Die Schulaufsicht untersucht inzwischen den Fall am OSZ in Berlin-Wedding (Quelle: dpa/Paul Zinken).
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Video: Abendschau | 20.11.2020 | Olaf Sundermeyer, René Althammer | Bild: dpa/Paul Zinken

Lehrer leugnet Corona - "Wir haben die Schüler eigentlich in die Notsituation gebracht"

Der Berliner Lehrer Rüdiger Borrmann hat sich unter den Augen von Schulleitung und Schulaufsicht zum Corona-Leugner entwickelt. Weil ihre Beschwerden folgenlos blieben, haben sich seine Schüler an den rbb gewandt. Jetzt wird der Fall zum Politikum. Von René Althammer und Olaf Sundermeyer

Rüdiger Borrmann sieht sich selbst seit einer Woche im "medialen Regen" stehen. In seinem Telegram-Chat-Kanal schreibt der Berufsschullehrer nach der Veröffentlichung seines Falls durch den rbb von "Anschuldigungen ohne Grundlage, Urteile ohne Verhandlung".

Viele seiner Schüler lesen mit. Denn vor den Sommerferien hatte er sie als ihr Lehrer am Oberstufenzentrum (OSZ KIM) in Berlin-Wedding schriftlich dazu eingeladen, ihm dort zu folgen: auf Telegram, wo sich seit Monaten die Szene der Corona-Leugner aus der "Querdenken"-Bewegung radikalisiert. Deren Mitteilungen teilt er dort, darunter auch Aufrufe des rechtsextremen Corona-Leugners Attila Hildmann.

"Im Wesentlichen gibt es unsachliche Hetze, basierend auf Angst und Emotionen", schreibt Borrmann weiter im Duktus der Protestbewegung, der er sich angeschlossen hat: "Solch ein Verhalten hatten wir schon mal in Deutschland, und es waren keine guten Zeiten." Das ist seine Sicht der Dinge. Er sieht sich als Opfer. Das Angebot, zu diesen Vorwürfen in einem Interview Stellung zu nehmen, hatte er zuvor abgelehnt.

"Das ist schon eine harte Nummer"

Inzwischen beschäftigt sich auch die Landespolitik mit dem Corona-Leugner aus der Schule. Für Regina Kittler, bildungspolitische Sprecherin der in Berlin mitregierenden Linken, ist Rüdiger Borrmann eine Gefahr für die Gesundheit seiner Schüler und seiner Lehrerkollegen. "Das Herunterspielen einer Krankheit, die nachweisbar vielen Menschen das Leben gekostet hat, und das als Lehrkraft gegenüber Schutzbefohlenen das ist schon eine harte Nummer."

Kittler ist selbst Studienrätin. Für sie ist klar, dass Borrmann "nicht mehr auf Schüler losgelassen werden darf." Auch viele seiner Schüler sehen das so. Seit Ausbruch der Pandemie hatte er die gesundheitlichen Folgen einer Covid-19-Erkrankung auch im Unterricht immer wieder in Frage gestellt, verharmlost.

Gratiszeitungen des Demokratischen Widerstands im Lehrerzimmer verteilt

Die Schüler beschwerten sich bereits seit dem Frühjahr, auch bei anderen Lehrern. Doch lange geschah nichts, sie blieben ihm quasi ausgeliefert, räumt sein langjähriger Kollege Wolfgang Bauer im Gespräch mit dem rbb ein. "Wir haben die Schüler eigentlich schon in gewisser Weise in die Notsituation gebracht, dass sie sich sozusagen nach außen wenden mussten, um Gehör zu finden. Wir hätten gleich den Borrmann direkter ansprechen müssen. Wir hätten vielleicht mehr Druck auf die Abteilungsleitung, auf die Schulleitung ausüben müssen."

Bauer erinnert sich, dass die Sache mit Borrmann schon seit dem ersten Lockdown losging, also seit Ende März. Im Lehrerzimmer soll er die Gratiszeitungen des "Demokratischen Widerstands" verteilt haben, das Mitteilungsblatt des lokalen Berliner Anti-Corona-Protests. Darin wurde früh das Szenario einer "Verfassunggebenden Versammlung" nach dem Sturz der "Corona-Diktatur" von Bundeskanzlerin Angela Merkel skizziert. Im Lehrer-Chat der Schule mobilisierte Borrmann zur ersten Großdemo der "Querdenker" im August: "Ich freue mich über alle, die heute entschieden für Meinungsfreiheit eintreten auf der großen Demo mitten in Berlin." Kurz zuvor hatte sich eine ganze Gruppe von Schülern mit einem Brief an den Schulleiter gewandt.

