Ein Obdachloser schläft unter einer Decke (Quelle: imago images/Christoph Hardt)
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Neue Anforderungen durch Pandemie - Obdachlosen-Übernachtungen durch Corona-Regeln reduziert

Die Berliner Kältehilfe startet im Oktober mit 500 Übernachtungsplätzen und erweitert dann ihr Angebot. Auf die rund 1.000 Plätze wie im vergangen Jahr kommt Berlin diesmal allerdings nicht. Vorerst. Der Grund dafür sind vor allem die Corona-Hygieneregeln.

In wenigen Wochen werden in Berlin wieder die Unterstützungsangebote für Obdachlose ausgeweitet. Die Kältehilfe startet am 1. Oktober mit 500 Übernachtungsplätzen, wie die Sozialverwaltung am Freitag, dem Tag der Wohnungslosen mitteilte. Das Angebot werde im Laufe der darauffolgenden Wochen weiter erhöht. Nach aktuellem Stand sollen am 1. November dann insgesamt 879 Notübernachtungsplätze bereitstehen, hieß es. Vor einem Jahr hatte es ab November bereits mehr als 1.000 davon gegeben.

Viele Träger müssen Umfang an Übernachtungen reduzieren

"Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass einige Anbieter und soziale Träger aufgrund der geltenden Hygieneregeln ihre Angebote der Kältehilfe nicht mehr im bisher vollen Umfang anbieten können, manche Einrichtungen bleiben geschlossen", erklärte die Sozialverwaltung. Man wolle aber wie in den Vorjahren auch unter Corona-Bedingungen die bisherige Kapazität von mehr als 1.000 Notübernachtungsplätzen in der Stadt anbieten, hieß es. "Es sind weitere Unterkünfte in Planung, ebenso führen wir Gespräche mit sozialen Trägern, die die obdachlosen Menschen dort betreuen."

Appell an die Abgeordneten für zusätzliche Mittel im Nachtragshaushalt

Die Kältehilfe wird in Berlin von kirchlichen und sozialen Trägern mit Hilfe von Ehrenamtlichen organisiert und üblicherweise vom Land über die Bezirke sowie mit Spenden finanziert. In diesem Jahr gibt es noch Fragezeichen: "Damit wir die Bezirke bei der Kältehilfe unterstützen können, sind wir jedoch darauf angewiesen, dass die Abgeordneten als Haushaltsgesetzgeber die zusätzlichen Mittel mit dem Nachtragshaushalt freigeben", so die Sozialverwaltung. Ein zweiter Nachtragshaushalt wird derzeit diskutiert.

Sendung: Radioeins, 11. 9. 2020, 17 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Die Obdachlosenzahlen in Berlin steigen ja nicht nur durch den Zuwachs von hier lebenden Menschen.
    Viele Menschen aus Osteuropa kommen zu uns,weil sie offensichtlich hier auf der Straße besser leben als in ihrer Heimat. Eine schwer lösbare Aufgabe für Senat und Bezirke,denn sie haben weder einen Einfluss darauf,noch einen wirklichen Überblick über die Anzahl der Personen. Die letzte Zählung war ein Versuch, um Nachfrage und Angebot abgleichen zu können. Der Versuch hat nicht viel gebracht,außer Beschwerden ,Verweigerer und Datenschutzhürden . Also ohne richtigen Überblick und Einflussmöglichkeiten auf den Zuwachs,eine fast unlösbare Aufgabe deshalb kann das Ergebnis einfach nur unbefriedigend sein. Für alle Beteiligten.

  2. 5.

    Ganz offensichtlich sind ja viele Plätze für die Unterbringung von Flüchtlingen ( noch) nicht belegt.Ist es denn organisatorisch ,rechtlich und finanziell nicht möglich,nun Unterkünfte davon für Obdachlose die hier leben abzuzweigen,damit die Plätze für die Kältehilfe trotz der Corona-Hygieneregeln nicht reduziert sondern ggf. sogar aufgestockt werden? Auch wenn sich Ehrenamtliche um die Aufgaben kümmern,die eigentlich staatlich abgedeckt werden müssten,können Unterkünfte nur von der Senatsverwaltung und den Bezirksämter bereitgestellt werden.



  3. 4.

    Z.B. zu Zeiten von Charles Dickens war London eine reiche Stadt in einem reichen Land - die Alltagsrealität sah für viele jedoch ziemlich anders aus (was z.B. im Buch Oliver Twist beschrieben). Dieser Tage sieht es insb. in Europa und USA nicht ganz so schlimm aus, aber Tatsache ist jedoch, dass viele Personen nicht unbedingt immer aus freien Stücken obdachlos (und unter Definition von Slumbewohnern fallen, was weltweit knapp eine Milliarde, bzw. Drittel aller Stadtbewohner betrifft, dass min. kein Zugang zu Frischwasser, zu Sanitäranlage, ungenügend Wohnplatz, und/oder keine Haltbarkeit der Wohn"häuser" - etwas was z.B. in China mehr als 100 Millionen Personen betrifft).

    Ich selber bin lokal dafür, dass nicht nur Wohnsicherheit, aber eben auch Zugang (wenn auch mit spezifischen Dingen, wie dass eben erstmal jemandem geholfen wer hier 20 Jahre gearbeitet hatte, statt einem jungen Burschen aus Rumänien), was allgemein auch billiger statt wenn mit 40 und obdachlos flott Pflegefall.

  4. 2.

    Lieber erfrieren als Corona evtl. bekommen??
    Das kann's ja wohl kaum sein!

  5. 1.

    Alles unter das weltweite Gesundheits Diktat, auch wenn dann ein paar Obdachlose draufgehen.

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