Bettina Jarasch von den Berliner Grünen (Quelle: DPA/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 05.10.2020 | Sabrina Wendling | Studiogespräch mit Bettina Jarasch | Bild: DPA/Paul Zinken

Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021 - Bettina Jarasch soll Spitzenkandidatin der Berliner Grünen werden

Lange galten Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Fraktionschefin Antje Kapek als Spitzenkandidatinnen der Grünen für die Abgeordnetenhauswahl im nächsten Jahr. Doch nun ist klar: Bettina Jarasch soll es werden.

Bettina Jarasch soll Spitzenkandidatin der Berliner Grünen für die Abgeordnetenhauswahl 2021 werden. Das gab die Parteispitze am Montagnachmittag bekannt. Jarasch wird sich demnach beim Parteitag am 28. November 2020 zur Wahl stellen.

Die Entscheidung für Jarasch kam überraschend. Als Favoritinnen für die grüne Spitzenkandidatur hatten zuletzt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und die Fraktionsvorsitzende Antje Kapek gegolten.

Erstmals in der 40-jährigen Geschichte der Grünen sei das Rote Rathaus greifbar, sagte Jarasch am Montag. "Ich will als Regierende Bürgermeisterin Verantwortung für unsere Stadt übernehmen und Berlin mit allen Zukunftskräften der Gesellschaft gestalten." Ihre Schwerpunkte sollen dabei Klimakrise, Verkehrswende, Verdrängung und soziale Spaltung sein.

Pop und Kapek begrüßen Kandidatur

Pop und Kapek begrüßten Jaraschs Kandidatur. "Mehr Berlin in einer Person geht kaum", sagte Pop über die grüne Spitzenkandidatin. Während Kapek ergänzte: "Wir Grünen spielen mit Bettina Jarasch ganz klar auf Sieg."

Jarasch sagte dem rbb, die Entscheidung habe auch sie anfangs überrascht. "Es ist tatsächlich so, dass diese beiden Spitzenpolitikerinnen [Anm. d. Red.: Pop und Kadek] sich zusammengesetzt haben und zu dem Schluss gekommen sind, dass es besser ist, wenn es eine Dritte macht." Es habe aber keinen internen Streit gegeben, so Jarasch in der rbb-Abendschau.

Die Neue an der Spitze ist innerparteilich keine Unbekannte. Sie war von 2011 bis 2016 Parteivorsitzende der Berliner Grünen. Seit 2016 sitzt sie für die Partei im Abgeordnetenhaus. Sie gehört dem Realo-Flügel der Partei an.

Grüne führen BerlinTrend an

Die Grünen sind die erste Berliner Partei, die damit einen Vorschlag zur Spitzenkandidatur macht. Allerdings muss zunächst noch der Parteitag im November über die Spitzenkandidatur entscheiden. Sollte eine Mehrheit dann für die Jarasch stimmen, hätte sie nach den aktuellen Umfragewerten eine reelle Chance, Regierende Bürgermeisterin zu werden. Im jüngsten BerlinTrend für die rbb-Abendschau und die "Berliner Morgenpost" sind die Grünen mit 26 Prozent stärkste Kraft. Demnach wäre die CDU mit 22 Prozent der Stimmen die zweitstärkste Kraft.

Zu einer möglichen schwarz-grünen Koalition nach der Abgeordnetenhauswahl wollte sich Jarasch in der Abendschau aber nicht äußern. "Was ich möchte, ist breite Bündnisse schmieden."

Jarasch wäre die erste Regierende Bürgermeisterin überhaupt in Berlin - abgesehen von Louise Schröder, die von 1947 bis 1948 kommisarische Oberbürgermeisterin von Berlin war. Ebenfalls wäre es das erste Mal, dass die Grünen dieses Amt bekleiden.

48 Kommentare

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  1. 47.

    Guten Morgen,
    nachdem die SPD eine Frau ins Rennen schickt, dessen Doktorarbeit nochmals überprüft wird, kommt von den Grünen, dem Berliner Klientel entsprechend, eine Zugereiste. Gut, die dauertönende Frau Pop hat sich mit ihren wirtschaftlichen Vorhaben vergaloppiert und Frau Kapek nahm man ihre immerwehrende moralische Entrüstung nicht mehr ab.
    Letztlich ein guter Schachzug der Grünen, eine Katholiken_*/innin im mehrheitlich protestantischen Berlin zu installieren.
    Gerne erinnern sich da auch die Berliner, dass die Kandidatin vehement dafür eintrat, dass Berliner Neutralitätsgesetz, §2 zu unterlaufen, bzw. auszuhebeln, in dem sie das Tragen von Kopftüchern durchsetzte.