Beschwerden bleiben lange ohne Antwort

Der Schulleiter trägt die Vorwürfe gegen Rüdiger Borrmann erst im August weiter an die Schulaufsicht. Es folgen Gespräche, doch der Lehrer darf weiter unterrichten auch, nachdem Anfang Oktober eine weitere Beschwerde bei der Schulaufsicht aus dem Kreis der Eltern gegen ihn eingeht. "Er leugnet die gegenwärtige Corona-Pandemie und forderte die Schüler auf, keinen Mund-und-Nasenschutz zu tragen", heißt es in dem Schreiben, das dem rbb vorliegt. Und weiter: "Hinweise der Schüler an die Schulleitung blieben bis dato ungehört." Auch diese Beschwerde bleibt zunächst ohne Antwort. Die Schüler fühlen sich indoktriniert durch ihren Lehrer Borrmann, versuchen sich zu wehren, warten vergeblich, dass die Schulleitung das Gespräch mit ihnen sucht. Ende Oktober suchen sie schließlich mit ihrem Anliegen die Öffentlichkeit. Der rbb will den Schulleiter zu den Vorgängen befragen, doch dieser reagiert nicht auf die Anfrage.

Schulverwaltung untersucht den Fall Borrmann

Anders die Senatsschulverwaltung: Es sei eine dienstrechtliche Prüfung gegen Rüdiger Borrmann eingeleitet worden. Wann genau dies geschah, bleibt offen. Die Schulverwaltung will sich dazu nicht äußern.

In der vergangenen Woche hatte bereits die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Vorwürfe gegen die Berliner Schulverwaltung erhoben. "Das ist sicherlich ein Versäumnis der Schulaufsicht, dass hier überhaupt nichts passiert ist", sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann dem rbb. Bezogen auf Rüdiger Borrmann teilt er die Einschätzung der Linken-Politikerin Regina Kittler: "Dass der Kollege immer noch an dieser Schule mit diesen Äußerungen herumlaufen darf, ist ein Problem", sagt Erdmann.

Für seine öffentliche Äußerung erhielt Erdmann massive Kritik aus der Schulverwaltung. Dort wird der Fall Borrmann jetzt auch auf politischen Druck hin geprüft. Nach rbb-Informationen drohen dem Berufsschullehrer dienstrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung. Die Entscheidung darüber soll in den nächsten Tagen fallen.

Sendung: Abendschau, 20.11.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von René Althammer und Olaf Sundermeyer

51 Kommentare

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  1. 51.

    Es geht hier um Berufsschüler, also sind die nicht so klein, dass man einfach so von Schutzbefohlenen reden kann. Es stellt sich auch die Frage, ob die Schüler mit ihrem Ausbildungsbetrieb über das Problem gesprochen haben. Die Betriebe müssten doch eigentlich Druck auf die Schule ausüben können, denn die sind der Vertragspartner für Auszubeutenden und auch für die Berufsschule. ..

  2. 50.

    Lehrer sind Autoritätspersonen und haben die Aufgabe sich aus wissenschaftlichen Quellen zu informieren und die Schüler darüber zu unterrichten. Die Aufforderung keinen Mund-Naseschutz zu tragen, so stand es im obigen Bericht, widerspricht allen derzeitigen Erkenntnissen. Mundnaseschutz verhindert die Verbreitung dieser teilweise tödlichen Atemwegserkrankung. Wissenschaftliche Quellen die Lehrer nutzen sollten sind wissenschaftliche Veröffentlichungen von Forschungseinrichtungen und kein unwissenschaftlicher Nonsens von irgendwelchen politischen Akteuren. Hier fällt auch der Bundesregierung auf die Füße dass sie im Frühjahr ebensolchen Unsinn sagte. Jetzt aber ist das Thema durch: Selbst Nichtepidemiologen kennen mittlerweile genug Veröffentlichungen die sagen wie wichtig Mundnaseschutz ist. Und sogar die Bundesregierung hat dann im Frühjahr eine Kehrtwende gemacht und sagt jetzt das richtige: Mund-Naseschutz verhindert Infektionen.

  3. 49.

