Archivbild: Der Publizist Jürgen Todenhöfer am 24.06.2015 in Wien (Bild: dpa/Georg Hochmuth)
Bild: dpa/Georg Hochmuth

Austritt aus der CDU - Todenhöfer will mit "humanistischer" Partei zur Bundestagswahl antreten

Bestsellerautor und Friedensaktivist Jürgen Todenhöfer gründet seine eigene Partei. Gleichzeitig tritt er aus der CDU aus, die er als "Karikatur ihrer selbst" bezeichnet. Am Donnerstagabend warb er vor dem Brandenburger Tor für seine Ziele.

Der langjährige Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer hat am Donnerstag seinen Austritt aus der CDU und die Neugründung einer Partei angekündigt. Zugleich rief er auf seinem Facebook-Kanal zu einer "Auftaktveranstaltung" am Brandenburger Tor in Berlin auf, mit maximal 1.000 Teilnehmern. Corona-Regeln zu Masken und Abstand würden dort eingehalten, versicherte er.

Auf der Veranstaltung kündigte Todenhöfer am Donnerstagabend an, seine Partei mit dem Namen "Team Todenhöfer" wolle bereits zur Bundestagswahl im nächsten Jahr antreten. In seiner Rede übte er massive Kritik an der Bundesregierung. Sie agiere jenseits der Realität und sei nicht mehr vertrauenswürdig, so Todenhöfer. Er werde sich für ein Verbot von Großspenden an Parteien einsetzen und sozial Schwache fördern.

Zugleich betonte Todenhöfer, in seiner Partei werde es "keinen Platz für Antisemiten, Islamhasser und sonstige Rassisten" geben. Seine Partei gehöre auch nicht zum Kreis der Corona-Leugner, er nehme die Corona-Pandemie ernst, so Todenhöfer.

Todenhöfer: "CDU ist Karikatur ihrer selbst"

Todenhöfer begründete seine Entscheidung gegenüber der dpa insbesondere mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr, die er entschieden ablehnt. Die CDU sei "nur noch eine Karikatur ihrer selbst", ihre "wirtschaftspolitische Kompetenz ist verblasst, ihr Einsatz für Frieden in der Welt Vergangenheit", erklärte Todenhöfer. Ziel seiner Parteineugründung sei nun eine "gewaltfreie humanistische Revolution".

Angesprochen auf sein Alter sagte der 80-Jährige den Funke-Zeitungen: "Ich spiele jede Woche Fußball, steige auf die höchsten Berge Südtirols und bin immer noch sechs Jahre jünger als Kanzler Konrad Adenauer zum Ende seiner Amtszeit." Neben ihm solle es aber überwiegend junge Aktivisten geben, es werde die "jugendlichste und weiblichste Partei" sein.

18 Jahre im Bundestag

Todenhöfer war 50 Jahre lang CDU-Mitglied. Dem Bundestag gehörte er von 1972 bis 1990 an, unter anderem als entwicklungspolitischer und als abrüstungspolitischer Sprecher der Union. Zudem war er als Medienunternehmer aktiv, unter anderem war er 22 Jahre lang stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Burda-Konzerns.

Bekannt wurde Todenhöfer vor allem durch seine Reisen nach Afghanistan - auch während der sowjetischen Besetzung - sowie in arabische Länder, darunter in Gebiete der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat". Er schrieb mehrere Bücher über den Nahen und Mittleren Osten, allerdings waren seine Thesen häufig umstritten.

Sendung: Abendschau, 12.11.2020, 19:30 Uhr

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38 Kommentare

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  1. 38.

    Warum eine neue Partei gründen ? Mit seiner pazifistischen Haltung wäre er ein großer Sympathieträger bei den Grünen geworden. Er würde doch sehr gut zu den Grünen passen.

  2. 37.

    Konkurrenz belebt das Geschäft, werter Herr Todenhöfer. Immerhin könnte er den Altparteien doch die eine oder andere Stimme abtrotzen – und Selbige damit etwas ärgern.

  3. 36.

    Gibt es einen Beleg für Ihre in einem Nebensatz untergeschobene Aussage, Hr Todenhöfer meine nichts bewirkt zu haben?

  4. 35.

