Klinikstreik am 30.09.2020 am Brandenburger Tor in Berlin. (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Audio: rbb | 30.09.2020| Matthias Bartsch | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst - Hunderte Mitarbeiter an Berliner Kliniken legen Arbeit nieder

Erneut haben Beschäftigte von Charité und Vivantes am Mittwoch die Arbeit niedergelegt. Am Vormittag kamen zu einer Verdi-Kundgebung am Roten Rathaus etwa 300 Mitarbeiter zusammen. Durch einen Warnstreik hatte es schon am Vortag Einschränkungen in den Kliniken gegeben.

In den kommunalen Kliniken in Berlin geht der Warnstreik auch am Mittwoch weiter. Unter dem Motto "Klatschen war gestern, heute ist Zahltag" kamen nach einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi rund 300 Mitarbeiter am Roten Rathaus zusammen. Anschließend setzte sich der Demonstrationszug Richtung Brandenburger Tor in Bewegung. Dort war eine weitere Kundgebung mit Reden geplant.

Anlass für die Proteste sind die Gesundheitsministerkonferenz, die am Mittwoch in Berlin stattfindet, sowie die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Schon am Dienstag hatten laut Verdi zwischen 400 und 500 Beschäftigte pro Schicht ihre Arbeit niedergelegt. Aufgerufen war das Pflegepersonal der Charité und der Vivantes-Kliniken.

Teilnehmerinnen der Auftaktkundgebung einer Demonstration von Beschäftigten von Kliniken und Gesundheitseinrichtungen unter dem Motto "Klatschen war gestern, heute ist Zahltag" stehen am 30.09.2020 mit Schildern am Roten Rathaus. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Warnstreik über zwei Tage

Der Warnstreik war am Dienstag mit der Frühschicht gestartet und soll am Mittwoch mit dem Ende der Spätschicht enden.

Nach Angaben der Klinikverwaltungen gab es für die Patienten bislang zwar keine größeren Einschränkungen. Von Normalbetrieb könnte aber auch keine Rede sein, hieß es vonseiten der Gewerkschaft. "Der Dienstbetrieb in den Charité-Kliniken ist schon gestört. Und in den meisten Standorten von Vivantes läuft er auch nicht normal", sagte Marco Pavlik, Verdi-Gewerkschaftssekretär, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Lebensnotwendige OPs finden statt

An den Standorten der Charité wurden die für Dienstag und Mittwoch geplanten, nicht lebensnotwendigen Operationen verschoben. "So kann die Zahl der stationär behandelten Patientinnen und Patienten verringert werden, um Mitarbeitern Gelegenheit zur Ausübung des Streikrechts zu geben", sagte die Charité-Sprecherin Manuela Zingl. Operationen bei Kindern, dringliche onkologische Eingriffe und Notoperationen würden ohne Einschränkungen durchgeführt.

Insgesamt sei die Versorgung der Patienten mit einer Wochenendbesetzung gesichert, sagte Zingl. Lediglich im ambulanten Bereich komme es zu längeren Wartezeiten.

Auch bei den Vivantes Krankenhäusern sei die Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt, hieß es. "Dafür sorgt eine sogenannte Notdienstvereinbarung", sagte die Vivantes-Sprecherin Astrid Steuber. Einige Bereiche seien demnach vom Warnstreik ausgenommen, etwa die, in denen Covid-19-Patienten oder Kinder und Jugendliche versorgt würden. Auch Verdi erklärte bereits vorab, das Wohl der Patienten solle durch den Warnstreik keinesfalls gefährdet werden.

Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst waren zuvor ins Stocken geraten. Gefordert wird seitens der Gewerkschaft unter anderem eine Pflegezulage von 300 Euro, eine bessere Bezahlung im Öffentlichen Gesundheitsdienst und die Begrenzung der Arbeitszeit im Rettungsdienst auf 45 Stunden pro Woche.

Sendung: Inforadio, 30.09.2020, 9 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Wenn die Gewerkschaft ver.di während der Pandemie im Gesundheitswesen streiken lässt, dann kann es mit Corona wohl nicht so tragisch sein. Und wenn trotz des Streikes die medizinische Versorgung gesichert sein soll, dann kann doch von Personalknappheit keine Rede sein. Ergo sind die meisten Reglementierungen für die Bevölkerung überflüssig.
    Beispielsweise, könnte mir mal einer verbindlich mitteilen, wie viel Ansteckungsfälle es wegen Gaststättenbesuche gab? Diese Manie mit der Aufschreibung von Personaldaten dient doch offenbar einem anderen Zweck als der Nachverfolgung von Ansteckungen.

  2. 1.

    "Vom Klatschen wird niemand gesund" - super Protest-Banner, der den Menschen mal zeigt, dass theatralische Solidaritätsbekundung - wie in diesem Fall Beifall für Pflegekräfe - nur heiße Luft ist, die ab und an durch soziale Netzwerke weht.

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