Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Katastrophenhilfe (BBK), steht vor einer Sirene. (Quelle: dpa/Rolf Vennenbernd)
Audio: Inforadio | 16.09.2020 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Rolf Vennenbernd

Fehlschlag bei bundesweitem Warntag - Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz wird abgelöst

Nach dem Fehlschlag beim bundesweiten Warntag muss nun nach rbb-Informationen der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, gehen. Bei dem Testlauf hatte es zahlreiche technische Probleme gegeben.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, soll abgelöst werden. Das hat nach Informationen des rbb-Inforadios Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) beschlossen. Anlass ist offenbar der bundesweite Warntag in der vergangenen Woche.

Warn-Apps warnen zu spät - oder gar nicht

Bei dem Probealarm hatte es technische Probleme gegeben: Auf den Smartphones war der Alarm erst mit einer halben Stunde Verspätung angekommen. Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Das Bundesinnenministerium hatte den Warntag daher als Fehlschlag bezeichnet. Unger ist seit 2004 Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm denn auch offen als "fehlgeschlagen". Grund sei ein technisches Problem gewesen. "Die Vorgänge werden jetzt umfassend aufgearbeitet", kündigte das Ministerium in Berlin an. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt werden.

System überlastet

Unger machte im Radioprogramm SWR Aktuell verschiedene Leitstellen dafür verantwortlich, dass die Warn-Apps auf den Handys nicht funktioniert hätten. "Sie haben sich nicht an die Absprachen gehalten", sagte Unger. Es sei vereinbart gewesen, dass das Bundesamt die Apps alleine von Bonn aus bedienen würde. Fast zeitgleich seien aber etwa 30 andere Warnmeldungen rausgegangen. "Das hat das System nicht verkraftet", sagte Unger. Bis zum nächsten Warntag im September 2021 müssten die Defizite bereinigt werden.

Sendung: Inforadio, 16.09.2020, 13:00

50 Kommentare

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  1. 50.

    Laut Wikipedia ist Christoph Unger Mitglied der SPD und seinerzeit von Innenminister Otto Schily ins Amt berufen worden. Ich glaube, dass Herr Seehofer ihn nun loswerden will und dafür die Pannen am Warntag die gesuchte (oder sogar absichtlich konstruierte?) Begründung ist.
    Statt dass Herr Seehofer mal dem Rassismus bei der Polizei nachgehen würde, was dringender wäre, wird nun so ein Politikum durchgesetzt. Armseelige Nummer.

  2. 49.

    Eigentlich war vorher schon klar, das es keinen Alarm gibt! Warum der Herr jetzt gefeuert wird ist eigenartig! Alles wurde zurück gebaut und still gelegt, was hat denn Seehofer jetzt erwartet? Bei einem ersten Test, nach drei Jahrzehnten. Außerdem ist dieser "plötzliche" Warntag beunruhigend! Warum besinnt man sich auf einmal auf so etwas? Türkei-Griechenland? USA-Russland? China-USA? Was ist denn wieder im Busch?

  3. 48.

    Das Thema war vor 1990 in beiden Teilen Deutschland aktuell und wurde regelmäßig geübt. Ich kann mich entsinnen, dass unsere Sirene sogar jeden Freitagmittag kurz anging (Funktionsprobe).

    Dann fiel der "Eiserne Vorhang" und es war nichts mehr. Wozu auch, man hatte vorher den Kat-Schutz mit der Bedrohung durch die andere Seite assoziiert.

    Wenn wir jetzt mit dem Thema wieder beginnen stimmt mich das nachdenklich. Es gab vor Monaten die Empfehlung der Bundeskanzlerin persönlich die s.g. "pers. Kat.-Vorräte" (10 Tagesvorrat mit allem, einschl. Wasser). jetzt beginnt man mit Alarmierungsübungen. Auf welche Bedrohung und durch wen bereiten wir uns vor?

  4. 47.

    Wo kann ich mich um die freie Stelle bewerben?
    Bin Rentner und werde bestimmt auch nichts unternehmen, ehrlich und ohne jede Warnung.

  5. 46.

    War doch klar, dass das schief geht :-) oder habt ihr noch nie versucht, eine SMS zu versenden vom 31.12./ 23 Uhr bis 1.1./8 Uhr? Oder mal jenseits des Speckgürtels telefonieren? Oder bei Waldbränden in Brandenburg mal die Feuerwehr beobachtet - beim Trommeln?? Wenn schon DAS alles nicht klappt, wie sollen dann solche Dinge wie Warn-Apps laufen? Muss der geneigte Brandenburger dafür daheim am Wlan (sofern vorhanden in Brandenburg...) sitzen? Eine gute alte Sirene zum Kurbeln ist doch in den meisten Teilen Deutschlands außerhalb der Städte das einzig Mögliche...

