Dietmar Woidke (r, SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, der frühere Ministerpräsident Matthias Platzeck (l) und Bürgermeister Burkhard Exner (M) unterhalten sich mit Mundschutz während des Rundgangs zur Eröffnung der EinheitsEXPO auf dem Luisenplatz. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 05.09.2020 | Markus Woller | Bild: dpa/Soeren Stache

"Einheits-Expo" statt Bürgerfest - Woidke eröffnet vierwöchige Einheitsfeier in Potsdam

Rund einen Monat vor dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit hat in Potsdam die Freiluftausstellung "Einheits-Expo" begonnen. Unter dem Motto "Wir miteinander" eröffnete Brandenburgs Ministerpräsident Woidke die einmonatige Schau.

In Potsdam hat am Samstag die "Einheits-Expo" zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit begonnen. Die vierwöchige Freiluftausstellung ersetzt das traditionelle Bürgerfest zum Nationalfeiertag, das in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann.

Das Motto der Feier lautet "30 Jahre - 30 Tage - 30 x Deutschland". Auf einer 3,5 Kilometer langen Strecke durch die Stadt - vom Luisenplatz bis zum Landtag - präsentieren sich die 16 Bundesländer und andere Institutionen bis 4. Oktober in gläsernen Ausstellungspavillons. Die Feierlichkeiten zum 3. Oktober werden dieses Jahr in Potsdam ausgetragen, weil Brandenburg den Vorsitz im Bundesrat innehat.

"Wir hatten uns das Fest ganz anders vorgestellt", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) als amtierender Bundesratspräsident. "Nun können die Besucher an einem Tag alle 16 Bundesländer besuchen. Angesichts der Pandemie haben wir aus der Corona-Not eine Einheits-Tugend gemacht."

Prozess der inneren Einheit noch nicht abgeschlossen

Die Bürger könnten stolz auf das sein, was in den in den vergangenen drei Jahrzehnten erreicht worden sei, betonte er. Umfragen zeigten, dass die Menschen in Deutschland zufriedener seien als zu jedem Zeitpunkt seit der Wiedervereinigung, heißt es auch im Jahresbericht der Bundesregierung, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In dem Bericht steht aber auch, dass es noch immer große Unterschiede zwischen Ost und West gebe: "Das gilt für die Bewertung der Demokratie und der politischen Institutionen, bei Einstellungen zu etwas Fremden oder der Verbreitung rechtsextremistischer Orientierungen." Der Prozess der inneren Einheit Deutschlands sei "nach 30 Jahren noch nicht vollständig abgeschlossen".

Brandenburgs Ministerpräsident war am Wochenende aber vor allem zum Feiern zumute: "Genießen Sie Deutschland in den kommenden 30 Tagen", warb Woidke für einen Besuch in Potsdam.

Bundesländer präsentieren sich nahe dem Hauptbahnhof

Für die Freiluft-Schau waren nahe dem Hauptbahnhof 30 Glaskästen in der Größe eines kleinen Wohnzimmers aufgebaut worden. Dort präsentieren sich bei der Ausstellung die 16 Bundesländer, aber auch Staatsorgane wie das Bundesverfassungsgericht, der Bundesrat oder die Bundeswehr.

Mecklenburg-Vorpommern hat einen Strandkorb und ein Boot in seinen Kasten gestellt, Thüringen will mit Pflanzen auf die bevorstehende Bundesgartenschau in Erfurt aufmerksam machen. Das Gastgeberland Brandenburg wirbt unter anderem mit Angelutensilien für sich. Rheinland-Pfalz hat eine Installation aufgebaut. Von der Decke des Glaskastens hängt kopfüber das Bild eines Tisches und zweier Stühle, erklärt Thomas Braune.

Mitten in der Stadt wird in einem Kanal eine riesige Deutschland-Fahne mit langen Bändern gezeigt, in der Mitte ist ein vier Meter hohes beleuchtetes Herz zu sehen. 22 Infoboxen lotsen durch die City und zeigen wichtige Ereignisse aus 30 Jahren.

