Demonstration nach der Räumung der Liebigstraße 34 in der Nacht zum 10.10.2020. (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Video: rbb|24 | 10.10.2020 | Material: rbb, TNN | Bild: dpa/Christophe Gateau

Gewaltausbruch in Berlin-Mitte - Steinwürfe und brennende Autos bei "Liebig 34"-Protesten

Das lange Zeit von der linken Szene besetzte Haus "Liebig34" in Berlin-Friedrichshain ist geräumt, doch die Proteste gingen auch in der Nacht zu Samstag weiter. Hunderte Demonstranten zogen durch Berlin-Mitte und randalierten. Es flogen Böller und Steine.

Bei einer Demonstration gegen die Räumung des Hauses "Liebig 34" in Berlin ist es am Freitagabend bis in die Nacht hinein zu Gewaltausbrüchen gekommen. Randalierer warfen immer wieder Feuerwerkskörper, Flaschen und Steine gezielt auf Einsatzkräfte, wie die Polizei auf Twitter schrieb.

Auch Fahrzeuge und Schaufenster wurden von Demonstrationsteilnehmern gezielt zerstört. Der Protestzug, der am Monbijoupark gestartet war, wurde gegen 00:30 Uhr in der Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg beendet. Nach rbb-Informationen nahmen etwa 2.000 Menschen teil, die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf rund 1.700.

Zerstörte Bushaltestelle in Berlin-Mitte (Bild: rbb/Oliver Soos)
| Bild: rbb

Ein Dutzend Fahrzeuge in Brand gesetzt

Während der Demonstration und bis in die frühen Morgenstunden wurden in der Umgebung des Aufzugs nach bisherigen Erkenntnissen zwölf Fahrzeuge in Brand gesetzt, wie die Polizei am Samstag mitteilte.

34 Personen wurden demnach festgenommen und 37 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 1.900 Kräften im Einsatz, sieben von ihnen seien verletzt worden.

Demonstranten haben einen Stein in ein Schaufenster in Berlin-Mitte geworfen (Quelle: rbb/Oliver Soos)
Bild: rbb

Zerstörte Schaufenster und brennende Autos

Die Teilnehmer waren am Abend im Regen durch Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg gezogen, die Stimmung war aggressiv. Zu Beginn der Versammlung wurde der Protestzug immer wieder gestoppt. Es kam zu Rangeleien zwischen Polizisten und Demonstranten.

Eine Gruppe von etwa 20 Randalierern sonderte sich an der Steinstaße von der Demonstration ab und zerstörte gezielt Schaufenster und Autoscheiben, wie rbb- und dpa-Reporter beobachteten. Auch die Scheiben eines BVG-Wartehäuschens gingen zu Bruch.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte die Krawalle. Es habe sich um blinde Gewalt gehandelt, erklärte Geisel bei Twitter. Wer Scheiben einschlage und Autos anzünde, habe sich aus der der politischen Diskussion verabschiedet.

Polizei rund um Räumung mit Großaufgebot im Einsatz

Die Polizei hatte das linksradikale Wohnprojekt "Liebig34" am Freitagvormittag begleitet von lautstarken Protesten geräumt. 57 Personen waren aus dem Gebäude geführt worden. Der Räumung war ein entsprechender Gerichtsbeschluss vorausgegangen.

Auch die Räumung selbst war von Protesten begleitet worden. Laut Polizei demonstrierten etwa 1.500 Menschen vor dem Haus und 500 weitere in der näheren Umgebung gegen die Räumung. Im Zusammenhang mit Kundgebungen und Aufzügen im Lauf des Tages verzeichnete die Polizei weitere elf Verletzte und 98 Freiheitsbeschränkungen und -entziehungen, etwa wegen schweren Landfriedensbruchs.

Pachtvertrag 2018 ausgelaufen

Bereits am Donnerstag war es zu Protesten gegen die Räumung gekommen. An diesem Tag hatte das Berliner Kammergericht den Antrag des Anwalts der Bewohnenden zur Aussetzung der Vollstreckung abgelehnt. Die Polizei hatte den Kreuzungsbereich vor dem Haus weiträumig abgesperrt und in der Nacht mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. Am Freitagmorgen fuhren dann ein Bagger sowie ein Räumfahrzeug auf.

