Archivbild: Mit Hut und Mütze als Sonnenschutz gehen eine Frau und ein Kind am 01.08.2017 in Berlin Prenzlauer Berg einen Gehweg entlang.(Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Video: Abendschau | 23.09.2020 | Anja Herr | Bild: dpa/Jens Kalaene

Tarifstreit - Verdi bestreikt Berliner Kitas des Humanistischen Verbandes

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Mittwoch die Einrichtungen des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg (HVD) bestreikt. Mindestens sechs der 24 Berliner HVD-Kitas waren laut Verdi geschlossen, am Hospitz Ludwig Park habe nur ein Notbetrieb stattgefunden. Zudem hätten 80 Lebenskundelehrer des HVD gestreikt, es sei zu Unterrichtsausfall gekommen, so ein Verdi-Sprecher. Am Warnstreik selbst nahmen laut der Gewerkschaft insgesamt 300 Mitarbeiter des Verbandes aus allen Bereichen teil.

Verdi forderte den HVD auf, die abgebrochenen Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Sollte dies nicht zeitnah geschehen, so ein VErdi-Sprecher, werde es weitere und längere Streiks geben.

Hintergrund ist ein seit Jahren andauernder Streit über die Anbindung an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes. Streiks hatte es beim HVD zuletzt im März gegeben.

Jeder Kompromiss wurde abgelehnt

Die Gewerkschaft fordert neben Anpassung des Tarifvertrags auch eine Entgelterhöhung rückwirkend zum 1. Januar um sechs Prozent.

Für den HVD arbeiten in der Hauptstadt rund 1.400 Beschäftigte in diversen Sozialeinrichtungen. "Drei Jahre hat der Arbeitgeber aber die Verhandlungen verschleppt. Jeder von den Gewerkschaften unterbreitete Kompromiss wurde rundweg abgelehnt", sagte Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe laut einer vorab verbreiteten Mitteilung. Er warf dem HVD eine "völlig konfrontative Haltung" vor.

Der Streik steht nicht in Verbindung mit den angekündigten Warnstreiks im Zuge der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst. Hier wird es laut Verdi in Berlin keine Streiks in Kitas geben.

Sendung: Inforadio, 22.09.2020, 17:00 Uhr

28 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 28.

    Und wer meint, jene, die es machen seien selber Schuld nach dem Motto "Augen auf bei der Berufswahl", hat nicht verstanden, dass unserer Gesellschaft diese Berufe braucht um zu funktionieren.Das ist nicht meine Sichtweise.Aber warum bleibt man in diesen Beruf und spricht nicht die Kündigung aus?Und wenn doch so viele unglücklich mit ihrer beruflichen Situation sind,warum bleibt man da?Was ändert sich daran wenn man 6%/mind.150€ mehr im Monat verdient?Es bleibt doch alles beim alten mit Belastung,Kinder zu betreuen oder zu beschulen,Menschen zu pflegen oder beim Sterben zu begleiten, Jugendlichen auf den rechten Weg zu helfen usw.Ich mache meinen Job weil er mir Spass macht,und weil der nebenbei auch noch gut entlohnt wird.Auch wenn ich mal paar Tage Nachts arbeiten muss,was wiederrum auch gut bezahlt wird.


  2. 27.

    Bitte sachlich bleiben. Ich muss nicht umschulen, da ich auf 45 Arbeitsjahre zurückblicke. Aktiv werde ich bei der Betreuung meiner Enkel, wenn die Kita geschlossen ist. Noch Fragen?

  3. 25.

    Sonderbare Berichterstattung. Der HVD war immer tariflich gebunden. Letzte Tarifsteigerung 4,5% am 1.1.2019 nach Tarifverhandlung mit Ver.di, Laufzeit bis zum 31.12.2019. Passt eindeutig nicht zu, wie von Ver.di behauptet, drei Jahren Verzögerung durch Arbeitgeber. Offenbar wurde nur für dieses Jahr, das Coronajahr, verhandelt. Sicht der Arbeitgeberseite wird im Artikel mit keinem Wort erwähnt. In höchstem Maße unseriös.

  4. 24.