  2. 46.

    Dann lieber Frau Giffey. Eine grüne Bürgermeisterin in Fhain-Kreuzberg reicht. Vlt kommen ja mit einer grünen reg. Bürgermeisterin noch mehr Fahrradwege, das Radfahren auf den Bürgersteig und Windräder auf den Mont Klamott.

  3. 45.

    Ich will Ihnen nicht pauschal widersprechen, sehe allerdings besagte Irrationalität zu weiten Teilen bei Parteien schlechthin. Das macht es allerdings auch nicht besser. Es hat viel mehr damit zu tun, ein einmal entdecktes "Werkzeug" bis zum Exzess hin zu bedienen, bis es schließlich zu einer Art Selbstzweck geworden ist.

    Ggf. könnten wir das gemeinsam als Opportunismus gegenüber vermutlichen Wählern bezeichnen.

  4. 44.

    Die Geschichte der Grünen ist mir egal, ich will nur nicht von ihnen regiert werden. Der Grund ist deren irrationale und menschenfeindliche Ideologie, die Doppelmoral, und der Egoismus ihrer Jünger. Da gibt's nichts zu beschönigen.

  5. 43.

    In meinen Augen mischen Sie da reichlich viel. Ich war nie Mitglied einer Partei und werde es vermutlich auch nie sein. Das liegt v. a. daran, dass Menschen in einer Partei tendenziell alles Übel der Welt außerhalb ihrer Partei verorten und ihre Partei als weitgehend frei davon ansehen.

    Ich habe ja aus Außensicht - manchmal ggf. sogar "Nahsicht" - den Werdegang der Grünen und dann Bündnisgrünen mitbekommen. Geboren aus der Umweltbewegung, als dass es umgekehrt gewesen wäre. Der vglw. größere Zuspruch der Bündnisgrünen v. a. im Südwesten scheint mir hervorgegangen aus beharrlicher Kärrnerarbeit vor Ort und zum Zweiten durch einen respektablen Ministerpräsidenten. Im geografischen Westen ist es eher das Ausfransen der SPD-Herrschaft nach Jz. und dass die sozialdemokratische Automobilisierungsstrategie schlicht an die Wand gelaufen ist. Im wahrsten Wortsinne.

    Überdies: Hamburg mit seinen über 20 % Grünen liegt ja nun auch nicht unbedingt im geograf. Westen oder Süden ...

  6. 42.

    Ich traue Ramona Pop deutlich mehr Wählerstimmen zu und hätte sie auch gewählt. Jetzt kommt eine Unbekannte, die Bedürfnisse der Berliner außerhalb des S-Bahn Rings nicht kennt.

  7. 41.

    Ich sehe dort viel taktisches Verhalten bein Frau Pop und Frau Kapek. Wissen die beiden Damen eher, wie schwer sie es möglicherweise gegen Frau Giffey haben werden ...?

    ... Peter-Prinzip!

  8. 40.

    Es geht um die spezielle grüne Problematik. Deren Weltanschauung ist ein Produkt des süd- und westdeutschen Provinzialismus, in einer Großstadt könnte sowas Weltfremdes nicht entstehen. Dazu kommt die Erfahrung, dass grüne Politiker bei allem was für die Stadt wichtig ist, nicht den blassesten Schimmer haben. Nehmen wir Nahverkehr, statt die strukturellen Probleme anzugehen wollen sie Elektrobusse, und die S-Bahn zerschlagen Da mischen sich Ortsunkenntnis, grüne Technikignoranz und neoliberale Ideologie zu einem ganz fürchterlichen Cocktail.

  9. 39.

    Mit Verlaub: Das hört sich sehr nach Sippenhaft an. Dass nur "Gebürtige" im Ort was zu sagen haben, ist Tradition eher in Bayern, wo dann noch ein paar Generationen im Ort gelebt werden muss, um dazuzugehören.

    Berlin war immer schon kosmopolitisch; die wenigsten davon, die Bleibendes hinterließen, hatten zuvor Berliner Stallgeruch. Der Schwede Grenander mit seinen U-Bahnhöfen, Willy Brandt als geborener Lübecker als Regierender.