Einheitsfeier trotz Corona

Aufgrund der aktuellen Bestimmungen zum Infektionsschutz wird es keine Stände mit Essen und Getränken geben, aber die Potsdamer Gastwirte erwarten die Gäste. Außerdem wird die Stadt Potsdam Ordnungsamtsmitarbeiter auf die Strecke schicken, die auf die Abstände achten. Auch Polizisten werden unterwegs sein, sagt Jens Meinecke von der Veranstaltungsagentur. "Es sind auch Hygiene-Teams in der Stadt unterwegs. Wir haben sehr flächendeckend Personal im Einsatz, um das zu verhindern."

Der Festakt zum Einheitsjubiläum wird am 3. Oktober in der Potsdamer Metropolishalle gefeiert, mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Woidke.

Sendung: Brandenburg aktuell, 05.09.2020, 19.30 Uhr

36 Kommentare

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  1. 36.

    Freudlich:
    "Antwort auf [Immanuel] vom 06.09.2020 um 04:30
    @Immanuel
    -Was haben die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Probleme ("all die Kurzarbeiter und kurz vor der Pleite stehenden") mit der Einheit zu tun?-
    Doch Geldverschwendung,das woanders dringend gebraucht wird."

    Da es immer zuwenig Geld gibt, ist nach der Auffassung von "Freudlich" JEDE Feier "Geldverschwendung,das woanders dringend gebraucht wird."

    Also nie mehr feiern, sondern immer nur sparen, sparen sparen, bis wir endlich ALLE Probleme finanziell gelöst haben, also bis zum Sanktnimmerleinstag. Ach wie öde!

    P.S.
    Das Geld, was diese kleine Einheitsfeier kostet ist im Gesamthaushalt des Bundes und der Länder nur ein klitzekleiner Teil.

  2. 35.

    Ich habe mir diese Schau am Samstag angeschaut und ich muss sagen, ich bin enttäuscht. Lieblos hingestellte und mit wenig Inhalten versehene Container kommen dem 30jährigemn Jubiläum nicht mal im Traume nah. Trotz Corona, was ja für vieles herhalten muss, wurde es hier versäumt, die besten zu engagieren. Es ist eben ein Termin, den man eben abarbeitet. Das einzig interessante war die Videoleinwand am Brandenburger Tor. Wir haben besseres verdient als diese Show.

  3. 34.

    "Heute würde man versuchen, es besser zu machen (erfolglos, nehme ich an...)"

    Es wird ja schon besser gemacht als in den 1970er Jahren, wenn auch gewiss nur graduell. Die besagte Stadtautobahn A 100 rasiert am Bundesplatz faktisch die Balkone ab - mitten durch Friedenau geschlagen, wie die Axt im Walde - später dann, als sie nach 2000 Neukölln erreicht hat, verschwindet sie im Tunnel.

    Nun liegt ja vom allgemeinen Bewusstsein her Neukölln keineswegs oberhalb von Friedenau. Dass die Autobahn in Neukölln im Tunnel liegt, hat in der Tat mit einem Zuwachs an Empfindung zu tun, wie sehr breite Trassen Wohngebiete nicht etwa verbinden, sondern sie zerschneiden. Das wurde in den 1960ern und 1970ern völlig naiv gesehen.

  4. 33.

    Ja, sie ist sehr groß. Doch Umbauten bspw. in französischen Städten zeigen, dass es geht. Es sollte eben nur einhergehen mit der Wiedereinführung (wie in Frankreich) oder dem Ausbau eines hochattraktiven städtischen Nahverkehrsmittels, das nicht über Treppen und Fahrstühle, sondern ebenerdig erreichbar ist.

    Das wurde jahrzehntelang nach dem Krieg missverstanden. Nur die DDR hat es mangelns Zugriff auf Öl in allen Groß- und vielen Mittelstädten beibehalten - mit erbärmlichen Rollmaterial allerdings. Deshalb kam der Impuls für den Wiederausbau der Straßenbahn vor allem aus Frankreich.