    @Maik Kretschmer

    Die Schüler haben sich an den RBB gewandt Und dann ist diese Berichterstattung in Ordnung. Der RBB ist dem nachgegangen, was die Schüler berichtet haben.
    Ich habe den Bericht gesehen. Es ist doch schon schlimm genug, dass die Schüler unkenntlich gemacht werden und die Aussagen nachgesprochen werden mussten. Wer weiß, was da noch gelaufen ist, dass sie so geschützt werden mussten.

    Und Regina Kittler aus dem Abgeordnetenhaus, selbst Lehrerin (Mathe/Physik-ich kenne sie persönlich( sieht das richtig: dieser "Lehrer" hat in einer Schule nichts verloren. Ich bin überzeugt, dass sie da dran bleibt.

  4. 48.

    Man o man, was ist das wieder für eine Hetze hier in den Kommentaren. Mir erscheint eher die Schüler haben den Knall nicht gehört. Sind doch alt genug um sich selber seine Gedanken zu machen um sich einer "GEHIRNWÄSCHE" zu entziehen. Ich bin jedenfalls ein Mensch, der sich auch andere Meinungen anhört. Aber dieses Verständnis wollen viele Kommentatoren nicht aufbringen. Oder sind diese "Hetzer" selber Coronaverleugner und schicken erst mal einen BUHMANN vor? Ich bin zwar zwiegespalten, was Corona betrifft, halte mich aber an die Empfehlungen der Virologen und Verordnungen der obigen Zehntausend.

  5. 47.

    Obwohl ich die Sichtweise von Frau Kittler gegenüber Herrn Borrmann teile, finde ich ihre Wortwahl zum Teil befremdlich. In der derzeit aufgeheizten Debatte, hilft es nicht Corona-Leugner verbal herabzuwürdigen, in dem vom „auf Schüler loslassen“ gesprochen wird, als wäre er ein Hund und kein Mensch. Jemand, der politische Verantwortung trägt, sollte sich seine Wortwahl vorher genauer überlegen.

  6. 46.

    Kündigung sofort! Seit wann ist politische Agitation von Seiten der Lehrerschaft erlaubt? Spätestens mit dem Teilen von Hildmann ERgüssen müsste der doch raus sein. Mal abgesehen von der Gefährdung seiner Schutzbefohlenen.
    Schade, das die Schüler lernen mussten, das der Schutz von Kollegen wichtiger ist, als die Gesundheit der Schüler.

  7. 45.

    Hab' mir meine eigene Meinung gebildet, also verwirren sie mich nicht mit ihren Fakten.
    Suchtipp des Tages: alufolie sonderangebote

  8. 44.

    Was für ein Quatsch, der Typ hat seine Stellung mißbraucht um abhängige Schüler zu indoktrinieren und wer ernsthaft glaubt "diese Artikel (sein) hier als Abschreckung der Bevölkerung" gesacht ist min. genau so verbohrt wie der Typ.

    Es ist immer erstaunlich auf welche abwegigen Ideen Covidioten und sonstige Alu.-hutträger kommen.

  9. 43.

    Könnte es sein, dass Sie das ernst meinen. Damit lehnen Sie Rechtsstaatlichkeit ab. Sie wären nicht besser.

  10. 42.

    Liest man die beiden Beiträge von RBB von Sundermeyer muss man sagen, rechtlich betrachtet sind die Vorwürfe dünn. Es gibt nirgends belegte originäre Zitate des "Beschuldigten". Warum GEW Erdmann für seine öffentlichen Mutmaßungen "Das ist sicherlich ein Versäumnis der Schulaufsicht" sich massive Kritik aus der Schulverwaltung einfängt, dürfte mit Vorgenanntem in Zusammenhang stehen.

  11. 41.

    Vor den Sommerferien gab es an der Schule noch keine Maskenpflicht. Die wurde erst im September/Oktober auch im Unterricht eingeführt.
    Insgesamt war die Lage vor den Sommerferien sehr diffus, die Hälfte der Deutschen dachte es wäre vorbei mit Corona ... Wenn der Schulleiter nach den Sommerferien im August die Schulaufsicht informiert hat, dann hat er alles richtig gemacht.

  12. 40.