  10. 38.

    Wir haben seit Jahren in ganz Deutschland eine politische Kaste die nur noch ihre eigenen Interessen bedient, das ist klar. Aber die Grünen sind davon die Schlimmsten.

  11. 37.

    Sie ist keine Berlinerin, kennt sich hier also nicht aus und wird deshalb inkompetent entscheiden. Die Grünen sind ne reine Westpartei, und das meint Westdeutschland ohne Berlin. Auch in Berlin haben die Grünen ihre höchsten Wahlergebnisse in den gentrifizierten Ortsteilen, wo mehr Schwaben und Bayern wohnen.

    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_btw_gruene17z_endg.svg

  12. 36.

    Überhaupt wäre es gut, von einem zeitlichen Nachlauf zu sprechen, dem im Englischsprachigen so bezeichneten "time lag". So sind wir heute mit den Auswirkungen der Regieren der Vor- und Vorvorperiode konfrontiert, ebenso wie umgekehrt, dass die Auswirkungen heutiger Regierungen noch Jahre und Jahrzehnte nach einem Farbwechsel stattfinden.

    Das hat einfach damit zu tun, dass Auswirkungen nicht wie ein Computerbefehl einfach zurückgenommen werden können. Und immer hat es ja mit menschlichen Verhaltensweisen zu tun, die irgendwann eingeschliffen und gewisserweise oft auch recht träge sind, was Veränderungen angeht.

    Also wäre so manche Kontroverse, wo es um oberflächlichen Disput geht, einfach tiefer zu hängen und geduldig zu arbeiten, bis tatsächlich von der Wirkung her etwas Neues entsteht.

  13. 35.

    Zunächst einmal werden aus dem Länderfinanzausgleich die schwarzbürgerlichen Eskapaden der Herren Diepgen und Landowski bezahlt.
    spd-Finanzsenatoren haben in den vergangenen Jahren gegen die Ignoranz des nörgelnden Kleinbürgertums (Wir sind das Volk) angespart. Bisher ist in deren engem Wahrnehmungshorizont aber noch kein Erkenntnisfunke entstanden.
    Sonst wären Beiträge wie der Ihre ja auch nicht möglich.
    Oder so.

  14. 34.

    Wenn die die Folgen spüren, ziehen die Grünenwähler weg (insoweit spricht man ja auch von "nomadisierenden" Wählern, also Wählern, welche nur einen gewissen Zeitraum in dem Gebiet bleiben wie Studenten etc. und die daher direkten Folgen er gewählten Politik nie spüren).
    Bei den politischen Schwerpunkten "Klimiakrise, Verkehrswende, Verdrängung und soziale Spaltung" geht hier in Berlin eh bald das Licht aus.

  15. 33.

    Wie kommen Sie auf braune Sosse - spekulativ.
    Wenn Sie mein meinen. Bloss weil ich nicht auf Grün stehe.

  16. 32.

    Wer ist sie ? Wobei es auch egal ist. Die vielen zugezogenen Neuberliner wählen grün, da es chic ist. Wenn sie die Folgen spüren ist es zu spät.
    Zum Glück gibt es den Länderfinanzausgleich. Da kann man sich alle Eskapaden, wie Steine & Trinktische auf Parkplätze und bunte Punkte ( die der nächste Regen dreckig wegspült) leisten.

  17. 31.

    "Ist doch die gleiche grüne Sosse. Wie der eene heest - sieht der Andere aus."
    mal mit brauner Soße....wieso fällt mir da nur Kalbitz und Berndt ein......

  18. 30.

    Sie haben vollkommen Recht. Dennoch, das was Sie beschreiben sind klar die Versäumnisse der Vor-Regierungen. Es braucht leider Jahre, dies alles wieder zu reparieren. Aber die Grünen haben wenigstens damit begonnen, u.a. tausende neue U-und S-Bahnwagen in Auftrag gegeben...

  19. 29.

    Das ist ja das Schlimme!
    Was hat sich denn mit den Grünen verbessert?
    Gibt es dichtere Zugfolgen?
    Gibt es neue Linien?
    Gibt es sauberere Züge?
    Gibt es mehr Sicherheit?
    Ich glaube nicht.
    1.000 mal die Verkehrswende in den Medien rauf- und runterkauen? Davon haben wir nichts.

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