    Ob der Herr eine Partei gründet, oder in Bayern fällt ein Baum um ist fast das gleiche. Wenn ich solange in der Politik war und meine nichts bewirkt zu haben, stimmt doch etwas nicht. Mit 80 eine neue Partei grüneden? Oder ist das Altersstarrsinn?

  5. 34.

    Tatsächlich ist das wohl der fraglichste Punkt an der Parteigründung von Hrn Todenhöfer und an Parteienvielfalt überhaupt: Erleichtert sie die praktische Entwicklung und Repräsentation dessen, was unterschiedliche Menschen wollen? Oder erschwert Parteienvielfalt diese "demokratische Willensbildung"? Oder ist sie dafür gar irrelevant? - Ich denke, Ziel muss zunächst sein, innerhalb von bestehenden Parteien Themen zu diskutieren, Ideen zu entwickeln, Ideen zu bewerten - und Vorschläge für die konkrete Umsetzung zu schaffen. Problematisch ist aber immer, dass auch in Parteien Machtmenschen die Oberhand haben, die solche Diskussionen dominieren. Man sollte also zunächst unbedingt versuchen, solche Dominanzen zu reduzieren und eine offenere, weniger vorurteilsbelastete Diskussionskultur zu erreichen - innerhalb wie außerhalb von Parteien.

  6. 33.

    Zur unseren Geschichte gehört auch Links Aussen, und die hat sich nach dem Krieg gefreut, siehe DDR.
    Bedenkt niemand, dass es die auch noch gibt?

  7. 32.

    Hübsches kleines Paradoxon ham Sie da gefaltet, Hr Krüger: Ich stelle Ihre Aussage unbefangen, aber dennoch interessiert in Frage - und Sie reagieren darauf, indem Sie meine Frage als Beweis mangelnden unbefangenen Infragestellens (ab)werten... Wenn man etwas kritisiert sollte man wenigstens andeuten, ob und ggf welche Alternative es gibt. Sonst fällt trotz vieler Worte irgendeinem auf, dass die Aussage eigentlich einfach platt ist: "Parteien sind nutzlos" sagen Sie m.E. im Kern, und das halte ich für genauso flach wie wenn z.B. jemand einfach nur sagte "KFZ sind doof".

  8. 31.

    "Aus unserer Geschichte lernen heißt auch, umso mehr sich die"großen Parteien zersplitten, umso mehr freut sich alles, was Rechts Aussen steht.
    Bedenkt wohl niemand?!!"

    Das ist mir auch als erstes eingefallen...Weimar lässt grüßen.

  9. 30.

    Humanistisch wäre alle die 35 Jahre lückenlos gearbeitet haben sofort in Rente zu schicken und die Faulpelze und Frührentner arbeiten zur lassen. Wenn das das Wahlprogramm der "humanistischer" Partei ist, wähle ich sie.

  10. 29.

    Komplexere Sachverhalte lassen sich gerade nicht in einfachen, glatten Sätzen beschrieben. Damit will ich nicht dienen. Verstanden haben Sie es ja trotzdem.

    Ich habe mich nicht gegen das Parteiwesen ausgesprochen, nur seine "Lösungskompetenz" in Zweifel gezogen. Bevor wieder einmal Forderungen erhoben werden, sollte erst einmal etwas in Frage gestellt werden. Daran, an diesem unbefangenen In-FRAGE-Stellen, herrscht m. E. schon ein Mangel. Das zeigt mir, pardon, auch Ihre Reaktion. Mittlerweile werden auch die allerletzten Tabus in Zweifel gezogen, was ich persönlich schade finde, das allergrößte Tabu scheint mir allerdings das Parteiwesen zu sein.

    Einfach mal recht unbefangen gesagt und geschrieben.

  11. 28.

    Halleluja! Noch eine Konkurrenzpartei im links-grünen Spektrum. Bin hoch zufrieden dass sich diese Klientel weiter partikuliert.

  12. 27.

    Es ist immer dasselbe. Wenn jemand auftaucht, der das System kritisiert, wird er diffamiert. Wenn er jetzt noch Anhänger findet werden Feindbilder entwickelt. Da könnte ja die AfD noch zum Sympathieträger der SPD werden.

  13. 26.

