Polizisten stehen am 03.10.2020 oben auf der Lärmmauer und überwachen das Geschehen in Berlin-Hohenschönhausen. Die Partei der III. Weg hat zum Marsch durch Berlin Hohenschönhausen aufgerufen, dagegen gab es zahlreiche Proteste und SItzblockaden. (Quelle: imago images/Jean-Marc Wiesner)
Video: Abendschau | 04.10.2020 | Tobias Schmutzler | Bild: imago images/Jean-Marc Wiesner

Viele Verhaftungen, verletzte Polizisten - Zahlreiche Demos prägen Tag der Deutschen Einheit in Berlin

In Hohenschönhausen marschierten Neonazis, in Friedrichshain Linksautonome, am Brandenburger Tor Corona-Leugner und Reichsbürger - und mittendrin war auch noch die FDJ am Start. Die Berliner Polizei hatte am Wochenende jede Menge zu tun.

Zahlreiche Demonstrationen mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmern haben am Wochenende die Berliner Polizei in Atem gehalten. Dabei kam es zum Teil zu Auseinandersetzungen. Insgesamt wurden 150 Menschen festgenommen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. 36 Polizisten wurden demnach verletzt, ein Polizist kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.

Demo für Liebig34

Am Samstagabend demonstrierten laut Polizei rund 2.000 Menschen für den Erhalt des linksradikalen Symbolhauses Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain. Sie zogen in einem Demonstrationszug von der Samariterstraße Richtung Volkspark Friedrichshain, die Route führte auch an dem "anarcha-queer-feministischen" Hausprojekt in der Liebigstraße vorbei.

Dabei wurden während der Demonstration Feuerwerkskörper, Bengalos und Nebeltöpfe gezündet und zum Teil in Richtung der Einsatzkräfte geworfen. Vereinzelt wurden Polizisten angegriffen und mit einer unbekannten Flüssigkeit besprüht.

Am 04.10.2020 versammeln sich mehrere Hundert Menschen vor der Liebig 34 in Berlin-Friedrichshain. (Quelle: rbb)Musik-Protest am Sonntag

Räumung der Liebig34 am 9. Oktober

Der Protest stand im Zusammenhang mit der angekündigten Räumung der Liebig34. Das besetzte Haus gilt zusammen mit dem nahe gelegenen und teilweise besetzten Haus Rigaer Straße 94 als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in der Stadt. Am kommenden Freitag wird auf Betreiben des Eigentümers geräumt. Die Szene hat für die kommenden Tage heftigen Widerstand angekündigt. Bereits am Sonntag fand in der Liebigstraße eine weitere, friedliche Protestveranstaltung mit Livemusik statt, rund 300 Personen nahmen daran teil.

Offenbar im Zusammenhang mit der Demo wurde am Sonntagmorgen die Fensterfront einer Bankfiliale in der Singerstraße mit Pflastersteinen beschädigt und beschmiert. Eine Polizeistreife entdeckte ein aufgesprühtes Anarchiezeichen sowie ein Schriftzug, der mit dem Hausprojekt "Liebig 34" in Zusammenhang steht, deuten nach Polizeiangaben auf ein politisches Motiv hin. Der Staatsschutz ermittelt.

Uneinig am Tag der deutschen Einheit

Neonazis von Gegendemo blockiert

Die meisten Festnahmen an diesem Demo-Wochenende standen laut Polizei in Zusammenhang mit einem Aufmarsch der rechtsextremen Partei "Der III. Weg" in Hohenschönhausen und insbesondere der Gegendemonstration dazu. Demnach wurden unter anderem Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch, Widerstands, tätlichen Angriffs und Sachbeschädigungen eingeleitet.

Rechtsextreme hatten für Samstag eine Demo unter dem Motto "Ein Volk will Zukunft" angemeldet. Unter anderem das "Berliner Bündnis gegen Rechts" hatte angekündigt, den Aufmarsch am Tag der Deutschen Einheit blockieren zu wollen. Die Polizei schätzte die Zahl der Gegendemonstranten auf rund 1500. Darunter waren mehrere hundert Vermummte, von denen einige Steine und Pyrotechnik auf die Polizisten warfen sowie Autos demolierten. Es kam zu vereinzelten Angriffen von Demonstranten beider Lager aufeinander.

Die rechtsextreme Partei der III. Weg hat zum 03. Oktober 2020 zum Marsch durch Berlin Hohenschönhausen aufgerufen. Ein linksautonomer Gegendemonstrant wirft einen Stein. (Quelle: imago images/Jean-Marc Wiesner)Gegendemo beim Aufmarsch von Neonazis in Hohenschönhausen

Die Gegendemonstranten verhinderten laut Polizei mit einer Sitzblockade, dass der Zug am S-Bahnhof Wartenberg starten konnte. Eine angebotene Alternativroute lehnte der Veranstalter zunächst ab. Später nahm der Demonstrationszug wegen der Blockaden eine verkürzte Route. Am Samstagabend löste sich die Menschenmenge nach einer Abschlusskundgebung der Rechten nach Polizeiangaben langsam auf. Insgesamt zählten die Beamten rund 300 Menschen aus dem rechten Spektrum.

Atttila Hildmann leistet den Anweisungen der Polizei folge und zieht sich bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen am 03.10.2020 eine Maske auf. (Quelle: rbb/Hendrik Schröder)Corona-Leugner Hiltmann muss Mundschutz aufsetzen

Demos gegen Corona-Maßnahmen

Weitere Demos fanden in Berlin-Mitte statt. Am Brandenburger Tor versammelten sich rund 300 Menschen, um gegen die Corona-Auflagen zu demonstrieren. Viele trugen keine Masken, wie die Polizei mitteilte. Sie nahm die Personalien auf.

Auf dem Pariser Platz kamen rund 40 Menschen aus der sogenannten Reichsbürger-Szene zusammen. Einige schwenkten Reichsflaggen.

Die kommunistische Jugendorganisation FDJ hatte zu einer Demo am Alexanderplatz aufgerufen. Die Teilnehmer waren mehrheitlich in blauen Hemden mit roten Halstüchern gekleidet.

Sendung: Abendschau, 04.10.2020

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dieser Senat ist einfach nicht in der Lage für Ordnung und Sicherheit in der Stadt zu sorgen.
    Wie anders ist es zu erklären, dass trotz drastisch ansteigender Coronainfektionen immer noch solche Demos genehmigt werden.
    Die Gesundheit der Bürger sollte im Vordergrund stehen. Leben und Gesundheit sind auch ein Grundrecht!!!

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