Festakt zum 70. Jubiläum des Zentralrats der Juden am 15.09.2020 in der Neuen Synagoge Berlin (Bild: rbb)
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Neue Synagoge Berlin - Zentralrat der Juden feiert 70-jähriges Jubiläum

1950 wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Heute gehören ihm nach eigenen Angaben 105 jüdische Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern an. Am Dienstag feierte er sein 70. Jubiläum am Dienstag in der Neuen Synagoge Berlin.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat den Zentralrat der Juden in Deutschland als unverzichtbare moralische Instanz und Verteidiger grundlegender Freiheitswerte gewürdigt. Vor einem Festakt am Dienstag in der Neuen Synagoge in Berlin anlässlich des 70-jährigen Bestehens erklärte Grütters, der Zentralrat habe "entscheidend dazu beigetragen, dass sich jüdische Menschen in Deutschland wieder willkommen fühlen". Dies sei leider immer noch keine Selbstverständlichkeit, gerade angesichts aktueller antisemitischer Hetzparolen und gewalttätiger Übergriffe.

Grütters betonte, "als sich der Zentralrat der Juden vor 70 Jahren gründete, lag vor Deutschland ein langer Weg der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Barbarei". Dieser langwierige Prozess habe den Deutschen das zivilisatorische Versagen während der Diktatur klar vor Augen geführt: "Zugleich hat er unsere gesellschaftliche Widerstandskraft gegen Antisemitismus und Rassismus gestärkt", so die CDU-Politikerin.

Vertretung für 100.000 Mitglieder

Der Zentralrat der Juden wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Derzeit gehören ihm nach eigenen Angaben 105 jüdische Gemeinden mit rund 100.000 Mitgliedern an. Der Zentralrat vertritt deren politische und gesellschaftliche Interessen. Außerdem ist er für die Politik auf Bundes- und Länderebene Ansprechpartner für alle Themen, die die jüdische Gemeinschaft betreffen.

Zum 70. Jubiläum des Zentralrats der Juden fand am Dienstag ab 11 Uhr ein Festakt in der Neuen Synagoge Berlin statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt eine Rede, ebenso der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Wegen der Corona-Pandemie war die Zahl der Gäste stark begrenzt - trotzdem hatten sich prominente Vertreter aus Politik, Kirchen und verschiedenen Religionsgemeinschaften angekündigt. Das musikalische Programm gestaltete Geiger Daniel Hope gemeinsam mit dem Berliner Kantor Isidoro Abramowicz.

Sendung: Livestream auf rbb|24.de, 15.09.2020, 11 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Ich sprach nicht von französischen Juden, da ich die Realität dort mangels Wissenslage nicht beurteilen vermag. Dem Vernehmen nach mögen Sie da Recht haben. Für Deutschland, und nur darauf bezog sich meine Antwort, ist mir das in diesem Maße nicht bekannt. Daher gehe ich schlicht davon aus, dass ein Großteil der nicht gezählten Juden schlicht aus den unter dem Zentralrat organisierten Gemeinden austreten. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie ihre Religion ablegen würden oder sich vielleicht auch in freien Gemeinden neu organisieren würden oder dass sie gar alle abwandern. Meine Aussage ist einzig und allein, dass immer weniger Juden vom Zentralrat vertreten werden, obwohl dieser den Anschein erwecken will, für den Großteil der Juden in Deutschland zu sprechen. Offenbar ist dem aber gar nicht so.

  2. 9.

    Da fehlt mir momentan der Kontext. Bei meinem Beitrag ging es um die Flucht von Juden aus Frankreich, nicht um den Austritt aus einer Glaubensgemeinschaft. Christen hätten ja auch einen Grund, wegzugehen, aber wo sollen die denn hin gehen?

    https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2019-04/frankreich-kirchenschaendung-entweihen-vandalen-brand-notre-dame.html

  3. 8.

    Falls Sie sich zur Aufgabe gemacht haben, zu praktisch jedem beliebigen Beitrag immer Ihre Ideologie zu verbreiten, sollten Sie die Beiträge wenigstens vorher lesen. Und kommen Sie jetzt nicht mit der ebenfalls "sehr schlauen" Frage, wie ich in diesem Zusammenhang auf Ideologie komme.

  4. 6.

    Ich glaube nicht, dass die alle ab- bzw. auswandern. Ein Großteil tritt wohl einfach aus. Bei der Zählung von Juden werden regelmäßig nur die in Gemeinden Organisierten gezählt. Wenn diese mit der Öffentlichkeitsarbeit ihres Zentralrates nicht mehr einverstanden sind, bleibt nur Auswandern oder eben - weniger drastisch - der Austritt. Geht unseren christlichen Volkskirchen ja nicht anders. Die Leute da treten ja auch nicht aus, weil sie den Glauben verloren hätten oder wegziehen würden.

  5. 4.

    Sind also 1000 Juden pro Jahr, die in Deutschland abwandern. 5000 Juden wandern pro Jahr wandern aus Frankreich ab..

    Mich wundert das schon, daß bei jüdischen Vertretern dieses Problem nicht thematisiert wird.

    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/frankreich-arabischer-antisemitismus-treibt-juden-zur-auswanderung-nach-israel-li.33236

  6. 3.

    Ich vermisse in dem Artikel die ausgewogene Berichterstattung. Neben dem leider traditionellen Antisemitismus gibt es in Deutschland eine stetig wachsenden Antisemitismus unter den eingewanderten Muslimen.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/antisemitismus-an-berliner-schulen-umfrage-zeigt-islamistische-tendenzen-bei-schuelern/20082082.html

  7. 2.

    Ich freue mich dem Festakt zur Gründung des Zentralrat der Juden in Deutschland auch über das ARD Fernsehen live folgen zu können.

  8. 1.

    Es ist gut, dass es den Zentralrat der Juden mit seinen vielen Gemeinden gibt. Allerdings stelle ich fest, dass wohl immer weniger von Ihnen sich von dieser Anstalt des öffentlichen Rechts vertreten fühlen. Es soll in Deutschland etwa 200.000 Menschen jüdischen Glaubens geben, was eine tolle Nachricht nach den Schrecken der dunkelsten Zeit Deutschlands ist. Die Zahl der Mitglieder nimmt allerdings seit 2005 massivst ab (Höchststand etwa 108.200) und betrug zuletzt nur noch etwa 94.800.
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1232/umfrage/anzahl-der-juden-in-deutschland-seit-dem-jahr-2003/
    https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/weltweit-142-millionen-juden/

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