    Welcher Lösungsansatz wäre denn nach Ihrer Meinung der richtige? Nach drei Jahren vergeblicher Verhandlungen?

  5. 23.

    Och, ich habe sehr viel Verständnis für „die Gewerkschaften“, sprich: für die Mitarbeiter_innen der bestreikten Kindergärten. Ich drücke ihnen sogar die Daumen, das sie Erfolg haben. So verschieden sind die Leute!

    Die „Machenschaften“ des Trägers scheinen Ihnen ja egal zu sein: Sollen die Leute im Corona-Jahr doch froh sein, überhaupt arbeiten zu dürfen, und sich nicht um ihren Lohn kümmern! Oder wie?

  6. 22.

    „Streik macht nur Sinn wenn der Verlust der Arbeitsleistung dem Arbeitgeber richtig "wehtut".
    Der Streik in Kitas tut aber den Eltern und Kindern weh, ich würde es Nötigung nennen.

  7. 21.

    Ich werde hier nicht schlecht bezahlte Berufsgruppen miteinander vergleichen und auf eine Neiddebatte einsteigen. Für mich sitzen Profiteure der Gesellschaft ganz woanders. Darüber regt sich in unserer Gesellschaft merkwürdigerweise kaum jemand auf. Ein Handwerker leistet körperlich harte Arbeit und trägt viel Verantwortung. Das gilt noch für viele andere Berufe. Das steht außer Frage. Im sozialen Sektor ist die Belastung aber emotionaler Natur. Wer meint Kinder zu betreuen oder zu beschulen, Menschen zu pflegen oder beim Sterben zu begleiten, Jugendlichen auf den rechten Weg zu helfen usw. sei unanstregend, hat definitiv keinerlei persönliche Erahrung in diesen Bereichen gemacht. Und wer meint, jene, die es machen seien selber Schuld nach dem Motto "Augen auf bei der Berufswahl", hat nicht verstanden, dass unserer Gesellschaft diese Berufe braucht um zu funktionieren.

  8. 20.

    @ David Weber

    Seit vor über 2 Jahren die Gewerkschaften gegen den Willen ihrer Mitglieder die Tonne „gelöscht“ haben und nichts spürbares passiert ist. Seit dem sind Gewerkschaften ominöse Einrichtungen und an der Tonne war es nicht das erste mal. dass uns die Gewerkschaften in den Rücken gefallen sind bzw viel Wind um nichts veranstaltet haben.

  9. 19.

    Drei Jahre hat der Arbeitgeber aber die Verhandlungen verschleppt.Und seit Jahren hat der Arbeitnehmer weitergearbeitet.Habe ich erst nach seit Jahren oder 3 Jahre weniger verdient oder schon als ich den Arbeitsvertrag unterschrieben habe?Warum habe ich einen Arbeitsvertrag unterschrieben,und warum habe ich das Jahrelang mitgemacht?(Wie schlecht manche Mitarbeiter in diesen sozialen und systemrelevanten aber sehr anstrengenden verantwortungsvollen und belastenden Berufen dauerhaft bezahlt werden?)
    Und die 6% mehr oder mind.150€ Monatlich macht das alles wieder wett?Anstrengenden verantwortungsvollen und belastenden Berufen wie von Handwerkern?Machen Sie sich auch darüber Gedanken?Auch hierin spiegelt sich Wertschätzung von Arbeit.

  10. 18.

    Vergleichen Sie bitte auch das Gehalt nach 10 Jahren. Da ist es genau umgekehrt.
    Die höheren Einstiegsgehälter (wenn man überhaupt von höher sprechen kann) sollen helfen neu Mitarbeiter zu gewinnen, da es hier einen dringenden Bedarf gibt. Auch Sie können jederzeit umschulen um von diesen "großzügigen" Gehältern zu profitieren. Also Meckern Sie nicht, sondern werden Sie aktiv!

  11. 17.

