Symbolbild - Ein Löschfahrzeug der Berliner Feuerwehr steht an der Feuerwache Mitte. (Bild: dpa/Jörg Carstensen)
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Audio: Inforadio | 14.09.2020 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Neuer Jahresbericht - Feuerwehr beklagt Zunahme an Gewalt gegen Rettungskräfte

Alle 42 Stunden kommt es in Berlin zu einem Angriff auf Feuerwehrleute im Einsatz. Das ist die traurige Bilanz der neuen Feuewerstatistik, die heute im Abgeordnetenhaus diskutiert wurde. Ein weiteres Problem: Der Personalnotstand und längere Wartezeiten beim Notruf.

Angesichts regelmäßiger Übergriffe auf Feuerwehrleute hat die Berliner Feuerwehr mehr Widerstand gegen Werteverfall und Gewalttaten gefordert. "Wir müssen in der Gesellschaft ein anderes Wertesystem herstellen, um diese Fälle zu vermeiden", sagte Vize-Chef Karsten Göwecke am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Nach der jüngsten Jahresbilanz gab es vergangenes Jahr 211 Angriffe auf Feuerwehrleute - im Schnitt alle 42 Stunden.

Göwecke sagte, er werde inzwischen bereits bedauert, wenn er privat erzähle, dass er bei der Feuerwehr sei. Intern habe man bereits die Betreuung der Mitarbeiter ausgebaut und verbessert. Bekannt ist, dass Pöbeleien und Übergriffe oft von betrunkenen Schaulustigen bei nächtlichen Einsätzen ausgehen.

Starke Zunahme der Krankenwageneinsätze

Feuerwehrleute sollen daher künftig mit Bodycams - kleinen Kameras an der Kleidung - ausgerüstet werden. Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte: "Die Rechtsgrundlage schaffen wir gerade." Er habe den "Ehrgeiz", bis Ende 2021 den Probebetrieb zu beginnen und das Projekt in der nächsten Legislaturperiode umzusetzen.

Die Zahl der Krankenwagenfahrten, Rettungs- und Löscheinsätze stieg vergangenes Jahr auf 478.281. Das waren rund 14.000 mehr als im Vorjahr. Nur bei einem Bruchteil der Alarmierungen ging es um Brände (6.688). Diese Zahlen waren bereits bekannt.

Geisel entschuldigte die durchschnittlich etwas längeren Wartezeiten auf Feuerwehr-Sanitäter mit der gewachsenen Stadt und fehlendem Personal. Man sei "nicht zufrieden" mit den Zeiten zwischen Alarm und Eintreffen. Die Rettungswagen brauchen im Durchschnitt 10,08 Minuten bis zum Eintreffen. Ziel sei aber, in 90 Prozent der Einsätze in weniger als 10 Minuten da zu sein. Das wird aber nur in knapp 57 Prozent der Fälle erreicht.

Personalnotstand als Hauptproblem

Die Feuerwehr bekomme inzwischen mehr Personal, sagte Geisel. "Einstellen, Einstellen, Einstellen" sei die Priorität der vergangenen Jahre gewesen. Trotzdem seien 272 Stellen nicht besetzt. In Berlin arbeiten etwas mehr als 4.000 Feuerwehrleute.

Geisel kündigte an, 2024 werde die neu geplante und moderne Einsatzzentrale, die sogenannte Leitstelle, ihren Betrieb aufnehmen. Die dringend notwendige Sanierung der Feuerwehrwachen könne erst demnächst angegangen werden.

Am 28. September erhält die Feuerwehr ein erstes Einsatzfahrzeug, das hauptsächlich mit Elektromotor unterwegs sein soll. Damit sei man "weltweit" die erste Feuerwehr mit solch einem umweltfreundlichen Hybrid-Fahrzeug, sagte Göwecke. Bei einem positiven Ergebnis will die Feuerwehr in Zukunft nur noch auf Elektromotoren setzen.

"Die Berliner Feuerwehr ist am Limit", sagte der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe. "Statt des Leugnens der Probleme und Drucken bunter Broschüren mit salbungsvollen Worten müssen wir über die objektiven Zahlen sprechen und diese endlich verbessern", so Luthe.

Kommentarfunktion am 114.09.2020, 19:11 Uhr geschlossen

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26 Kommentare

  1. 26.

    Liegt wahrscheinlich daran, dass vor ihnen bereits sehr viele Gaffer da waren, dann reagiert man so.

  2. 25.

    Die wichtigsten Menschen in eine Staat. Sie helfen, retten, heilen und kämpfen jeden Tag weiter. DANKE IHRE HELDEN!

