Kevin Kühnert, der scheidende Bundesvorsitzende der Jusos, reibt sich am 28.11.2020 bei seiner Rede beim Online-Bundeskongress der Jungsozialisten (Jusos) im Willy-Brandt-Haus die Tränen aus den Augen. (Bild: dpa/Kay Nietfeld)
Audio: Inforadio | 28.11.2020 | Evelyn Seibert | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Digitaler Bundeskongress - Kühnert nimmt unter Tränen Abschied vom Juso-Vorsitz

SPD-Vize Kevin Kühnert hat sich am Samstag mit einer emotionalen Rede aus dem Amt des Juso-Chefs verabschiedet. Er forderte seinen Verband dabei auf, am linken Kurs festzuhalten.

"Es hat mir bombastischen Spaß gemacht", betonte er unter Tränen beim digitalen Bundeskongress der Jungsozialisten. Die Jusos rief er auf, sich nicht kleinmachen und unterkriegen zu lassen. "Lasst euch nicht erklären, dass die Debatten nicht wichtig sind", forderte er.

Kühnert will in den Bundestag

Kühnert tritt nach drei Jahren vorzeitig als Juso-Chef zurück, weil er im kommenden Jahr in den Bundestag einziehen will. Der Berliner will im Bezirk Tempelhof-Schöneberg für die SPD antreten.

Die Parteichefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans bedankten sich für seine Unterstützung bei ihrer Wahl vor einem Jahr und bei der Profilierung der SPD. "Du hast als Gesicht der Jusos die Jusos auf eine neue Art in das öffentliche Bewusstsein zurückgebracht", sagte Walter-Borjans. Selten zuvor hätten Juso-Positionen so stark auf die Partei eingewirkt. "Du bist unglaublich präsent und du bist auf eine unglaublich konstruktive Art auch umstritten."

Kühnert wirbt für linken Kurs der Jusos

Kühnert rief die Jusos auf, an ihrem linken Kurs festzuhalten. Gerade in der Corona-Krise zeige sich, dass sich viele ihrer jahrealten Forderungen umsetzen ließen: die Aussetzung der Schuldenbremse, hohe staatliche Investitionen, Jobgarantien durch ein ausgeweitetes
Kurzarbeitergeld, mehr Schulbusse am Morgen. "Warum soll das eigentlich nur in Krisenzeiten möglich sein?", fragte Kühnert. Viele Menschen müssten jetzt zähneknirschend eingestehen, dass die angeblich utopischen Ideen der Jusos gar nicht so abwegig seien. Kühnert bekräftigte in diesem Zusammenhang die Forderung nach höheren Steuern für Vermögende.

Der 31-jährige beschrieb in seiner Rede die Aufgabe der Jusos: Sie seien kein Debattierclub, sondern wollten Einfluss nehmen auf politische Entscheidungen. Dabei sei es ihnen in den vergangenen Jahren auch darum gegangen, die Parteien aufzurütteln, die sich alle zu sehr in der Mitte des politischen Spektrums versammelt hätten und sich alle irgendwie einig seien. "Als Antwort auf unsere Vorschläge will ich nicht hören 'Mann, seid ihr verrückt', sondern ich will Gegenvorschläge hören", betonte er.

Die Jusos seien häufig mehr am Puls der Zeit gewesen, als viele realisiert hätten. Viele ihrer Vorschläge seien zunächst nicht ernst genommen worden, würden inzwischen aber in der SPD ernsthaft diskutiert - etwa ein fahrscheinloser Nahverkehr. "Mehr auf Jusos zu hören, heißt häufig auch früher zu merken, wo brenzlige politische Debatten anstehen", sagte er.

Jessica Rosenthal als Nachfolgerin vorgesehen

Die Jusos wollten am Samstag die Briefwahl zur Nachfolge Kühnerts anstoßen. Einzige Kandidatin ist die frühere nordrhein-westfälische Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal. Das Ergebnis der Abstimmung soll am 8. Januar bekanntgegeben werden.

Rosenthal warnte die SPD vor einem allein auf den designierten Kanzlerkandidaten Olaf Scholz zugeschnittenen Bundestagswahlkampf. "Ich will keine Kampagne sehen, in der es imme nur um einen einzigen Menschen geht", sagte die 28-Jährige den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). "Olaf Scholz ist klar, dass er Angebote an die Jusos und junge Menschen machen muss. Die fordere ich ein." Die Jusos wollen mehrere Forderungen auch im Wahlprogramm der SPD unterbringen. Dazu gehört etwa eine staatliche Garantie auf einen Ausbildungsplatz und eine Jobgarantie.

Sendung: Inforadio, 28.11.2020, 15 Uhr

23 Kommentare

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  1. 23.

    Mit ehemaligen Juso - Vorsitzenden hat die SPD in der Spitzen - Politik keine gute Erfahrungen gemacht, das beste Beispiel ist der Altbundeskanzler Schröder.

  2. 22.