    Es geht doch nichts über einen sachlichen Kurzbericht ohne nichtssagende Parolen. Danke, Suad!

  14. 25.

    Er ist schon seit über 50 Jahren in der Friedensbewegung. Hatte sich in der CDU, aber damit nicht beliebt gemacht und dadurch immer Kritik einstecken müssen.

  15. 24.

    "Die Gazaner leben im weltgrößten Konzentrationslager". Derlei Aussagen gelten als Holocaust-Relativismus..."

    Sorry, aber ich weiß nicht auf welche Landkarte sie blicken, aber Stand 2020 ist Gaza, von Israel komplett von meterhohen Mauern umschlossen und der Seeweg durch die Seeblockade nicht nutzbar. Dort herrscht größte Armut und internationale Hilfe werden nicht zugelassen. Die Definition von Konzentrationslager können sie ja im Genfer-Abkommen nachschlagen. Unter anderem könnte das kleine Latinum ebenfalls dafür ausreichen. Sie werden feststellen, dass die Definition auf die Gazaner eindeutig passt und das sie bei Konzentrationslager nur an Holocaust denken, ist Ihre beschränkte Wahrnehmung. Und nach all dem eine letzte Frage was bitte zum Teufel haben die Gazaner mit dem Holocaust zu tun? Und was hat die Forderung der Durchsetzung der Zwei-Staaten-Lösung nach UN-Resolution bitte damit zu tun, ein Anti-Semit zu sein?

  16. 23.

    Womit sie dann mit m.E. etwas umständlichen Worten die Parteiendemokratie als eigentlich unnötig beschreiben; verstehe ich Sie da richtig? Welche Alternative sehen Sie und wie sieht die aus? (Bitte in möglichst einfachen Sätzen.)

  17. 22.

    Was für ein analytischer Quatsch - Ihnen ist bewusst, dass die Rüstungsausgaben in Deutschland seit 2007 stetig gesteigert wurden - mittlerweile auf über 50 Milliarden US Dollar? Und von den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Mali, Sudan, Afghanistan, Somalia, Libyen, dem Mittelmeer und dem Syrien/Irak haben Sie auch schon gehört oder? Von den Waffenexporten fange ich gar nicht erst an... Mir ist nicht ganz klar, wie Sie dann genau "pazifistisch" definieren. Das Wettrüsten ist doch schon längst wieder im Gang und was daran heutzutage sinnvoller sein soll, als zu Zeiten des kalten Krieges erschließt sich mir nicht.

  18. 21.

    Jede Parteigründung - gleich auch welche - ist dem Denk- und Handlungsansatz geschuldet, dass Veränderungen vor allem Veränderungen per technischem Hebel seien, der nur oft genug umgelegt werden müsse, damit so etwas wie ein berechenbarer Erfolg einträte.

    Selber glaube ich nicht daran.

    Vielmehr sind die grundlegendsten Veränderungen sowohl in diesem Land als auch in Europa kulturelle Veränderungen, weit mehr abseits von Parteien als ausgesprochen und bewirkt durch Parteien. Die (Bündnis-)Grünen sind bei dem ersten Höhepunkt der Ökologiebewegung entstanden, nicht, dass sie die Ökologiebewegung erschaffen hätten. Die Wertschätzung jahrhundertealter Baukultur war viel mehr ein wertkonservatives Anliegen außerhalb von Parteien, weil sich bspw. die CDU/CSU als "Junkie" der hohen Wirtschaftszahl erwies, denn als als Bewahrender überlieferter Kultur, die unter ihrer Ägide genauso abgeräumt wurde wie unter anderen politischen Vorzeichen.





  19. 20.

    Schön, dass Sie den Bogen zur AfD noch hingekriegt haben. Ich sehe zwar keine Bezugspunkte hierfür zu dem doch eher linksgrünen Träumer Todenhöfer. Doch, einen gemeinsamen Punkt sehe ich doch, auch die AfD ist gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

  20. 19.

    Es war nicht nur eine Schnappsidee, es kam einem vor wie auf einer AfD-Kundgabe. Nationalstolz, Hetze gegen die Regierung, Infragestellen der Meinungsfreiheit und der Demokratie.
    Dazu Selbstverherrlichung vom Feinsten. Das war ein lächerliches Debakel.

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