Neben dem Haus in der Rigaer Straße 94 gehörte "Liebig 34" zu einem der letzten Wohnprojekte der linksradikalen Szene in Berlin. Die Liebigstraße 34 wurde 1990 besetzt und versteht sich seitdem als "anarcha-queer-feministisches Hausprojekt". 2008 wurde das Gebäude zwangsversteigert, die Hausbewohner einigten sich mit dem neuen Hausbesitzer, einem umstrittenen Berliner Immobilienunternehmer, auf einen zehnjährigen Pachtvertrag. Als dieser Vertrag zum Ende des Jahres 2018 auslief, sollten die Bewohner gehen - doch sie blieben im Haus, der Besitzer klagte auf Räumung.

Räumung und Proteste rund um die "Liebig 34"

Die Kommentarfunktion wurde am 09.10.2020 um 23:09 Uhr geschlossen

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Sendung: Radioeins, 10.10.2020, 10:30 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Zu "Wir haben Platz" passt Ihr Kommentar aber nicht, merken Sie's?

  2. 18.

    Aber Sie müssen ja unbedingt hier Ihren Senf dazugeben.
    @ So Peters. Danke für Ihren Beitrag. Ich kenne zu recht die Hausbesetzungen damals Anfang der 80er Jahre in Westberlin. Habe die Räumung durch den damaligen Innensenator H.Lummer in der Bülowstr. Live miterlebt, wo Jürgen Rattay zu Tode kam auf der belebten Potsdamer Str. 2 Jahre später entschied ein Gericht die Vorgehensweise durch die Polizei als nicht rechtens.

  3. 17.

    Nun ziehen die schwarzvermummten Sturmabteilungen marodierend durch Berlin. Autos werden brennen, Fassaden beschmiert, Parteibüros verwüstet, Infrastruktur lahmgelegt.

    Wie wird auf der linksradikalen Seite indymedia gehetzt: "Ihr räumt - wir verwüsten Berlin".
    Begleitet von den Chaquren, Mitläufer und Sympathisanten linker Gewalttäter.

  4. 16.

    Sie sollten sich mal überlegen, warum es attraktiv ist in Immobilien zu investieren. Das liegt an der Finanzpolitik der EZB und diese wiederum gleicht die falsche Politik in den Eurolaendern aus. Ihre Kritik, dass in Berlin die Häuser zu Spekulationsobjekten werden ist richtig, aber die Spekulanten nutzen nur die Möglichkeiten die ihnen die Politik bietet. Deshalb ist der Angriff gegen die Hausbesitzer sinnlos, denn das Problem muss auf politischer Ebene gelöst werden. Ob wir dafür die richtigen Personen haben können sie selbst entscheiden

  5. 15.

    Muss man das jetzt wirklich zum 10 mal erklären !!?? Es geht nicht grundsätzlich darum gegen Miethaie und sonstige Spekulanten zu kämpfen sondern um das Wie und das allgemeine Verhalten dieser Leute und Ihrer Sympathisanten gegenüber Nachbarn , Anwohnern und einen nicht unerheblichen Teil der Berliner Bevölkerung vom Kinde bis zum Greis ( siehe wiederholte Anschläge auf die S Bahn um nur eines von vielen Beispielen zu nennen ) !! Ist das wirklich so schwer zu begreifen ??

  6. 14.

    Ich finde es traurig, wie einige der Kommentarschreiber hier nicht erkennen, dass das, was sie innbrünstig verteidigen, Ihnen selbst (außer vllt dem Herrn aus Frankfurt) selbst auf die Füße fallen wird: Berlins Mieten steigen unaufhörlich, weil Immo-Spekulanten wie der Eigentümer des Liebig-Projektes die Stadt aufkaufen und Wohnraum zur Luxusware deklarieren. Diese Entwicklung wird auch der Mietendeckel nicht aufhalten können. Warum ist so wenig Empathie da für diejenigen, die bezahlbaren Wohnraum verteidigen? Weil das "Hausierer" sind, die "unrechtens" da leben? Warum wird jedes moralische Unrecht mit "rechtskräftigen Gesetzen" verargumentiert? Was habt ihr davon? Was könnt ihr euch davon kaufen? Sicherlich nicht mehr Freiheiten in Berlin.