    Nachtrag: Außerdem sind Schulleiter/innen die Arbeitgeber-Pflichten aus dem Arbeitsschutzgesetz übertragen. Er war damit unmittelbar in der Pflicht, sein Personal vor einem Maskenverweigerer, der damit "angibt", dass er mit seinem Corona-positiven Sohn in häuslicher Gemeinschaft lebt, und den damit verbundenen Risiken zu schützen - und das nicht erst nach Monaten, sondern sofort nachdem er davon Kenntnis erlangt hatte.

  13. 39.

    Ein/e Schulleiter/in ist einfache/r Vorgesetzte/r der Lehrer/innen und hat die Rechtsaufsicht über das pädagogische Personal. In dieser Verantwortung bei so massiven Rechtsverstößen nur "dienstliche Gespräche führen" und erst nach Monaten die Schulaufsicht einschalten wäre absolut nicht das, was man einwandfreies Verhalten nennen könnte. Vielleicht nicht jede Kritik hier in den Kommentaren ist zielführend, aber Kritik muss er sich wohl gefallen lassen.

  14. 38.

    Ist es Zufall,...."
    Nö, das ist kein Zufall. Die Mehrheit hier ist nur durch eigene Bewertung der Situation zu einem rationaleren Urteil gekommen als diejenigen, die für sich in Anspruch nehmen selbst zu denken.
    Und diese"Selbstdenker" werden sich damit abfinden müssen, daß es Menschen, und die sind gottseidank die überwiegende Mehrheit, die zu einem Ergebnis kommen, welches nicht so ganz in die selbstreferenzielle Youtubeblase passt.

  15. 37.

    Sicherlich dürfte er dann auch nicht weiter unterrichten, ABER es würde mit dem ganzen Fall anders umgegangen werden.
    Mich stört einfach, dass ein Teil der Foristen hier schon am Sammeln von Holz für den Scheiterhaufen ist, der Fall aber anders liegen könnte. Denn nach Corona wollen wir uns ja noch alle in die Augen sehen können.

  16. 36.

    Die Schelte gegen den Schulleiter ist nicht gerechtfertigt.
    Zwischen März und Anfang der Sommerferien fand kaum Unterricht statt. In dieser Zeit wird der Schulleiter mit Borrmann dienstliche Gespräche in der Sache geführt haben. Nach dem nach den Sommerferien keine Verhaltensänderung zu erkennen war, hat er im August die Schulaufsicht informiert. Das ist ein vollkommen korrekter Ablauf in der Sache.

  17. 34.

    Ist es Zufall, dass die Kommentare hier sehr einseitig sind? Sind sich wirklich alle Rbb24-Leser einig in der Beurteilung dieses Falls?
    Ich finde es sehr erschreckend, wie über anders Denkende geurteilt wird. Und gerade das Thema Corona gibt viel Anlass, selbst zu recherchieren und sich nicht an vorgefasste Meinungen zu klammern. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung und konsumieren sie Nachrichten nicht wie jedes andere Produkt, dass ihnen angeboten wird.
    Ich verstehe diese Artikel hier als Abschreckung der Bevölkerung, selbst zu denken und der Regierungsmeinung kritisch gegenüberzustehen. Die eigentliche Botschaft hier ist: "Seien Sie unkritisch und wenn Sie doch Kritik äußern wollen, lassen Sie es sein. Es könnte Ihnen den Job und damit Ihre Existenz kosten."

  18. 33.

    Ihre Kritik am rbb kann ich nicht nachvollziehen. Er hat versucht seine Schüler zu beeinflussen. Er wollte keinen Diskurs über das Thema- was nicht mal sein U-Fach gewesen wäre . Er wollte sie an seine private Meinung binden. Darüber hinaus, ist er auch noch als Kontaktpers. 1.Grades ohne MNS zum Unterricht erschienen.
    Die Schüler und dann auch Eltern haben sich zurecht beschwert -aber nicht öffentl. Erst als auch nach Monaten weder Schulleitung, noch Schulverw., -Ausicht ihren Pflichten nachgekommen sind (und dafür gehören die meiner Meinung nach auch diszipliniert) haben die Schüler den rbb informiert. Hätte auch viel früher sein können. Das durch die Berichterstattung hier politischer Druck aufgebaut wird ist richtig -anders scheint es ja nicht zu gehen. Die Medien werden nicht umsonst 4. Gewalt genannt -sie decken sowas auf, machen es allen bekannt und sorgen so damit, dass auch was passiert. Und das ist wichtig. Der Typ hat sich wenn, doch selber an den Pranger gestellt.

  19. 32.

    Sofort entlassen und am besten noch wegsperren.

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