Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Quelle: Andrew Lubimov/AP/dpa
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Putin-Kritiker spricht von "privatem Treffen" - Merkel besuchte Nawalny in der Charité

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den vergifteten russischen Putin-Kritiker Alexej Nawalny in der vergangenen Woche an seinem Krankenbett in der Berliner Charité besucht. Es habe sich um eine "persönliche Begegnung" gehandelt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Zu den Inhalten des Gesprächs wollte Seibert sich nicht äußern; diese seien vertraulich. Nawalny schrieb auf Twitter, er sei "dankbar" für Merkels Besuch.

Sowohl Seibert als auch Nawalny wandten sich gegen die Darstellung, es habe sich bei der Begegnung um eine Geheimaktion gehandelt. "Das Wort 'geheim' trifft hier nicht zu", der Besuch sei lediglich "nicht öffentlich" gewesen, sagte Seibert. Nawalny schrieb, dass es sich nicht um ein "geheimes", sondern "eher um ein privates Treffen und ein Gespräch mit der Familie" gehandelt habe.

Stationärer Aufenthalt ist schon beendet

Der prominente Kreml-Kritiker wird nach dem Versuch, ihn mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe zu töten, in Berlin behandelt. Sein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist inzwischen beendet. Merkel hat den Anschlag scharf verurteilt und die russische Regierung aufgefordert, sich dazu zu erklären. Moskau weist jede Schuld von sich. Seibert sagte am Montag, er könne zur Aufklärung des Falls durch Russland keinen neuen Stand mitteilen. "Zu dem gesamten Komplex erwarten wir weiterhin, dass Russland sich erklärt."

Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow sagte laut Medienberichten, Merkel lasse sich offenbar laufend über den Genesungsprozess des Oppositionellen berichten. "So viel ich weiß, verfolgt sie es ganz eng und wird ganz gut informiert", sagte Wolkow. "Die Genesung ist wirklich schneller als erwartet, und das ist natürlich eine gute Nachricht. Die Ärzte sind sehr zufrieden", so Wolkow weiter. Bleibende Schäden nach der Vergiftung könnten die Mediziner aber derzeit noch nicht ausschließen.

Nawalny will bald wieder nach Russland zurück

Nawalny werde rund um die Uhr "ziemlich stark" bewacht. "Ich persönlich glaube nicht, dass ein weiterer Anschlag in Berlin passieren kann", fügte der Stabschef hinzu. "Aber wir sehen auch, der Personenschutz hat eine andere Meinung."

Wolkow bekräftigte zugleich, dass Nawalny nach seiner Genesung in sein Heimatland zurückkehren wolle. Seine politischen Aktivitäten könne er nicht vom Ausland aus betreiben. "Er will zurück nach Russland und wir sollen durchdenken, wie es jetzt mit einem weiteren Leben in Russland funktioniert", sagte Wolkow. Das werde nicht so einfach.

Sendung: Inforadio, 28.09.2020, 15 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Wenn dem so wäre wie sie schreiben, dann wären Snowden und Assange schon lange auch hier. Sie haben eine sehr beengte eingleisig Sicht. Das ist traurig ...

  2. 8.

    Von solch einer Aufmerksamkeit kann Julian Assange nur träumen. Er hat halt leider nicht Russland kritisiert,sondern vor der eigenen Haustür gekehrt..

  3. 7.

    Herr Nawalny wäre bei uns wegen seiner Historie im rechten Umfeld längst politisch auf dem Abstellgleis. Vergleichbar Herrn Höcke. Aber das Prädikat Kreml-Kritiker (was immer das heißen mag, und wie auch immer man sich das verdienen kann) reicht aus, als Staatsgast mit Kanzler-Empfang aufzutreten und in sentimentaler Denkerpose in allen Medien präsent zu sein.

  4. 6.

    Es ist ein Akt der Menschlichkeit von unserem Land Deutschland, dass Herr Nawolny aufgenommen wurde und ärztlich.versorgt wurde. Es gehört zu dem Image und unserer Philosophie das zu tun. Frau Merkel ist die Botschafterin . Und wenn man die Bilder des sibirischen Spitals und den dümmlichen Arzt im Fernsehen gesehen hat, wo Herr N. Erst versorgt wurde finde ich richtig dass unsere Regierung so gehandelt hat.

  5. 5.

    Was für ein Mensch! Nach so einer Attacke wieder nach Russland gehen zu wollen, ist überaus mutig und idealistisch. Die Russen sollten froh und dankbar sein, dass sie so jemanden haben und ihren obersten Giftmischer nach Sibirien ins Arbeitslager schicken.

  6. 3.

    Sicher ist Ihnen entgangen, dass sämtliche Transport- und Behandlungskosten von Spendern geleistet wurden. Und falls es Ihnen nicht zu peinlich ist, nach entgangener und vom Steuerzahler teuer bezahlter Arbeitszeit von einer (?) Stunde der Kanzlerin zu fragen: Ich bin sicher, Frau Merkel hat Überstunden abgebaut.

  7. 1.

    Es ist bloß erstaunlich für was und wen hier deutsche steuergelder verpulfert werden. Es wäre sehr zu begüßen wenn frau Merkel sich auch so sehr um schwer erkrankte Deutsche kümmern würde wo die krankenkassen nicht zahlen weil es zu teuer ist.

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