  3. 24.

    Bei mir war es mal umgekehrt. Ein Rettungssanitäter hat mich vor einem Monat extrem verbal angegriffen, als ich mit dem Fahrrad kurz anhielt um mir ein Bild von einem Umfall in unserer Nachbarschaft machen wollte. Situation war folgende: Zwei leicht beschädigte Autos standen hintereinander auf einer Spur der Landstraße. Vor ihnen stand ein Rettungswagen, hinter ihnen ein Polizeiwagen. Ein Polizist regelte den Verkehr. Ich hielt kurz an auf dem Fahrradweg, der sich auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Ich habe NICHT mit meinem Handy gefilmt. Sofort sprang der Rettungssanitäter aus dem Rettungswagen und schrie mich an, ich solle verschwinden, Gaffen sei ein schwere Straftat usw... Ich erwiderte, dass ich hier wohne und niemanden behindere, wenn ich auf dem Radweg stehe. Daraufhin schrie er mich an: Verpiss dich! Ich zeige dich an! etc.... Er wandte sich dann an den Polizisten, der aber ihn ignorierte. Zu Recht.

  4. 23.

    Traurige Wahrheit...selbst oft genug mit erlebt. Aber hauptsache man kann sich feiern für ein Elektroauto. Die dringenden Sanierungen der Wachen kommen demnächst? Hab ich alles schon gehört und nichts ist passiert! Schützt endlich die Kollegen vor solchen Menschen sonst wird es bald nicht mehr möglich sein überhaupt den Rettungswagen zu rufen weil einfach niemand mehr da ist und auch das Interesse des Berufes geht verloren. Wer mit klarem Verstand hat Lust für unterbezahlte Stellen , bepöbelt , bespuckt und angegriffen zu werden? Der Staat hat versagt ganz klar! NOCH ist Zeit eine Wende zu erreichen aber das Zeitfenster ist sehr sehr knapp.

  5. 22.

    Traurige Wahrheit...selbst oft genug mit erlebt. Aber hauptsache man kann sich feiern für ein Elektroauto. Die dringenden Sanierungen der Wachen kommen demnächst? Hab ich alles schon gehört und nichts ist passiert! Schützt endlich die Kollegen vor solchen Menschen sonst wird es bald nicht mehr möglich sein überhaupt den Rettungswagen zu rufen weil einfach niemand mehr da ist und auch das Interesse des Berufes geht verloren. Wer mit klarem Verstand hat Lust für unterbezahlte Stellen , bepöbelt , bespuckt und angegriffen zu werden? Der Staat hat versagt ganz klar! NOCH ist Zeit eine Wende zu erreichen aber das Zeitfenster ist sehr sehr knapp.

  6. 20.

    Soso. "Der Staat hat versagt" Hat er das? Oder wer wählt die Parteien, die der Daseinsvorsorge und dem Gemeinwesen immer mehr Gelder, Budgets und Personal entziehen?
    Vielleicht mal bei der zur Wahl stehenden Regierungspolitik genau hin schauen. Und immer wissen: Selbst die gute Regierung kann nicht in 4 Jahren wett machen, was vorher Jahrzehnte kaputt gespart wurde.
    Da muss man eben selber auch mal dran bleiben, bei den wirklich entscheidenden Themen. Als Wähler, Bürger und Verantwortlicher wie welche Budgets eingesetzt werden sollen.
    Zumindest ist hier in Berlin ja endlich die letzen Jahre investiert worden. Wird noch dauern bis man den Rückstand aufgeholt hat. Zweifellos ist das so.

  7. 19.

    Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich nochmals bei den Teams (NEF / RTW) der Berliner Feuerwehr (Tempelhof) zu bedanken, die durch ihren sehr schnellen und professionellen Einsatz dafür gesorgt haben, dass ich heute hier noch etwas "kritzeln" kann. Es hätte alles auch anders ausgehen können. !!! DANKE !!!

  8. 18.

    "Wolf S Berlin Montag, 14.09.2020 | 17:13 Uhr
    Antwort auf [Martina] vom 14.09.2020 um 15:46
    Ihre Satzbildung ist ziemlich chaotisch, weswegen es einem schwerfällt zu verstehen, worauf Sie eigentlich hinaus wollen."

    Sie werden das schon schaffen. Falls Sie wollen. Da bin ich sicher. Ist nicht so kompliziert.

  9. 17.