    Politiker, die über Mrd € und die Lebensplanken von Mio Menschen entscheiden, müssen in meinen Augen Berufs- oder Studienabschlüsse vorlegen können! Um ganz einfach ihrer Verantwortung und vorbildfunktion gerecht zu werden!
    Bildung hat noch niemanden geschadet, wenn man diese nachweist...noch besser
    Klein Kevin dagegen hätte nirgendwo ernste Chancen in den Bundestag einzuziehen...ausser hier in Berlin

  3. 21.

    "Schade, dass die Zeiten von Brandt, Schmitt, selbst Schröder vorbei sind. Was haben wir jetzt? "
    Tja, ich glaubs nicht, ich muss Ihnen zustimmen.

    Manche sagen, "Früher war alles besser?" - Weiß nicht - aber zumindest lustiger und z.T. ehrlicher.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article106612062/Parlament-der-Eierkrauler-Hodentoeter-Uebelkraehen.html
    Bei YT gibt es sogar "Best of..." dazu. Wie die Dinger wohl in ein paar Jahren bzgl. der heutigen Politiker aussehen mögen?

  4. 20.

    Mir sind Typen wie Kühnert mehr als unsympathisch, die selber im Leben nichts auf die Reihe gebracht haben, aber mit viel Neid und extrem großer Klappe nach den erarbeiteten Werten anderer schielen und greifen wollen. Solche Typen vertreten nicht mich als Arbeitnehmer sondern ausschließlich sich selbst im leistungslosen Vorankommen. Es mangelt in der Politik heute schlicht an Leuten, die wissen was sie bewirken, wenn sie über das Leben der kleinen Leute bestimmen, diese immer mehr belasten zu Gunsten derer, die nichts bis wenig zur Gesellschaft beitragen.

  5. 19.

    Nein, es geht nicht um einen Abschluss oder akademischen Grad. Aber wenn mir so ein Bürschchen erklären will, wie das Leben läuft ohne Erfahrungen im Berufsleben, da wird mir einfach übel. Dazu kommt dann noch der Satz " Wir müssen den Bürgern erklären, die Basis mitnehmen". Selber nichts auf die Reihe bekommen und den Menschen, die schon jahrzehntelang arbeiten etwas erklären wollen.

  6. 18.

    Der Kühnert hat keinerlei Fachausbildung. Das kann man kompensieren: Minestens 2 Jahre bei Tesla in Fangschleuse / Freienbrink im 3-Schichbetrieb. Da verschwinden die Tränen ganz schnell und werden zu Schweißperlen. Wer in der DDR zu dämlich war ging zur Polizei oder wurde FDJ-Sekretär und war alsbald in der SED. Den Lohnarbeiter sagte man damals: Der Sozialismus will, dass es allen Bürgern gut geht. Kühnert wäre in der DDR absoluter Senkrechtstarter geworden.

  7. 17.

    Sie sehen, wie leidenfähig wir Bürger seien können.
    Nicht nur Studienabbrecher und gescheiterte Existenzen, die in der Politik ihr Heil sehen (wo sonst kann man sinnfreien Gequatschte Geld verdienen)oder Studierte, die mit kopierten Doktorarbeiten nach höheren politischen Weihen greifen.
    Und Kühnert will die Geschichte wiederholen, die 1946 geschrieben, vollzogen und gescheitert ist: den Zuammenschluss derSPD mit den SED-Linken. Eine andere Chance hat die langsam untergehende ehemalige Arbeiterpartei SPD nicht mehr.
    So wird Kühnert als Messias gefeiert, wie eben die letzte Hoffnung Giffey in Berlin.
    Dass das nur Blender sind, wird die SPD sehen, wenn sie selbst von der AfD überholt wird. Im Bund ertragbar, in Berlin ein schrecklicher Gedanken, wenn die Grünen und SED-Linke die Stadt für ihre politischen Experimente missbrauchen.

  8. 16.

    Mir kommen auch die Tränen wenn ich sehe das der kleine Kevin in die große Politik will und mir das arbeitende Leben erklären will.
    Ich hoffe nur das er nicht damit durch kommt. Ich komme aus der DDR und will sie nicht mehr zurück im Gegensatz zum Kevin.
    Bitte lieber Gott lass das Leben wenigstens einmal gerecht sein-

  9. 15.

    Alberne inhaltslose Kommentare sind ja hier viele zu lesen, "Ick find den doof, sag aber nich warum, is son Jefühl..."
    Aha, ok.
    Ich jedenfalls beglückwünsche Kevin für seine progressive Arbeit in den letzten Jahren und wünsche ihm viel Erfolg für seine Zukunft im Bundestag.

  10. 14.

    Herr Kühnert ist jemand, der nie einer sozialversicherungspflichtigern Beschäftigung nachgegangen ist, nie wirklich etwas gearbeitet hat.
    Warum sollte ich mir als arbeitender, im Leben stehender Mensch erklären lassen, wie das wahre Leben funktioniert?
    Er kann gerne so leben, wie er möchte, aber bitte mich nicht belehren und nicht auf meine Kosten.