    Auch die Großbeerenstraße ist eine von mehreren Varianten für eine Straßenbahnverbindung zwischen Babelsberg und dem Wohngebiet am Stern. Die andere geht durch den Filmpark und wurde bislang von Friedhelm Schatz erfolgreich verhindert.

  5. 32.

    Ich fürchte, diese Aufgabe ist zu groß... also der Rückbau der Autotrassen aus den 60er bis 80er Jahren, in lebenswerte Räume... eine schier unglaubliche Aufgabe... würde aber lohnen!

  6. 31.

    Bin auch tags da, aber da ist es ziemlich voll, ab 22 Uhr ist es schön zu wandeln, die beleuchteten Altstadtstraßen, die schön geworden sind (ich kenne sie noch Dez 1989), eine spezielle Stimmung in Potsdam, kann ich empfehlen. Wer gerne fotografiert, findet dann unverstellte Sichtachsen, warmes Licht. Also mein Tip: Potsdam nach Geschäftsschluss.

    Jaaaa - der Ruhrschnellweg - eine Augenweide, schon zu meiner Kindheit! Und sehr viele Ecken sind noch hässlicher geworden seither. Übel. Gut, das Ruhrgebiet "dreckig" schön finden ist halt auch nicht jedermanns Sache, aber die Straßen... ohne Worte.
    Gleiches natürlich in Berlin, Stadtautobahn. Auch ohne Worte.
    Heute würde man versuchen, es besser zu machen (erfolglos, nehme ich an...)

  7. 30.

    Frappierend: So sehr beide politischen Systeme auf der politisch-ideologischen Ebene propagandistisch auseinanderfielen, so ähnlich waren sich doch Beide in Bezug auf den Verkehr. In der DDR wurde letztlich jede Verunstaltung, die im so verstandenen vormaligen Westen begangen wurde, mit ca. 10 jährigem Nachlauf in die Tat umgesetzt. Meistens. Mit der Umgestaltung der Breiten Straße bzw. Wilhelm-Külz-Straße und der Hamburger Ost-West-Straße lag sie allerdings zeitlich fast gleichauf.

    Deshalb ist es immer schräg, spezifisch die DDR für derlei verantwortlich zu machen. Vielmehr sollte m. E. systemunabhängig argumentiert werden, wie sehr derartige Trassen zu einer Verunstaltung beigetragen haben. Gleich, wer sie gebaut hat. Und bezogen darauf, was quasi vor der Haustür liegt. "So lange Ihr Eures nicht zurückbaut, bauen wir Unseres auch nicht um" ist jedenfalls eine Parole des politischen Stillstands.

  8. 29.

    Ich bin öfter mal in Potsdam, da ich dort Verwandte habe. Wie in Berlin auch: es gibt schöne und hässliche Ecken. Der Krieg hat schon viel zerstört.

  9. 28.

    Nachtrag
    Ich wohne seit 1961 in Potsdam und weiß darum das in der DDR nur die "ätzende "Ausfallstrasse Nuhte-Schnellstrasse entstanden ist. Die anderen Straßen waren schon vor dem Krieg da,wo sie heute sind. Hier hat die Natur dem ungezügelten Ausbau die Grenzen aufgezeigt. Schauen Sie lieber mal auf ihr geliebtes NRW, ich sage nur A40 Ruhrschnellweg. Den hat aber nicht die böse DDR gebaut. Oder in Alt-Westberlin ,Stadtautobahn, sagt doch alles.

  10. 26.

    Großbeerenstr. fahre ich fast täglich. Gestern Nacht - ich zeigte meinem Kind weitere Boxen (NRW, HH, Thüringen, ...) fuhren wir heim durch die schäbbigen Straßen Potsdams (u.a. Großbeerenstr.), rechts und links historische Bauten, oder verwahrloste Häuser. Da ich ja kommentiere, was zu sehen ist, sagte ich: bis zum Krieg muss Potsdam wunderschön gewesen sein - leider ist in der DDR daraus eine "Autostadt" geworden, mit ätzenden Ausfallstraßen, wo keiner mehr wohnen will." Kind fand die StraBa-Geräusche am Platz der Einheit toll - ich so: "na, vorne raus will da aber auch keiner wohnen.."
    Anlässlich der Gruben-Besichtigung an der Zeppelinstr. zeigte ich die umliegenden kleinen Straßen mit Häusern aus den 20ern, mein Kommentar: "zu Wendezeiten völlig verfallen, grauschwarz, jetzt gottlob gerettet und wunderschön".

