Löhne und Gehälter, längere Arbeitszeiten , geringeres Weihnachts- und Urlaubsgeld an der Tagesordnung in einer Vielzahl von (westdeutschen)Unternehmen sind, ist für mich die Einheit noch nicht vollzogen.
    Trotzdem wünsche ich unserer Landesregierun und ihren Gästen 30 erlebnisreiche Tage.

  10. 3.

    Ich kann bei den derzeitigen Entwicklungen überhaupt keinen Grund entdecken, warum man feiern sollte. Außer einer "Pflichtveranstaltung zur politischen Selbstbeweihräucherung" sehe ich auf weiter Flur keinen wirklichen Grund. Insofern sehe ich diese 30-Jahre-Einheit-Feier in einem ähnlichen Kontext wie vor knapp 30 Jahren die 40-Jahre-DDR-Feier. Eine von der Wirklichkeit völlig entkoppelte Politikerkaste feiert ihr vermeintlich eigenen Errungenschaften und Erfolge und nimmt die bedrohlich und immer schneller am Horizont aufziehende dunkle Wolkenwand einfach nicht wahr. Ich befürchte, bei diesem Tempo negativer gesellschaftlicher Entwicklungen wird die 40-Jahre-Einheit-Feier nicht mehr stattfinden...

  11. 2.

    Unsere gewählten Volksvertreter feiern schön unter sich. Natürlich mit Abstand und zwar zum Wahlvolk. Danke Herr Woidke, damit drücken Sie die Nähe zum Volk aus. Demonstrationen sind erlaubt, Feiern natürlich nicht.

  12. 1.

    Zum 30. Jubiläum der Einheit ist Abstand halten angesagt. Schon eine bizarre Situation.

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