  11. 13.

    Es wird baklagt das in Parlamenten fast nur noch Akademiker " sitzen ", weil sie fern ab von Durchschnitt stehen.
    Als Alternative Politiker zu haben ohne Berufsausbildung und Berufsleben ist noch besorgniserregender.

  12. 12.

    Schade das man diesen Politclown noch weiter ertragen muss

  13. 11.

    Herr Kühnert sollte erstmal richtig arbeiten gehen.
    Wir brauchen endlich wieder Politiker/innen die erstmal richtig gearbeitet haben, da nur so jemand in der Lage ist Entscheidungen für die Stadt zu treffen.
    Nur mit theoretischen Wissen, fehlt Grundsätzlich die Übersicht.

  14. 10.

    Mir kommen auch immer die Tränen, wenn ich Kommentare wie Ihren hier lese und mich freue, dass sich die Zeiten geändert haben und man auch jenseits vom Schema F ein Leben führen kann. Freudentränen also.
    Und ein wenig tun Sie mir Leid, dass Sie sich über anderer Leute Ausbildung Gedanken machen müssen. Sie scheinen inhaltlich ja keine Auseinandersetzung über Herrn Kühnert führen zu können. Vielleicht müssen Sie das erst noch lernen. ;)

  15. 9.

    Danke Herr Glaudino. Das war auch mal dringend nötig. Ich kann diese ewige Leier über K.Ks. abgebrochener Ausbildung etc. echt nicht mehr hören. Er hat sich nun mal früh für den Werdegang innerhalb der Politik entschieden. Und ich finde, er macht seine Arbeit bisher ganz gut. Im Gegensatz zu manch anderen Parteigenossen in der sPD. Dafür habe ich ein arges Problem mit Herrn Saled. Diesem Typen traue ich keine zwei Meter übern Weg.

  16. 8.

    Hoffentlich wird Kühnert keinen großen Einfluss mehr in der SPD haben. Auf mich wirkte er immer wie ein Selbstdarsteller. Seine "linken" Ideen hingegen wirken keinesewegs modern, wie im Beitrag suggeriert, sondern eher aus der Zeit gefallen und viel zu Extrem.
    Man erinnere sich nur am seinen Vorstoß zur Verstaatlichung von Großkonzernen wie BMW.

  17. 7.

    Na vielleicht sind Herrn Kühnert auch deshalb die Tränen gekommen, weil ihm beim Reden bewusst wurde, dass dies seine letzte Büttenrede war.
    Mir wird jeden Tag um die Ohren gehauen, was die Leute so alles ab Schule aufwärts gelernt hätten/sollen. - Begriffen haben sie was?
    Ist auch (sie entschuldigend)kein Wunder: Wenn man heute trotzdem Abi besteht, obwohl man durch die schriftliche Matheprüfung gerauscht ist und damit basta.
    https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-die-reifepruefung-100.html
    ZU meiner Zeit hätte man das Freilos für Mathe mündlich automatisch gezogen!
    Der Wertekanon unserer Gesellschaft ist NICHT zukunftssicher.
    Wozu brauch ich "Volksvertreter", die mir und vielen neben mir in der Ausbildungsstufe nicht mal das Wasser reichen können?
    Müssen wir uns dafür entschuldigen, weil wir etwas zu Ende gebracht haben bzgl. Bildung, tags gearbeitet und nebenher Fernstudium? Ein Steuerabschreibungsmodell war es jedenfalls nicht, im Vertrauen gesagt.

  18. 6.

    Gerd Glaudino - Im Gegenteil, ich erkenne nicht nur Doktoren an sondern ich vermisse in der Politik, nicht nur in der SPD, Menschen die sich ihre Hände schmutzig gemacht haben oder machen, die von anpacken wissen und ihren Mund aufmachen. Darunter leidet auch die Politik in den Niederlanden, wo ich wohne. Des wegen gehen immer weniger zur Wahl.

  19. 5.

    Schade, dass die Zeiten von Brandt, Schmitt, selbst Schröder vorbei sind. Was haben wir jetzt?
    Jammerlappen, Kopiererinnin, Bedeutungslose, Servile, Emporkömmlinge, Selbstdarsteller, Schwätzer, Karrieristen, ...
    Das man auf so etwas hoch blickt - die Zeiten sind schon längst vorbei. Dafür hat die SPD schon selbst gesorgt.
    Ja, da kann man sich schon als etwas Besseres fühlen.

  20. 4.

    Kühnert hat genau das gemacht, was seit eh und jeh von einem Juso-Vorsitzenden erwartet wird: er hat einmal "Sozialismus" gesagt und einmal "Enteignung", die bürgerliche Presse hat aufgeheult, und zwei Jahre später ist er abgetreten. Tschüss, der nächste bitte!

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