Forschungsschiff "Polarstern" (Quelle: imago-images/Stefan Hendricks )
Audio: rbb | 19.10.2020 | Lisa Steger | Bild: imago-images/Stefan Hendricks

Folgen des Klimawandels - Brandenburg fördert Polarforschung mit Millionenbetrag

Das Forschungsschiff "Polarstern" sammelte Daten über die Klimaerwärmung am Nordpol. Die insgesamt 10.000 Proben werden die Wissenschaft noch Jahrzehnte beschäftigen. Durch eine Förderung der Landesregierung sollen sie auch in Potsdam ausgewertet werden.

Die Brandenburger Landesregierung will die Polarforschung am Potsdamer Alfred-Wegener-Institut (AWI) mit einem Millionenbetrag fördern. "Wir investieren 1,5 Millionen Euro in ein neues Potsdamer InnoLab für Arktisforschung am AWI", sagte Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Montag in Potsdam bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Leiter der Arktisexpedition auf dem Forschungsschiff "Polarstern", Professor Markus Rex. Dort sollen die Polar-Kompetenzen des Instituts gebündelt werden.

Arktis Expedition aus Potsdamer Telegrafenberg koordiniert

"Zusammen mit den klugen Köpfen des Deutschen Geoforschungszentrums, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam vereint sich auf dem Telegrafenberg die wissenschaftliche Klimaexpertise", erläuterte Schüle das Konzept des InnoLabs. Die in der vergangenen Woche beendete Expedition in der Zentralarktis war vom AWI im Wissenschaftszentrum auf dem Potsdamer Telegrafenberg koordiniert worden.

"Die Expedition war ein historischer Meilenstein der Polarforschung", sagte Rex. "20 Nationen haben sich für diese Expedition zusammengeschlossen und rund 450 Wissenschaftler aus 37 Nationen haben während der Expedition geforscht." Dabei seien rund 10.000 Proben genommen worden, die die Wissenschaft noch Jahrzehnte beschäftigen würden, erklärte Rex.

Schüle: Im Sommer schmilzt das Eis selbst direkt am Nordpol

Die Teilnehmer hätten die Folgen der Klimaerwärmung direkt vor Augen gehabt, sagte Rex. "Im Sommer war das Eis der Arktis selbst direkt am Nordpol völlig aufgeschmolzen und erodiert", sagte er. "Wenn wir die Klimaerwärmung nicht sofort und massiv bekämpfen, wird das arktische Eis im Sommer bald verschwunden sein, mit unabsehbaren Folgen für Wetter und Klima, auch bei uns", sagte REx. "Das hätte nach unseren Erkenntnissen eine Verstärkung der Wetterextreme in unseren Breiten zur Folge", warnte Rex.

Schüle richtete die ernste Mahnung an die Politik, Verantwortung für notwendige Entscheidungen zu übernehmen. "Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich Mitglieder meines Berufsstandes hinter dem Rücken der Wissenschaftler verstecken wollen", meinte die Ministerin. Die Wissenschaft müsse Erkenntnisse liefern und im besten Fall Handlungsempfehlungen geben. "Doch die Politik muss Kompromisse finden und die Entscheidungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft treffen", betonte Schüle.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 19.10.2020, 19:30 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Hoffentlich wird Grönland wieder Grünland, so wie einst und der Name durch die Wikinger entstand. Das ganze Eis ist doch nur ein Neuzeit-Problem.

  2. 3.

    Wie der Professor "sofort und massiv" mehr Eis an den Nordpol bekommen will, habe ich noch nicht verstanden. Vielleicht überschätzt er die Möglichkeiten des Menschen doch etwas. Oder muß man so auf den Putz hauen, um Geld locker zu machen? Das hat ja immerhin geklappt.
    Die bei der Expedition gewonnenen Proben - was eigentlich? - werden uns sicher verraten, wie sich das Klima in den einzelnen Klimazonen in den nächsten Jahrhunderten entwickeln wird. Zumindest werden wir auf diese Enthüllungen warten, die uns die teuren Experten versprechen.

  3. 2.

    Frankreichs Emissionen im Energiesektor betragen 50 Millionen Tonnen CO2, jede Kilowattstunde Strom verursacht in Frankreich 50 Gramm CO2.

    Deutschlands Emissionen im Energiesektor betragen 350 Millionen Tonnen CO2, pro kWh sind es 400 Gramm CO2.

    Es ist mehr als offensichtlich, welche Technologie im Energiesektor dem Klimaschutz zuträglich ist und welche nicht.

  4. 1.

    Deutschland hat doch gar keinen Sektor, weder in der Arktis noch in der Antarktis.

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