  7. 13.

    Ja, wenn Sie meinen. Ich hege weder mit Ihnen noch mit den Liebig34-Befürwortern kenne Sympathie. Und Sie sollten sich den Artikel und dann meinen Kommentar durchlesen. Ich weiß leider nicht was Ihr Kommentar aussagen soll. Ob SIE einer von DENEN sind interessiert bestimmt keinen Menschen und mich am wenigsten.

  8. 12.

    Gerichte haben entschieden dass die Räumung rechtskräftig ist. So ist das nun mal in einer Demokratie, dafür gibt es Gesetze. Ob die Gesetze richtig sind, darüber kann man friedlich streiten und die Politiker, die Gesetze verabschieden, zur Not abwählen. Oder wäre es den Unterstützern der Liebig 34 lieber wir lebten ohne Gesetze in Anarchie und Gewalt?

  9. 11.

    Woher wollen Sie denn wissen, was dort allgemein los ist? Wohnen Sie dort, oder ist das nur Halbwissen aus Medien und Mundpropaganda? Kennen Sie eigentlich die Hintergründe?
    Grüße nach Hessen

  10. 10.


    "Ganz Berlin liebt die Polizei"

    ich für meinen teil bin froh, dass Polizisten Gesundheit und Leben täglich riskieren, um beispielsweise gewalttätige Extremisten zu bekämpfen

    .

  11. 9.

    Die Hausbesetzungen hatten häufig einen Grund. Plötzlich kommt jemand mit viel Geld und sagt ich hab jetzt Recht.....sehr Fragwürdig das ganze....viele Äußerungen hier sind sehr engstirnig. Was hier in Berlin mit dem Wohnraum, Häusern und Baugrund abgeht, ist "verbrecherich". Sobald es lukrativ wird kommen die Geier und kaufen ihr Recht

  12. 8.

    Dieser Kommentar ist so wie er das steht leider Sinn frei, und das wissen Sie auch. Wozu schreiben Sie ihn also?

  13. 6.

    Häuser gänzlich verwohnen und fast jeden Abend Chaos. Welche revolutionäre Aussage soll das überhaupt sein? Mit freundlichen Grüssen

  14. 5.

    Verstehe IHREN Kommentar als Antwort auf den Kommentar von @Kurt Meister nicht. Könnte diesen nur so deuten, dass Sie Sympathie mit den Liebig34-Leuten hegen. Für mich ist die Räumung gerechtfertigt, da es eine Hausbesetzung ist. Und dazu hat keiner das Recht.

  15. 4.

    Wie kommen die Demonstranten dazu zu sagen "Ganz Berlin hast die Polizei". Ich zähle nicht dazu. Ich bin glücklich, dass es die Polizei gibt. Auch die Äußerung "Häuser denen, die drin wohnen". Aber nicht denen die darin "hausen" und nichts zahlen. Ich hoffe, dass dieser Liebig34-Spuk mit dieser heutigen Räumung ein Ende hat. Übrigens ich bin BERLINER.

  16. 3.

    Wer zahlt den Einsatz ich hoffe doch nicht der Steuerzahler. Für mich wäre dieses unfair die Kosten sollten die Chaoten dieser Häuser zahlen.
    Hochachtungsvoll Stoll Karl-Heinz

  17. 2.

    Aus der Ferne grüßt ein Kleinbürger. Feg mal lieber selbst vor Deiner eigenen Haustür. Haste genug zu tun.

  18. 1.

    "Häuser denen, die drin wohnen"
    Na hoffentlich haben die jungen Leute ihre Adressen hinterlassen, damit man auch bei ihnen in die Häuser/Wohnungen einziehen kann. Und bitte nicht nach der bösen Polizei rufen, wenn auf einmal jmd Fremdes bei ihnen wohnt.

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