    Nur mal zum Verständnis: Es geht hier darum, daß die Angestellten des HVD dafür Streiken, um in den Flächentarif von Verdi übernommen zu werden. Erkläre mir mal jemand warum hier so auf Verdi geschimpft wird.
    Das Hospizes zu bestreiken halte ich auch für Fragwürdig.
    Wenn Eltern sich jetzt wegen ihrer persönlichen Situation aufregen ist das nachvollziehbar, hat aber nichts mit der Arbeitssituation der Angestellten zu tun. Hier möchte ich mal die Aussage aus den Kommentaren (Sinngemäß: Wem die Arbeitsbedingungen nicht passen, kann ja kündigen.) einfach mal umdrehen: Wem die KITA etc. nicht paßt, kann ja auch in eine Andere wechseln.

  12. 16.

    Sehr richtig, nur, wem tut dieser Streik am meisten weh? Nicht den Arbeitgebern, sondern den Kleinsten und ihren Eltern. Ich möchte noch anmerken, dass eine Erzieherin in Berlin als Berufsanfängerin mehr verdient, als ein Landwirt oder ein Elektriker in Brandenburg. Also schon auch ein bisschen jammern auf hohem Niveau.

  13. 15.

    All jene, die sich hier über die Streikenden in KITA, Hospiz, Pflege und Schulen generell oder speziell in Corona-Zeiten aufregen, kann ich nur fragen: Ist Ihnen klar, wie schlecht manche Mitarbeiter in diesen sozialen und systemrelevanten aber sehr anstrengenden verantwortungsvollen und belastenden Berufen dauerhaft bezahlt werden? Ist Ihnen der Wert eines Tarifvertrages bewusst, den Mitarbeiter freier Träger, die die gleiche schwere Arbeit leisten wie Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, irgendwie bewusst? Auch hierin spiegelt sich Wertschätzung von Arbeit. Das Klatschen auf den Balkonen kann man sich in Krisenzeiten dann bitte auch sparen. Befremdlich, welch missgünstige und verständnislose Haltung manche Leute jenen gegenüber, die wahrlich nicht zu den Profiteuren unseres Systems gehören, an den Tag legen. Und das Schimpfen auf die Gewerkschaften empfinde ich auch als unerträglich. Ohne sie ständen viele Berufsgruppen heute sicher noch viel schlechter da.

  14. 14.

    #Florian Berlin, Verdi ist keine ominöse Gestalt sondern besteht aus Mitgliedern , also durchaus aus Teilen der Bevölkerung und diese streiken. Nichtmitglieder streiken nicht mit, stehen also dem Arbeitgeber zu Verfügung.
    Im Grundsatz stimmen die Gewerkschaftsmitglieder einem Streik zu und somit bestimmen nicht die Funktionäre einen Streik. Streik macht nur Sinn wenn der Verlust der Arbeitsleistung dem Arbeitgeber richtig "wehtut".

  15. 13.

    Den Streik der Kitabeschäftigten kann ich zur Zeit nicht verstehen. Lange waren die Einrichtungen geschlossen. Da mussten sich viele Eltern schon etwas einfallen lassen für die Kinderbetreung. Wer zur Zeit wieder arbeiten kann muss sich nun wieder Gedanken machen über die Kinderbetreung. Welcher Arbeitgeber hat da noch viel Verständnis? Ein Hospitz zu bestreiken geht garnicht.

  16. 12.

    Verstehe Ihre Aussage resp. Standpunkt jetzt nicht ganz. Beamte, Corona, Arbeitslosigkeit, solidarisch? Wo ist der Zusammenhang?

  17. 11.

    Stand da nicht im vorigen Artikel, dass Kitas in Berlin nicht bestreikt werden?

  18. 10.

    Hospiz bestreiten ist unmenschlich und widerlich.Gewissenlos.

  19. 9.

    Was ist eine "Humanistische Kita" im Gegensatz zu jeder anderen Kita?
    Ach, ich weiß! Das sind Kinder, die man vorschickt, um seine Intressen zu artikulieren.
    Ich finde es schändlich, bei allen Verständnis für die Situation im öffentlichen Dienst, sich wieder an Kinder und deren Eltern zu bedienen, die schon am meisten unter der "Corona-Krise" gelitten haben.
    Das ist also der gelebte Humanismus von Ver.di.

Das könnte Sie auch interessieren