  6. 45.

    Schon merkwürdig, das hat früher funktioniert und alles ohne High-dreck.

  7. 44.

    Was soll dieser Blödsinn? Warum nur können so wenige in diesem Land "Fehler" und Rückschläge als Teil eines Lernprozesses betrachten? Wie soll etwas besser werden, wenn man nie die Gelegenheit bekommt etwas Vergleichbares mehrfach zu bearbeiten, um es zu verbessern . Irgendwie scheinen die Damen und Herren auf ihren hohen Stühlen stets und ständig ihre Vorbildwirkung zu vergessen.
    P.S. Fehler eingestehen und ernsthaft reflektieren sind natürlich auch Grundvoraussetzung für einen Lernprozess!

  8. 43.

    In jedem Smartphone stecken Prozessoren die Milliarden Operationen pro Sekunde ausführen können aber irgendwie haben es die Entwickler eines nationalen Warnsystems geschafft es so krass zu verbocken, dass das bei 30 "fast zeitgleichen" Meldungen komplett versagt? Da müsste doch mal die Aufarbeitung öffentlich stattfinden.

  9. 42.

    Bei mir kam über NINA gegen 13:30 eine Entwarnung, sogar zweimal. Der Alarm kam aber nicht.

  10. 41.

    Es wäre gut wenn diese Messlatte auch für Bundesminister gelten würde.Die Namen lasse ich weg,es wären viel zu viele.

  11. 40.

    Was heisst hier Apps.
    In 96049 Bamberg, hat keine einzige der Katastrophenwarn-Sirenen geheult. Und selbige funktionieren (werden 2x im Jahr getestet). Aber scheinbar kann das Berliner Ministerium nicht einmal mehr die alten Luftalarmsirenen (das waren sie ja früher einmal) auslösen.
    Also, das was kein Fehlschlag wegen irgendwelchen Apps (mein NINA hat übrigends gar nichts angezeigt. Auch nicht verzögert). Das war ein ultimativer Fehlschlag.

  12. 39.

    Also schon mal komisch das das wieder eingeführt wird mit den alarm ! Dann , warum wird er gefeuert ? War doch nur ne Probe... nach langer Zeit. Bischen komisch das alles !!!!!

  13. 38.

    Wenn mans noch nie getestet hat, kann man es auch nicht wissen. Dazu sind Tests und dazu war dieser Test da. Theoretisch kann man sich ja alles zurechtbiegen aber auf die Praxis kommt es an.

  14. 37.

    Sie haben völlig Recht, genau so sehe ich das auch. Es war genau das, ein Test. Und jetzt gibt es viel Arbeit, die mit Sicherheit zu einen guten Teil IT-Leute von ausserhalb tun müssen, wegen A9, wie Sie schrieben. Das wird schon mal nicht billig.

  15. 35.

    "Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen." Ich muss mal kurz lachen. Zutreffender wäre: fast niemand. Und wenn wir nicht vorher eingeweiht worden wären: niemand ausserhalb des Bundesamtes. Immerhin wissen wir das jetzt. Erstaunlich oder auch nicht ist, dass Herrn Seehofer nichts weiter einfällt, als den Leiter der Behörde zu versetzen. Wie kann es sein, dass ein Bundesminister so erschreckend wenig von seinen Behörden mitbekommt? Vielleicht ist er in seinem Superministerium (auf intensiven eigenen Wunsch auch das Bauministerium! Warum wohl?) überfordert oder hat schlicht die Übersicht verloren.

  16. 34.

    Man hat ein Bauernopfer gefunden und dazu bestimmt noch ein goldener Handschlag. Das war doch klar daß es ein Kaos wird.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  17. 33.

    Das kommt davon die Warnämter zu schließen und die Alarmierung den Kreis Leitstellen über lassen..

  18. 32.

    „Abfindung“? „ausgehandelt“? Das BBK ist eine Behörde, der Präsident Beamter. Der wird einfach wegversetzt oder in den einstweiligen Ruhestand versetzt, falls er zu den politischen Beamten gehört, bei denen das möglich ist.

  19. 31.

    Holt euch ein paar Softwareleute ran, die das System robust gegen Fehlbedienung und Überlastung machen, das ist doch kein Hexenwerk.

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