    Längere Wartezeiten bei Notrufen: was sitzen da für verpeilte Leute?! Mindestens 5x Name und Adresse bzw. Einsatzort durchgeben, bis auf der anderen Seite der Leitung endlich verstanden wurde, was los ist. Das Problem ist ja nun schon länger bekannt, Herr Geisel. Um genau zu sein: mehrere Jahre. Das Sparprogramm ist nach hinten losgegangen. Stattdessen werden verschwitzte TV-Interviews gegeben, anstatt die Feuerwehr zu stärken und endlich so zu bezahlen und auszurüsten, wie es angemessen wäre. Peinlich, peinlich!

  10. 16.

    Ich glaube Ihnen aufs Wort das Sie sich keinen Reim drauf machen können Herr Kurt Wilhelm. Das ist Teil des Problems. Sind Sie ja auch nicht alleine mit. Zu glauben die Haltung zum Rettungs- und Sanitätswesen, zu Helfern, Feuerwehr, und Katastrophenschutz sei irgendwie so aufteilbar, dass man halt auch mal entscheiden kann, wer sie wann, wie und warum nicht erhalten soll.
    Sie können mir ja mal erklären worin der Unterschied zwischen jemandem besteht, der sich an einem Unfall- oder Notfallort daneben benimmt und jemand der wortreich und scheinbar politisch begründet erklärt, weshalb man jetzt um die EU-Geflüchtetenlager herumstehen soll. Filmt. Paar hässliche Bemerkungen macht. Hilfsorganisationen daran hindert abgebrannte und obdachlose Geflüchtete notzuversorgen.
    Ja ist schon klar. Gibt es lauter spitzfindige bis niederträchtige Argumentationsketten.
    Ich folge denen aber nicht. Wem das logisch erscheint, hat ein Problem und macht Probleme. Statt sie zu lösen.

  11. 15.

    "Weiterhin keinerlei Empathie ggü dem Verletzten. " Die Empathie hat sich nicht einstellen wollen. Vielleicht stand die Empathie nicht im Vordergrund, weil man noch mit dem Eigenschutz des vorherigen Einsatzes mental zu tun hatte.

  12. 14.

    Traurige Wahrheit...selbst oft genug mit erlebt. Aber hauptsache man kann sich feiern für ein Elektroauto. Die dringenden Sanierungen der Wachen kommen demnächst? Hab ich alles schon gehört und nichts ist passiert! Schützt endlich die Kollegen vor solchen Menschen sonst wird es bald nicht mehr möglich sein überhaupt den Rettungswagen zu rufen weil einfach niemand mehr da ist und auch das Interesse des Berufes geht verloren. Wer mit klarem Verstand hat Lust für unterbezahlte Stellen , bepöbelt , bespuckt und angegriffen zu werden? Der Staat hat versagt ganz klar! NOCH ist Zeit eine Wende zu erreichen aber das Zeitfenster ist sehr sehr knapp.

  13. 13.

    Gewalt gegen Rettungskräfte ist natürlich ein No-Go, das ist keine Lösung.

    Jedoch musste ich bei zwei Notfalleinsätzen im häuslichen Umfeld auch erleben, dass erstmal die Kompetenzen der Rettungskräfte untereinander ausdiskutiert werden mussten, das vor dem Patienten und bei deutlichen Anzeichen eines Schlaganfalls.

    Beim Einsatz zwei Jahre später war die Notversorgung, Schnittwunde mit hohem Blutverlust nach Sturz, saumiserabel, das hätte jede Laie besser hinbekommen. Weiterhin keinerlei Empathie ggü dem Verletzten.

    Das ist dann für die Patienten /Angehörigen auch nicht einfach und führt scheinbar bei dem Einem oder Anderen zum "durchdrehen"??? Vielleicht braucht es da auch mal ein Qualitätsmanagment???

  14. 12.

    "Bloss weg hier aus dieser Stadt. ". Meinen Sie, in Köln ist das anders?

  15. 11.

    Herr Geisel, Ihr Job. Ach ne, der ist ja gar nicht da...

  16. 10.

    Ihre Satzbildung ist ziemlich chaotisch, weswegen es einem schwerfällt zu verstehen, worauf Sie eigentlich hinaus wollen.

  17. 9.

    @Martina ich weiß nicht, was das mit der Bundespolitik zu tun haben sollte und ich kann mir keinen Reim daraus machen, was Flüchtlingsschiffe bei den Angriffen auf unsere Feuerwehr zu tun haben. Sie sind anscheinend im falschen Thread gelandet, über Moria kommt später, sorry.

  18. 8.

    Sie sollten sich mal lieber über die Leute aufregen die Gewalt an Rettungskräften ausüben.

  19. 7.

    Das wäre in der heutigen Zeit politisch nicht korrekt... . Man könnte ja unbequeme Wahrheiten heraus lesen.

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