    Ja, Potsdam ist hässlich geworden, den Frevel aus 40 Jahren DDR zu beseitigen, dauert. Ich fürchte, das jetzige System ist auch nicht der Hort der Straßengestaltung..

  11. 25.

    Würde helfen, wenn Sie die Grenze im Kopf fallen lassen und nicht in Ost/West trennen würden. Übrigens das Bildungsniveau ist eher eine Nord/Süd-Sache.

  12. 24.

    Immerhin hat die von der Ernst-Thälmann-Straße zur Großbeerenstraße gewandelte Ausfallstraße mittlerweile Bäume bekommen, eine Fahrradspur in beiden Richtungen sorgt für zivilisierteres Fahren als zuvor, nur der Oberleitungsbus hätte bei all dem dennoch bleiben können.

    Das scheint mir der einzige Wermutstropfen.

    Kulinarisch ist es durchwachsen, der höchste Gaumengenuss findet sich in allen Städten eher in Nebenstraßen und so ist es auch hier. Der Filmpark bezieht sich auf nichts in seiner Umgebung. Weil alles neben ihm nur abSCHÄTZig sein kann.

  13. 23.

    30 Jahre Deutsche Einheit ist schon ein schönes Ereignis. Leider ist es in all den Jahren nicht gelungen den enormen Bildungsunterschied zwischen Ost und West zu beseitigen. Nach wie vor brauchen wir im Osten für Posten wie Minister, Staatssekretäre und Führungskräfte in wichtigen Unternehmen die Hilfe aus den alten Bundesländern. Was ja von unserer Landesregierung auch gern angenommen wird. Wieso sonst werden wichtige Positionen immer noch mit Westimporten besetzt, die nicht unbedingt besser sind. Ich gehe aber mal davon aus, dass das dem RBB nun gar nicht gefallen wird.

  14. 22.

    Ihr ewig und über alles meckernden unzufriedenen verklemmten Kleingeister, bleibt doch in Eurer Hütte, Radio, Fernseher aus, Computer, Tablet weg, nehme Euch ne Pulle, haut Euch auf die Couch, und spühlt Euren ganzen Frust über Eure Unzulänglichkeit herunter, aber nervt doch bitte nicht die Menschen, die das Leben schön finden und der Situation entsprechend das feiern, was die meisten von uns vor 30 Jahre bejubelten.

  15. 21.

    1990 sind 5 Bundesländer neu der Bundesrepublik Deutschland beigetreten. Erst im Nachhinein wurde daraus eine Wiedervereinigung gemacht. 30 Jahre später wird dazu immer noch eine geldliche Solidarität einkassiert. Was wird denn nun gefeiert? In Zeiten von Corona sind solche Veranstaltungen kontraproduktiv, da hier Menschen in körperlicher Nähe zueinander kommen sollen.
    Und dann wollen die gleichen Politiker Familienfeiern verbieten.

  16. 19.

    Viel Spaß beim Feiern Hr. Woidke und immer schön mit Maske vor die Kamera!

  17. 18.

    Meiner Meinung nach, eine geistig verarmte Symbolpolitik.

  18. 17.

    Nochmal - es ist keine BRANDENBURG-Feier. Die Feier findet nur zufällig dank Bundesratsvorsitz (rollierendes System) in Brandenburg statt. Es hätte auch das Saarland oder unsere geliebten Schwaben treffen können.
    Im Saarland sind vermutlich ALLE Minister und Staatssekretäre Westdeutsche, wie auch in NRW, Bayern, SH, Bremen, HH, RP, BW, Niedersachsen, Hessen. Gibt es deswegen keine "Einheit"? Und was ist "Einheit" überhaupt in einem föderalen Land???

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